Durban Umweltschützer beklagen "lauwarmen" Klima-Kompromiss

Für die EU und Umweltminister Röttgen ist der neue Klima-Fahrplan ein Durchbruch. Umweltschützer jedoch glauben nicht, dass sich die Erderwärmung dadurch aufhalten lässt.

Die Verhandler haben sich nach dem Marathon-Gipfel in Durban zufrieden mit dem neuen Klima-Fahrplan gezeigt. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nannte das Ergebnis einen riesigen Schritt nach vorn. "Das Paket von Durban ist ein großer, wegweisender Erfolg für den Klimaschutz", sagte Röttgen. Umweltschützer urteilten dagegen eher skeptisch.

Die Umweltorganisation Germanwatch erkannte an, dass die EU und ihre Verbündeten mit dem neuen Fahrplan zu einem Weltklimavertrag auch Klimasünder wie die USA, China und Indien in die Pflicht genommen haben. Allerdings reiche das Vereinbarte nicht aus.

So kritisieren die Umweltorganisationen WWF und Greenpeace, die EU habe bei der Frage einer strengen Rechtsverbindlichkeit bei dem bis 2015 geplanten Weltklimaabkommen nachgegeben. "Der unter Druck von Indien und den USA abgeschwächte Kompromiss wird nicht zu einem international verbindlichen Klimaschutzvertrag führen, sondern zu einem nur lose bindenden Abkommen", sagte für Greenpeace arbeitende Klimaexperte Martin Kaiser. Nun drohe erneut ein langwieriger Verhandlungsprozess.

Mit einem schwachen Klimavertrag, der zudem erst 2020 in Kraft treten soll, werde es nicht zu schaffen sein, die Erderwärmung wie angepeilt auf zwei Grad zu begrenzen, sagte Kaiser weiter. Regine Günther, Leiterin des Klimabereichs des WWF Deutschland sagte, es klaffe nach wie vor ein immenser Abgrund zwischen den dringend notwendigen Maßnahmen und dem politischen Willen. Sie sprach von einem "lauwarmen Kompromiss".

Für Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane ist die Lösung des Konflikts – trotz Kompromissen – ein "historischer Meilenstein". Auch Indien zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen des Klimagipfels. Das geforderte "Prinzip der Gleichbehandlung" aller Staaten sei im Abschlussdokument enthalten, erklärte die indische Umweltministerin Jayanthi Natarajan.

Knackpunkt dürfte aber die Kompromissformel sein, dass das bis 2015 geplante Abkommen durch ein "Verfahren mit Rechtskraft" umgesetzt werden kann. Indiens Umweltministerin Natarajan sagte, man habe viel Flexibilität bewiesen. Man lasse sich wegen dieses Kompromisses nicht einschüchtern und an den Pranger stellen.

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China begrüßte die Ergebnisse der Klimakonferenz und gab den reichen Industrieländern die Schuld für die nur langsamen Fortschritte. "Den entwickelten Ländern mangelt es an politischem Willen, um die Emissionen zu verringern und den Finanz- und Technologietransfer zur Unterstützung der Entwicklungsländer zur Verfügung zu stellen", sagte Chinas Unterhändler Xie Zhenhua.

Bislang hatten Indien, China und die USA verbindliche Abkommen komplett abgelehnt. Vielen Delegierten erschien der erzielte Kompromiss daher fast wie ein kleines Wunder – auch wenn das Konferenz-Ergebnis nicht hundertprozentig zufriedenstellend ist.

 
Leser-Kommentare
    • xpol
    • 11.12.2011 um 14:42 Uhr

    ... um 3-8 Jahre - und bis dahin hat sich der Unfug vielleicht erledigt ...

    • Kiira
    • 11.12.2011 um 14:48 Uhr

    Gratuliere! Endlich ein Sieg gegen die Sünde! Was für eine Erleichterung!

    So müssen sich die Bischöfe auf dem ersten Konzil von Nicäa (325) gefühlt haben, als sie den Ablasshandel einführten. Sie begründeten eine Praxis der Sündenvergebung gegen Geld, die über 1.000 Jahre Bestand haben sollte.

    Wenn die Steuern erstmal eingeführt sind...

    Eine Leser-Empfehlung
    • TDU
    • 11.12.2011 um 14:48 Uhr
    3. China

    China sollte nicht so großspurig auftreten und einseitige Schuldzuweisungen verteilen. Haben Sie doch an den technischen Lösungen selbständig gar nichts entwickelt und profitieren vom niedrigen Lohnievau. Aber so ist das eben mit den Neureichen.

    Und wenn alles wieder ist nichts ist nach Ansicht der Umweltorganisationen?. Sollen Sie sich doch mit Indien anlegen und den USA. Die Frage ist, ob sich Steuermodelle udn Klimaschutz nach Gusto der Regierungen in Deutschland und China sich da durchsetzen lassen. Und zwar bei den Bürgern, die nicht so von staatlicher Bevormundung überzeugt sind wie die Bürger hierzulande und ihn China.

    Für diejenigen, die das nicht mit machen, sollte das allerdings ein Zeichen sein für Privatinitiative. Für den Erhalt einer lebenswerten Welt. Aber möglichst für alle in der Welt und nicht nur für diejenigen, die dieses Ziel bezahlen können.

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    Ich habe etwas Schwierigkeiten, zu verstehen, worauf Sie hinaus wollen: Der "Erhalt einer lebenswerten Welt... für alle in der Welt und nicht nur für diejenigen, die dieses Ziel bezahlen können." ist genau das Ziel der Umweltorganisationen - weshalb sie sich tatsächlich mit den Regierungen anlegen (auch in Indien und den USA z.B;: www.foe.org/).

    Ich habe etwas Schwierigkeiten, zu verstehen, worauf Sie hinaus wollen: Der "Erhalt einer lebenswerten Welt... für alle in der Welt und nicht nur für diejenigen, die dieses Ziel bezahlen können." ist genau das Ziel der Umweltorganisationen - weshalb sie sich tatsächlich mit den Regierungen anlegen (auch in Indien und den USA z.B;: www.foe.org/).

    • WiKa
    • 11.12.2011 um 14:59 Uhr

    … und da schließt sich dann wieder der Wahnsinns-Kreis. Wenn wir es also hinbekommen die Klimakatastrophe zur Bankenrettung umzumünzen, dann sollte es doch gelingen, oder?

    Sie vertragen bösen, schwarzen Klima-Klima-Humor? Dann gibt es hier die Lösung aller Sorgen und gleich noch eine neue Enthüllung in Sachen Klimakatastrophe dazu …

    Durchbruch in Durban - Sauriersterben endgültig enträtselt da gibt es dann ganz überraschende Parallelen zwischen Mensch und Saurier und natürlich auf welche Weise jetzt Bankenrettung und Klimadelirium zueinander passen (echt böse, aber am Ende wohl nicht irrealer als der tatsächliche Wahn ums Thema).

    Wenn wir eines lernen müssen, dann dass offensichtlich alles nur über den Geldbeutel zu regeln ist. Irgendwas scheint der Mensch falsch zu machen, vielleicht muss er deshalb den Sauriern folgen … (°!°)

  1. Der Mensch ist so, ein gieriges und egoistisches Wesen. Er wird es erst dann einsehen, wenn ihm wirklich das Wasser bis zum Halse steht. Leider wird es dann schon zu spät sein.

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    @des_adlers_auge:

    das Problem ist leider, dass es zwar die meisten Menschen auf dieser Welt verstanden haben was auf dem Spiel steht, aber die Wirtschaftslogik und Rationalität der Märke beeinhalten so gut wie immer keinen Umweltschutz, und leider ist die Politik in weiten Teilen nur der Katalysator dieser Interessen.
    Da zeigt sich auch, dass Obama die totale Mogelpackung ist. Er führt genau das fort was Bush getan hat. Wenn er wiedergewählt wird, dann wohl nur, weil die Republikaner fast nur Kandidaten ins Feld führen die man in Europa wohl als "irre" bezeichnen würde.

    @des_adlers_auge:

    das Problem ist leider, dass es zwar die meisten Menschen auf dieser Welt verstanden haben was auf dem Spiel steht, aber die Wirtschaftslogik und Rationalität der Märke beeinhalten so gut wie immer keinen Umweltschutz, und leider ist die Politik in weiten Teilen nur der Katalysator dieser Interessen.
    Da zeigt sich auch, dass Obama die totale Mogelpackung ist. Er führt genau das fort was Bush getan hat. Wenn er wiedergewählt wird, dann wohl nur, weil die Republikaner fast nur Kandidaten ins Feld führen die man in Europa wohl als "irre" bezeichnen würde.

  2. Ich habe etwas Schwierigkeiten, zu verstehen, worauf Sie hinaus wollen: Der "Erhalt einer lebenswerten Welt... für alle in der Welt und nicht nur für diejenigen, die dieses Ziel bezahlen können." ist genau das Ziel der Umweltorganisationen - weshalb sie sich tatsächlich mit den Regierungen anlegen (auch in Indien und den USA z.B;: www.foe.org/).

    Antwort auf "China"
  3. @des_adlers_auge:

    das Problem ist leider, dass es zwar die meisten Menschen auf dieser Welt verstanden haben was auf dem Spiel steht, aber die Wirtschaftslogik und Rationalität der Märke beeinhalten so gut wie immer keinen Umweltschutz, und leider ist die Politik in weiten Teilen nur der Katalysator dieser Interessen.
    Da zeigt sich auch, dass Obama die totale Mogelpackung ist. Er führt genau das fort was Bush getan hat. Wenn er wiedergewählt wird, dann wohl nur, weil die Republikaner fast nur Kandidaten ins Feld führen die man in Europa wohl als "irre" bezeichnen würde.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Tick Tack"
  4. http://climatedepot.com/a...

    Man erfährt ja sonst irgendwie nirgends bei Zeit, Spiegel und Co, was egtl. genau egtl. gefordert und vereinbart wurde.

    Eine Leser-Empfehlung

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