Auf dem Gelände des stillgelegten Atomkraftwerks Brunsbüttel in Schleswig-Holstein sind stark verrostete Fässer mit Atommüll entdeckt worden. Das teilte der für die Atomaufsicht zuständige Landesjustizminister Emil Schmalfuß (parteilos) mit. "Unzulässige Radioaktivität" sei nicht ausgetreten, für Anwohner und Mitarbeiter des Atomkraftwerks bestehe keine Gefahr.

Allerdings wollte das Ministerium nicht ausschließen, dass etwa beim Anheben oder Umsetzen der zum Teil stark zersetzten Fässer radioaktive Stoffe freigesetzt werden. Deshalb stoppte der Minister die Arbeiten an den Abfällen, die in Container umgefüllt und in der Anlage Schacht Konrad endgelagert werden sollen. In den rund 500 Fässern befinden sich schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus dem Reaktorbetrieb.

Prüfer des Tüv Nord hätten bei einer Routinekontrolle am 10. Januar starke Korrosion an einem leeren Fass festgestellt, bei dem der Fass-Mantel zerstört gewesen sei. Anschließend hätten die Behörden entdeckt, dass weitere Fässer betroffen seien.

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel gehört den Energiekonzernen Vattenfall (66,7 Prozent) und Eon (33,3 Prozent). Vattenfall verantwortet den laufenden Betrieb. Der schwedische Konzern erklärte, bereits am 15. Dezember vergangenen Jahres Schäden an der Fass-Ummantelung festgestellt zu haben. Nach eigener Einschätzung habe es sich aber nicht um einen meldepflichtigen Vorfall gehandelt, weshalb die Aufsichtsbehörde zunächst nicht informiert wurde. Dies sei nicht akzeptabel und werde unternehmensintern analysiert und aufgearbeitet, teilte Vattenfall mit.

Betreiber Vattenfall erneut in der Kritik

Die Landesregierung kritisierte die Informationspolitik des Betreibers scharf. Rein juristisch betrachtet mag es sich nicht um ein meldepflichtiges Ereignis gehandelt haben, erklärte Schmalfuß. Der Vorfall sei aber so bedeutsam, dass eine umgehende Meldung an die Aufsichtsbehörde zwingend erforderlich gewesen sei. Er erwarte eine Klärung. Der Konzern war wegen Störfällen in seinen schleswig-holsteinischen Meilern Brunsbüttel und Krümmel sowie einer verzögerten Informationspolitik bereits wiederholt in die Schlagzeilen geraten.

Das Bundesumweltministerium sei über den Vorfall informiert worden, erklärte der Justizminister weiter. Alle Lager an anderen Atomreaktoren in seinem Land würden vorsichtshalber ebenfalls untersucht. Er empfehle außerdem Kontrollen in allen Atomkraftwerken bundesweit, weil auch dort Fässer zu Zeiten eingelagert wurden, als niemand damit rechnete, dass ein Endlager Jahrzehnte später immer noch nicht verfügbar sein würde.

Nach der Reaktorkatastrophe in Japan im vergangenen Jahr ließ die Bundesregierung zahlreiche ältere Atomkraftwerke stilllegen. Auch Brunsbüttel gehört zu jenen Reaktoren, die im Zuge des Atomausstiegs nicht mehr angefahren werden sollen.