In Deutschland müssen wir uns fragen, ob wir uns in der Agrarforschung nicht zu stark auf den Bereich der biotechnologischen Möglichkeiten fokussieren, während klassische Ansätze kaum mehr gewürdigt werden, wenn es um die Bereitstellung von Forschungsgeldern geht. De facto sind nämlich die Getreideerträge in Deutschland trotz intensiver Züchtungsforschung in den vergangenen 20 Jahren kaum noch gestiegen. Die Ursachenforschung verweist teilweise auf klimatische Effekte; aber auch die landwirtschaftliche Praxis mit immer engeren Fruchtfolgen, reduzierter Bodenbearbeitung und dem daraus resultierenden vermehrten Druck von Krankheitserregern dürften zum Ursachenkomplex beitragen.

An den Universitäten werden die klassischen agrarischen Disziplinen abgebaut, weil vor allem in molekularen Forschungsansätzen Innovationen gesehen werden. Und dieser Trend setzt sich in den Ressortforschungseinrichtungen bis hin zu den Beratungsinstitutionen auf dem flachen Land fort. Holistische agronomische Ansätze werden also zugunsten der vermeintlich attraktiveren spezialisierten molekularen Forschung zunehmend vernachlässigt.

Was haben wir bisher an "Grüner Gentechnik" verpasst?

Bis heute sind weltweit zwei Eigenschaften im Anbau, die die grüne Gentechnik weltweit beherrschen. Das ist zum einen die Herbizidresistenz von landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, bekannt als Roundup Ready Crops (RR), wobei Pflanzen gegen den Totalherbizidwirkstoff Glyphosat resistent gemacht wurden. Dies hat vor allem in den USA und Südamerika zu einem Boom der Kulturen Soja und Mais geführt: Einerseits mit positiven Effekten für die Bodenstruktur, da die minimale Bodenbearbeitung ohne Pflug die gefürchtete Erosion vermeidet. Andererseits hat RR den Landnutzungswandel von natürlichem Grasland zu Soja und Maisanbau in Südamerika erst möglich gemacht, mit erheblichen Konsequenzen für die Abnahme der Biodiversität und die Freisetzung von Klimagasen.

Zudem gelangt Glyphosat in Grundwasser und Flüsse und steht nicht erst seit jüngster Zeit hinsichtlich der Ökotoxizität weltweit in der Diskussion und schließlich hat der übermäßige Einsatz dieses Mittels weltweit zu erheblichen Resistenzbildungen beigetragen, was wiederum den zusätzlichen Einsatz klassischer Unkrautbekämpfungsmittel notwendig macht.

Für Deutschland und die meisten EU-Länder hat der Verzicht auf RR gerade vor dem Hintergrund der umstrittenen Effekte bezüglich der Ökotoxizität keine besonders negative wirtschaftliche Bedeutung für die Landwirte.

Auf ZEIT ONLINE schreiben führende Agrar-Experten über Chancen und Risiken der Grünen Gentechnik © Christopher Furlong/Getty Images

Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten gentechnischen Konstrukt, der Insektenresistenz auf der Basis von Toxinen des Bacillus thuringensis (Bt), welches ebenfalls vor allem in den USA, aber auch in Südamerika und Asien eingesetzt wird. Der Einsatz dieses Konstruktes führt zu engen Fruchtfolgen bis hin zu Monokulturen zum Beispiel im Maisanbau. Dieser einseitige Anbau hat die Massenvermehrung spezieller Schädlinge überhaupt erst möglich gemacht. Gerade beim Maisanbau in Deutschland hat sich jedoch in den Freisetzungsversuchen mit Bt-Mais gezeigt, dass in der Regel keine deutlichen positiven Effekte auftraten, da aufgrund der in weiten Teilen noch vorherrschenden Einhaltung der guten fachlichen Praxis hinsichtlich der Fruchtfolgegestaltung diese relevanten Schädlinge kaum auftreten.

Das heißt zusammenfassend: Bisher haben die Landwirte in Deutschland keinen ausgeprägten wirtschaftlichen Schaden daran genommen, dass das Gentechnikgesetz den Anbau nahezu ausschließt.

Wenn man die Vorbehalte gegen die Grüne Gentechnik in weiten Teilen der Gesellschaft in Deutschland verstehen will, dann ist dieses ein Mosaikstein: Trotz intensiver Kampagnen über den Nutzen der Grünen Gentechnik, wäre dieser Nutzen für die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten marginal gewesen. Wir haben also bisher nicht viel verpasst!