Ein Dreizehenfaultier sonnt sich in Panama. © Michael & Patricia Fogden/gettyimages

Eigentlich ist es eine gemeine Unterstellung: Faul sei das Faultier, sagt man. Und tatsächlich hängt es im wahrsten Wortsinn am liebsten in Bäumen rum. Es bewegt sich im Zeitlupentempo, und – zumindest in Gefangenschaft – schläft es knapp 16 Stunden am Tag. Da schnarcht ihm nur der Koala noch etwas vor: Der pennt rund 20 Stunden, heißt aber trotzdem nicht "Faulbär."

Zu allem Überfluss schimmert das Faultierfell modrig-grün, als ob es vor lauter Abhängen bereits Moos angesetzt hätte. Die Farbe stammt von winzigen Algen, die vom feuchtwarmen Klima im Pelz profitieren. Das Faultier nutzt umgekehrt den Grünschimmer zur Tarnung. Ein weiteres Extra der Haarpracht: Der Scheitel verläuft nicht wie bei anderen Säugetieren am Rücken, sondern am Bauch. So läuft Regenwasser gut ab – perfekt für ein Leben in Umkehrposition.

Die langsame Lebensweise ist aber keinem ausgeprägten Hang zum Faulenzertum geschuldet, sondern ein cleveres Energiesparkonzept. Die Tiere ernähren sich fast ausschließlich von Blättern, die zwar immer greifbar sind, dafür aber wenig Nährstoffe liefern. Ein Faultier kann also gar nicht dynamisch durch die Baumkronen turnen, wie beispielsweise ein Affe, der schmackhafte, Energie liefernde Früchte mampft, dafür allerdings auch weit umherziehen muss.

Zum Energiesparplan gehört auch eine niedrige Stoffwechselrate. Bis zu einer Woche verdauen Faultiere, um nur ja alles Verwertbare aus ihrer Nahrung zu ziehen. Dafür sind sie mit einem dreikammrigen Magen ausgestattet. Zudem verschwenden sie wenig Energie fürs Heizen: Kühlt die Umgebung ab, so sinkt auch ihre Körpertemperatur um bis zu acht Grad Celsius. Für ein eigentlich gleichwarmes Säugetier sind das extreme Schwankungen. Nach kalten Nächten müssen sich Faultiere erst einmal in die Sonne hängen, um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen, ähnlich wie es die wechselwarmen Reptilien machen.

Eine wirklich skurrile Nachricht aus der Welt der Faultiere hatten Forscher vom Deutschen Primatenzentrum im Januar 2011 zu berichten: Sie beobachteten Zweizehenfaultiere im peruanischen Regenwald dabei, wie sie aus Latrinen die Fäkalien von Menschen fraßen. Ja, diese Tiere zahlen einen hohen Preis bei dem Versuch, ohne großen Körpereinsatz an möglichst viele Nährstoffe zu kommen.

"Faultiere sind der Prototyp des Energiesparers unter den Säugetieren", sagt John Nyakatura von der Universität Jena . Das spiegelt sich auch in Bewegungsapparat und -ablauf wider, wie der Zoologe festgestellt hat: Kräftige Sehnen halten Arme und Beine der Tiere in einer gebeugten Position. So hängen sie letztlich passiv am Ast und hangeln sich auch in dieser Haltung vorwärts. Mehr Kraft wenden sie nur auf, wenn sie den Arm nach Nahrung ausstrecken.

Eine weitere anatomische Besonderheit: Während bei anderen Vierbeinern ein kräftiger Trizeps den Körper hochstemmt, dominiert bei Faultieren vor allem der Bizeps, der sie in Hängeposition hält. Daher tun sie sich auch so schwer, wenn sie doch mal auf den Erdboden müssen.

Zu guter Letzt sei noch verraten, dass einige Faultiere nicht annähernd so viel schlafen wie gedacht. Das entdeckten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut in Seewiesen im Jahr 2008. Die Forscher hatten freilebende Dreifingerfaultiere der Art Bradypus variegatus mit Sendern ausgestattet, um deren Wach-Schlaf-Rhythmus zu verfolgen. Und siehe da: In freier Wildbahn dämmern die Tiere  nur durchschnittlich 9,63 Stunden . Vielleicht ist es also an der Zeit, über einen neuen Namen für die cleveren Tiere nachzudenken.