Es hat eine Weile gedauert, bis man der Dohle als Objekt der Wissenschaft näherkam. Denn früher dachte man, dass diese und andere Rabenvögel sich vornehmlich im Umfeld von Hexen aufhalten und den Menschen daher Unglück bringen. Angesichts ihres düsteren grau-schwarzen Federkleids eine nachvollziehbare Assoziation.

Erst der Verhaltensforscher Konrad Lorenz pfiff auf jeglichen Aberglauben und näherte sich den taubengroßen Vögeln mit dem Blick eines Forschers. Dabei fand er unter anderem heraus, dass Dohlen sich über ihre Instinkte hinaus merken können, wer ihnen wohlgesonnen ist und wer nicht. Nähert sich ein Feind, warnen sie ihre Artgenossen mit speziellen Rufen.

Stimmlich spielen Dohlen ohnehin in der Vogel-Champions-League, sie sind nämlich großartige Imitatoren: Neben ihrem angeborenen Repertoire schnappen sie im Laufe ihres bis zu zwei Jahrzehnte langen Lebens unzählige Geräusche auf – um ihre Stimme zu trainieren, aber auch, um andere Tiere und Artgenossen zu täuschen. Begabte Dohlen, die in der Stadt leben, können Klingeltöne von Handys perfekt imitierten .

Die Vögel mit den auffallend hellblauen Augen sind nicht nur Nachmacher, sondern vollziehen auch geistige Transferleistungen: Plant eine Dohle, ihr Nest in einem Schornstein zu bauen, lässt sie zunächst einen Zweig hineinfallen , um zu hören, wie tief der Schlot ist. Dohlen sind Höhlenbrüter, neben Schornsteinen stehen Mauerlöcher, Dachstühle und Kirchtürme hoch im Kurs. Die Vögel sind zudem versierte Kletterer, eine senkrechte Mauer stellt keine Herausforderung für sie dar.

Außerhalb ihres Verstecks segeln Dohlen galant durch die Lüfte. Schon im ersten Lebensjahr suchen sich sich einen Partner, dem sie bis ins hohe Dohlen-Alter treu bleiben. Herumfliegen, fressen, brüten, entspannen – all das macht ein Dohlenpaar gemeinsam. Außerdem leben Dohlen meist in größeren Kolonien und pflegen außerordentlich enge Nachbarschaftsbeziehungen. Um den Nachwuchs kümmern sich nicht nur die eigenen Eltern, sondern auch andere Altvögel. Und wenn eine Dohle krank ist, hat sie genügend fürsorgliche Betreuer .

Um gut versteckt in Ruhe brüten zu können, brauchen Dohlen-Paare allerdings Nischen. Wenn Häuser saniert und modernisiert werden, gehen solche Nistplätze verloren. Hinzu kommt, dass auch Wiesen und Ackerland schwinden. Damit schrumpfen genau die Flächen, auf denen sich die Rabenvögel mit frischen Würmern, Schnecken und Larven eindecken. Der Bestand der Dohlen ist in Deutschland rückläufig, hierzulande brüten zurzeit rund 100.000 Paare. In mehreren Bundesländern steht Corvus monedula auf der Roten Liste gefährdeter Arten, in Brandenburg ist sie nach Informationen des Naturschutzbundes (Nabu) sogar vom Aussterben bedroht.