GenetikIn uns steckt erstaunlich viel Gorilla

Nach dem Genom von Mensch, Schimpanse und Orang-Utan haben Forscher das Gorilla-Erbgut entziffert. So können sie erstmals das Erbgut all dieser Menschenaffen vergleichen. von dpa

Westlicher Flachlandgorilla Gorilla gorilla gorilla Genom

Dieses Jungtier – ein Westlicher Flachland-Gorilla – wuchs in einem Zoo auf.  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Wissenschaftler haben das komplette Genom des Gorillas soweit ausgelesen und veröffentlicht, dass es sich mit dem Erbgut anderer Primaten vergleichen lässt. Der vom Aussterben bedrohte Affe ist nach dem Schimpansen und vor dem Orang-Utan der nächste Verwandte des Menschen. Damit sind – außer das des Bonobos – alle Genome der großen Primaten entschlüsselt. Mit überraschenden Ergebnissen für die Wissenschaftler: "Unsere Daten sind das letzte genetische Teil, das wir für das Puzzle gebraucht haben", sagte Richard Durbin, einer der Autoren der Studie vom britischen Sanger Institute nahe Cambridge , einer Einrichtung des gemeinnützigen Wellcome Trust.

Entziffert wurde vor allem das Genom von Kamilah, einer Vertreterin der Unterart Westlicher Flachland-Gorilla ( Gorilla gorilla gorilla ). "Das Gorilla-Genom ist wichtig, denn es wirft ein Licht auf die Zeit, als sich unsere Vorfahren von unseren nächsten Verwandten in der Evolution absetzten", sagte Durbins Kollege Aylwyn Scally. Bei Mensch und Schimpanse sei die Abspaltung den Daten zufolge vor rund sechs, beim Gorilla schon vor rund zehn Millionen Jahren erfolgt. Die Trennung von Westlichem und Östlichem Flachlandgorilla datieren die Forscher auf eine Zeit vor rund 1,75 Millionen Jahren. Die Studie wurde im Fachjournal Nature veröffentlicht.

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Heraus kam auch, dass Gorillas und Menschen näher verwandt sind als bisher angenommen. Die Tatsache, dass der Schimpanse der nächste Verwandte des Homo sapiens ist, bleibt aber auch nach der neuen Studie unumstößlich. "15 Prozent des menschlichen Genoms ist näher am Gorilla als am Schimpansen, und 15 Prozent des Genoms des Schimpansen ist näher am Gorilla als am Menschen", teilten die Wissenschaftler mit. Gorillas leben ebenso wie Schimpansen im mittleren Afrika .

Das Gorilla-Gehör entwickelte sich ähnlich schnell wie das des Menschen

"Wir haben herausgefunden, dass Gorillas viele genetische Veränderungen mit dem Menschen gemein haben, darunter die Entwicklung des Gehörs", sagte Mitautor Chris Tyler-Smith. Bisher herrschte die Ansicht, dass die rasche Entwicklung des menschlichen Gehörs im Zusammenhang mit der Sprachentwicklung steht. Beim Gorilla hat sich das Gehör dem Genom-Vergleich zufolge aber ähnlich schnell entwickelt. "Sowohl bei Schimpansen als auch Gorillas und beim Menschen zeigten Gene, die in Verbindung zum Tastsinn, zum Gehör und zur Hirnentwicklung stehen, eine beschleunigte Entwicklung", heißt es in der Studie, "beim Gorilla und beim Menschen aber besonders".

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Leserkommentare
    • scg
    • 07. März 2012 19:13 Uhr

    für die gorillas...

    6 Leserempfehlungen
  1. ...ähnlich schnell entwickelt haben, sollte eigentlich nicht überraschen - auch wenn es natürlich interessant ist.
    Gorillas kommunizieren miteinander durch Laute, Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen, also im Prinzip genauso wie wir nur eben ohne den zivilisatorischen Firlefanz :-)

  2. Die Menschenaffen schafften es nie sich gegenseitig auszurotten, das können besser, die eigene Art abschaffen!

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    Schimpansen führen auch Kriege - mitunter bis zur Vernichtung der anderen Gruppe.

    http://de.wikipedia.org/w...

  3. Warum sind wir damals nicht im Dschungel geblieben?
    Dann müssten wir jetzt nicht Exemplare wie Dirk Bach und Christian Wulff ertragen, noch Arnold Schwarzenegger oder Wladimir Putin. Die Evolution war ein ziemlicher Irrtum, vom Ende her betrachtet...

    5 Leserempfehlungen
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    • scg
    • 07. März 2012 22:54 Uhr

    positive beispiele gibt es ja zum glück auch. man nehme zum beispiel marie curie, albert einstein, mahatma gandhi, frere roger (den ich zum glück noch lebend sehen konnte), mozart,...und der ganz normale durchschnittsmensch ist auch nicht so verkehrt;-)

    ... und wird/wurde nur von Menschen ideologisch/teleologisch fehlinterpretiert.
    Krone der Schöpfung - das ist eine Selbstbezeichnung - von Menschen für Menschen.
    Ob's stimmt? Ob es so etwas braucht?

    ganz einfach: die Affen saßen alle auf dem baum, der war überfüllt, ein Ast brach ab. Die Affen, die schlau genug waren, sind wieder auf den baum geklettert und sind Affen geblieben. Die, die selbst zu blöd zum Kletern waren, mussten unten bleiben und mussten Menschen werden ...

    • FloH48
    • 07. März 2012 20:16 Uhr

    Ich habe nichts gegen Kritik an der Menschheit.
    Aber wenn man jeden zweiten ZeitArtikel auf solche Weise kommentiert sollte man da nicht mal seine Einstellung zum Leben generell überdenken?

    2 Leserempfehlungen
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    Ich wollte zu den Gorillas und uns eher eine flapsige Bemerkung machen als einen tiefsinnigen Kommentar. Das ist mir wohl misslungen. Machen Sie sich keine Sorgen: Ich bin zwar manchmal zornig, aber nicht lebensmüde, sondern im Grunde ein unverbesserlicher Optimist. Wie mein Pseudonym schon andeutet: Man muss mit allem rechnen, selbst mit dem Sieg!

  4. "Die Evolution war ein ziemlicher Irrtum, vom Ende her betrachtet..."

    Sind Sie schon am Ende?

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    ...gemeint wie es sich offenbar las. Ich bin kein Misanthrop und finde: Die besten Jahre kommen erst noch!
    Oder?

  5. Mehr als dreimillionen Jahre Evolution führte zu den Formen der Hominidae. Während dieser Evolution wurde in der Gattung, z.B. Pan oder Pongo, nicht nur die Form (Körpergröße, Hirnvolumen, etc. etc.) genetisch determiniert, sondern auch das Verhalten.
    Nur bei der Gattung Homo, die ca.95% des Erbgutes mit dem Schimpansen gemeinsam hat, ist das alles anders. Der Mensch kommt, was seine Hirnleistungen betrifft, als unbeschriebenes Blatt auf die Welt. Hier hatte die Natur, die große Gabenverteilerin, einen Aussetzer, wegen der Egalite ;-)

    2 Leserempfehlungen
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    Die Hirne der z.B.Pongidae sind ja auch in gewissen Maße plastisch. Und wir haben ja auch die entsprechend lange Kindheit, um uns in unsere ja auch sehr komplexen Sozialstrukturen einzufügen.

    Den Kommentar wollte ich auch schreiben - aber Sie können's besser! Chapeau!

  6. Ich denke nicht, dass man die Evolution als Irrtum bezeichnen kann. Sie ist ein Naturgesetz ohne jeden Zweck. Die Gravitation ist auch kein Irrtum, nur weil es Schwarze Löcher gibt.

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    ... haben Sie Ihr letztes schwarzes Loch persönlich in Augenschein genommen? Seh'n Se's ... ;-)

    • osawa
    • 07. März 2012 22:32 Uhr

    :)

    "Ich denke nicht, dass man die Evolution als Irrtum bezeichnen kann. Sie ist ein Naturgesetz ohne jeden Zweck."

    impliziert die Frage, wer oder was sich irrt.
    Sie ist daher teleologisch und Ihre Antwort versucht diese Teleologie zu beseitigen.
    Allein ist bereits der Begriff der Evolution teleologisch, da er eine inhärente Dynamik enthält - eine Entwicklung von etwas zu etwas.
    Wenn wir mithin davon sprechen, dass sich etwas entwickelt, gehen wir davon aus, dass ein Ziel, nämlich das der Entwicklung angelegt ist.

    Daher geht der Vergleich mit dem mechanischen Gesetz der Gravitation völlig fehl.

    Ein Denkfehler, der oft gemacht wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Genetik | Affe | Erbgut | Evolution | Schimpanse | Studie
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