Sturm auf den Philippinen"Die Menschen schliefen schon, als die Sturzflut kam"

Mindestens 440 Menschen sind bei Überflutungen auf den Philippinen gestorben, Hunderte werden vermisst, Zehntausende sind obdachlos. Viele wurden im Schlaf überrascht. von AFP, dpa und Reuters

Das Wasser kam in der Nacht. Als die Sturzflut, ausgelöst vom Tropensturm "Washi", die Insel Mindanao, 800 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila erreichte, waren die meisten Bewohner schon zu Bett gegangen. "Die Menschen schliefen schon, als die Sturzflut kam", berichtet Lawrence Cruz, der Bürgermeister von Iligan, einer Stadt im Norden von Mindanao.

Zwar hatte es am Abend zuvor Sturmwarnungen gegeben. Viele Bewohner hatten die Warnungen jedoch ignoriert. In der Region sind Tropenstürme nicht selten, bislang aber hatten sie vor allem die Hauptinsel Luzon getroffen. Mindanao war meist verschont geblieben. Diesmal jedoch nicht.

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Binnen kurzer Zeit schwoll das Wasser in den Flüssen auf der Insel mit mehr als zehn Millionen Einwohnern an. Dann trat es über die Ufer und rauschte in einigen Gemeinden wie eine hohe Wasserwand durch die Straßen. Die Wassermassen rissen viele der leicht gebauten Häuser mit.

Bewohner retteten sich auf die Häuserdächer

Manche Einwohner konnten sich in aller Eile auf ihre Dächer retten. Andere sprangen aus dem zweiten Stockwerk in Rettungsboote. Am schwersten getroffen wurden die Städte Cagayan de Oro and Iligan. Das Militär berichtet von 208 Leichen in beiden Städten.

Fernsehbilder von Reportern auf der Insel zeigten zusammengebrochene Hütten und Häuser. Auf dem Meer trieben Holzplanken. Auf der Küstenstraße türmten sich Autos übereinander. Bäume waren entwurzelt, Strommasten umgeknickt.

Eine Bewohnerin von Mindanao wachte durch das dröhnende Getöse draußen auf und sah die Sturzflut. "Wir mussten beim Haus meines Bruders das Dach aufreißen und hochklettern, sonst wären wir ertrunken", sagt sie. "Es war stockdunkel", berichtet ein anderer Bewohner, der mit seinen beiden kleinen Kindern auf das Dach geflüchtet war. "Wir haben inbrünstig gebetet. Wir konnten erst nach sechs Stunden runterkommen und haben viele Leichen gesehen."

Washi trifft auch weitere Inseln

Auch auf anderen Inseln der Philippinen, auf Negros etwa, wo mindestens 18 Menschen starben, wurden die Menschen im Schlaf überrascht. Die Zahl der Toten liegt nach Angeben des Roten Kreuzes mittlerweile bei mindestens 440 Menschen und steigt vor allem im Süden der Philippinen weiter an. Laut dem Zivilschutz werden mehr als 375 noch vermisst.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen wurden mehr als 22.000 Familien durch das Unwetter obdachlos. In weiten Teilen der Insel fiel der Strom aus. Auch mussten einige Flüge gestrichen werden. Die Rettungsarbeiten laufen unter Hochdruck. Per Hubschrauber und Boot wird nach Überlebenden gesucht. Staatschef Benigno Aquino ordnete die Errichtung von zehn Notlagern an. Außenminister Guido Westerwelle sprach der philippinischen Regierung seine Anteilnahme aus.

Die Philippinen werden immer wieder von heftigen Tropenstürmen heimgesucht. Im September und Oktober 2009 hatten die Taifune Ketsana und Parma mehr als tausend Menschen getötet und verheerende Überschwemmungen angerichtet.

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Leserkommentare
  1. Es ist die Ausbeutung, die Armut, die schlechten Häuser und Kanäle, unser System, von dem wir profitieren. In keinem Land habe ich fröhlichere Menschen getroffen als dort,[...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Äußerungen. Danke. Die Redaktion/vn

  2. 2. Na ja,

    "verheerende Überschwemmungen"!?

    Ehrlich?

    Wer sich Lage und Morphologie von Cagayan de Oro anschaut erkennt eine, wenig zweckmäßig, angelegte Siedlungsanhäufung auf einem Schwemmfächer..... soweit nachvollziehbar, ist ja auch das einzig ebnen Gelände.....

    Das Hinterland des zugehörigen Einzugsgebietes besitzt ein oberirdisches Einzugsgbiet von deutlich > 1000 km2. Das Gelände wird von den Vulkanen der Mount Kitanglad Range bestimmt. Was auch die plötzliche Entwicklung von vernichtenden Schlammlawinen erklärt. Schon die "normale" Sedimentfracht ist auf den google-Bildern zu erahnen.
    Was für Hochwasserwellen da zu erwarten sind kann etwa an Niederschlag, Abflussuerschnitt und Feldkapatzität ausgerechnet werden.

    Ein Blick auf die zum Einzugsgebiet gehörenden hydrologischen Kennzahlen und die Sedimente des Schwemmfächers(auch Überflutungsterrassen) lassen zweifelsfrei klären, ob es sich um ein singuläres Ereignis geahndelt hat oder nicht.

    Ganz ohne statistische Spielereien, der übliche wasserbaulich-hydrologische Leichtsinn.

    MfG Karl Müller

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lob05
    • 18. Dezember 2011 2:40 Uhr

    mit leider geringem Praxisnutzen - die größtenteils alternativlosen Einwohner werden mit einem "Hey, ganz offensichtlich, ihr wohnt hier ungünstig." wohl nur schwerlich umzusiedeln sein. Kommentar eins schneidet es an, doch nicht nur "wir" profitieren, die Disparitäten in Hinsicht auf Vermögensverteilung lassen erahnen wen solche tragischen Ereignisse in dieser Region am härtesten treffen..

    • lob05
    • 18. Dezember 2011 2:40 Uhr

    mit leider geringem Praxisnutzen - die größtenteils alternativlosen Einwohner werden mit einem "Hey, ganz offensichtlich, ihr wohnt hier ungünstig." wohl nur schwerlich umzusiedeln sein. Kommentar eins schneidet es an, doch nicht nur "wir" profitieren, die Disparitäten in Hinsicht auf Vermögensverteilung lassen erahnen wen solche tragischen Ereignisse in dieser Region am härtesten treffen..

    Antwort auf "Na ja,"
  3. studieren Sier doch erstmal die Fachliteratur zum Thema "Oberirdischer Abfluss"; sie werden staunen.

    Der trifft nämlich ohne Ansehen der Person auch die Hangbewohner in Gestalt der Auswirkungen einer schnell überschritteten Feldkapazität der Böden in tropischen Zonen.

    Übrigens zeigt ein gründlicher Blick auf die Sat-Bilder auch Golfplätze und keineswegs nur prekären Wohngebiete!

    Auch die Qualität des Straßennetzes im überfluteten Gebiet läßt hier noch Fragen offen; aber auch diese können gewiss "soziologisch" beantwortet werden?

    MfG Karl Müller

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Guido Westerwelle | Benigno Aquino | Hilfsorganisation | Philippinen | Schlaf | Stadt
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