Weltklimakonferenz : Ringen um Klimaschutz geht in die Verlängerung

Die Gespräche in Durban sind festgefahren, die großen Treibhausgas-Produzenten verweigern sich bindenden Klimaschutz-Zielen. Doch es gibt neue Kompromisspapiere.
Am Strand von Durban erleuchten Radfahrer mit ihrem Gestrampel Lampen an einem Baum. Die Installation wirbt für erneuerbare Energien. © Alexander Joe/AFP/Getty Images

Stunden nach dem offiziellen Schlusstermin der UN-Klimakonferenz in Durban arbeiten die Vertreter der Welt weiter an den Abschlussdokumenten. Die südafrikanischen Gastgeber legten zuletzt ein neues Kompromisspapier vor, in dem vom Ziel eines "rechtlichen Instruments" zur Reduzierung der Treibhausgase die Rede war. Ursprünglich sollte der Gipfel bereits am Freitag zu Ende gehen. Nachdem bis zum Abend keine Einigung zu zentralen Punkten erreicht wurde, war die offizielle Schlussrunde auf Samstagvormittag vertagt worden. Beobachter erwarten aber, dass er mindestens bis Samstagnachmittag dauern wird. Konferenzteilnehmer äußerten die Sorge, der Gipfel könnte aus Zeitmangel doch noch scheitern.

Die bis zum Morgen vorliegenden Textentwürfe bekräftigten das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad, möglicherweise auch auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das dazu geplante "Protokoll oder rechtliche Instrument" soll bis 2015 beschlossen werden. Dies würde alle Staaten mit einbeziehen, beispielsweise also auch die USA und China. Zudem wird dazu aufgerufen, auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ehrgeizigere Ziele ins Auge zu fassen. Eine weitere Beschlussvorlage sieht eine neue Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll für die Jahre 2013 bis 2017 vor. Angestrebt werden soll demnach, die Emissionen der Industriestaaten, verglichen mit 1990, bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu verringern.

Ein erster Textentwurf Südafrikas war zuvor auf Kritik vor allem der EU und der kleinen Inselstaaten gestoßen, weil darin nicht das Ziel eines umfassenden rechtlich verbindlichen Klimaabkommens auftauchte.

Röttgen macht USA, China und Indien verantwortlich für Verzögerungen

Die neuen Kompromisspapiere wertete der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) als "Fortschritt“. Eine abschließende Beurteilung sei jedoch nur im Zusammenhang aller Texte möglich. Diese lägen aber immer noch nicht alle vor. Positiv sei, dass die neuen Papiere "mehr Verbindlichkeit" aufwiesen als frühere Entwürfe. Auch sei nicht mehr davon die Rede, dass ein neues umfassendes Abkommen erst nach 2020 wirksam werden solle. Die EU-Delegationen berieten am Vormittag zunächst intern über die Lage. Danach war ein weiteres Ministertreffen im größeren Kreis vorgesehen.

Was wollen der Mensch und die Politik gegen die Erderwärmung tun? Alles zum Thema und zum Weltklimagipfel in Durban.

Röttgen sagte, eine Lösung sei noch möglich, doch die Bedingungen würden immer schwieriger. "Wir sind jetzt schon aus zeitlichen Gründen in einer extrem kritischen Situation", sagte er. Viele Delegationen müssen eigentlich am Samstag abreisen und hatten nicht mit der Verlängerung der Konferenz gerechnet. "Wir sind sehr, sehr spät dran.“ Diejenigen, die einer Einigung "im Weg stehen", seien "ganz wenige Staaten, das sind die großen Emissionsländer, die USA, China, Indien", sagte der Minister.

Die EU und weitere Staaten wollen in Durban eine zweite Phase des Klimaschutzprotokolls von Kyoto beschließen, das 2012 endet. Sie stellen jedoch zur Bedingung, dass auch die großen Verschmutzer wie die USA und China feste Zusagen geben, wenigstens bis etwa 2015 verbindliche Klimaschutzziele zu vereinbaren. Europäische Union, kleine Inselstaaten und zahlreiche weitere Entwicklungsländer hatten in den Verhandlungen am Ende eng zusammengearbeitet, während unter anderem die USA und Indien Vorbehalte gegen das Ziel eines rechtlich bindenden Abkommens hatten. Besonders auf China wird es ankommen. Das Land hatte bereits signalisiert einer Vereinbarung zustimmen zu wollen, war dann aber wieder zurückgerudert.

Vor allem Gipfelausrichter Südafrika hat in den vergangenen Tagen versucht auf die Schwellenländer, zu denen es selbst zählt, einzuwirken. Während die Gespräche mit Indien und China schleppend verliefen, näherte sich Brasilien aber den Vorschlägen der Südafrikaner an.

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Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Es ist beschämend

wie man bei diesen wichtigen, die Erde und ihre Menschen betreffenden Vorgänge, keine Kompromisse findet.

Aus dem einen Grunde: Damit der schnöde Mammon und dessen korrupte Untertanen weiterhin ihre Gier nach noch mehr haben befriedigen können. Und das einzig und allein darum, weil sie es können! Und die ANDEREN (WIR)die offensichtlich keine Lobby haben, obwohl es sich um unsere gewählten VOLKSVERTRTER handelt, müssen es hinnehmen. Wann werden die Menschen endlich erwachen?

Was nutzt die Rettung der Welt vor der Klimaerwärmung....

....Ende des Jahrhundert beschlossen wird, wenn dadurch die Mittel fehlen einen Weltkrieg zu vermeiden? Das ist das eigentliche Problem. Wir stehen vor einer Multipolarisierung, die solche Kriege wahrscheinlich macht. Um dem zu entgehen braucht es eine Internalisierung der globalen Sicherheit. Bis dahin braucht es nationale Rüstung, die enorme Mittel verschlingen. So lange dieses Thema ungelöst bleibt, ist ein in ihrer Größe effektiver Klimaschutz unwahrscheinlich und sogar irgendwo belanglos bzw sie bleibt Nebensache und nachgeordnet.

"Das dazu geplante "Protokoll oder rechtliche Instrument" ...

...soll bis 2015 beschlossen werden. Dies würde alle Staaten mit einbeziehen, beispielsweise also auch die USA und China."

Genau das hatte GW Bush damals als Pferdefuß des Vertrags von Kyoto gesehen. Man hätte schon damals die USA an Board gebracht, wäre eine rechtlich bindende aber alle Länder einbeziehende mit relevanten Verpflichtungen versehene Lösung hergestellt worden. Das konnte man damals nicht.

Ob es jetzt klappen kann ist die Frage. Die Implikationen für andere Internationale Öffentliche Güter ist nicht gelöst und viel brennender als damals. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man eine nachhaltige vertragliche Lösung erhalten kann, bevor dieses Thema zufriedenstellend gelöst wird.

Pro Kopf!

Was zählt ist
a/ der Ausstoß pro Kopf! (2008 Daten)
USA 17,5
DE 9,7
China 5,3
Indien 1,5
Was wollen wir denn von China und ausgerechnet Indien? Verzicht auf Entwicklung?
b/ die historische Alt-last/- schuld der „alten“ Industrienationen!
c/ die Verantwortung der Endverbraucher!
China und Deutschland emittieren Dreck zu Lasten ihres Exports für die importierenden Endverbraucher

Das haben Sie nicht so richtig begriffen, Bernauheim!

Natürlich ist der Gesamtausstoß das, was der Erde irgendwann den Rest umbringt.

Wenn es aber darum geht, wer jetzt vorrangig aktiv werden muß, dann müssen wir das schon auf den pro-Kopf-Wert umrechnen.

China ist nun mal immer noch ein Entwicklungsland, hier fahren viele noch unfreiwillig Fahrrad und träumen von einem eigenen Moped.

Und wenn die mal alle so mit der Energie umgehen wie Deutschland, oder gar wie die USA, dann haben wir alle auf der Welt ein richtiges Problem.

Trotzdem ist es irgendwie gelungen, China und Indien in einem Atemzug mit den Vereinigten Staaten als DIE Umweltverschmutzer zu nennen.
Über Australien und all die anderen hochentwickelten Länder mit einem erheblich höheren pro-Kopf-Vebrauch an fossiler Energie redet kein Schwein.

Am einfachsten wäre es für China, sich aufzuteilen in 30 autonome Staaten, dann wäre man automatisch runter von diesem Spitzenplatz.

Ich glaube aber nicht, daß Hu oder Wen diesen Weg wählen werden...

Shanghai

Wobei Sie fairerweise hinzufügen sollten, dass von diesen 30 Staaten ein paar wohl einen pro Kopf C02 Ausstoß hätten, der mit dem Westen vergleichbar ist. Ich war kürzlich in Shanghai und habe in meinem Leben selten so viel Luxus gesehen, wie in der dortigen Innenstadt. Wenn ganz China leben will wie Shanghai (wo ein eigenes Auto und eine eigene Wohnung "nötig" sind um heiraten zu können) haben wir alle ein fast so großes Problem, als wenn die ganze Welt leben will wie in den USA.

Verlängerungen

Genug der Warnungen. Inzwischen erleben wir das Szenario, was überlegtes Handeln inzwischen kaum mehr vermeiden lässt. Die Zeiger der Uhr können die Menschen nicht fixieren, bis sie es bequem genug finden, die Lehren zu ziehen.
Die Entwicklungen werden den Machtgewohnten kein Reservat reservieren und da sind die Überlegungen im Stillen so erfolgverspechend, wie sie der gerne zurechtgeredeten Realität wirklich entsprechen.
Die Klimakonferenzen sind zum Mahnmal einer stupiden Egozentrik geworden, die in der Geschichte nur eines wirklich zustande bringt: Die Gefahren für die eigene Existanz in ein nicht mehr zu bewältigendes Szenario anwachsen zu lassen.
Der Globus hat keine Rettungsboote für bevorzugte Passagiere.