Dieser Seeteufel wurde vor Norwegen gefangen

Mit einem Haps sind sie im Mund. So lässt sich kurz und knapp das Ernährungsprinzip des Seeteufels zusammenfassen. Doch was so harmlos klingt, ist im realen Fischleben eine perfide Methode, um mit möglichst wenig Arbeitseinsatz an möglichst viel Futter zu kommen. Lophius piscatorius nämlich, der Seeteufel oder auch Anglerfisch genannte Raubfisch, lümmelt am liebsten auf sandig-schwammigem Meeresgrund rum und passt seine Körperfarbe der Umgebung an.

Hat er Hunger, verharrt er komplett regungslos. Nur ein kleiner fleischiger Hautlappen, der direkt hinter der Oberlippe am ersten Strahl der Rückenflosse baumelt, schwingt hin und her. Das finden Seeaal, Knurrhahn oder Rochen spannend, sie schwimmen nahe an diesen Köder heran, der fies getarnte Seeteufel reißt sein gigantisches Maul plötzlich auf, ein Sog entsteht und ... 

Wir wollen fair sein: Es ist seine einzige Chance. Denn würde der Seeteufel sich nicht so raffiniert verstecken, müsste er verhungern. Sein eigenwilliger Körperbau verhindert, dass er in klassischer Raubfischmanier seine Beute jagen kann. Und jeder Fisch, der einen Seeteufel auch nur in der Ferne erblicken würde, hätte nur einen einzigen Gedanken: möglichst weiträumig umschwimmen. Der Seeteufel ist hässlich . Sein Aussehen ist so abstoßend dämonisch, dass Teufel mit Sicherheit keine gemeine Bezeichnung ist.

Es geht sogar das Gerücht, dass es an der Fischtheke im Supermarkt nur deshalb so selten ganze Seeteufel gibt, weil der gruselige Anblick die Kunden vergraulen könnte. Die schauerlichen Details: Der Kopf des Seeteufels ist im Verhältnis zum restlichen Körper überproportional groß, das riesige Maul so breit wie der Kopf. Darin befinden sich spitze Fangzähne. Weil sie rückwärts gerichtet sind, hat die Beute keine Chance zu entkommen.

Auf dem Kopf sitzen neben zwei kleinen nach oben gerichteten Augen die ersten Rückenflossenstrahlen in Schnauzennähe. Zwischen Kopf und Rumpf sorgt eine dreistrahlige Stachelrückenflosse für gewisse Drachenassoziationen beim Betrachter. Teufel, Drache, vorne breit und platt gedrückt, am Rumpf schmal und hoch – das ganze Tier wirkt deformiert. Es bewegt sich als sogenannter Armflosser mit den stark vergrößerten Brustflossen über den Meeresboden. Und die zahlreichen Hautanhängsel, die wie kleine Wucherungen am ganzen Körper hängen, machen es auch nicht schöner.

Doch so sehr der Seeteufel auch mit optischen Genüssen geizt, die wahre Schönheit steckt – wieder einmal – drinnen. Das Fleisch aus dem Schwanz des im Durchschnitt ein Meter langen und 40 Kilogramm schweren Fisches haben Gourmets besonders gern auf dem Teller: Es ist weitgehend grätenfrei und bleibt auch nach dem Kochen, Garen, Braten, Dünsten fast weiß und sehr fest. Vom Aroma her, sagen Kenner, erinnere es an Langusten. Das klingt nach einem Happy End für den Hässlichen.