Geologen diskutieren seit Jahren über eine neue Epoche der Erdgeschichte: das Anthropozän. Noch sind sie sich nicht einig, wann diese Epoche begonnen hat. Einige schlagen das 18. Jahrhundert und die damit einsetzende Industrialisierung vor. Andere sehen das 20. Jahrhundert als den Beginn des neuen Zeitalters. Wieder andere sind der Meinung, erst in einigen hundert Jahren würde eine neue Epoche beginnen.

In einem sind sich alle Wissenschaftler einig: Das Anthropozän ist die Epoche, in der die Menschheit die Landschaft und die Umwelt tiefgreifend verändert. Damit sind nicht die scheinbar offensichtlichen Veränderungen wie etwa die Städte aus Stahl und Beton gemeint, oder die Flächen, die zur Landwirtschaft genutzt werden. Diese würden nach einigen Tausend Jahren nicht mehr existieren, falls die Menschheit aussterben sollte. Die Erosion und die folgenden Prozesse würden diese Fußabdrücke verschwinden lassen.

Gemeint sind die weniger sichtbaren Eingriffe in die Natur, wie zum Beispiel die CO2-Emissionen und der damit verbundene Klimawandel, aber auch andere Eingriffe in Naturkreisläufe. Etwa der empfindliche Kreislauf der Regenwälder, der durch Rodung massiv gestört wird. Diese Störungen werden die schlimmsten Spuren hinterlassen und können nur von Nachteil für uns sein.

Den Begriff Anthropozän hat der Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul Crutzen im Jahr 2002 geprägt. Er erkannte, dass wir nicht länger vom Quartär reden können. Laut den Geologen stehen wir gerade wieder an einer Epochenwende, denn der Mensch prägt Umwelt und Natur.

Die Wortschöpfung Anthropozän wollte Crutzen daher als Warnung verstanden wissen. Wir sollten sie ernst nehmen und nicht vergessen, dass unser Zeitalter auch ein Ende hat und wir nicht ewig existieren. Die Natur als System wird es auch nach unserem Ende geben. Sie wird sich wieder erholen, nachdem sie sich von dem "missglückten Experiment Mensch", wie es der Philosoph Peter Sloterdijk einmal nannte, getrennt hat.

Das Zeitalter des Menschen kann aber auch positiv in die Erdgeschichte eingehen, wenn wir uns der großen Verantwortung bewusst werden, die wir als Menschen auf dieser Erde haben.