Im Korup-Nationalpark und in anderen Naturreservaten um die geplante Palmölplantage leben die als gefährdete Art eingestuften Drills. © Helen Vesperini/AFP/Getty Images

Zwischen dem Korup-Nationalpark und dem Naturreservat Rumpi Hills im Südwesten Kameruns hat ein US-Konzern etwa 50 Hektar Wald roden lassen. Weitere 2.500 Hektar sollen noch in diesem Jahr von den Urwaldbäumen, die dort wachsen, befreit werden. Der Konzern schafft Platz für eine Monokultur aus Palmen. Die ersten Setzlinge stehen bereit.

Und das ist nur der Anfang: Nach den Plänen der Unternehmensgruppe Herakles Capital und deren lokaler Tochterfirma SG Sustainable Oils Cameroon Limited (SG-SOC) soll eine Fläche von rund 70.000 Hektar mit Ölpalmen bepflanzt werden. Das entspricht knapp dem Stadtgebiet Hamburgs. Die Regierung in Kamerun hat das Projekt bereits mit Auflagen genehmigt, obwohl die lokale Bevölkerung protestiert. ZEIT ONLINE hatte im November über erste Proteste berichtet.

Mehrere Umweltorganisationen wollen weitere Rodungen verhindern, darunter Pro Wildlife , der Verein Rettet den Regenwald und der WWF . "Wir fordern den sofortigen Stopp aller Aktivitäten zur Errichtung der Plantage, sowie eine transparente und sorgfältig Prüfung der Auswirkungen für Mensch und Umwelt", sagt Lars Gorschlüter, Gründer der NGO SAVE Wildlife Conservation Fund , die von Anfang an gegen die Plantage kämpfte.

Juristisch haben die Naturschützer mit ihrem Protest Erfolg: Ein kamerunisches Gericht bestätigte Ende Februar ein Urteil gegen die Firma SG-SOC: Das Unternehmen darf seither offiziell nicht weiter roden und keine Ölpalmen pflanzen. "In Wahrheit gehen die Arbeiten auf dem Gelände weiter", sagt Gorschlüter. Da in dem Land Korruption herrsche, sei die Umsetzung von Gesetzen ein Problem. Außerdem halte sich die Firma nicht an bestehende Gesetze.

In einem offenen Brief klagen neben den Umweltschützern nun auch elf internationale Wissenschaftler das Agrarunternehmen an. "Wir glauben, dass diese Plantage gegen wesentliche Regeln und Standards des Roundtable of Sustainable Palmoil (RSPO) verstößt und eine ernsthafte Bedrohung für die Artenvielfalt und die Bevölkerung in Südwest-Kamerun darstellen", schreiben die Forscher. Darunter sind der renommierte Primatenforscher Thomas Struhsaker von der Duke-Universität in North Carolina sowie der bekannte Biologe und Experte für Bevölkerungswachstum Paul R. Ehrlich von der amerikanischen Stanford-Universität . Auch der Göttinger Ökologe Matthias Waltert , der die Natur in Kamerun und Tansania seit 1999 studiert, ist einer der Unterzeichner des Briefes.

Der Fall ist deshalb so brisant, weil der Konzern sogar schon Mitglied im RSPO ist und sich die Plantage als nachhaltiges Projekt zertifizieren lassen möchte. Doch das Umweltgutachten dafür sei völlig mangelhaft und ungenau, schreiben die Wissenschaftler.