Das japanische Militär hat damit begonnen, die 20-Kilometer-Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zu dekontaminieren. Etwa 900 Soldaten der Selbstverteidigungsstreitkräfte sollen in vier Orten in der Provinz Fukushima öffentliche Gebäude mit Hochdruckstrahlern reinigen und radioaktiv belastete Erde abtragen. Die Gebäude in den Ortschaften Namie, Naraha, Tomioka und Litate sollen künftig als Stützpunkte für weitere Reinigungsarbeiten dienen, die die Regierung im Januar fortsetzen will. Der Einsatz der Streitkräfte ist auf etwa zwei Wochen angelegt.

Seit dem GAU in drei Reaktoren der Atomanlage an der Nordostküste haben Bewohner und private Firmen im Auftrag der Behörden viele Ortschaften bereits dekontaminiert. Diese lagen alle außerhalb des Sperrgebiets . Vor allem in und um Schulen, Kindergärten und öffentlichen Einrichtungen wurde Erde abgetragen, Häuser und Gebäude abgewaschen. Die Arbeiten sind durchaus effektiv und verringern die Strahlenbelastung mitunter dramatisch. Allerdings fällt tonnenweise Müll an. Bis heute gibt es keine Deponie, um die belasteten Abfälle sicher zu verarbeiten und einzuschließen.

Aus diesem Grund vergruben die freiwilligen Reinigungskräfte und Behörden belastete Erde zum Teil dort, wo sie sie abgetragen hatten – auch auf vielen Schulhöfen. Zwar sinkt dadurch die Strahlung oft auf Werte, die auch natürlich vorkommen können, doch die Sorge von Eltern und Schulleitern mindert dies kaum.

Nur wenig Radioaktivität gelangt noch in die Atmosphäre

Nun sollen Japans Selbstverteidigungsstreitkräfte auch Ortschaften dekontaminieren, die innerhalb der Sperrzone liegen. Nachdem Explosionen die Außenhüllen von vier der insgesamt sechs Reaktoren der Anlage Fukushima-1 zum Teil verwüstet hatten, gelangten große Mengen radioaktiver Teilchen in die Umwelt. Die Partikel verteilten sich dabei sehr ungleichmäßig. Je nach Wetter- und Windlage wurden sie teilweise deutlich weiter als 20 Kilometer getragen. Die bergige Landschaft hielt die Teilchenwolke mancherorts zurück, auch Regen ließ sie auf den Boden sinken. Dadurch sind etwa Städte nahe und innerhalb  des Sperrgebiets zum Teil kaum radioaktiv belastet, wie etwa Minamisoma, dass direkt im Norden am Rande der 20-Kilometer-Grenze vom AKW liegt. Einzelne Städte wie das rund 40 Kilometer von Fukushima-1 entfernte Iitate wurden jedoch stark belastet und gelten als sogenannte Hotspots.

Mittlerweile gelangen nur noch sehr geringe Mengen an Radioaktivität in die Atmosphäre. Der AKW-Betreiber Tepco hat bereits eine Art Zelt über den stark beschädigten Reaktor 1 an der Atomanlage gestülpt. Ähnliche Konstruktionen werden für die Reaktoren 2 und 3 vorbereitet. Den Arbeitern am Kraftwerk macht aber seit Monaten hoch belastetes Wasser zu schaffen, das zur Kühlung der geschmolzenen Kernbrennstoffe verwendet wird. Zwar konnten bereits nach mehreren Schwierigkeiten Wasserreinigungssysteme eingerichtet werden, doch die kurzfristige Lagerung der verseuchten Flüssigkeit ist problematisch.