"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hunde in einer Weise auf menschliche Kommunikation reagieren, wie wir dies bislang nur von Kleinkindern kannten", sagt József Topál von der ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest. Der Verhaltensbiologe hat zusammen mit Kollegen die kognitiven Fähigkeiten des besten Freundes des Menschen untersucht. Viele Hundebesitzer sehen sich nun wohl bestätigt. Ihre Haustiere benehmen sich kommunikativ offenbar ganz ähnlich wie Säuglinge und Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren.

Die Forscher konnten zeigen, dass die Vierbeiner nicht nur auf Sprache reagieren, sondern auch auf viel stärker als bislang vermutet auf Blicke und Gesten von Menschen. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler nun im Magazin Current Biology veröffentlicht .

Topál und seine Forscherkollegen beobachteten vor allem, wie 16 der insgesamt 61 Hunde, die erfolgreich an den Versuchen teilnahmen, auf Augenkontakte mit Menschen ansprachen. Dazu spielten sie den Tieren verschiedene Videos vor. In einem wandte sich eine Frau demonstrativ dem Hund zu, sagte mit hoher Stimme "Hi Dog!" und blickte dabei direkt in Richtung ihres vierbeinigen Zuschauers. In einem zweiten Video fehlte die überschwengliche Begrüßung, die Frau grüßte mit tiefer Stimme und ohne in die Kamera zu schauen. In allen Videos blickte sie anschließend auf einen von zwei Behältern, die rechts und links von ihr auf einem Tisch standen.

Die Hunde verhielten sich wie menschliche Kleinkinder

Die Forscher erfassten die Augenbewegungen der Hunde. Die Tiere folgten vor allem dann dem Blick der Frau auf die Behälter, wenn sie zuvor direkt angeschaut und angesprochen worden waren. Andernfalls schauten die Hunde mit gleicher Wahrscheinlichkeit zu den Behältern. Entscheidend sei die Art der Ansprache und der direkte Blick gewesen, berichten die Forscher. Ohne diese Faktoren erregte selbst eine bunte Signalscheibe am Kopf der Frau kaum die Aufmerksamkeit der Tiere. Ihre Studie sei die erste, die Augenbewegungen von Hunden aufgezeichnet habe, um deren soziale Fähigkeiten zu untersuchen.

Ganz ähnliche Versuche seien bereits mit Kindern im Alter von etwa einem halben Jahr durchgeführt worden – mit den gleichen Ergebnissen. "Hunde reagieren demnach ebenso wie Kleinkinder auf Signale, die eine kommunikative Absicht anzeigen", sagt Topál. Auch kleine Kinder folgen der Blickrichtung eines Erwachsenen viel eher, wenn sie zuvor direkt angesprochen wurden. Ob die Hirne von Vierbeinern und Menschen die Informationen ähnlich verarbeiten, sei noch unklar, sagt Topál. "Aber schon jetzt bescheren uns die Augenbewegungen einen exklusiven Einblick in die Funktionsweise des Hundeverstands."