Golf von MexikoBP zahlt 7,8 Milliarden Dollar für die Ölpest

Am Montag sollte ein Mammutprozess wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beginnen. Dazu kommt es nicht: Der Ölkonzern BP hat sich mit den Klägern doch noch geeinigt. von afp, dpa und reuters

Ein Schiff bahnt sich den Weg durch den Ölteppich im Golf von Mexiko. (Archiv)

Ein Schiff bahnt sich den Weg durch den Ölteppich im Golf von Mexiko. (Archiv)  |  © Chris Graythen/Getty Images

Der Ölkonzern BP wird Privatleuten und Firmen 7,8 Milliarden US-Dollar an Entschädigungszahlungen für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko leisten. Das ist das Ergebnis einer Einigung mit einem Steuerkreis von Tausenden Klägern, die gegen BP vor Gericht ziehen wollten, wie der Konzern in London mitteilte. Die Zahlungen sollen aus einem Fonds in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar geleistet werden, den BP eigens dafür eingerichtet hat. Eine Einigung mit den staatlichen Stellen in den USA wurde der Mitteilung zufolge noch nicht erzielt.

An diesem Montag sollte in New Orleans ein Prozess von mehr als 100.000 Klägern gegen BP und andere Firmen beginnen. Der mit dem Verfahren beauftragte Richter Carl Barbier hat den geplanten Prozess in New Orleans verschoben. Die Einigung führe wahrscheinlich dazu, dass sich die Voraussetzungen für den Prozess grundlegend ändern werden, teilte er mit. Der Start des Verfahrens mit Millionen von Prozessdokumenten war ursprünglich bereits für den 26. Februar geplant gewesen. Die Parteien erreichten dann zunächst eine Verschiebung auf den 5. März und nun einen weiteren Aufschub.

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Richterin Sally Sushan habe sich mit den Prozessparteien – BP auf der einen, ein Steuerkreis für die Kläger auf der anderen Seite – getroffen. Dabei sei eine Einigung erzielt worden. Diese müsse nun vom Gericht geprüft und bestätigt werden. "Von Anfang an hat BP Anstrengungen unternommen, seine Verpflichtungen zu erfüllen", sagte der Vorstandschef des britischen Unternehmens, Bob Dudley. 

"Wir haben jetzt fast zwei Jahre hart gearbeitet, um ihnen nachzukommen", sagte er. "Die vorgeschlagene Einigung bedeutet signifikante Fortschritte zur Lösung aller Probleme des Deepwater-Horizon-Unfalls", sagte Dudley. Sie trage auch zur wirtschaftlichen und ökologischen Wiederherstellung der Küste im Golf von Mexiko bei.

Bei dem Unglück im Golf von Mexiko im April 2010 war die Ölplattform "Deepwater Horizon" explodiert. Elf Menschen starben. Zwischen vier und fünf Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl liefen 87 Tage lang ins Meer. Betroffene Privatleute, Firmen, Kommunen, US-Bundesstaaten sowie die Zentralregierung in Washington reichten Klagen gegen BP und andere beteiligte Firmen ein.

BP hat für die Folgen der Ölkatastrophe nach eigenen Angaben bereits vor der Einigung 22 Milliarden US-Dollar ausgegeben. 8,1 Milliarden Dollar gingen an Privat- und Geschäftsleute. 14 Milliarden Dollar musste das Unternehmen für Aufräumarbeiten, Geräte und weitere Dinge im Zusammenhang mit dem Unglück zahlen.

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Leserkommentare
    • xpeten
    • 03. März 2012 12:51 Uhr

    dazu motiviert werden kann, für künftige Tiefseebohrungen aus eigenem Antrieb teure Standards zu Umweltverträglichkeit und Absicherung einzusetzen - deren Umfang ja auch wegen fehlender Vorschriften gänzlich im Ermessen der Öl-Multis liegt. Im Zweifel werden sie auf so etwas aus Kostengründen verzichten.

    Es wird weiter auf dem Meeresboden herumgesaut -allenfalls die Hälfte der Pannen bekommen wir überhaupt mit-, die zahlen das aus der Portokasse und holen es sich vom europäischen Autofahrer zurück. Und der nächste Öl- und Chemikaliengau ist nur eine Frage von kurzer Zeit.

    Die können einfach machen, was sie wollen, wahre Herrscher der Welt. Absolute Narrenfreiheit.

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    nicht an Autofahrer, sondern an die Firma Transocean, einen ihrer früheren Vertragspartner.

    Und auch die US-Firma Halliburton ist mit von der Partie (von ihr stammte der Betondeckel, der die Ölquelle verschlossen halten sollte.) Alle drei überziehen sich derzeit mit Prozessen um die finanzielle Verantwortung so weit als möglich zur jeweils anderen Seite zu verlagern, und das wird wohl noch ein paar Jahre so weiter gehen.

    Der einzig interessante Schluss aus all dem ist m.E., dass die Zeichen an der Wand nicht mehr zu übersehen sind: die Preise, die Autofahrer und Flugreisende künftig für Treibstoff zu bezahlen haben werden, werden nur noch steigen.

    Folgen werden weitere Episoden der unendlichen Geschichte vom Steuerstaat und seiner angeblich unersättlichen Gier nach Autofahrers Geld, weitere Forderungen nach Anhebung der Entfernungspauschale und andere bekannte Debatten.

    Am Ende wird aber alles nichts helfen: Die Wege werden wieder kürzer werden (müssen.) Und das ist auch möglich. Sogar ohne Verlust an Lebensqualität - vielleicht steigt die sogar letztlich.

  1. Ich nehme an, dass die Erde mit am Verhandlungstisch saß?

    Mal im Ernst: Ob jetzt 8, 20 oder 300 Milliarden. Unterm Strich wird sich am Umgang mit Tiefseeressourcen nichts ändern. Unsere Umwelt kann mit Geld nichts anfangen, da können wir das so oft wie wir wollen zwischen uns hin und herschieben. Selbst wenn wir es am Ende mit Kanonen in die Luft schießen.

  2. Als Kläger würde ich mich nicht mit rund 78000 Dollar zufrieden geben....

    Immerhin sind bei dieser Katatstrophe ein haufen Existenzen komplett vernichtet worden.

  3. nicht an Autofahrer, sondern an die Firma Transocean, einen ihrer früheren Vertragspartner.

    Und auch die US-Firma Halliburton ist mit von der Partie (von ihr stammte der Betondeckel, der die Ölquelle verschlossen halten sollte.) Alle drei überziehen sich derzeit mit Prozessen um die finanzielle Verantwortung so weit als möglich zur jeweils anderen Seite zu verlagern, und das wird wohl noch ein paar Jahre so weiter gehen.

    Der einzig interessante Schluss aus all dem ist m.E., dass die Zeichen an der Wand nicht mehr zu übersehen sind: die Preise, die Autofahrer und Flugreisende künftig für Treibstoff zu bezahlen haben werden, werden nur noch steigen.

    Folgen werden weitere Episoden der unendlichen Geschichte vom Steuerstaat und seiner angeblich unersättlichen Gier nach Autofahrers Geld, weitere Forderungen nach Anhebung der Entfernungspauschale und andere bekannte Debatten.

    Am Ende wird aber alles nichts helfen: Die Wege werden wieder kürzer werden (müssen.) Und das ist auch möglich. Sogar ohne Verlust an Lebensqualität - vielleicht steigt die sogar letztlich.

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    • xpeten
    • 03. März 2012 16:36 Uhr

    künftig für Treibstoff zu bezahlen haben werden, werden nur noch steigen."

    Absolut richtig. Aber die gleichen Autofahrer und Flugreisenden wettern gegen alternative Energien, Elektroantriebe und anderen "Schwachsinn" der "Ökofaschisten", gerade so, als ob sie im Kopf nicht ganz richtig seien.

    Oder verstehen Sie das?

  4. Die Klammer im vorletzten Absatz ist irreführend: Dort steht, dass 4 bis 5 Millionen Barrel je 159 Liter entsprechen (oder zumindest kann das so verstanden werden). Sinnvoller wäre m.E. eine direkte Umrechnung in die jeweiligen Literbeträge oder aber "1 Barrel = 159 Liter".

    Was den Artikel angeht, so ist es für mich ebenfalls schockierend zu sehen, dass BP hier so billig davonkommt. Ich hielt damals schon die 20 Mrd. für eine angesichts des Ausmaßes dieser Katastrophe viel zu geringe Summe. Wenn ich bedenke, was das Rechtssystem in den USA Menschen schon im Falle völlig abstruser Klagen zugesprochen hat, so erscheint ein Betrag von 7,8 Mrd. für 100.000 Kläger als geradezu lächerlich. Und, wie Nr. 2 bereits sagte: die Umweltvernichtung und die langfristigen Folgen sind da noch nicht einmal eingerechnet, lediglich die - weitaus geringeren - menschlichen Schäden. O Mensch, quo vadis?

    • Karst
    • 03. März 2012 15:31 Uhr

    Klingt erstmal nach viel Geld.

    Aber das wird, wie ein Kommentator bereits sagte, nicht dazu führen, dass BP oder irgendwer höhere Standards für die Sicherheit und die Umwelt einführt. Das Geld kriegt BP schon wieder rein, keine Sorge.

    Wir, als Konsumenten, hätten BP radikal boykottieren müssen.
    Haben wir aber nicht. Ergo: wir intressieren uns in Wahrheit nicht dafür, auch wenn wir uns gern betroffen zeigen.

    Im Endeffekt hat der Konsument sehr viel Macht, die er nicht nutzt.

  5. dieser Zahlung die Umweltverschmutzung beseitigt und wird das früher vorhandene Ökosystem wieder hergestellt? Nein.

    • xpeten
    • 03. März 2012 16:36 Uhr

    künftig für Treibstoff zu bezahlen haben werden, werden nur noch steigen."

    Absolut richtig. Aber die gleichen Autofahrer und Flugreisenden wettern gegen alternative Energien, Elektroantriebe und anderen "Schwachsinn" der "Ökofaschisten", gerade so, als ob sie im Kopf nicht ganz richtig seien.

    Oder verstehen Sie das?

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    vor allem, dass Öl mittlerweile aus immer schwierigeren Umgebungen gefördert werden muss, was höhere Kosten nach sich zieht (Öl aus kanadischen Ölsanden ist lt. Merrill Lynch erst ab einem Barrelpreis von 80 Dollar aufwärts rentabel.) Hätten die Ölgesellschaften Zugriff auf leichter förderbare Lagerstätten als z.B. die Tiefsee - sie würden sie sicher gerne nutzen. Doch 'easy oil' scheint passé.

    Autos und Flugzeuge werden auch auf absehbare Zeit von flüssigen Treibstoffen hoher Energiedichte betrieben werden. Da unsere Verkehrsinfrastruktur nahezu komplett aufs Auto hin ausgerichtet ist, sind Abhängigkeiten entstanden, deren Folgen der Einzelne nun schmerzhaft zu spüren bekommt.

    Dabei sind die Reichweitenvorteile, die das Auto bietet, in dem Moment nur noch theoretischer Natur, in dem fast jedermann eines besitzt - allein das schon wäre Grund genug gewesen, unser Verkehrssystem grundsätzlich zu überdenken.

    Doch von Gedanken wird in unserer Welt wenig bewegt. Gegen Lobbyarbeit und liebgewonnene Gewohnheiten ist wenig auszurichten. So wird es den schmerzhaften Weg gehen. Und auf dem werden noch einige gegen die "Ökofaschisten" wettern, das ist nun einmal die Natur des Menschen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
  • Schlagworte Dollar | Golf | Mexiko | BP | Ölpest | Fonds
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