Bei Vincent van Goghs Sternennacht über der Rhone steht der prachtvolle Sternenhimmel im Vordergrund des Gemäldes. So wie der Maler im 19. Jahrhundert den Himmel gesehen hat, ist er in den Großstädten heutzutage allerdings kaum noch zu erkennen. Bis auf wenige helle Sterne ist meist nur noch ein leerer, orange-gräulicher Himmel zu sehen.

Verantwortlich dafür ist die sogenannte Lichtverschmutzung, die auf die zunehmende Beleuchtung in Städten und Kommunen zurückzuführen ist.

Nicht nur für Hobby-Astronomen ist es dadurch schwieriger geworden, den Himmel zu beobachten. Auch nachtaktive Tiere, Zugvögel und Pflanzen leiden unter exzessiver Beleuchtung, die ihre natürlichen Lebensrhythmen durcheinander bringt. So verlieren etwa beleuchtete Laubbäume ihre Blätter im Herbst erst später und werden anfälliger für Frostschäden.

Auch für die Orientierungslosigkeit schlüpfender Meeresschildkröten sind beleuchtete Strände verantwortlich. Die Tiere finden normalerweise ihren Weg ins Wasser, indem sie sich instinktiv von den dunklen Silhouetten der Dünenvegetation wegbewegen. Fällt zu viel Licht auf den Strand, wird dieser Mechanismus gestört – mit fatalen Folgen für viele Jungschildkröten.

Hinzu kommt, dass durch den hohen Energieverbrauch der nächtlichen Außenbeleuchtung pro Jahr mehrere Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt werden. Das schädigt das Klima.

Was können wir tun? Auf Beleuchtung ganz zu verzichten ist keine Lösung. Wer aufmerksam durch die nächtlichen Straßen einer Großstadt läuft, wird aber viel unnötige Beleuchtung entdecken: Straßenlampen, die auf Fassaden oder in Fenster anstatt auf Bürgersteige und Straßen leuchten beispielsweise. Oder leere Parkplätze, die unnötig beleuchtet werden. Dazu Diskotheken und Clubs, die mit Skybeamern den nächtlichen Himmel als kostenfreie Werbefläche nutzen.

Eine am tatsächlichen Bedarf ausgerichtete Beleuchtung der Städte sowie Verordnungen und Gesetze, die unnötige Lichtorgien verbieten, würden einiges ändern. Wir sollten über unseren Umgang mit Licht nachdenken. Nicht nur, damit zukünftige Generationen den Himmel vielleicht wieder so sehen können, wie einst van Gogh ihn sah – voller heller Sterne und Sternbilder. Sondern auch, damit sich unsere Umwelt von den Schäden erholt, die die Lichtverschmutzung bereits angerichtet hat.