Der Kofferfisch setzt erfolgreich einen Konterpunkt zum Schlankheitswahn. Statt 90-60-90 misst er je nach Art etwa 20-45-20. In Zentimetern natürlich. Und auch wenn manches Exemplar doch etwas zierlicher ausfällt – das Verhältnis von Höhe, Länge und Breite bleibt entsprechend voluminös. Trotzdem ist er als Model(l) sehr erfolgreich: Er war gewissermaßen die inspirierende Muse für den Autohersteller Mercedes , der nach Vorbild des Ostracion cubicus ein Auto entwarf .

Inspirierend waren für die Autobauer wohl nicht Farbe und Muster des Kofferfisches , sondern seine so gar nicht normgerechte Form. Obwohl augenscheinlich eckig und eher plump, hat der Kofferfisch einen besonders niedrigen Strömungswiderstand. So niedrig, dass das nach seinem Vorbild gebaute Bionic-Car sogar den windschnittigen Porsche hinter sich lässt . Um bei Maßen zu bleiben: Der Strömungswiderstand eines Körpers wird als C w -Wert angegeben. Mit einem C w von 0,06 ist der Kofferfisch also deutlich aerodynamischer als das Bionic-Car mit 0,19 oder der Porsche, der mit 0,30 weit abgeschlagen ist. Die Erfolgsformel lautet: kleiner C w -Wert = wenig Widerstand = geringer Verbrauch.

Bei solch einer Erfolgsgeschichte bleiben Neider und Feinde nicht aus, doch der Kofferfisch ist dafür gewappnet: Neid prallt einfach an seinem Panzer ab, der aus vielen kleinen sechseckigen Knochenplatten besteht. Auch diese Eigenschaft begeisterte die Autohersteller, denn bei geringem Gewicht bietet diese Konstruktion Crash-Sicherheit.

Doch hinter jeder harten Schale steckt bekanntlich ein weicher Kern, und wenn der von einer Kofferfisch-Dame erwärmt wird, dann heißt es für den Kofferfisch: ab zum Rendezvous-Felsen. Denn an so einer erhöhten Stelle in ihrem Revier laichen die Weibchen, während die Männchen ihre Geschlechtszellen ins Wasser abgeben.

Der sonst so friedliche Kofferfisch trägt unterm Panzer allerdings noch eine Wunderwaffe, die buchstäblich alles und jeden erstarren lässt, der den Fisch unterschätzt: In seiner Haut ist das Nervengift Pahutoxin eingelagert. In einem kleinen Aquarium kann ein erschrockener Kofferfisch damit ein regelrechtes Massensterben auslösen. Denn stirbt ein Kofferfisch (oder wird angegriffen), sondert er schlagartig einige Spritzer davon ab. Das Gift lähmt die Muskeln der Angreifer: Das Letzte, was sie in ihrem Leben zu Gesicht bekommen, sind grelle, bunte Punkte – und zwar auf 20 mal 45 mal 20 Zentimetern.