WeltraumwetterSatellit filmt Tornado auf der Sonne

Auf der Sonne sind Stürme 2.000 mal so schnell wie auf der Erde. Ein Nasa-Satellit hat einen davon beobachtet. Er bietet die Chance, mehr über Magnetfelder zu erfahren. von 

© NASA/Goddard/Li/University of Aberystwyt

Mit 300.000 Kilometern pro Stunde wirbelte das Plasma Ende September über die Oberfläche der Sonne – das ist 2.000 Mal so schnell wie Tornados über die Erde rasen. Der Sonnensatellit "Solar Dynamics Observatory" (SDO) der Weltraumbehörde Nasa lieferte Bilder von dem Naturereignis, Sonnenphysiker von der Universität von Aberystwyth fügten sie zu einem Video zusammen. 

In einem Computermodell simulierten sie den Tornado und berechneten seine Daten. "Jetzt fühlen wir uns sicher, sie auch zu präsentieren", sagt Huw Morgan . Mit seinem Kollegen Xing Li zeigte er das Video auf dem britisch-deutschen Astronomentreffen (National Astronomy Meeting) in Manchester .

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Tornados auf der Sonne und auf der Erde haben eine ähnliche Gestalt, schraubenförmig wirbelt Gas um eine Achse. Sie entstehen aber völlig unterschiedlich, hier aus Wärme- und Feuchtigkeitsunterschieden in den Luftschichten, dort durch starke magnetische Felder. Morgan beschreibt die Entstehung der solaren Wirbelstürme so: "Einfach gesagt, glauben wir, dass eine spiralförmige magnetische Struktur an beiden Enden an der Sonne verankert ist – wie diese Spielzeugspiralen, die die Treppe hinuntergehen können." Wenn eine Gasmasse auf ein Ende der Spirale prallt, löst sich dieses von der Sonnenoberfläche und schnellt nach oben.

Der Satellit SDO nahm diesen gigantischen Sonnentornado im September auf

Immer mehr gasförmige Materie wirbelt in der Folge um das Zentrum, so werden die magnetischen Strukturen sichtbar. Das sei wie bei einem Tornado auf der Erde, sagt Morgan. Den Wind allein würde man kaum sehen. "Erst durch den Staub und größere Objekte, die der Sturm aufwirbelt – zum Beispiel Kühe – sehen wir einen Tornado von Weitem." Das gefilmte Ereignis sei daher eine großartige Chance, die Bewegung von Magnetfeldern zu beobachten. 

In dem gigantischen Sturm, den der Satellit am 25. September 2011 aufgenommen hat, wirbelte Gas herum, das eine Temperatur von 50.000 bis zwei Millionen Grad hatte. Diese sogenannte Protuberanz stieg hoch in die Sonnenatmosphäre auf und der Wirbelsturm hielt mindestens drei Stunden an. "Dies ist wohl das erste Mal, dass so ein riesiger Sonnentornado gefilmt wurde", schrieb Li in einer Mitteilung der Königlich-Britischen Astronomischen Gesellschaft.

Es ist nicht der erste Sonnentornado, der gefilmt wurde. Der Satellit SDO hatte schon einmal einen aufgezeichnet, das Video davon wurde im Februar veröffentlicht. Allerdings war der erste Sturm sehr viel kleiner. Der jetzt beobachtete Tornado "hätte mehrere Erden schlucken können, so groß war er", sagt Morgan.

Die Astronomen halten es für möglich, dass solche Tornados auch sogenannte Eruptionen auslösen können, bei denen Wolken heißer, elektrisch geladener Sonnenmaterie ins All geschleudert werden. Diese Sonnenstürme können Satelliten, den Flugverkehr und sogar Stromleitungen auf der Erde beeinträchtigen. "Dieser einzigartige und spektakuläre Tornado muss eine Rolle beim Auslösen globaler Sonnenstürme spielen", sagt Morgan.

Momentan suchen die Astronomen nach ähnlichen Ereignissen und arbeiten an einem dreidimensionalen Modell des Tornados, um die Bewegung des Plasmas im Detail zu verstehen. Aber nicht nur die wissenschaftliche Seite des Naturereignisses interessiere sie, sagt Morgan: "Es ist seine Schönheit, die uns gepackt hat – dieser ätherische Tanz aus Plasmatropfen, der im Magnetfeld der Sonne gefangen ist."

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Leserkommentare
  1. "wie diese Spielzeugspiralen, die die Treppe hinuntergehen können"; "Erst durch den Staub und größere Objekte, die der Sturm aufwirbelt – zum Beispiel Kühe – sehen wir einen Tornado von Weitem."

    Ich habe manchmal das Gefühl, dass viele der hochqualifizieren Naturwissenschaftler nur zwei Sprachmodi haben: mit Fachkollegen sprechen und mit Kindern/Idioten. Dann kommt sowas dabei raus. Nicht unwitzig, bringt mir beim Verständnis aber eher wenig. Gut, dass es brauchbare Wissenschaftsjournalisten gibt -wie in dem Artikel oben- die solches Gewäsch auf Normal-Sprech übersetzen können.

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    • xpeten
    • 29. März 2012 13:51 Uhr

    -von denen Sie hier reden- wissen natürlich um die Riesenmenge -wie Sie sagen- "Idioten", die auf unserer Erde wandeln, sonst wären sie ja auch nicht hochqualifizierte Naturwissenschaftler.

    Und die wissen natürlich auch, dass diese "Idioten" sich nicht im geringsten um die wissenschaftliche Information oder Aussage als solche scheren, sondern im Zweifel viel lieber glauben als wissen und so lediglich den in der Regel für sie weder verständlichen noch interessanten Text nach etwas absuchen, wo sie ihren Hebel der pauschalen Wissenschaftler-/Wissenschafts-Schelte ansetzen können.

    Die Ergebnisse einer Untersuchung, warum die Intellektuellenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft so tief verankert ist, würde mich persönlich zwar nicht überraschen, wäre aber -so schonungslos schwarz auf weiß dargeboten- sicher einmal ihre Mühe wert.

    Man soll Wissenschaft so einfach wie möglich darstellen. Aber nicht einfacher als das.

    Der Artikel wird dem Diktum gerecht. Mehr kann man nicht verlangen. Außer vielleicht der Fähigkeit Wikipedia zu benutzen.

    • xpeten
    • 29. März 2012 13:51 Uhr

    -von denen Sie hier reden- wissen natürlich um die Riesenmenge -wie Sie sagen- "Idioten", die auf unserer Erde wandeln, sonst wären sie ja auch nicht hochqualifizierte Naturwissenschaftler.

    Und die wissen natürlich auch, dass diese "Idioten" sich nicht im geringsten um die wissenschaftliche Information oder Aussage als solche scheren, sondern im Zweifel viel lieber glauben als wissen und so lediglich den in der Regel für sie weder verständlichen noch interessanten Text nach etwas absuchen, wo sie ihren Hebel der pauschalen Wissenschaftler-/Wissenschafts-Schelte ansetzen können.

    Die Ergebnisse einer Untersuchung, warum die Intellektuellenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft so tief verankert ist, würde mich persönlich zwar nicht überraschen, wäre aber -so schonungslos schwarz auf weiß dargeboten- sicher einmal ihre Mühe wert.

    2 Leserempfehlungen
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    könnte ich empfehlen, die Metaphern zu untersuchen, mit denen Pop-Wissenschaft betrieben wird. Ich freue mich immer wieder wenn ich sehe, dass die Naturwissenschaft deutlich größere Schwierigkeiten hat, ihre Erkenntnisse zu vermitteln als etwa die Sozialwissenschaft. Was angesichts der Tatsache, dass es meist um beobachtbare Phänomene geht -und nicht etwa um abstrakte Theorien, wie etwa die Systemtheorie in den Soz.Wiss.- überraschend ist.

  2. Man soll Wissenschaft so einfach wie möglich darstellen. Aber nicht einfacher als das.

    Der Artikel wird dem Diktum gerecht. Mehr kann man nicht verlangen. Außer vielleicht der Fähigkeit Wikipedia zu benutzen.

  3. könnte ich empfehlen, die Metaphern zu untersuchen, mit denen Pop-Wissenschaft betrieben wird. Ich freue mich immer wieder wenn ich sehe, dass die Naturwissenschaft deutlich größere Schwierigkeiten hat, ihre Erkenntnisse zu vermitteln als etwa die Sozialwissenschaft. Was angesichts der Tatsache, dass es meist um beobachtbare Phänomene geht -und nicht etwa um abstrakte Theorien, wie etwa die Systemtheorie in den Soz.Wiss.- überraschend ist.

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    • PGMN
    • 29. März 2012 21:22 Uhr

    Allein die Tatsache, dass ein Sachverhalt beobachtbar ist, bedeutet noch nicht, dass er in irgendeiner Weise einfach zu beschreiben ist. Ich durfte das vor Kurzem erfahren, als ich einem älteren Familienmitglied zu erklären versuchte, was denn eigentlich ein "Plasma" ist und erstaunt feststellen musste, dass die hastig als Anschauungsmaterial herbeigenommene Leuchtstoffröhre die Sache nicht einfacher machte.

    Das Problem, insbesondere in der Physik, ist, dass einige Beobachtungen zwar gut erkennbar sind, die Erklärungen aber sehr komplex. Andere Sachverhalte sind dafür wesentlich einfacher, aber dafür ist die Methodik, mit der sie sichtbar gemacht werden, so kompliziert, dass man damit auch nicht weiterkommt.

    Kurz: Die Forderung an Naturwissenschaftler, besser zu erklären, ist sicherlich gerechtfertigt und einfach zu stellen, aber man sollte bedenken, dass der Versuch dazu seitens des Wissenschaftlers dem eines Historikers gleicht, sich über die Staatsstruktur des Hethiterreichs mit einer Person zu unterhalten, die größere Mühen damit hätte, Anatolien auf einer Weltkarte zu finden und vielleicht peripher davon gehört hätte, dass es einmal so etwas wie die Bronzezeit gab.

    Oder, wie Richard Feynman so schön sagte:
    Die Cargo Cult Sciences.

    • PGMN
    • 29. März 2012 21:22 Uhr

    Allein die Tatsache, dass ein Sachverhalt beobachtbar ist, bedeutet noch nicht, dass er in irgendeiner Weise einfach zu beschreiben ist. Ich durfte das vor Kurzem erfahren, als ich einem älteren Familienmitglied zu erklären versuchte, was denn eigentlich ein "Plasma" ist und erstaunt feststellen musste, dass die hastig als Anschauungsmaterial herbeigenommene Leuchtstoffröhre die Sache nicht einfacher machte.

    Das Problem, insbesondere in der Physik, ist, dass einige Beobachtungen zwar gut erkennbar sind, die Erklärungen aber sehr komplex. Andere Sachverhalte sind dafür wesentlich einfacher, aber dafür ist die Methodik, mit der sie sichtbar gemacht werden, so kompliziert, dass man damit auch nicht weiterkommt.

    Kurz: Die Forderung an Naturwissenschaftler, besser zu erklären, ist sicherlich gerechtfertigt und einfach zu stellen, aber man sollte bedenken, dass der Versuch dazu seitens des Wissenschaftlers dem eines Historikers gleicht, sich über die Staatsstruktur des Hethiterreichs mit einer Person zu unterhalten, die größere Mühen damit hätte, Anatolien auf einer Weltkarte zu finden und vielleicht peripher davon gehört hätte, dass es einmal so etwas wie die Bronzezeit gab.

    Eine Leserempfehlung
  4. Oder, wie Richard Feynman so schön sagte:
    Die Cargo Cult Sciences.

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    kannte ich gar nicht. Cool. Nebenbei hat Feynman den Begriff aus der Ethnologie, einer Kultur- und Sozialwissenschaft

  5. kannte ich gar nicht. Cool. Nebenbei hat Feynman den Begriff aus der Ethnologie, einer Kultur- und Sozialwissenschaft

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Sonne | Nasa | Tornado | Flugverkehr | Gas | Materie
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