Weltklimakonferenz Einigung auf Klima-Fahrplan in Durban

Nach langem Ringen auf dem Klimagipfel in Durban steht der Fahrplan zu einem neuen Klimavertrag. Außerdem wird das Kyoto-Protokoll fortgeschrieben.

Die UN-Klimakonferenz in Durban hat Weichenstellungen für die internationale Klimapolitik vorgenommen. Bis zum Jahr 2015 soll ein rechtlich verbindlicher Klimavertrag erarbeitet werden, um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Darauf konnten sich die Länder nach langem Ringen einigen. Weitere Ergebnisse betreffen die Verlängerung des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls.

Das neue Klimaschutzabkommen soll bis 2020 in Kraft treten. Es sieht vier verschiedene Stufen für die Umsetzung der bindenden Ziele vor. Dies war bis zuletzt größter Streitpunkt. Mit dem Abkommen sollen auch große Verursacher von Treibhausgasen wie die USA, China und Indien stärker in die Pflicht genommen werden. "Zusammen haben wir hier positiven Druck ausgeübt auf die, die etwas Druck brauchen", sagte EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard.

Die Fortschreibung des Kyoto-Protokoll dient dazu, die Zeit bis zu einem neuen Vertrag zu überbrücken. Zu dem Kyoto-Prozess bekennen sich aber nur noch Staaten, die lediglich 15 Prozent der Treibhausgas-Emissionen ausmachen. In den vergangenen Jahres war es stets misslungen, rasant wachsende Schwellenländer wie China und Indien zu bindenden Zielen zu bewegen.

Zudem einigten sich die Teilnehmer auf einen Klimafonds, der Entwicklungsländern die Anpassung an den bereits eingetretenen Klimawandel erleichtern soll. Vom Klimawandel besonders betroffene Länder sollen ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar bekommen. Zum Waldschutz gab es keine wesentlichen Fortschritte.

"Wir haben Geschichte geschrieben", sagte Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane, und "einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht". Ziel sei es, den Planeten zu schützen und Kindern und Großkindern eine Zukunft zu geben. Auch Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sprach von einem Erfolg. Es sei richtig gewesen, dass die Europäer hart geblieben seien. Auch die Allianz mit den am wenigsten entwickelten Staaten habe seine positive Wirkung nicht verfehlt.

Die 17. Klimakonferenz war zur Lösungssuche extra um einen Tag verlängert worden, weil die EU keine Kompromisse mehr eingehen wollte. Die Konferenz ließ jedoch offen, ob die nächste Kyoto-Periode bis 2017 oder bis 2020 andauern sollte.

 
Leser-Kommentare
  1. und Papier ist geduldig.
    Wir werden weiter mit großem Aufwand so tun, als könnten wir die Welt retten und die geht weiter den Bach runter, zumal es ja nicht nur das Klimathema gibt, auf dass man sich so gern stürzt.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Dieser Bericht ist leider reiner Verlautbarungs-Journalismus. Die Ûberschrift vermittelt einen Erfolg, den es in Wirklichkeit nicht gibt: Die Staaten e i n i g t e n sich darauf, dass sie sich in den kommenden Jahren einigen sollten. Wahltaktisch motivierte Statements der Politiker wurden im Text unkritisch übernommen. Journalistische Gestaltungskraft (sowohl analytisch als stilistisch) fehlt beinahe vollständig.
    Sehr bedauerlich, wenn sich Zeit-Journalisten derart dem Niveau der Verhandlungen anpassen: Eine ziemlich substanzlose Arbeit bei einer so wichtigen Sache...

    • fhdd
    • 11.12.2011 um 9:46 Uhr

    Symbolische Signale an die Öffentlichkeit sind sicher wichtig, aber leider nur kurzfristig relevant.
    Ich bin ob der jetzt verkündeten Ergenisse sehr skeptisch. Spätestens im US-Präsidentschafts-Wahlkampf oder in einem Jahr, in dem die chinesische Wirtschaft nicht mehr wie prognostitziert wächst, werden sich die größten Verursacher kaum noch an ihre jetzt gegebenen Zusagen erinnern können.
    Vielleicht ist das Modell der Allianz aus EU und den am meisten betroffenen (und armen) Ländern eine taktische Option für künftige Klimapolitik ...

    • Kiira
    • 11.12.2011 um 10:23 Uhr

    "Bis zum Jahr 2015 soll ein rechtlich verbindlicher Klimavertrag erarbeitet werden, um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen."

    Das ist ein lächerlicher Beschluß, weil es auf der ganzen Welt keinen Wissenschaftler gibt, der rechtlich verbindlich sagen könnte, wie viel CO2 die Luft enthalten darf, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. (Oder ist der Artikel einfach nur irreführend geschrieben?)

    Man hätte den CO2-Eintrag festlegen können, wie man das in Kyoto gemacht hat, aber das vermutete Ergebnis dieser CO2-Begrenzung - die globale Temperatur - kann man nicht rechtlich verbindlich festschreiben. Das hängt auch von Parametern ab, die der Mensch gar nicht kontrollieren kann.

    Aber zum Glück weisen einige dieser anderen Parameter in Richtung auf eine Abkühlung in den kommenden Jahrzehnten. Die Sonnenaktivität scheint sich auf eine neue kleine Eiszeit hin zu bewegen. Wenn dann die Ernten schlechter ausfallen, wünschte man sich, CO2 wäre wirklich so klimawirksam wie jetzt befürchtet.

  3. So bitter das klingt, aber die Ergebnisse des Klimagipfels in Durban sind tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung. Denn der Grund, warum verbindliche Erklärungen nur in müheseliger Kleinstarbeit entstehen, ist, dass die Industrienationen heute die Rechnung dafür kriegen, dass sie jahrzehntelang auf Kosten der restlichen Staaten gelebt haben. Denn obwohl die Medien in Deutschland richtigerweise darauf hinweisen, dass Indien und China neben den USA heute hauptverantwortlich für die CO2-Emmissionen sind, so ändert sich dieses Bild schlagartig, wenn man diese Zahlen in Relation zur Bevölkerungsmenge setzt. Dann nämlich muss sich auch Deutschland an die eigene Nase fassen. Auch weisen Delhi und Peking nur allzu recht darauf hin, dass die Hauptlast doch bitte bei denen liegen muss, die über Jahre hinweg das Klima mit Füßen getreten haben.
    Da die Wahrheit wie immer in der Mitte liegt ergibt sie hieraus ein Fortschritt im Schneckentempo. Auch sind die Klimaverhandlungen ein Lackmus-Test für die Europäische Union, da sie offenbaren, wie erfolgreich Europa auf der internationalen Bühne ist, wenn sie keine Unterstützung seitens der USA erfahren. Bleibt zu hoffen, dass sich beide Seiten auf den nächsten Gipfeln einigen können, bevor man irgendwann zu der Einsicht kommen muss, dass es zu spät ist.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hmber
    • 11.12.2011 um 11:42 Uhr

    Aus Ihrem Kommentar klingt unter anderem die Forderung nach Gerechtigkeit. Wenn Sie die Emmission von klimaschädlichen Gasen reduzieren wollen, so hat das nichts mit "alten Verursachern" zu tun, die zu allererst das Klima "retten" müssen, sondern mit der Frage: "Was müssen wir tun, um unser Ziel, möglichst umfassend und schnell zu erreichen. Das ist die Aufgabenstellung. Sonst nichts. Es bringt auch nichts uns selbst zu geisseln und aller Welt zu erklären, dass wir Hauptverursacher der Klimakatastrophe seien. Bisher findet die "Katastrophe nur in den Schlagzeilen einiger Boulevardblätter und -sender und unter der Stammtischhoheit statt. Nahmhafte Wissenschaftler sprechen hier weniger von einer Katastrophe. Und ob das zum Nachteil gereicht, wenn es etwas wärmer wird, wer weiss das schon? Ebenso die Frage was müssen wir tun? Gegenfrage, was machen wir falsch? Wenn wir wieder vor die Zeit der Industriealisierung gehen, haben wir mit der Sicherung unserer Ernährung so viel zu tun, dass wir uns mit derartigen Fragen überhaupt nicht beschäftigen können. Wir müssen uns Ziele setzen, die wir erreichen wollen und auch können. Und zwar alle, nicht nur Deutschland. Das hat einen bitteren Beigeschmack, wir sind nicht die "Gutmenschen" und alle anderen begreifen nicht um was es geht. Es wäre vielleicht sinnvoll aus der Opfer und selbstbezichtigten Täterrolle auszusteigen und Vernunft einkehren lassen. Das Anbeten des Regengottes hat zu früheren Zeiten schon wenig gefruchtet.

    ... aber es ging mir ohnehin weniger um Selbstgeißelung, als mehr darum sich mit den Sichtweisen der Schwellenländer, insbesondere Chinas und Indiens auseinanderzusetzen. Es ist nur logisch, dass man die CO-2 Emmissionen nur in den Griff bekommt, wenn sich auch die Staaten an Vereinbarungen beteiligen, die aktuell Hauptverursacher eben jener Emmissionen sind. Ich habe Sie so verstanden, dass Sie meine Argumentation als etwas naiv abstempeln, allerdings kann ich dies nur an Sie zurückweisen. Denn "was müssen wir tun, um unser Ziel, möglichsr umfassend und schnell zu erreichen?" Sie tun so, als ob Durban der erste Klimagipfel sei. Es reicht eben nicht, dass man China, Indien, Brasilien etc. die nackten Zahlen präsentiert und an deren Vernunft appelliert. So funktioniert die Internationale Politik nicht. Wie bereits erwähnt ging es mir in erster Linie darum, sich mit deren Argumenten auseinanderzusetzen.

    • hmber
    • 11.12.2011 um 11:42 Uhr

    Aus Ihrem Kommentar klingt unter anderem die Forderung nach Gerechtigkeit. Wenn Sie die Emmission von klimaschädlichen Gasen reduzieren wollen, so hat das nichts mit "alten Verursachern" zu tun, die zu allererst das Klima "retten" müssen, sondern mit der Frage: "Was müssen wir tun, um unser Ziel, möglichst umfassend und schnell zu erreichen. Das ist die Aufgabenstellung. Sonst nichts. Es bringt auch nichts uns selbst zu geisseln und aller Welt zu erklären, dass wir Hauptverursacher der Klimakatastrophe seien. Bisher findet die "Katastrophe nur in den Schlagzeilen einiger Boulevardblätter und -sender und unter der Stammtischhoheit statt. Nahmhafte Wissenschaftler sprechen hier weniger von einer Katastrophe. Und ob das zum Nachteil gereicht, wenn es etwas wärmer wird, wer weiss das schon? Ebenso die Frage was müssen wir tun? Gegenfrage, was machen wir falsch? Wenn wir wieder vor die Zeit der Industriealisierung gehen, haben wir mit der Sicherung unserer Ernährung so viel zu tun, dass wir uns mit derartigen Fragen überhaupt nicht beschäftigen können. Wir müssen uns Ziele setzen, die wir erreichen wollen und auch können. Und zwar alle, nicht nur Deutschland. Das hat einen bitteren Beigeschmack, wir sind nicht die "Gutmenschen" und alle anderen begreifen nicht um was es geht. Es wäre vielleicht sinnvoll aus der Opfer und selbstbezichtigten Täterrolle auszusteigen und Vernunft einkehren lassen. Das Anbeten des Regengottes hat zu früheren Zeiten schon wenig gefruchtet.

    ... aber es ging mir ohnehin weniger um Selbstgeißelung, als mehr darum sich mit den Sichtweisen der Schwellenländer, insbesondere Chinas und Indiens auseinanderzusetzen. Es ist nur logisch, dass man die CO-2 Emmissionen nur in den Griff bekommt, wenn sich auch die Staaten an Vereinbarungen beteiligen, die aktuell Hauptverursacher eben jener Emmissionen sind. Ich habe Sie so verstanden, dass Sie meine Argumentation als etwas naiv abstempeln, allerdings kann ich dies nur an Sie zurückweisen. Denn "was müssen wir tun, um unser Ziel, möglichsr umfassend und schnell zu erreichen?" Sie tun so, als ob Durban der erste Klimagipfel sei. Es reicht eben nicht, dass man China, Indien, Brasilien etc. die nackten Zahlen präsentiert und an deren Vernunft appelliert. So funktioniert die Internationale Politik nicht. Wie bereits erwähnt ging es mir in erster Linie darum, sich mit deren Argumenten auseinanderzusetzen.

  4. Wären die Teilnehmer dieses sog. "Klimagipfel" mit dem Fahrrad nach Durban gefahren, wären uns zumindest Tonnen von Flugzeugemissionen erspart geblieben. Diese Form der Symbolpolitik, die real nichts ändert, braucht doch kein Mensch! Das ist doch bloße Propaganda, um den Menschen weiter ein Mindestmaß an Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein der Politik zu suggerieren.
    In meinem kleinen Gewächshaus hängen jetzt im Dezember immer noch rote Tomaten. Wenn das der umweltpolitische Fortschritt ist, den Merkel und Co. uns versprechen, sage ich NEIN DANKE (auch wenn meine Tomaten sehr lecker sind).

    • Halapp
    • 11.12.2011 um 11:01 Uhr

    Röttgen will Deutschland als Industrienation wieder zum
    Zahlmeister der Welt machen. Vorreiter beim Geldabliefern. Warum bloß? Nur damit in Greenpeace, die Spendentouristen wieder loben. Der "Ipsylanti" der CDU muß aufpassen, sein Wunschpartner die Grünen haben sich wieder auf Normalgröße von 16% eingependelt.
    Deutschland hat von einer Klimaerwärmung nur Vorteile.
    Bei den derzeitigen Heizkosten wächst der Wunsch nach einer
    Klimaerwärmung in der Bevölkerung. Die Nordländer wie Kanada
    sind längst aus dem Weltklimazirkus ausgestiegen. Warum wohl?
    Aber Röttgen kämpft wie ein wilder, daß Deutschland mehr
    zahlen darf, die deutsche Vorreiterolle beim internationalen
    Geldverschwenden wirkt allmählich lächerlich.
    Dabei haben wir mit der verkorksten Energiewende schon genug
    am Hals. Der CO2-lose Atomstrom, der jetzt abeschaltet wird,
    hätte uns dem Ziel weniger CO2 auszustoßen-wenn es denn nötig sein sollte- weit näher gebracht als alle Klimakonferenzen.

  5. Womit mal eben einer der wichtigsten Punkte ausgespart geblieben ist.
    Indonesien ist z.B. alleine durch die Brandrodung einer der Hauptverursacher von C02, es müssen endlich Anreize für die Tropenländer geschaffen werden ihren Regenwald nicht unwiederbringlich auszubeuten.
    Stattdessen fördert man durch undurchdachte "Klimapolitik" wie E10 noch den Trend zur Vernichtung der Basis allen Lebens auf der Erde...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service