Nachhaltigkeit: Die Grüne Gentechnik wird überschätzt
Was ist nachhaltige Landnutzung? Wie wichtig sind dabei gentechnisch veränderte Pflanzen? Agrar-Wissenschaftler schreiben auf ZEIT ONLINE über die Risiken und Chancen.
Zwiespältiger ist die Reaktion auf die Pressemitteilung eines Unternehmens selten ausgefallen. BASF stellt die Erforschung und Erprobung gentechnisch veränderter Pflanzen für den deutschen und europäischen Markt ein und verlagert seine Gentechnik-Aktivitäten in die USA.
Die Kritiker der Grünen Gentechnik feierten den Exodus der Unternehmenssparte als Sieg, Pflanzenzüchter beklagen die Innovationsfeindlichkeit in Deutschland, Wissenschaftspolitiker sorgen sich um die Zukunft des Forschungsstandortes Deutschland.
Vor wenigen Wochen hat Ernst-Ludwig Winnacker, langjähriger Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und führender Wissenschaftsberater in Europa, in der ZEIT für einen ideologiefreien Umgang mit der Grünen Gentechnik geworben und dafür plädiert, die Technik vorbehaltlos zu fördern.
Mit seinem Beitrag hat Winnacker auch unter Fachleuten eine heftige Debatte ausgelöst.
Für ZEIT ONLINE schreiben nun mehrere Experten über Chancen und Risiken der Grünen Gentechnik:
- Alois Heißenhuber von der TU München und Friedhelm Taube von der Universität Kiel fehlt der Masterplan für eine nachhaltige Landnutzung. In ihrem Gastbeitrag schreiben sie, dass sich Deutschland fragen muss, ob es in der Agrarforschung nicht zu stark auf die Grüne Gentechnik fokussiert. Deren Nutzen für die Landwirtschaft sei marginal – noch zumindest.
- Für die Agrarökologin Angelika Hilbeck und den Biologen Hartmut Meyer ist die Risikoabschätzung gentechnisch veränderter Pflanzen unzureichend. In der Grünen Gentechnik würden Fragen zur Sicherheit dort beginnen, wo Entwickler-Interessen aufhören. So reiche es nicht, gentechnisch veränderte Pflanzen wie Chemikalien zu testen.








Das größte Problem der Grünen Gentechnik, neben der Akzeptanzproblematik, ist ein Interessenskonflikt bei den Produzenten transgener Pflanzen. Da sie zumeist auch gleichzeitig Hersteller von Pflanzenschutzmitteln sind und dieser Markt deutlich größer als der von Saatgut ist, ist der Verkauf von Chemikalien lukrativer.
Den Markt für Pflanzenschutz kann man zudem deutlich besser Kontrollieren, da man das Saatgut u.U. nachbauen kann. Wenn nun transgene Pflanzen weniger Pflanzschutzmittel benötigen, liegt dies nicht im Interesse der Unternehmen!
Die Chemiker verkaufen mehr und mehr Pflanzenschutzmittel in die ärmeren Länder - ein wachsender Markt.
Das größte Problem ist die Landnutzung: extrem intensive Landwirtschaft (Niederlande, Dänemarkt) und dafür größere, zusammenhängende Schutzgebiete contra kleingliedriges Nebeneinander. Was nützt der Natur, die mit der explodierenden Menschenbevölkerung klar kommen muß?
... passen prima zusammen:
So vermarktet Monsanto z.B. in Argentinien das Glyphosat-Präparat "Roundup Ready", das als Breitband-Herbizid alle Pflanzen niedermacht, die nicht dagegen resistent sind.
Glyphosat-resistente Soja wird von Monsanto geliefert.
Um ja alle "Unkräuter" rings um die Soja auszumerzen, verwenden die Bauern oft extreme Mengen des Herbizids.
Glyphosat:
http://de.wikipedia.org/w...
Folgeresistenzen (die für noch bessere Herbizidverkäufe sorgen):
http://www.nytimes.com/20...
@JaredMyers: Dies ist ein vortreffliches Beispiel wie Unternehmen den Markt kontrollieren, nur so können sich die Unternehmen ihren Umsatz sichern. Da der Einsatz von Glyphosat und transgenen Pflanzen zu Einsparnis von anderen Pflanzenschutzmitteln geführt hat, hat sich Monsanto geschickt auf dem Markt platziert. Die Entwicklung von toleranten transgenen Pflanzen die über andere Toleranzen verfügen ist daher eine große Gefahr für die chemische Industrie! Wär hätte das Gedacht: Greenpeace und Grüne als Unterstützer der chemischen Industrie!
...die chemische Industrie ist breit aufgestellt und Monsanto und BASF gehören offenbar auch dazu und sind nicht glücklich.
Davon ab ist die Bekämpfung eines Extrems nicht identisch mit der Förderung genauso oder schlechterer Alternativen, wenn es auch ganz anders gänge.
...die chemische Industrie ist breit aufgestellt und Monsanto und BASF gehören offenbar auch dazu und sind nicht glücklich.
Davon ab ist die Bekämpfung eines Extrems nicht identisch mit der Förderung genauso oder schlechterer Alternativen, wenn es auch ganz anders gänge.
Es ist ganz erstaunlich, dass ein einzelnes Werkzeug aus einer gesamten Werkzeugkiste der Molekularbiologie solche Entrüstung hervorruft. Genau das ist Gentechnik nämlich: Ein Werkzeug, ein sehr teures und selten angewandtes sogar, wie jeder Pflanzenzüchter bestätigen wird.
Seltsamerweise haben die meisten, die sich über grüne Gentechnik aufregen sehr wenig fundiertes Wissen über die Branche, die sie anwendet. Zunächst einmal läuft die meiste Pflanzenzüchtung weiterhin ganz klassisch ab: Lange Reihen von Versuchsfeldern, auf denen Pflanzen bonitiert, d.h. begutachtet werden. Heutzutage wird dieses Anpflanzen und Aussortieren durch Begutachten von der Molekularbiologie etwas beschleunigt, wobei wir aber immer noch weit entfernt sind von den Gentechnik. Die Branche weist dabei eine Reinvestitionsquote in die Forschung von etwa 16% auf, was beispielsweise über der der Pharmaindustrie liegt. Daher sind diese Unternehmen definitiv wertvoll für Deutschland als Forschungsstandort.
...ruft vor allem die Kombination: Chemie, Patente, Korruption hervor. Die Konzerne haben den Ruf der grünen Gentechnik in Europa nachhaltig ruiniert und vermutlich nicht nur hier. Gut dass sie weggehen. Sollen sie ihr Zeug in den USA ausprobieren und sich mit den Landwirten in Rechtsstreiterein aufreiben, wie auch die amerikanische Softwareindustrie mit ihren Paten-Waffenbänken jegliche Konkurrenz-Innovation abwürgen.
Allerdings sollte D nicht den Fehler machen, die Grundlagenforschung einzustellen und Maschinen für diesen Bereich (Sequenzer, Simulatoren usw.) können wir gerne auch bauen. Ich halte Gentechnik nach wie vor für einen extrem wichtigen Zukunftsbereich (unabhängig davon, ob man damit Geld verdienen kann), sobald man die Sache etwas sicherer im Griff hat und die Vorteile die Nachteile wirklich aufwiegen, werden die Konzerne auch die Bevölkerung wieder gewinnen können. Nicht alle, aber Leute wie mich, die nicht im Geringsten innovationsfeindlich sind, denen aber Monsanto und Co stinkt.
...ruft vor allem die Kombination: Chemie, Patente, Korruption hervor. Die Konzerne haben den Ruf der grünen Gentechnik in Europa nachhaltig ruiniert und vermutlich nicht nur hier. Gut dass sie weggehen. Sollen sie ihr Zeug in den USA ausprobieren und sich mit den Landwirten in Rechtsstreiterein aufreiben, wie auch die amerikanische Softwareindustrie mit ihren Paten-Waffenbänken jegliche Konkurrenz-Innovation abwürgen.
Allerdings sollte D nicht den Fehler machen, die Grundlagenforschung einzustellen und Maschinen für diesen Bereich (Sequenzer, Simulatoren usw.) können wir gerne auch bauen. Ich halte Gentechnik nach wie vor für einen extrem wichtigen Zukunftsbereich (unabhängig davon, ob man damit Geld verdienen kann), sobald man die Sache etwas sicherer im Griff hat und die Vorteile die Nachteile wirklich aufwiegen, werden die Konzerne auch die Bevölkerung wieder gewinnen können. Nicht alle, aber Leute wie mich, die nicht im Geringsten innovationsfeindlich sind, denen aber Monsanto und Co stinkt.
der Infrastruktur und Energieversorgung, braucht man natürlich auch keine Forschung mehr und auch keine grüne Gentechnik.
Dann kann man aber bereits jetzt schon in Gegenden ziehen, wo die diese heile Welt existiert, z.B. in Nord Transsilvanien.
Gentechnik hingegen wird schlicht deshalb zumeist für Krankheits-, Insekten und Herbizidresistenz eingesetzt, weil dies im Vergleich einfach ist und sichtbaren Nutzen für Landwirte, die Kunden, aufweist. Eigenschaften, die von mehreren Genen gesteuert werden, z.B. Ertrag, sind so aber immer noch sehr schwierig zu steuern.
Mit zunehmendem Wissen wird aber die Palette erweitert: Z.B. forscht BASF, früher in Deutschland, jetzt wohl in den USA, an Raps welcher Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure produziert. Diese Fettsäuren sind lebenswichtig für Menschen und bisher nur aus Seefisch oder aufwändig hergestellt aus dem Bioreaktor erhältlich, was die Überfischung fördert und teuer ist. In Zukunft sollen Endverbraucher schlicht einen Esslöffel Rapsöl mit der täglichen Nahrung einnehmen können.
Und wenn man diese Pflanzen anbauen möchte? Dann ist das Zulassungsverfahren ungleich aufwändiger, als bei herkömmlichen Sorten; beispielsweise muss eine Reihe von Tests auf Allergene durchgeführt werden, was bei anderen Sorten sicher nicht geschieht.
Und wenn wir diese Pflanzen essen? Dann geschieht das, was seit Jahrmillionen geschieht: Die DNS wird im Magen als natürlicher Bestandteil unserer Nahrung ganz einfach verdaut, einschließlich der neu hinzugekommenen DNS; die Magesäure interessiert der Unterschied wenig.
Weitaus wichtiger scheinen Bedenken hinsichtlich der Umwelt. Interessanterweise haben bisher in den Anbauländern weniger Ökosysteme als vielmehr konventionelle Bauern ein Problem: Viele Kulturpflanzen sind an eine landwirtschaftliche Umgebung angepasst und breiten sich auch genau darin aus. Kritisch zu betrachten sind möglicherweise Insektizide. Allerdings handelt es sich dabei um Stoffe, z.B. Cry-Proteine gegen den Maiszünsler, die natürlich im Boden vorkommen und zunehmend können sie auch gezielt exprimiert werden, d.h. dass der Mais sie beispielsweise im Stengel produziert, aber nicht in den sich verbreitenden Pollen.
Insgesamt ist die Branche, einschließlich Monsanto und Syngenta, an den Wünschen ihrer Kunden interessiert und nicht an einem Weltuntergang, wie manche Kritiker anzunehmen scheinen. Es ist erschreckend, wenn z.B. ein Sachverständiger der Grünen an einem Infostand vor der Wahl GMOs nicht einmal definieren kann , aber genau weiß, dass sie gefährlich sind - so geschehen in Rosenheim.
Wenn alle über ein einzelnes Werkzeug streiten, was geschieht dann z.B. mit Themen wie Desertifikation, Erosion und Verlust an Biodiversität - von der auch die Pflanzenzüchtung abhängt?
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