Das unterschätzte TierEin Paradeparasit, der im Haushalt hilft

Sie ist die gute Fee des Hobbygärtners und Beschützerin von Olivenhainen: Die Schlupfwespe ist ein äußerst nützlicher Parasit – sogar wenn es mal in der Küche krabbelt.

Die Schlupfwespe befördert ihre Eier mit dem Legestachel in etwa Blattläuse hinein. Dort schlüpfen die Larven und höhlen die Blattläuse von innen aus.

Die Schlupfwespe befördert ihre Eier mit dem Legestachel in etwa Blattläuse hinein. Dort schlüpfen die Larven und höhlen die Blattläuse von innen aus.

Die Schlupfwespe ist ein Paradeparasit. Völlig ungefährlich für Pflanze, Mensch und – naja, fast jedes – Tier. Gegen Fraßschädlinge ist dieser Hautflügler jedoch effektiver als jedes chemische Pestizid. Mit ihrem Hunger auf Läuse, Käfer und Motten bewahrt sie uns Menschen jedes Jahr vor gigantischen Ernteausfällen.

Jede Schlupfwespenart hat einen Legestachel, der noch einmal so lang ist wie der Körper der Wespe selber. Mit dem bringt sie ein Ei in ihren Wirt ein. Nach einigen Tagen schlüpft aus der Wirtshülle eine Schlupfwespenlarve. Die eine Schlupfwespenart steht auf Schildläuse und macht sich somit bei Hobbygärtnern beliebt, die andere platziert ihren Nachwuchs am liebsten in Fruchtfliegen und ist damit der biologische Bodyguard der kalifornischen Olivenhaine.

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Schädlingsbekämpfer Schlupfwespe

Die Schlupfwespen (Ichneumonidae) haben sich in mehr als 40.000 Arten über die ganze Welt verteilt. Die schlanken, feingliedrigen Wespen sind rotgelb bis schwarz gefärbt und haben sich einen Namen als biologische Schädlingsbekämpfer gemacht. Sie leben in ganz unterschiedlichen Biotopen wie Feuchtgebieten, Laub- und Nadelwäldern, Lichtungen oder Waldschneisen. Ihr Körper wird je nach Art 10 bis 50 Millimeter lang

Die meisten der parasitären Schlupfwespen  haben sich auf einen bestimmten Wirt spezialisiert. Zu den bekannteren gehört zum Beispiel die Holzwespen-SchlupfwespeRhyssa persuasoria, die bis zu fünf Zentimeter Körperlänge erreichen kann. Die auf Blattläuse spezialisierte Art kann innerhalb einer Woche ihre Eier auf bis zu 200 Blattläusen ablegen, die dann von den ein bis zwei Tage später schlüpfenden Larven ausgehöhlt werden.

Das Parasitentum der Schlupfwespe ist derart effizient, dass auch die Wissenschaft auf die artenreiche Familie aufmerksam geworden ist. Erst im vergangenen Jahr hat ein Forscherteam von der San Fransisco State University das Erbgut dreier Schlupfwespenarten vollständig entschlüsselt und die Ergebnisse im Fachmagazin Science veröffentlicht. Mit genetischen Veränderungen könnten Schlupfwespen noch wirkungsvoller gegen Schädlinge gemacht werden.

Doch ihr parasitärer Charakter rettet nicht nur die globale Landwirtschaft, er macht die Schlupfwespe auch zum idealen Küchenhelfer. Dann nämlich, wenn der Ekelnotfall eintritt und sich Lebensmittelmotten via Müsli oder Mehltüte den Zugang zum heimischen Herd erschlichen haben. Wer einmal eine derartige Plage im Haus hatte weiß, wie mühselig der Kampf gegen diese Vorratsschädlinge ist. Sie deponieren ihre Eier ganz perfide in den unzugänglichsten Schrankritzen und überleben so jede Putzaktion.

Den Schlupfwespen aber entkommen sie nicht. Denn die spüren mit detektivischer Akribie jedes noch so versteckte Mottenei auf und injizieren ihm via Legestachel ein eigenes Ei. Nach acht bis zehn Tagen schlüpft eine neue Wespe, wohlgenährt durch das Wirtsei. Die Lebensmittelmotten werden so peu à peu ausgerottet , da ihnen der Nachwuchs fehlt.

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Wen der Gedanke gruselt, dass neben den Lebensmittelmottenmaden und -eiern nun auch noch eine Armada von Schlupfwespen durch die Küche fleucht, der sei beruhigt: Für die Bekämpfung von Lebensmittel- und auch Kleidermotten sind Schlupfwespen der Gattung Trichogramma zuständig, die sogenannten Erzwespen. Von den rund 150 bekannten Trichogramma -Arten werden etwa zehn zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt . Die sind mit 0,3 bis 0,4 Millimeter so klein wie der Punkt am Ende dieses Satzes und leisten ihre Arbeit dezent im Hintergrund. Sogar das Deutsche Museum setzt auf Schlupfwespen, um seine historischen Schätze vor Mottenfraß zu bewahren .

 
Leserkommentare
  1. Sie ist wirklich ein guter SChädlingsbekämpfer.
    Dass auch Fruchtfliegen, mit denen wir sher zu kämpfen haben jeden Sommer, wären das ein gutes Tier.

    Aber es gibt immer einen Hacken, wie oft bei Tieren die als Bio-waffen gegen SChädlinge eingesetzt werden. Ich denke egal wie gut die Schlupfwespe ist, irgendwas ist auch bei ihr.

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    Wollen Sie die Erde in Ihrem Garten auflockern oder wozu brauchen Sie Hacken? Irgendwo muss da ein Haken dran sein ;-)

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  2. Die Vorgänge in der Interaktion zwischen Pflanzen und Tieren sind so hochkomplex und teilweise noch gar nicht erforscht, so dass eine gentechnische Veränderung möglicherweise bestimmte Wirkmechanismen außer Kraft setzen könnte.

    Die Schlupfwespe wird nämlich erst über Umwege auf ihre Beute aufmerksam:

    Wenn eine Tomate z.B. von einem Insekt angenagt wird, dann entwickelt sie Toxine und sendet gleichzeitig SOS-Botenstoffe an die anderen Pflanzen aus, prophylaktisch Toxine zu entwickeln.

    Die Pflanze reagiert dabei nicht auf die reine Verletzung (Schnitt mit einem Messer löst keine Reaktionen aus), sondern reagiert auf Geruchsstoffe im Speichel des annagenden Insektes.

    Die Schlupfwespen wiederum reagieren auf die SOS-Botenstoffe der Pflanze und wissen so, wo sie ihre Beute finden.

    Da bei den Genen ja immer auch Genkombinationen vererbt werden (ein sehr dunkelhäutiger Mensch hat selten rote oder blonde Haare),könnte ich mir auch vorstellen, dass bei der gentechnischen Veränderung irgend etwas in die Hose gehen könnte.

    Was soll denn bei der Schlupfwespe gentechnisch verändert werden zu welchem Zweck genau?

    Weiss das jemand?

    http://www.gen-ethisches-...

    4 Leserempfehlungen
  3. Ich stimme dem Vorredner zu, ich sehe keine Notwendigkeit und KEINE Absicherung fuer eine gebtechnische Veraenderung. Medikamente werden jahrelang getestet und dann evtl. auf den Markt geworfen. Die kann man wieder aus dem Verkehr ziehen, sollte wider Erwarten etwas schief gehen. Gentechnische Veraenderunen koennen nie wieder aus der Natur entfernt werden. Stop playing god, you dont know how big this is.

    Allerdings auch eine Frage an den Vorredner. Wenn die Wespen die Schaedlinge via Toxine/Botenstoffe ausfindig macht, wie findet sie dann die Eier in meiner Kueche? Gilt wohl nur fuer bestimmte Gattungen...?

    via DIE ZEIT-App

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    Ich bin nun keine Fachfrau, sondern eine Interessierte in Sachen Natur und Biologie. In dem von mir verlinkten Artikel ist das Thema auch nicht die Schlupfwespe, sondern die Pflanzensensibilität und die Art, wie Pflanzen biochemisch miteinander "kommunizieren".

    Ja, wie Sie vermuten, handelt es sich in dem Artikel um eine bestimmte Art der Schlupfwespe:
    "Im Sommer 2004 habe ich Ted Turlings von der Universität Neuchâtel (französische Schweiz) interviewt, der ein kompliziertes Dreiecksverhältnis zwischen einer Maispflanze, einer Raupe und einer kleinen Schlupfwespe untersucht: Wenn die Raupe (Spodoptera exigua Hübner) eine Maispflanze befällt und an einem Blatt zu fressen beginnt, dann kommt bald ein natürlicher Feind dieser Raupe angeflogen: Eine Schlupfwespe der Gattung Cotesia marginiventris. Sie legt ihre Eier in die Raupe, die den Schlupfwespenlarven dann als Nahrungsquelle dient. Doch woher weiss die Schlupfwespe kurze Zeit nach Angriff der Raupe, wo sie gute Beute findet? Daran hat Ted Turling und seine Gruppe die letzten 15 Jahre geforscht. Denn die Raupe ist recht unscheinbar und auch geruchlos - sie selber zieht die Wespe kaum an...."

    Für andere Unterarten der Schlupfwespe gelten eventuell andere Mechanismen. Vielleicht ist es bei anderen Arten direkt der Geruch des Speichels oder des Kots der Parasiten, der die Wespen anzieht.

    15 Jahre Forschung, um dieses "Dreiecksverhältnis" zu entlarven, und dann stehen schon die Gentechniker in den Startlöchern.

    Ich bin nun keine Fachfrau, sondern eine Interessierte in Sachen Natur und Biologie. In dem von mir verlinkten Artikel ist das Thema auch nicht die Schlupfwespe, sondern die Pflanzensensibilität und die Art, wie Pflanzen biochemisch miteinander "kommunizieren".

    Ja, wie Sie vermuten, handelt es sich in dem Artikel um eine bestimmte Art der Schlupfwespe:
    "Im Sommer 2004 habe ich Ted Turlings von der Universität Neuchâtel (französische Schweiz) interviewt, der ein kompliziertes Dreiecksverhältnis zwischen einer Maispflanze, einer Raupe und einer kleinen Schlupfwespe untersucht: Wenn die Raupe (Spodoptera exigua Hübner) eine Maispflanze befällt und an einem Blatt zu fressen beginnt, dann kommt bald ein natürlicher Feind dieser Raupe angeflogen: Eine Schlupfwespe der Gattung Cotesia marginiventris. Sie legt ihre Eier in die Raupe, die den Schlupfwespenlarven dann als Nahrungsquelle dient. Doch woher weiss die Schlupfwespe kurze Zeit nach Angriff der Raupe, wo sie gute Beute findet? Daran hat Ted Turling und seine Gruppe die letzten 15 Jahre geforscht. Denn die Raupe ist recht unscheinbar und auch geruchlos - sie selber zieht die Wespe kaum an...."

    Für andere Unterarten der Schlupfwespe gelten eventuell andere Mechanismen. Vielleicht ist es bei anderen Arten direkt der Geruch des Speichels oder des Kots der Parasiten, der die Wespen anzieht.

    15 Jahre Forschung, um dieses "Dreiecksverhältnis" zu entlarven, und dann stehen schon die Gentechniker in den Startlöchern.

  4. Ich bin nun keine Fachfrau, sondern eine Interessierte in Sachen Natur und Biologie. In dem von mir verlinkten Artikel ist das Thema auch nicht die Schlupfwespe, sondern die Pflanzensensibilität und die Art, wie Pflanzen biochemisch miteinander "kommunizieren".

    Ja, wie Sie vermuten, handelt es sich in dem Artikel um eine bestimmte Art der Schlupfwespe:
    "Im Sommer 2004 habe ich Ted Turlings von der Universität Neuchâtel (französische Schweiz) interviewt, der ein kompliziertes Dreiecksverhältnis zwischen einer Maispflanze, einer Raupe und einer kleinen Schlupfwespe untersucht: Wenn die Raupe (Spodoptera exigua Hübner) eine Maispflanze befällt und an einem Blatt zu fressen beginnt, dann kommt bald ein natürlicher Feind dieser Raupe angeflogen: Eine Schlupfwespe der Gattung Cotesia marginiventris. Sie legt ihre Eier in die Raupe, die den Schlupfwespenlarven dann als Nahrungsquelle dient. Doch woher weiss die Schlupfwespe kurze Zeit nach Angriff der Raupe, wo sie gute Beute findet? Daran hat Ted Turling und seine Gruppe die letzten 15 Jahre geforscht. Denn die Raupe ist recht unscheinbar und auch geruchlos - sie selber zieht die Wespe kaum an...."

    Für andere Unterarten der Schlupfwespe gelten eventuell andere Mechanismen. Vielleicht ist es bei anderen Arten direkt der Geruch des Speichels oder des Kots der Parasiten, der die Wespen anzieht.

    15 Jahre Forschung, um dieses "Dreiecksverhältnis" zu entlarven, und dann stehen schon die Gentechniker in den Startlöchern.

    Antwort auf "gentechnik?"
  5. Ich habe soeben erst auf den Namen der Autorin geschaut, "Füßer".

    Ist das ein Zufall des Namens mit dem Thema oder ein nett gewähltes "Inkognito"?:

    Doppelfüßer, Gliederfüßer, Wenigfüßer, Zwergfüßer, Hundertfüßer, Tausendfüßer, Pinselfüßer, Saugfüßer, Schnurfüßer, Bandfüßer etc.? :-)

  6. Vielen Dank fuer die ausfuehrlichen Informationen! Wirklich sehr interessant und aufschlussreich. Ich bin nicht mal Hobbybiologe, finde die Thematik aber sehr spannend. Schon beeindruckend, was die Natur so alles fuer Mechanismen und Zusammenhaenge in Mio. von Jahren entwickelt hat... Dagegen sind 15 Jahre Forschung ja ein Klacks ;-)
    Allerdings in unseren Maßstaeben schon viel Zeit.

    Danke nochmal fuer die Kompetenz!

    via DIE ZEIT-App

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  7. Wollen Sie die Erde in Ihrem Garten auflockern oder wozu brauchen Sie Hacken? Irgendwo muss da ein Haken dran sein ;-)

    • inuk12
    • 14.02.2012 um 11:14 Uhr

    Die Schlupfwespe Rhyssa persuasoria legt ihre Eier nicht, wie im Artikel beschrieben, auf die Larven von Blattläusen, sondern vielmehr auf die Larven von Holzwespen, daher auch ihr Name - Holzwespen-Schlupfwespe.

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