Weltwasserforum in MarseilleDer Kampf ums Wasser tobt

Die Ressource Wasser ist knapp. Das ist nicht nur ein Problem der Wüstenzonen. Wasser muss gerechter verteilt werden, denn Industriestaaten verschwenden es schonungslos. von Dagmar Dehmer

Der Wasserverbrauch steigt weltweit dramatisch an. Das gefährdet nach Einschätzung des Weltwasserentwicklungsberichts der Vereinten Nationen , der am Montag im französischen Marseilles präsentiert worden ist, alle Milleniums-Entwicklungsziele, auf die sich die UN-Vollversammlung im Jahr 2000 geeinigt hat. Dabei verkündete man gerade erst, dass niemals zuvor derart viele Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben wie heute. Die wesentlichen Gründe für den steigenden Wasserbedarf sind nach Einschätzung der Unesco-Generalsekretärin Irina Bokova und Michel Jarraud, der die Unterorganisation UN-Wasser leitet, der steigende Lebensmittelbedarf, die rasante Verstädterung der Welt sowie der Klimawandel.

Wird Trinkwasser weltweit knapper?

Die Erde ist zwar als Ganzes gesehen ein geschlossener Wasserkreislauf. Das bedeutet: Auf der Erde gibt es immer und gab es schon immer gleich viel Wasser. Doch das sagt nichts über die Qualität aus und schon gar nicht, ob es als Trinkwasser taugt. Noch immer haben rund 900 Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Rund eine Milliarde Menschen ist heute schon auf Grundwasserreserven angewiesen. In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Entnahme von nicht erneuerbarem Grundwasser mindestens verdreifacht, schreiben die Autoren des Reports.

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Besonders bedroht vom Klimawandel sind die Gletscher , die wie Trinkwasserspeicher wirken. Gelänge es, die globale Erwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung zu begrenzen, würde das für die Gletscher der Anden in Südamerika bereits eine vollständige Schmelze bedeuten. Das könnte eine Trinkwasserversorgung der Millionenstädte La Paz oder Bolivia nahezu unmöglich machen. Die volkswirtschaftlichen Kosten einer schlechten Wasserqualität und -verfügbarkeit kostet die Länder des Mittleren Ostens und Nordamerika schon heute zwischen 0,5 und 2,5 Prozent ihrer gesamten Wirtschaftsleistung.

Das blaue Gold

Jedes Jahr sterben mehr als zwei Millionen Menschen aus Mangel an sauberem Wasser oder weil sie verseuchtes Wasser getrunken haben. Denn während in den industrialisierten Staaten sauberes Wasser selbstverständlich ist, haben laut den Vereinten Nationen weltweit 884 Millionen Menschen keinen genügenden Zugang zu sicherem Trinkwasser. 37 Prozent der Betroffenen leben in Sub-Sahara-Afrika und gut ein Viertel in Südasien. Quelle: WHO / Unicef JMP for Water supply and sanitation

Unzureichende Versorgung

Als unzureichende Wasserversorgung definieren die WHO und Unicef ungesicherte Brunnen und Quellen, Karren mit kleinen Tanks oder Fässern, Oberflächengewässer wie Flüsse, Dämme, Seen, Tümpel, Kanäle, Bäche oder Bewässerungskanäle sowie Wasser in Flaschen.

Bessere Versorgung

Als verbesserte Trinkwasserquelle gilt vor allem der gesicherte Zugang zu Leitungswasser. Weiter zählen öffentliche Wasserhähne oder (Tiefbrunnen-) Pumpen, Bohrlöcher, geschützte Brunnen sowie geschützte Quell- oder Regenwasseransammlungen dazu.

Quelle: WHO / Unicef JMP for Water supply and sanitation

Noch schlechter als auf der Versorgungsseite sieht es auf der anderen Seite aus: Rund 2,6 Milliarden Menschen weltweit haben keine Toiletten. Rund 80 Prozent der Abwässer , menschlicher, industrieller, landwirtschaftlicher Natur, werden ungeklärt in Flüsse, Seen oder Meere eingeleitet.

Rund eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu Strom. Auch die Energieerzeugung hängt an der globalen Wasserverfügbarkeit. Das gilt nicht nur für die Wasserkraft, sondern auch für Biomasse, oder auch für Kohle- oder Atomkraftwerke, für die Kühlwasser gebraucht wird. Deutschland beteiligt sich an der Weltwasserdiskussion seit dem vergangenen Jahr mit der sogenannten Nexus-Diskussion. Dabei wird der Zusammenhang zwischen der Wasserversorgung, der Lebensmittel- und der Energieproduktion in den Blick genommen.

Ist Wasserknappheit nur ein Problem der Wüstenzonen?

Nein. Auch in Südeuropa gibt es ein großes und sich verschärfendes Wasserproblem. In Südeuropa werden 80 Prozent des Wassers in der Landwirtschaft verbraucht, schreibt die Europäische Umweltagentur , die an diesem Dienstag eine Studie zur europäischen Wasserpolitik vorstellen wird. In Spanien beispielsweise trifft der Klimawandel – für die Mittelmeeranrainer werden dramatisch geringere Niederschläge erwartet – auf ein ohnehin schlechtes Wassermanagement. Im Süden Spaniens warten nicht nur unzählige Bettenburgen auf Touristen, die gerade in der trockenen Jahreszeit einen sehr hohen Wasserverbrauch haben. Dort werden zudem sehr wasserintensive Nahrungsmittel angebaut wie beispielsweise Erdbeeren. In Spanien kommt dazu noch das Problem, dass viele Bauern illegale Brunnen bohren und das Wasser, ohne dafür zu bezahlen, für ihre Produktion abzweigen. Deshalb kommt es immer öfter zu Trinkwasserrationierungen, wenn die Vorräte nicht mehr ausreichen.

Leserkommentare
  1. "Nimmt man alle Importe zusammen und zählt sie zum Wasserverbrauch der Deutschen hinzu, kommt man auf eine tägliche Wassermenge pro Kopf von 5.288 Liter."

    Das entspricht ungefähr der Menge Wasser, die hier auf 6 m2 jährlich vom Himmel herunterfällt.

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    ... wirklich 2,4 l je m² und Tag?

  2. In Südeuropa ist das längst zu spüren Beispiel aktuell mal wieder Spanien:
    http://www.wetter.info/we...

    Aber auch in Deutschland sind deratige Ereignisse zu beobachten, wie zum Beispiel insbesondere im November 2011, der in Sachen Trockenheit alle Rkorde geschlagen hat.
    http://www.wetteronline.d...

    http://www.g-o.de/wissen-...

    http://www.dradio.de/dlf/...

    http://www.welt.de/print/...

    Wer also meint, wir Deutschen brauchen uns gar keine Sorgen machen der verdrängt die Fakten. Es geht nicht um Panikmache sondern einen nachhaltigen Umgang mit lebenswichtigen Resourcen und dazu zählt an erster Stelle (Trink)wasser.

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    in der vorgetragenen Form geht es um nichts als unqualifizierte Panikmache.

    Das ist alles, mehrheitlich, von keiner Fachkenntnis getrübes Anhäufen von Kaffeesatzleserei.

    Die nachhaltige Bewirtschaftung ist an sich lange bekannt, in Deutschland firmiert das unter "Gewinnung des Nutzbaren Dargebotes" und ist somit eine definierte Größe im hydrologischen Kreislauf.

    Dabei ist der Ansatz nur diejenige Menge Wasser aus einem definierten Einzugsgebiet per a zu entnehmen, die aufgrund des 30 jährigen Mittels der lokalen Grundwasserneubildungsrate ersetzt werden kann.

    Das es Probleme bei der Reinhaltung der Bestände gibt, trifft zwar zu, aber das interessiert normalerweise keinen!
    Fragen Sie sich doch mal, warum die Anforderungen der TVO an die Wasserinhaltsstoffe und verbesserte Probenahmemethoden nicht schon lange den Stand der Technik angepasst worden sind!
    Das vermeidet "unsere" politische Klasse mit beeindruckender Penetranz....
    Von Panikmache schrieb ich, weil hier der Verdacht aufkommt das über den Presseweg eine gefühlte Verknappung von TW erzeugt werden soll, welche dann (erwartungsgemäß) die Privatisierung der Wasserversorgung bzw. deren Gewinn zu mehren geeignet sein wird.

    MfG Karl Müller

    "Aber auch in Deutschland sind deratige Ereignisse zu beobachten, wie zum Beispiel insbesondere im November 2011, der in Sachen Trockenheit alle Rkorde geschlagen hat."

    Das ist leeres Klimawandel-Geschwafel.

    Hier einmal ein paar Niederschlagssummen für meinen Wohnort:

    2011 589 mm/m2/a
    2010 896 mm/m2/a
    2009 610 mm/m2/a
    2008 630 mm/m2/a
    2007 556 mm/m2/a
    2006 363 mm/m2/a
    2005 534 mm/m2/a
    2004 603 mm/m2/a
    2003 350 mm/m2/a

    ( Datenquelle: Agrarmeteorologisches Messnetz Sachsen )

    Es berechnet sich ein Durchschnitt von 570 mm/m/a
    bei einer Standardabweichung von 160 mm/m/a

    Als Trend ergibt sich eine ZUNAHME der Niederschlagsmenge von 38 mm/m2/a pro Jahr

    Und das Trotz Ihres "Rekordnovember" 2011.

    Insofern meine ich wir brauchen uns keine Sorgen um einen vermeintlichen Klimawandel zu machen - sondern eher um die Bockshornkirche der Klimawandelangstprediger die solche Beiträge schreiben wie den Ihren.

  3. Wer von den wasserreichen Nationen Sparsamkeit fordert,
    sollte von den wasserarmen Staaten eine aktive Forstwirtschaft
    erwarten. Wer die letzte Wurzel ausgräbt, braucht sich über Wassermangel nicht zu wundern. Natürlich sind Ziegenherden bequem, aber extrem umweltschädlich. Von Nix kommt nix.

    • TDU
    • 13. März 2012 16:32 Uhr

    "Die schlimmsten Wasserverschwender sind Kaffee, Kakao, Baumwolle, Sojabohnen und Milch". Nach der Logik ist alles Wasser verschwendet, dass man nicht zu sich nimmt, wenn man Durst hat. Die Zeiten gabs ja, aber da war Trinkwasser längst nicht so sauber wie heute.

    Also wieso Verschwender?. Erst mal ist es ein Verbrauch. Darüber muss am reden und forschen. Wie gewinnen wir es wieder und wie reduzieren wir den Verbrauch, wenn es zu anderen Zwecken gebraucht wird als zum Trinken oder Waschen.

    • clubby
    • 13. März 2012 16:45 Uhr

    Nachdem sich die Debatte um die Klimakatastrophe abgekühlt hat und die "Ergebnisse" des Klimarates mehr und mehr Zweifel und Fragen aufkommen lassen ist es Zeit für ein neues Thema uns in der Mittelschicht das Geld durch indirekte Abgaben wieder aus der Tasche zu ziehen.

    Trinkwassersparen war übrigens in den 70ern schon mal nen Thema, mit dem Erfolg, das zwar der Wasserverbrauch in den Großstädten zurückging, nun aber die Leitungen künstlich geflutet werden müssen. Natrülich ist der Wassserpreis durch den damaligen Hype gestiegen, ... wie immer

  4. in der vorgetragenen Form geht es um nichts als unqualifizierte Panikmache.

    Das ist alles, mehrheitlich, von keiner Fachkenntnis getrübes Anhäufen von Kaffeesatzleserei.

    Die nachhaltige Bewirtschaftung ist an sich lange bekannt, in Deutschland firmiert das unter "Gewinnung des Nutzbaren Dargebotes" und ist somit eine definierte Größe im hydrologischen Kreislauf.

    Dabei ist der Ansatz nur diejenige Menge Wasser aus einem definierten Einzugsgebiet per a zu entnehmen, die aufgrund des 30 jährigen Mittels der lokalen Grundwasserneubildungsrate ersetzt werden kann.

    Das es Probleme bei der Reinhaltung der Bestände gibt, trifft zwar zu, aber das interessiert normalerweise keinen!
    Fragen Sie sich doch mal, warum die Anforderungen der TVO an die Wasserinhaltsstoffe und verbesserte Probenahmemethoden nicht schon lange den Stand der Technik angepasst worden sind!
    Das vermeidet "unsere" politische Klasse mit beeindruckender Penetranz....
    Von Panikmache schrieb ich, weil hier der Verdacht aufkommt das über den Presseweg eine gefühlte Verknappung von TW erzeugt werden soll, welche dann (erwartungsgemäß) die Privatisierung der Wasserversorgung bzw. deren Gewinn zu mehren geeignet sein wird.

    MfG Karl Müller

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    Herr Karl Müller.

    Ich habe nicht den Eindruck, das dies in Deutschland oder gar z.B. Süd Europa verinnerlicht ist.

    Und selbst in Deutschland gibt es bereits Gebiete, wo mehr entnommen wird, als der Bilanz entspricht. Das heißt nicht, das wir in Deutschland kurzfristig absehbar eine größere (Trink)Wasser Knappheit erwarten müssen.

    Deutlich problematischer ist die Qualität des Trinkwassers gemäß gültiger TVO, wie Sie richtig anmerken.Denn nur was ich gemäß TVO nachweisen muss/suchen (lasse), kann ich gemäß Stand der Technik auch finden...

    Da liegt einiges im Argen inzwischen, verursacht u.a. durch intensive Landwirtschaft / Düngung / Gülle oder auch hoch belastete Krankenhausabwässer u.a. mit Medikamentenrückständen, die nicht ausreichend gefiltert wieder in den Wasserkreislauf gelangen.

    Denn die Methoden derartige Inhaltsstoffe zu entfernen sind aufwendig und teuer, genau deshalb schweigt die Politik so beharrlich zum, Thema...denn deutlich steigende Wasserpreise ist das letzte, was Politiker gebrauchen können...

    Dabei wäre es nötig, den Verursachern dieser Inhaltsstoffe mehr auf die Füsse zu treten, aber das ist ebenso heikel Stichwort Agrarlobby oder Ärzte/Kosten im Gesundheitswesen...

    Deshalb diese meist weitgehende, politische Passivität zum Thema Trinkwasserqualität.

  5. "Aber auch in Deutschland sind deratige Ereignisse zu beobachten, wie zum Beispiel insbesondere im November 2011, der in Sachen Trockenheit alle Rkorde geschlagen hat."

    Das ist leeres Klimawandel-Geschwafel.

    Hier einmal ein paar Niederschlagssummen für meinen Wohnort:

    2011 589 mm/m2/a
    2010 896 mm/m2/a
    2009 610 mm/m2/a
    2008 630 mm/m2/a
    2007 556 mm/m2/a
    2006 363 mm/m2/a
    2005 534 mm/m2/a
    2004 603 mm/m2/a
    2003 350 mm/m2/a

    ( Datenquelle: Agrarmeteorologisches Messnetz Sachsen )

    Es berechnet sich ein Durchschnitt von 570 mm/m/a
    bei einer Standardabweichung von 160 mm/m/a

    Als Trend ergibt sich eine ZUNAHME der Niederschlagsmenge von 38 mm/m2/a pro Jahr

    Und das Trotz Ihres "Rekordnovember" 2011.

    Insofern meine ich wir brauchen uns keine Sorgen um einen vermeintlichen Klimawandel zu machen - sondern eher um die Bockshornkirche der Klimawandelangstprediger die solche Beiträge schreiben wie den Ihren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sorry mm/m2 ist Quatsch.
    - die Einheit hätte mm/a heißen müssen.

    Zitat: "Bockshornkirche der Klimawandelangstprediger"

    in meinem Beitrag hier überhaupt nicht erwähnt, sondern Sie wollen mich auf unseriöu plumpe Weise diskreditieren.

    Zu Ihrer "schönen Statistik"
    http://www.bing.com/searc...

    Keine Ergebnisse für die von Ihnen angegebene Quelle...

    Aber selbst wenn es dieese Daten gibt, was sagt dieser punktuell gemessene Wert für ganz Deutschland aus ? NICHTS !

    Ihre Kofferaum Mentalität trieft ja geradezu " Wir haben ja einen zweite Welt im Kofferaum" wozu also nachhaltig mit lebenswichtigen Rsourcen wie (Trink)wasser umgehen ?!

    Wer hier wen ins Bockshorn jagen will, das mag sich der geneigte Leser selbst zusammenreimen...

    Zu Ihren verbalen Ausfällen gegen den anthropogen mit verursachten Klimawandel nur mal ein paar aktuelle Fakten:

    http://www.wetter.info/kl...

    http://www.wetter.info/kl...

    http://www.wetter.info/kl...

  6. sorry mm/m2 ist Quatsch.
    - die Einheit hätte mm/a heißen müssen.

    Antwort auf "#2 Ruhrstädter"

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