Während der Südosten Australiens gerade von den stärksten Überschwemmungen seit mehr als 30 Jahren heimgesucht wird, sind in anderen Landesteilen schon wieder Feuer ausgebrochen. Zuletzt geriet ein Buschfeuer im Norden der Stadt Perth außer Kontrolle.

Für Australier sind die Feuerstürme nichts Außergewöhnliches. Jedes Jahr brennt es – im Winter vor allem im Norden, im Sommer im Süden. Vergangenes Jahr wurden fünf Prozent des Kontinents vom Feuer verzehrt – das entspricht ungefähr der Fläche Deutschlands. Am 7. Februar 2009, der als Schwarzer Samstag in die Geschichte einging , starben im Süden des Landes 173 Menschen, als sie versuchten, einem Feuersturm zu entkommen.

Wieder einmal soll eine eingeschleppte Art schuld sein an der Misere: Diesmal liegt der Fokus auf dem aus Afrika nach Australien gelangten trockenen Bartgras (Andropogon gayanus) , das dem Feuer reichlich Zunder bietet und auf dem Kontinent ungehindert wächst. Die großen Halme seien einfach zu robust als Nahrung für die Kängurus und Rinder, schreibt David Bowman, Umweltbiologe an der University of Tasmania , jetzt in einem Kommentar im Wissenschaftsmagazin Nature.

Mit invasiven Arten haben die Australier bislang durchweg schlechte Erfahrungen gemacht. Entsprechend überraschend ist Bowmans Vorschlag, wie man dem Bartgras Einhalt gebieten könnte: Elefanten sollen her. Sie könnten das Bartgras abfressen und so vor Buschfeuern schützen, meint der Forscher.

Das Bartgras, um das es Bowman geht, wurde in den dreißiger Jahren auf den Kontinent gebracht, als Futter für die ebenfalls durch den Menschen nach Australien verfrachteten Rinder. Es kann bis zu 40-mal mehr Rinder ernähren als die einheimischen Grassorten, doch wenn es nicht mehr abgegrast wird, weil die Samen in alle Himmelsrichtungen verteilt werden, kann es bis zu vier Meter hoch wachsen. In der Trockenzeit wirken Bartgras-Felder wie Pulverfässer. Aber die Rinderzucht war und ist eben einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes.

Ökologische Versuchsanstalt Australien

Schon seit der Ankunft der ersten europäischen Siedler im Jahr 1788 gleicht Australien einem riesigen Freiluftexperiment. Eine ganze Reihe an Nutztieren und Pflanzen brachten die Einwanderer absichtlich mit, andere Arten gelangten als blinde Passagiere auf den Kontinent, dessen einzigartige Flora und Fauna weder auf sehr vermehrungsfreudige und gefräßige Säugetiere noch auf wuchernde Pflanzen ohne natürliche Feinde eingestellt war.

Während Pferde und Schweine verwilderten, den Kontinent abgrasten und so zur Wüstenbildung beitrugen, richtete das eingeschleppte Zuckerrohr indirekt noch größeren Schaden an. Das Zuckerrohr hat zwar einen natürlichen Feind in Australien – den Zuckerrohrkäfer ( Dermolepida albohirtum ) – doch der Versuch, ihn zu bekämpfen, war ein Fehler, an dessen Folgen Australien bis heute leidet: Die europäischen Siedler setzten auf ihren Plantagen die giftige Aga-Kröte aus, die dem Käfer nachstellen sollte. Was dann passierte, ist heute über Australiens Grenzen hinaus bekannt.

Heute leben schätzungsweise 200 Millionen Exemplare der handtellergroßen Kröten im tropischen Teil Australiens. "Ich finde oft tote Schlangen, Echsen, Marder oder Krokodile, die eine halb verdaute Kröte im Magen haben", erzählt ein Ranger im Kakadu-Nationalpark. Die Kröte produziert ein Gift, das sie über sie Haut absondert. Das Einzige, was ihr Einhalt gebietet, ist Wassermangel – und ein paar Fleischameisen vielleicht. Für den Zuckerrohrkäfer hat sie sich übrigens nie interessiert.