BienensterbenParasit könnte Massensterben der Bienen mitverursacht haben

Als Ursache für das Sterben Hunderttausender Bienenvölker kommen vermutlich viele Faktoren zusammen. Forscher haben eine neue parasitäre Fliege in Bienen entdeckt. von dpa

Bienen in einem Bienenkasten

Bienen in einem Bienenkasten  |  © Srdjan Zivulovic/Reuters

Seit Jahren rätseln Forscher um das Bienensterben in den USA : So schadet etwa der Einsatz bestimmter Pestizide den Insekten und sie sind zahlreichen Krankheitserregern und Parasiten, wie etwa Milben, ausgesetzt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine ungünstige Kombination aus mehreren solcher Einflüsse dazu geführt hat, dass in den USA aber auch in anderen Teilen der Erde Bienenvölker zugrunde gehen.

Wissenschaftler der San Francisco State University (USA) berichten jetzt im Fachjournal PLoS ONE von einer Fliegenart, die bisher nur als Parasit von Hummeln bekannt war. Diese Parasiten nisteten sich aber auch in Honigbienen ein, die daraufhin ihren Bienenstock verlassen, zu einem Rundflug aufbrechen und sterben.

Bislang wurde die Fliege ( Apocephalus borealis ) in Kalifornien und South Dakota bei Bienen nachgewiesen. Wenn sie ein neuer Parasit sei, "könnte sie Bienenkolonien in ganz Nordamerika bedrohen", schreiben die Forscher. Ganz unwahrscheinlich sei das nicht. "Honigbienen gehören zu den am besten untersuchten Insekten auf der Welt", wird Hafernik in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. "Also sollte man annehmen, dass wir diesen Parasit schon kennen, wenn er schon lange existiert."

Hafernik hatte die Fliege zufällig entdeckt. Als er 2008 nach Futter für ein Laborinsekt suchte, sammelte er ein paar Bienen unter der Außenbeleuchtung des Biologie-Instituts ein. "Aber als zerstreuter Professor vergaß ich die Bienen in ihrem Glasfläschchen auf meinem Schreibtisch", wird Hafernik zitiert, "und wunderte mich später über die vielen Fliegenpuppen, die die Bienen umgaben". Die Tiere waren aus Eiern geschlüpft, die Apocephalus borealis in den Bienen abgelegt hatte. Die Bienen selbst waren zu diesem Zeitpunkt schon tot.

Anzeige
Bienenvölker

Die Zahl der Bienenvölker in Europa und Nordamerika ist seit Langem rückläufig. In den USA sank sie zwischen 1947 und 2005 um 59 Prozent, in Mitteleuropa zwischen 1985 und 2005 um 25 Prozent. Die Winterverluste der letzten Jahre sind also Teil eines langfristigen Trends.

Weltweit gibt es laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rund 65 Millionen bewirtschaftete Bienenvölker. Gegenüber 1961 ist dies eine Zunahme von 45 Prozent, vor allem Südamerika und China haben dazu beigetragen. In derselben Zeit ist jedoch auch der Teil der Agrarproduktion, der auf Bestäubung durch Insekten angewiesen ist, um 300 Prozent gestiegen.

Ursachen für den Rückgang

Die Liste der Ursachen für den Rückgang in den USA und Europa ist lang. Sie reicht vom »Imkersterben« in Ländern, in denen die Imkerei vor allem als Hobby betrieben wird, über Futtermangel in der industrialisierten Landwirtschaft und Parasiten (allen voran die Varroamilbe) bis hin zum Einsatz von Pestiziden im Pflanzenbau und im Bienenstock. Wie diese Faktoren ineinandergreifen, welche sich direkt auswirken und welche als »subletale Effekte« über Generationen hinweg wirken, ist weitgehend ungeklärt.

Kosten

Der Verlust der Bestäuber kann teuer werden. Für 2005 wurde ihr Anteil an der weltweiten landwirtschaftlichen Erzeugung für den menschlichen Verzehr (ohne Futterpflanzen) auf 9,5 Prozent geschätzt; das entspricht 153 Milliarden Euro. Zwar würde der Mensch durch den Ausfall der Bestäubung nicht verhungern, neue Studien zeigen jedoch, dass die Nutzpflanzen, die durch Insekten bestäubt werden, mehr als 90 Prozent des natürlichen Vitamins C in unserer Nahrung enthalten, sowie Antioxidantien, Lipide, Vitamin A, Kalzium, Fluorid und Folsäure – essenzielle Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung.

Um die Bestäubung dieser Pflanzen für nachfolgende Generationen sicherzustellen, empfiehlt das Umweltprogramm der UN unter anderem, sich nicht auf eine einzige Insektenart wie die Honigbiene zu konzentrieren, sondern ein breites Spektrum alternativer Arten zu schaffen beziehungsweise zu erhalten.

Mit den Eiern im Körper waren die Bienen ausgeschwirrt und hatten sich mit anderen kranken Bienen in der Nähe von Lichtquellen versammelt. Befallene Tiere liefen ständig im Kreis herum, ohne jeden Orientierungssinn, schreibt Andrew Core in der Mitteilung. "Sie strecken ununterbrochen ihre Beine aus und fallen dann hin. Sie sehen aus wie Zombies."

Welche Rolle der Parasit beim Kollaps der Bienenvölker in den USA spielt, müsse noch untersucht werden. Analysen befallener Bienenstöcke ergaben, dass sowohl Bienen als auch Fliegen oft von Krankheiten heimgesucht wurden: von einem Virus, das die Flügel deformiert und einer Pilzerkrankung. Viele Wissenschaftler sehen in diesen Erregern die Ursache für das Massensterben.

Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden, wie genau der Parasit das Verhalten der Bienen beeinflusst.

"Vielleicht mischt er die 'Uhr-Gene' der Bienen auf, mit denen die Bienen ihren normalen Tag-Nacht-Rhythmus beibehalten", sagte Hafernik. Auch sei nicht klar, ob die kranken Bienen das Nest freiwillig verlassen oder hinausgeworfen werden. Die Bienen sollen nun mit winzigen Sendern und Videokameras überwacht werden.

Wie die Bienenvölker in Zukunft geschützt werden können, ist ebenfalls noch nicht klar. Eine wesentliche Information fehle den Wissenschaftlern dafür: Der Ort an dem die Bienen befallen werden . "Wahrscheinlich passiert es draußen, wenn die Bienen ausfliegen zur Futtersuche. Denn bei den Bienenstöcken haben wir die Fliegen bisher nicht beobachtet."

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Hab mich letztens gerade über dieses Thema mit unseren Dorfimker unterhalten.
    Er meinte, dass in Mecklenburg, die Varroamilbe nicht der Hauptgrund für das Bienensterben sein soll.
    Das Problem sei die mangelnde Bereitschaft zur Kommunikation seitens der Agrabetriebe mit den Imkern.
    Früher wurden erst mal weniger Pestizide versprüht und man hat sich abgesprochen wann und wo gerade das Pestizid aufgetragen wird. Das geschieht heute wohl nicht mehr. Die Agrabetriebe sollen auch nicht sonderlich dran interessiert sein. Früher bei den LPG eigenen Genossenschaftsimkern gab’s das nicht.
    Ach so. Die Pestizide an sich sollen nicht schädlich für die Bienen sein. Das Problem ist wohl, dass die Biene, wenn sie zum Stock zurück kehrt, aufgrund des veränderten Geruches durch das Pestizid, nicht mehr in den Stock gelassen wird und von den Arbeiterbienen zu Tode bekämpft wird.
    Weitere Punkte sind Flurbereinigung, Umbruch von Brachflächen, selbstfruchtende Pflanzen, Monokulturen usw….

  2. Wir gehen davon aus, dass sich die Kräfte in der Natur immer ausgleichen, eventuell ist unser Ökosystem aber instabiler als dies in unserem momentanen Weltbild verankert ist.

    Antwort auf "Erreger gibts immer"
  3. 1. Ausgehend von den Erkenntnissen über seit langem bekannte Bienenkrankheiten ist es wahrscheilich,
    dass der Parasit nur oder fast nur Bienevölker gefährdet,
    die bereits durch andere Ursachen geschwächt sind.
    2. Normalerweise kann eine Art durch einen neuen Parasiten nicht ausgerottet werden. Es sei denn,
    durch menschliche Einflüsse ist die genetische Vielfalt in der Art, hier also bein dem "Haustier" Honigbiene, bereits stark verringert.
    Üblicherweise werden etwa 98% der Individuen einer Art, hier also der Bienenvölker, durch einen neuen Krankheiterreger getötet, 2% überleben und nach ein paar Generationen sind etwa 98% der Individuen gegen den neuen Krankheitserreger resistent.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bienen sind unabdingbar für den Fortbestand unserer Nutz-, Wild- und Kulturpflanzen. Bei der Ausrottung von 98% dieser Tiere wäre ein nachhaltiger schaden für das Ökosystem und die Menschheit offensichtlich.

    Mich würde interessieren, wie sie diese 98% auf die Honigbiene anwenden.

    wenn 98% der Individueen eines Bienenvolkes sterben, ist das Volk tod, egal, wie stark es ursprünglich war, ob die Königin noch lebt, oder nicht.

    Bei der Honigbiene ist das ganze Volk EIN ORGANISMUS.

    Ansonsten: Bienen sind inzuchtgefährdet. Allerdings hat das wohl kaum praktische Bedeutung. Die Bienendichte ist in D. noch recht hoch (ca. 600 000 Völker), die Königinnen werden mehrfachbegattet (von bis zu ca. 20 versch. Drohnen) und Drohnen haben einen Flugradius von bis zu 10 km.

    Allenfalls in abgeschnittenen Gebieten, wo mit nur wenigen Linien gearbeitet wird, kann es Probleme geben, so soll die Häufung von Sauerbrutfällen in Teilen der Schweiz eben darauf zurückgehen, dass dort nur die Nigra gezüchtet wird (werden darf?)

  4. Bienen sind unabdingbar für den Fortbestand unserer Nutz-, Wild- und Kulturpflanzen. Bei der Ausrottung von 98% dieser Tiere wäre ein nachhaltiger schaden für das Ökosystem und die Menschheit offensichtlich.

    Antwort auf "zwei Gegenargumente"
  5. dass das Bienensterben in den USA parallel zu der Grünen Gensaat zugenommen hat. Und in Deutschland spiegelt sich das genauso wieder! Fragt doch mal nach bei den Imkerverbänden! Die protestieren doch überall, wurden aber immer wieder mit dieser Varoa-Milben-Erklärung abgespeist und jetzt lassen sich die von der Gentech-Industrie bezahlten Wissenschaftler eben noch andere "Erklärungen" einfallen! Wer heute lügen will, kann das endlos und ungestraft in aller Öffentlichkeit tun, er muß nur genügend Geld und Macht besitzen!

  6. auch noch die bisher noch nicht bedachte Möglichkeit einer natürlichen Instabilität der Natur selbst zur Diskussion gestellt! Da kann man doch sehen, wie das gespannte Lügennetz der Giftmischer seine Wirkung tut und degenerierend das Denken von Menschen manipuliert! Die Milben hat es immer schon gegeben, aber die Grüne Gentechnik nicht!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...hat es (laut Info) immer schon gegeben, aber nicht in europäischen Gefilden, sondern im asiatischen Raum. Die Milbe ist eingeschleppt und die hiesigen Bienenarten erkennen diese nicht als Feinde (weil unbekannt). Die asiatischen Bienenstämme dagegen haben Abwehrmechanismen bilden können.

    Grüne Gentechnik würde ich eher nicht, oder nicht primär vermuten. Wesentlich plausibler scheint es da zu sein, dass die Bienen durch Zucht nicht mehr genügend gegen ihre Umwelt immunisiert sind, oder aber weil die heutigen Methoden der Landwirtschaft generell problematisch sind. Riesige Felder in Monokultur, mit immer dichteren Bewuchs, ohne Chance für Wildpflanzen und Kräuter, wirken für Bienenstämme ebenso flächenversiegelnd, wie große Wohn- Industrie- und Gewerbeflächen. Zusätzlich erfordert die hochindustrielle Landwirtschaft auch einen starken Einsatz von Pflanzenschutzmittel, bei denen vielfach ungeklärt ist, wie diese auf Bienenvölker wirken. Grüne Gentechnik kann sicherlich auch seinen Teil dazu beitragen, aber wahrscheinlich in einem kleineren Umfang, wie man vielleicht annehmen mag.

  7. ...hat es (laut Info) immer schon gegeben, aber nicht in europäischen Gefilden, sondern im asiatischen Raum. Die Milbe ist eingeschleppt und die hiesigen Bienenarten erkennen diese nicht als Feinde (weil unbekannt). Die asiatischen Bienenstämme dagegen haben Abwehrmechanismen bilden können.

    Grüne Gentechnik würde ich eher nicht, oder nicht primär vermuten. Wesentlich plausibler scheint es da zu sein, dass die Bienen durch Zucht nicht mehr genügend gegen ihre Umwelt immunisiert sind, oder aber weil die heutigen Methoden der Landwirtschaft generell problematisch sind. Riesige Felder in Monokultur, mit immer dichteren Bewuchs, ohne Chance für Wildpflanzen und Kräuter, wirken für Bienenstämme ebenso flächenversiegelnd, wie große Wohn- Industrie- und Gewerbeflächen. Zusätzlich erfordert die hochindustrielle Landwirtschaft auch einen starken Einsatz von Pflanzenschutzmittel, bei denen vielfach ungeklärt ist, wie diese auf Bienenvölker wirken. Grüne Gentechnik kann sicherlich auch seinen Teil dazu beitragen, aber wahrscheinlich in einem kleineren Umfang, wie man vielleicht annehmen mag.

    • digl57
    • 08. Januar 2012 18:11 Uhr

    Die Varroa destructor, wie sie jetzt genannt wird, wurde Anfang der 80er Jahre aus Asien importiert, teils gelangte sie über den Landweg nach Europa, teils mit Bienenvölkern. In Asien hatte sie mit der dortigen A.Cerana ein Geltlemanagreement, d.h. sie kannten sich, und die Apis cerana wußte, wie mit ihr umzugehn ist.
    Unsere Biene in Europa mußte die Anpassung nie lernen, also ist sie jetzt überfordert. Dazu kommt allerdings eine Zunahme der Nosema ceranae, die eher im Sommer zuschlägt, als die europ. Nosema zander. Fast a bißl viel Fachinfos, aber kurz ausgedrückt:
    des kommt vom globalen Bienenhandel.

    Antwort auf "Nachtrag"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Pestizid | Tier | USA | Virus | Krankheit | Sender
Service