1995 wurde zum ersten Mal ein Forschungsthema zum Umweltschutz mit einem Nobelpreis geehrt: Frank Sherwood Rowland, Mario Molina und Paul Crutzen erhielten die Auszeichnung für die wissenschaftliche Erklärung des Ozonabbaus in der Erdatmosphäre. Die Wissenschaftler hätten dazu beigetragen, "uns vor einem globalen Umweltproblem zu retten, das katastrophale Ausmaße hätte annehmen können", sagte das Nobelkomitee damals . Der amerikanische Chemiker sei am Samstag im Alter von 84 Jahren an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung gestorben, teilte die University of California in Irvine mit. Hier hatte er zeitlebens geforscht.

Rowland und seine Forscherkollegen hatten vor fast 40 Jahren erkannt, wie empfindlich die Ozonschicht auf Luftverunreinigungen reagiert. Sie beobachteten, dass die Schutzschicht über der Antarktis schwächer geworden war. Der Grund dafür waren Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), industriell hergestellte Treibmittel, die seit den 1930er Jahren millionenfach in Kühlschränken, Eisgeräten und Sprühdosen etwa für Haarsprays und Deodorants eingesetzt worden waren.

Rowland entdeckte zusammen mit Mario Molina, der seine Doktorarbeit bei Rowland schrieb, dass ein einziges Chlorgasatom bis zu 100.000 Ozonmoleküle zerstören kann. Zuvor hatte ihr Kollege Paul Crutzen nachweisen können, welche folgenreichen Reaktionen in der Stratosphäre über dem Südpol vor sich gehen. In 20 bis 25 Kilometer Höhe ist der Wassergehalt der Luft sehr gering, sodass sich keine Wolken im herkömmlichen Sinne bilden können. In der Stratosphäre über den Polen bestehen sie aus Säurekristallen. Bei extrem niedrigen Temperaturen hüllt sich um diese Kristalle ein Eismantel. Der Eismantel begünstigt chemische Reaktionen, die schließlich Chlor freisetzen. Das Element – Bestandteil der industriellen FCKW-Gase – reißt ein Loch in die schützende Ozonhaut der Erde.

Die FCKW-Industrie spekulierte, Rowland sei KGB-Spion

Ozon kommt zwar nur in geringen Mengen in der Atmosphäre vor. Dennoch ist das Molekül zwingend für das Leben auf der Erde, da es ultraviolette Strahlung in der Stratosphäre abfängt. Ozon verhindert, dass die gefährlichen UV-Strahlen ungehindert die Erdoberfläche erreichen. Die Vereinten Nationen legten Ende der 1980er einen erschütternden Bericht vor: Das Ozonloch könne die gesamte marine Nahrungskette schwächen, Hunderttausende Menschen würden in Folge der starken UV-Strahlung an Hautkrebs erkranken.

Bis dahin war es ein langer Kampf, den Rowland und seine Mitstreiter gegen die FCKW-Industrie aufnahmen. Bereits 1974 warnten er und Molina im Magazin Nature vor den globalen Folgen der FCKW. Die Industrie und viele Fachkollegen zeigten sich zunächst unbeeindruckt. Milliarden wurden mit dem Treibmittel umgesetzt und die Hersteller versuchten alles, um Rowland zu diskreditieren. Man schreckte nicht einmal davor zurück, zu spekulieren, Rowland sei Mitglied des sowjetischen Geheimdienstes KGB . Sein Ziel wäre die Zerstörung des Kapitalismus.

13 Jahre lang währte die Auseinandersetzung, bis britische Forscher ein Loch in der Ozonschicht über der Antarktis nachwiesen. 1987 unterzeichnete die Weltgemeinschaft im kanadischen Montreal schließlich das Protokoll zum Schutz der Ozonschicht . Fluorkohlenwasserstoffe wurden weltweit verbannt. Acht Jahre später wurden Rowland, Molina und Crutzen mit dem Nobelpreis geehrt. Die University of California würdigte Rowland als "legendären" Professor, der geduldig die Widerstände gegen seine Erkenntnisse ausgehalten habe. Er sei friedlich im Kreise seiner Familie gestorben.