Klimaforscher Mojib Latif"Alarmismus ist mindestens genauso schlimm wie Skeptizismus"

Wie ernst ist der Klimawandel wirklich? Der Forscher M. Latif spricht im Interview über Klimaskeptiker und die Schwierigkeit, Menschen über die Erderwärmung aufzuklären. von 

ZEIT ONLINE: Herr Professor Latif, Klimawandel-Skeptiker sprechen Ihnen die fachliche Eignung ab, seit Sie im April 2000 vorhersagten, es werde in Mitteleuropa bald keine Winter mit Eis und Schnee mehr geben. Wie gehen Sie damit um, zu einer Hassfigur der Leugner der Erderwärmung geworden zu sein?

Mojib Latif: Ich habe das damals so nicht gesagt. Insofern gehe ich mit der Kritik gelassen um. Der Spiegel hat mich damals falsch zitiert. Meine Prognose bezog sich nicht auf das Jahr 2010, sondern auf die Zeitspanne zwischen 2050 und 2100 sowie auf den Fall, dass keine Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen werden.

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ZEIT ONLINE: Die Eiseskälte der vergangenen Wochen lässt viele Menschen erneut an Studien des Weltklimarats IPCC zur Erderwärmung zweifeln.

Latif: Das kommt sogar in akademischen Kreisen vor. Kein Mensch ist dagegen gefeit. Die Menschen sind es nicht gewohnt, langfristig zu denken, nur kurzfristig. Alles andere vergessen sie. Und dazu zählt, dass wir viele milde Winter in den vergangenen Jahrzehnten hatten.

ZEIT ONLINE: Was entgegnen Sie Menschen und selbst ernannten Experten, die nicht müde werden, zu behaupten, die Erderwärmung sei gestoppt?

Mojib Latif
Mojib Latif

Mojib Latif ist Meteorologe und Klimaforscher. Er arbeitet am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Sein Fachbereich ist die Ozeanzirkulation und Klimadynamik.

Latif: Das Packeis hat sich seit den 1980er Jahren um fast 30 Prozent zurückgezogen! Jemand, der sagt, es gebe keine Erderwärmung, muss mir erklären, warum das Eis an den Polkappen schmilzt. Er muss mir erklären, warum der Meeresspiegel steigt. Das sind Fakten, die keinen anderen Schluss zulassen, als den, dass sich unser Planet erwärmt.

ZEIT ONLINE: Wie ist die heutige CO 2 -Konzentration in der Atmosphäre im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu bewerten?

Latif: Der CO 2 -Gehalt ist heute so hoch wie seit mindestens 800.000 Jahren nicht mehr. Zu Beginn der Industrialisierung lag er noch deutlich unter dem heutigen Wert.

ZEIT ONLINE: Welche Argumente haben seriöse Skeptiker des Klimawandels?

Latif: Die eigentliche Frage ist, wie stark das Klima auf den Ausstoß von CO 2 , Methan usw. reagieren wird. Dass es wärmer geworden ist, kann niemand bestreiten.

Wie man den Trend zur globalen Temperatur umkehrt: Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern.

Wie man den Trend zur globalen Temperatur umkehrt: Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern.  |  © ZEIT-Grafik

ZEIT ONLINE: Der Manager beim Energiekonzern RWE, Fritz Vahrenholt , schreibt in seinem dem Buch Die kalte Sonne , in den letzten zwölf Jahren seien die Temperaturen in Mitteleuropa nicht mehr gestiegen. Wie überzeugen Sie ihn, dass sich die Erde gerade kräftig erwärmt?

Latif: Zehn oder 20 Jahre sind nicht aussagekräftig. Außerdem können sie den Klimawandel sehen. Das ist der Punkt: Sie sehen den Klimawandel! Doch viele Menschen mögen das Thema nicht. Diesen Menschen ist das Problem zu groß. Sie fühlen sich erleichtert, wenn da jemand wie Vahrenholt ist, der sagt: "Das ist alles nicht so schlimm."

Leserkommentare
  1. Hier werde Argumente aufgewärmt, die schon längst nicht mehr als seriöse Wissenschaft verkauft werden können. Siehe:

    http://www.youtube.com/wa...

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    Bob Carter ist nun wirklich ein ganz alter Vater der Klamotte!
    Näheres hier: http://www.skepticalscien...

  2. Roy W. Spencer, ein ehemaliger NASA-Klimatologe und Klimaexperte, entlarvt in diesem kunstvoll gemachten Video die globale Klimaerwärmungs-Agenda und die CO2-Lüge. Wir sind auf dem besten Weg in eine Ökodiktatur, in der wir deindustrialisiert und bestohlen werden, bis wir nichts mehr besitzen und unsere Kinder absolut abhängig vom Staat sein werden !
    Laßt uns unsere Kinder nicht in so einer Welt aufwachsen, in der das Wort Freiheit unter Terrorverdacht gestellt wird.

    Roy W. Spencer plädiert gegen die überregulierenden Kräfte des Staates, die uns zurück ins Mittelalter befördern sollen und sieht die selbstregulierenden und effizienten Mechanismen des freien Marktes als beste Lösung der Situation.

    http://www.youtube.com/wa...

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    • Ranjit
    • 21. Februar 2012 18:58 Uhr

    Roy W. Spencer ist nebenbei bemerkt ein Anhänger und Proponent des Intelligent Designs, also der PR-Masche religiöser Fundamentalisten in den USA um gegen die Evolutionstheorie Stimmung zu machen. Nichts für ungut, aber wer bei diesem unwissenschaftlichen Schmu mitmacht, der ist sich auch nicht für die Klimaerwärmungsleugner-Kampagne zu schade.

    • RGFG
    • 21. Februar 2012 19:03 Uhr

    http://www.realclimate.or...

    Zitat: "...The model has no realistic ocean, no El Niño, and no hydrological cycle, and it was tuned to give the result it gave..."

    Oder auch: http://thinkprogress.org/...

    Zitat: "...They committed serial errors in the data analysis, but insisted they were right and models and thermometers were wrong. They did little or nothing to root out possible sources of errors, and left it to others to clean up the mess, as has now been done.
    Amazingly (or not), the “serial errors in the data analysis” all pushed the (mis)analysis in the same, wrong direction. Coincidence? You decide..."

    Wie man irgendetwas von Roy Spencer noch ernst nehmen kann, ist mir ein Rätsel.

    Natürlich geht es bei der ganzen CO2 - Panikmache mal wieder im Wesentlichen um den schnöden Mammon. Auf der anderen Seite hat es aber etwas Gutes. Es wird sich vielerorts darum bemüht, den Verbrauch fossiler Energieträger zu reduzieren. Das war es dann auch schon. - Natürlich gibt es dann ja leider noch die Menschen, die fern jeglicher Sorge um die Unversehrtheit zukünftiger Generationen für die Nutzung von Kernkraft plädieren. - Wie sagte der gute Heinrich Heine noch (in einer Charakterisierung einer benachbarten Volksgruppe): Es ist schon verwunderlich, wie viel Unverstand in die Köpfe mancher Menschen passt.(gekürzt und frei zitiert). - [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn

  3. es gähnt nur noch an ...

  4. "Nicht 100 Prozent der Erwärmung gehen auf das Konto des Menschen, sondern mindestens die Hälfte. Das können 51 oder 81 Prozent sein. "

    Wenn die Menschen kollektiv Selbstmord begehen würden, würden noch immer 19 bis 49 Prozent übrig bleiben! Dafür dürften etwa die Kühe (Methan) geradestehen. OK! Wenn es keine Menschen mehr gibt, können wir auch auf die Kühe verzichten. Aber auch damit könnten wir den Klimawandel nur verlangsamen. In 4 Milliarden Jahren etwa, dürften dann auch die Malediven doch untergehen. Wie Schade! Ironie ex.

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  5. ist keine Aufklärung "unbedarfter Bürger", sondern Drehen der Gebetsmühle durch bedürftige Experten.

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    • serins
    • 21. Februar 2012 18:24 Uhr

    also 20 Jahre Klimadaten reichen nicht, aber mit den hier auch im Kommentatoren Bereich gern gehandelten 30 Jahren sind die Rückschlüsse sicher.
    Und alle die sich dem Götzen der von Latif vertretenden Richtiung der Klimaforschung nicht beugen sind unbedarfte Geister. Selten von einem dt. Wissenschaftler soviel arroganten hog wash gehört.
    Spannend wäre auch mal eine Erklärung wie CO2 der Sonne auf die Erde kommt oder noch besser, wo es dort herkommt.
    "Der Rest ist natürlichen Ursprungs. Ein Teil (bis in die 1950er- und 1960er-Jahre) geht auf die Sonne zurück."

    Hier mal ein netter Artikel aus der Slate
    http://www.slate.com/arti...

    Der auch von Latif mit angezettelte ökterrorismus hat D bereits 130 Mill. gekostet, mit dem Effekt das sich immer mehr Deutsche Strom nicht mehr leisten können http://www.welt.de/wirtsc.... Aber Herr Latif wir dja großzügig vom Steuerzahler alimentiert, da spielt so etwas keine Rolle.

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    sondern viele Jahrhunderte.

    "serins" geht auf die Argumente nicht ein und verdreht sie sogar. Latif sagt nicht, das CO2 von der Sonne kommt, sondern, dass die Temperaturerhöhungen durch die Sonne verursacht werden. Ein Teil der Temperaturerhöhung ist Menschengemacht, ein Teil Naturgegeben. Das wird hier grob fahrlässig verdreht.
    Auf der Sonne laufen Zyklen höherer und niedrigerer Aktivität ab, wodurch in manchen Jahren eine größere Menge Sonnenwind und auch Strahlungsenergie zur Erde kommt - kein CO2. Das ist ein Teil des natürlichen Einflusses.

    Die Menschen haben aber seit Beginn der industriellen Revolution und besonders seit Ende des zweiten Weltkrieges in unverantwortlichem Masse fossile Energierohstoffe, die die Erde vor vielen Millionen Jahren in der Tiefe versteckt hat, freigesetzt und das CO2 in die Atmosphäre gebracht.

    Schon Arrhenius erkannte, dass CO2 die Wärmestrahlung absorbiert und später nach allen Richtungen wieder abstrahlt. Dadurch kommt ein kleiner Teil der schon von der Erde abgestrahlten Wärme wieder zurück und muß erneut abgestrahlt werden. Mehr Wärme abstrahlen kann die Erde aber nur bei einer höheren Temperatur.
    Wollen Sie die grundlegenden Gesetze der Natur ausser Kraft setzen, nur weil es ihnen politisch nicht passt?

  6. Ob ich glaube ob das Klima sich erwärmt oder nicht ist eigentlich vollkommen irrelevant. Ich erkenne über Abfolgen von Satellitenphost das abschmelzen der Polkappen. Strenge Winter widerlegen nicht diese Beobachtung, den es ist mehr Energie in der Atmosphäre und das Wechseln von extrem Heis und extrem Kalt ist ausgeprägter. Auch stabile Phasen können sich bilden (roter Fleck auf dem Jupiter).

    Ich mache mir eher Gedanken über meinen Alltag. Wer will was von mir und warum? Was kastet das mich jetzt schon wider?

    Ich finde es humorig. Industrieländer sollen bis zum erbrechen CO2 einsparen und Schwellenländer dürfen bis zum erbrechen CO2 hochfahren um im Wohlstand aufzuholen.

    Ich frage mich folgendes: Wenn Deutschland sofort CO2 0% mit aller Gewalt und unter allen Kosten durchdrückt um das wievielfache die einfache zugelassene Normalerhöhung von CO2 in China das wieder aufhebt.

    Meine Meinung: Deutschland kann nicht für die gesammte Welt das CO2 einsparen...

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    Und daher sollte man nicht vorbild sein, sondern am besten auf Filter und effiziente Energienutzung verzichten?

    Hoffe Ihre Einlassung soll das nicht implizieren. Manchmal sollte man ja auch mal Vorbild sein, weil man es KANN; vielleicht macht es ja einer nach.

  7. die existenz des klimawandels wird nur von den wenigsten geleugnet, argumente beschränken sich meist darauf, den einfluss des menschen kleinzureden ("hey, wir können sowieso nix dafür, also weiter wie bisher").
    und bevor man wissenschaftliche methoden über bord wirft und sich stattdessen auf hübsche youtube-videos beschränkt, sollte man auch mal das hier lesen: http://www.copenhagendiag... (erst lesen, DANN zu lobby-ökoterror-mumpitz erklären).
    zu guter letzt: wetter und klima sind zwei paar schuhe. nur weil es in deutschland mal eine woche kalt wird, kann man den klimawandel nicht kategorisch für nicht existent erklären

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    tatsächlich sollte darauf bestanden werden das es "dasKlima" bzw. "den KW" so nicht gibt! Keineswegs kleinlich, denn die Erde ist in entsprechende Zonen gegliedert in denen sich sehr wohl Veränderungen ausmachen lassen. Nur eben oft in stark unterschiedlichen Größenordnungen. Z.B. sind bei Varven auch unterhalb 30a Tendenzen gut erkennbar, aber auch an der Oberfläche lassen sich Veränderungen an sich ja erkennen.

    Auch ist nach wie vor dringend vor einer statistischen Betrachtung von Extremwetterereignissen abzuraten. Auch diese sind mit etwas Mühe der Größenordnung nach einzuordnen.

    Differenzierung, wie von Herrn Latif angemahnt, ist dringend notwendig.

    MfG Karl Müller

    • mwalimu
    • 21. Februar 2012 19:54 Uhr

    Das Klima wird einfach dadurch gemessen, dass man die Wetterdaten von vielen auf der Erde und in Satelliten stationierten Messstationen zusammenführt und diese Daten in ihrer Gesamtheit über mehrere Jahre hinweg betrachtet.

    Laut Stellungnahme vom Britischen Meteorologischen Institut hat sich da seit 15 Jahren nichts getan, bzw. ist die Temperatur sogar leicht abgefallen (aber nur so leicht, dass es statistisch noch nicht signifikant ist).

    Nur weil es zwei Jahrhunderte von der Temperatur her steigt heißt das noch lange nicht, dass es nun die anthropogene globale Erwärmung gibt!
    Die Erde ist 4,5 Milliarden Jahre alt, eine für Menschen unvorstellbare Größe.

    Die Dummheit besteht einfach darin, aus ein paar Jahren einen Trend abzuleiten, was die sogenannten "Wissenschaftler" aber tun. De facto wissen wir heute nichts über die Einflüsse. Wir wissen nicht die genaue Relation zwischen CO2 und Temperaturanstieg, ergo wissen wir auch nicht inwieweit der Mensch jetzt verantwortlich ist.
    Wir wissen, dass das Handeln des Menschen einen Einfluss gehabt haben muss, welchen aber jetzt genau das weiß eben keiner.

    Das Problem ist, dass in dem Fall die jetzige Mathematik nicht ausreicht; Je nach Vergleichsjahr kommen unterschiedliche Ergebnisse zur Stande. Alleine das sollte schon eine Warnung sein.
    Dahingehend glaube ich nur daran, dass sogenannte "wissenschaftliche" Ergebnisse lediglich eine Frage des Geldgebers als eine Frage der Wahrheit sind!

    Die einzige Verantwortung aber die wir Menschen übernehmen müssen - früher oder später - ist die Frage der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen, und das ist ein ungleich höheres Problem als ein vermeintlicher statistischer "Klimawandel"!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Fritz Vahrenholt | Klimawandel | Meeresspiegel | Sonne | Atmosphäre | Australien
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