Panzerechsen in der Sahara sind immer auch ein Indikator für Wasser. Daher sind die bis zu 2,20 Meter vergleichsweise kleinen Krokodile im afrikanischen Wüstenstaat Mauretanien hoch geschätzt. Solange es den Krokodilen gut geht, gibt es Wasser, so die Überlieferung. Die Tiere zu töten, bringt Unglück .

Außer in ihrer Heimat kennt allerdings fast niemand die kurzen Krokos aus der Hitze. Unter Wissenschaftlern galten Wüstenkrokodile in Mauretanien bis vor wenigen Jahren als ausgestorben. Allein aus dem Tschad war noch eine winzige Population bekannt.

Natürlich wussten die Nomaden um die ungewöhnlichen Wüstenbewohner in ihrem Revier. Wissenschaftlich reanimiert wurden sie jedoch erst im Jahr 1999, als ein Forscherteam um den Bonner Zoologen Wolfgang Böhme die Panzerechsen im Südosten Mauretaniens erspähte . Seither existieren die lange vergessenen mauretanischen Wüstenkrokodile – eine Zwergform des Westafrikanischen Nilkrokodils – auch in der Fachwelt wieder. Heute schätzt man ihre Zahl auf rund 300. Zu wenig, als dass man hierzulande schon viel von ihnen gehört haben könnte.

Die Bonner Forscher wunderten sich nicht schlecht, als sie sich – einem Hinweis folgend – auf die Suche nach den Reptilien machten. "Wir liefen bei sengender Hitze über ein kahles Felsplateau und ich dachte nur: Hier kann doch kein Krokodil überleben", erinnert sich Böhme an die Expedition.

Tatsächlich haben sich die wackeren Krokos einen denkbar unwirtlichen Lebensraum erschlossen: Sie hausen in "Tamouts" genannten Überschwemmungszonen, in denen sich das Regenwasser sammelt, wenn die begehrten Tropfen denn tatsächlich einmal über der Wüste Südmauretaniens vom Himmel fallen. Vor allem aber bevölkern die Panzerechsen Gueltas, unterirdische Speicher, mit Quellwasser oder fossilem H2O.

Wo das Wasser durch Felsspalten ans Tageslicht tritt, tummeln sich Frösche und Fische: Sie bilden die Grundlage für den Speisezettel der Wüstenkrokodile. Außerdem fallen den Räubern zuweilen Vögel zum Opfer, die ihren Durst am Wasserloch stillen wollten. Ab und zu erbeuten die Krokodile auch ein Lamm oder Zicklein, das von seinem Hirten zum Trinken geführt wurde. Menschen werden von ihnen in aller Regel nicht gebissen: Man hat sich wohl im Laufe der Jahrhunderte auf "leben und leben lassen" geeinigt. Mauretanische Kinder planschen sogar in den Krokodilgumpen.

Bleibt die Frage, was Schnappi überhaupt in der Wüste verloren hat. Seinen ursprünglichen Lebensraum, könnte die Antwort lauten. Denn tatsächlich gelten Mauretaniens Wüstenkrokodile als die letzten Überlebenden aus einer Zeit vor rund 6.000 Jahren , in der die heutige Sahara noch grün und saftig war. Sie sind also knallharte Survivalexperten. Als amphibische Lebewesen, für die Wasser ein wichtiger Lebensraum ist, trotzten sie den immer widriger werdenden Bedingungen. In dem Maße wie die Sahara sich von einer Savanne zur Wüste entwickelte, veränderten die Krokodile ihre Lebensweise und konnten bis heute überdauern.

So zogen sich die Reptilien nicht nur mit dem weichenden Wasser unter die Oberfläche zurück. Sie büßten im Laufe der Jahrtausende auch einen beträchtlichen Teil ihrer Körperlänge ein: Ihre nächsten Verwandten, die sich im breiten Senegalfluss aalen, messen immerhin stolze sechs bis sieben Meter.

Und wenn es ihnen doch mal zu heiß wird? Dann hilft nur noch eines: verbuddeln und die Hitzewelle verpennen. In der Trockenzeit graben die Krokodile lange Gänge, in die sie sich für ihre wohlverdiente Sommerruhe zurückziehen – wenn es sein muss, monatelang.