Das Archivbild zeigt den niedergebrannten Wald in der Region Kingslake in Australien. Starke Hitzewellen lösten im Februar 2009 schwere Waldbrände aus. © Luis Ascui/Getty Images

Gründe, alarmiert zu sein, haben die Australier auf ihrem Kontinent der Wetterextreme seit Langem. Zunehmend bedrohlich erscheinen immer neue Temperaturrekorde. Das vergangene Jahrzehnt war das heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Nicht in der Wüste indes, sondern an mehreren Orten des Bundesstaats Victoria meldeten Meteorologen Anfang 2009 Werte von 50 Grad Celsius im Schatten und darüber. Die Hitzeglocke entlud sich am 7. Februar 2009 ( Black Saturday ). An diesem Tag entfachten starke Winde eine Feuerwalze, der 173 Menschen, Tausende Häuser und 450.000 Hektar Land zum Opfer fielen.

Wenn der australische Klimarat nun erneut vor Hitze und Trockenheit warnt, ist dies also kein Alarmismus. Selbst geringe Temperaturanstiege könnten auf dem Roten Kontinent schwerwiegende Folgen haben, heißt es in einer aktuellen Studie der australischen Climate Commission . Ende des 21. Jahrhunderts rechnet der Klimarat mit bis zu zehnmal mehr Hitzeopfern. "Der Klimawandel wird gesundheitlich angeschlagene Australier überproportional hart treffen", erklärt Lesley Hughes, Mitautorin der Studie. Schon in den vergangenen zehn Jahren hätten die Australier unter "tödlichen Hitzewellen" zu leiden gehabt, erinnert Hughes.

Das Great Barrier Reef könnte zerstört werden

Der Climate Change Review von Ross Garnaut, Professor an der  Australischen Nationaluniversität (ANU) in Canberra, machte bereits 2008 deutlich, dass sich das Gesicht des Kontinents in diesem Jahrhundert verändern werde, sollte die Erderwärmung von der Weltgemeinschaft auch künftig weitgehend ignoriert werden. In seiner Studie zeichnet Garnaut ein Szenario mit bis zu 10.000 Hitzetoten jährlich. Häufige Buschfeuer, sich ausbreitenden Tropenkrankheiten, die Zerstörung des Great Barrier Reef, Wohlstandsverluste der Australier und politische Unruhen in der Südsee als Folge ansteigender Meeresspiegel sind weitere düstere Zukunftsprognosen des Ökonomen Garnaut.

Seit Jahren gilt Australien als weltgrößter Pro-Kopf-Verschmutzer beim CO2-Ausstoß. Vor allem aus veralteten Kohlekraftwerken, die drei Viertel der Energieversorgung des Landes sichern, entweicht es in die Atmosphäre. Im 3,5 Millionen Einwohner zählenden Melbourne werden heute mehr Treibhausgase in die Luft geblasen als im Großraum London, in dem doppelt so viele Menschen leben. Vielleicht haben solche Vergleiche die Australier wachgerüttelt. Denn jetzt handelt der langjährige Klimasünder: Noch bevor in Australien 2015 ein Emissionshandel nach europäischem Muster greifen soll, müssen die 500 größten Verschmutzer des Landes ab 1. Juli 2012 eine Steuer auf Kohlendioxid-Emissionen bezahlen : umgerechnet 17 Euro pro Tonne CO2. Das ist ambitioniert, in Deutschland kosten Verschmutzungszertifikate derzeit nur sechs bis neun Euro.