Stunden nach dem offiziellen Schlusstermin der UN-Klimakonferenz in Durban arbeiten die Vertreter der Welt weiter an den Abschlussdokumenten. Die südafrikanischen Gastgeber legten zuletzt ein neues Kompromisspapier vor, in dem vom Ziel eines "rechtlichen Instruments" zur Reduzierung der Treibhausgase die Rede war. Ursprünglich sollte der Gipfel bereits am Freitag zu Ende gehen. Nachdem bis zum Abend keine Einigung zu zentralen Punkten erreicht wurde, war die offizielle Schlussrunde auf Samstagvormittag vertagt worden. Beobachter erwarten aber, dass er mindestens bis Samstagnachmittag dauern wird. Konferenzteilnehmer äußerten die Sorge, der Gipfel könnte aus Zeitmangel doch noch scheitern.

Die bis zum Morgen vorliegenden Textentwürfe bekräftigten das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad, möglicherweise auch auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das dazu geplante "Protokoll oder rechtliche Instrument" soll bis 2015 beschlossen werden. Dies würde alle Staaten mit einbeziehen, beispielsweise also auch die USA und China. Zudem wird dazu aufgerufen, auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ehrgeizigere Ziele ins Auge zu fassen. Eine weitere Beschlussvorlage sieht eine neue Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll für die Jahre 2013 bis 2017 vor. Angestrebt werden soll demnach, die Emissionen der Industriestaaten, verglichen mit 1990, bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu verringern.

Ein erster Textentwurf Südafrikas war zuvor auf Kritik vor allem der EU und der kleinen Inselstaaten gestoßen, weil darin nicht das Ziel eines umfassenden rechtlich verbindlichen Klimaabkommens auftauchte.

Röttgen macht USA, China und Indien verantwortlich für Verzögerungen

Die neuen Kompromisspapiere wertete der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) als "Fortschritt“. Eine abschließende Beurteilung sei jedoch nur im Zusammenhang aller Texte möglich. Diese lägen aber immer noch nicht alle vor. Positiv sei, dass die neuen Papiere "mehr Verbindlichkeit" aufwiesen als frühere Entwürfe. Auch sei nicht mehr davon die Rede, dass ein neues umfassendes Abkommen erst nach 2020 wirksam werden solle. Die EU-Delegationen berieten am Vormittag zunächst intern über die Lage. Danach war ein weiteres Ministertreffen im größeren Kreis vorgesehen.

Röttgen sagte, eine Lösung sei noch möglich, doch die Bedingungen würden immer schwieriger. "Wir sind jetzt schon aus zeitlichen Gründen in einer extrem kritischen Situation", sagte er. Viele Delegationen müssen eigentlich am Samstag abreisen und hatten nicht mit der Verlängerung der Konferenz gerechnet. "Wir sind sehr, sehr spät dran.“ Diejenigen, die einer Einigung "im Weg stehen", seien "ganz wenige Staaten, das sind die großen Emissionsländer, die USA, China, Indien", sagte der Minister.

Die EU und weitere Staaten wollen in Durban eine zweite Phase des Klimaschutzprotokolls von Kyoto beschließen, das 2012 endet. Sie stellen jedoch zur Bedingung, dass auch die großen Verschmutzer wie die USA und China feste Zusagen geben, wenigstens bis etwa 2015 verbindliche Klimaschutzziele zu vereinbaren. Europäische Union, kleine Inselstaaten und zahlreiche weitere Entwicklungsländer hatten in den Verhandlungen am Ende eng zusammengearbeitet, während unter anderem die USA und Indien Vorbehalte gegen das Ziel eines rechtlich bindenden Abkommens hatten. Besonders auf China wird es ankommen. Das Land hatte bereits signalisiert einer Vereinbarung zustimmen zu wollen, war dann aber wieder zurückgerudert.

Vor allem Gipfelausrichter Südafrika hat in den vergangenen Tagen versucht auf die Schwellenländer, zu denen es selbst zählt, einzuwirken. Während die Gespräche mit Indien und China schleppend verliefen, näherte sich Brasilien aber den Vorschlägen der Südafrikaner an.