Wenn es Abend wird in Hirono, versinken die Straßen in Dunkelheit. Nur in wenigen Fenstern der kleinen Hotels brennt noch Licht.

Hirono war einmal eine typische japanische Kleinstadt im Landkreis Futaba. Eine Hauptstraße, eine Einkaufsarkade. Darum verstreut zwischen den dicht bewaldeten Hügeln und dem Meer lagen die Wohngebiete. Etwa 5.500 Menschen lebten hier. Felder säumen noch heute die Küste. Sie waren es, die am 11. März als Pufferzone gegen die Flutwellen wirkten.

Nur deshalb konnte der Tsunami Hirono nicht ganz zerstören. Zwar wurden viele Häuser beschädigt. Doch im Vergleich zu anderen Städten in der Präfektur Fukushima forderte das Erdbeben selbst wenige Opfer. Am Ende des 11. März 2011 zählte man hier zwei Tote.

Die große Katastrophe begann für die kleine Stadt nach dem Beben, als erste Nachrichten aus dem beschädigten Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi kamen. Das liegt gerade einmal knapp 30 Kilometer entfernt.

Wird die frei werdende Radioaktivität auch unsere Stadt verseuchen? Wie groß wird die Sperrzone sein? Wird ganz Hirono evakuiert? Gequält von diesen Fragen verließen in den Wochen nach dem Beben fast alle Einwohner ihre Häuser. Etwa 4.000 Menschen zogen in die Nachbarstadt Iwaki. 900 gingen noch weiter weg – in andere Präfekturen. Am 11. April wurde die "Freiwillige Evakuierungszone" auf einen 30-Kilometer-Radius um das Atomkraftwerk erweitert . Damit wurde Hirono offiziell ins Sperrgebiet einbezogen.

Doch im Kampf um die eigene Existenz kehrten schon bald einige Hironoer zurück. Hotelbesitzer waren die Ersten. Sie konnten wieder Geld verdienen: Die Notdienstmannschaften, die auf dem Gelände von Fukushima-Daiichi arbeiteten, kamen bei ihnen unter. Mitten im Ödland bildeten sich angezogen von den Hotels kleine Gemeinschaften. "Als ich hörte, dass die Arbeiter eine Unterkunft brauchten, kehrte ich zurück. Das war Anfang Mai", sagt Mieko Kanemura, Besitzerin der Pension Hiroyoshi. "Angst vor den Strahlungen? Nein. Die Strahlungswerte waren hier immer niedriger als in der Stadt Fukushima , die außerhalb der Sperrzone war. Das Schlimmste ist, wenn die Nacht kommt. Früher ging ich abends immer mit meinem Hund spazieren. Jetzt ist die Stadt wie tot. Es ist einfach unheimlich."

Als Ende September die Regierung die 30-Kilometer-Sperrzone aufhob , wohnten in Hirono knapp 300 Menschen. Und viele davon kamen nicht hierher. Seither fahren auch die Züge wieder. Die Häuser haben Strom, Wasser und Gas. Die Polizei patrouilliert in den Straßen. Auch das Krankenhaus ist geöffnet.