Es fehlen nur das Gespür für die Stille und der Geruch inmitten der kargen Schotterwüsten , die die meterhohen Wellen hinterlassen haben. Fast genau neun Monate nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan kann sich nun jeder 360-Grad-Panoramafotos der Orte anschauen, in denen die Wellen unzählige Häuser, Autos, Brücken, Deiche, Straßen und Gleise zerstörten. Google hat wochenlang seine Kamerawagen durch die am stärksten betroffene Region Tohoku geschickt. Wer den Street View-Dienst des Konzerns nutzt, sieht nun Bilder vor und nach dem 11. März 2011.

Es sind Orte zu sehen, in denen der gröbste Schutt mittlerweile abgetragen ist, einzelne Gebäude taumeln noch auf ihren Fundamenten. Stark betroffene Hafenstädte wie Rikuzentakata oder Kesennuma lassen sich online besuchen – oder das, was von ihnen übrig geblieben ist. Fast 20.000 Menschen starben an Japans Nordostküste. Ganz exakt sind die Zahlen der Toten noch immer nicht, denn mehr als 3.000 Menschen führen die Behörden offiziell noch als vermisst .

Street View-Fotos tragen nun einen Zeitstempel

Google hat all seine Aufnahmen mit einem Datum am unteren linken Bildrand versehen. So lässt sich nachvollziehen, aus welchem Monat und welchem Jahr der jeweilige Fotoausschnitt stammt. Diesen Zeitstempel tragen auch alle anderen Street View-Fotos, die weltweit aufgenommen wurden, teilte Google in seinem offiziellen Konzernblog mit. Dies sei eins der am meisten nachgefragten neuen Merkmale des Panoramabilddienstes gewesen. Google wolle so Historikern, Architekten, Stadtplanern aber auch Touristenbehörden und einfachen Reisenden zeigen, wie aktuell die Bilder mitunter seien.

Japans Katastrophe - Zeitenwende nach Tsunami und Fukushima Japans Jahrtausendbeben vernichtete hunderttausende Existenzen und führte zum GAU. ZEIT ONLINE-Redakteur S. Stockrahm erzählt im Video von seiner Reise in die Region.

Die Fotos aus Japans Katastrophengebiet sind zudem Teil des Website-Projekts Memories for the Future , das Google online zur Verfügung stellt. Hier lassen sich Aufnahmen von vor und nach 3/11 miteinander vergleichen. 3/11 nennen viele Japaner den Tag des Jahrtausend-Bebens der Stärke 9,0. Mehr als 44.000 Kilometer sollen Googles Kamerawagen in den betroffenen Regionen zurückgelegt haben.

Nur wenige Orte sind nicht fotografiert worden. Dazu zählen auch jene Städte und Dörfer, die sich in einem Umkreis von 20 Kilometern um das Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi befinden. Dieses Gebiet ist aus Sicherheitsgründen – und weil manche Orte hier hohe Strahlenwerte aufweisen – noch immer gesperrt. Am AKW ereignete sich in drei von sechs Reaktoren nach Beben und Tsunami ein GAU. Derzeit versuchen bis zu 5.000 Arbeiter , Kühlkreisläufe für die hochradioaktiven Kernschmelzen und die Kernbrennstäbe in den Blöcken aufrecht zu erhalten. Die ersten Kontrollversuche werden noch Wochen andauern. Die Reaktorruinen selbst müssen zudem jahrzehntelang gesichert werden. Einen Plan gibt es dafür noch nicht.