Frauen an einer Wasserstelle in Jamam, Südsudan © Hannah McNeish/AFP/Getty Images

Unter dem afrikanischen Kontinent könnten bislang unbekannte, gigantische Mengen Grundwasser lagern. Erstmals haben Wissenschaftler des British Geological Survey (BGS) und des University College in London detailliert die Menge und die mögliche Trinkwasserausbeute berechnet. Das Gesamtvolumen sei etwa hundertmal höher als das des afrikanischen Oberflächenwassers.

Die Forscher haben die bisher detaillierteste Karte vom Umfang der afrikanischen Wasserreserven erstellt und im Magazin Envoronmental Reserach Letters veröffentlicht. Ihre Analyse stützt sich auf hydrogeologische Karten von Regierungen und auf bestehende Studien über insgesamt 283 geologische Grundwasserleiter, die sich über den gesamten Kontinent hinweg verteilen.

"In Nordafrika lagern in ausgedehnten Sedimentbecken die größten Grundwasserreserven, vor allem in Libyen, Algerien und Tschad", sagte Helen Bonsor von der BGS, der BBC. Würde man das Wasservolumen in dieser Region zusammenbringen, würde es einen See so groß wie die drei Länder und mit einer Tiefe von 75 Metern ergeben. Auch unter den Oberflächen von Staaten, die unter Trinkwasserknappheit leiden, verbergen sich womöglich große Wassermengen.

In Afrika haben etwa 300 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Nur ungefähr fünf Prozent des bewirtschaftbaren Ackerlandes werden bewässert. Frischwasser aus Flüssen und Seen ist wegen regelmäßiger Fluten und Dürren für die Menschen nur eingeschränkt nutzbar. Und in den kommenden Jahrzehnten wird der Wasserbedarf wegen des Bevölkerungswachstums ansteigen.

Die Wissenschaftler sprechen sich allerdings gegen eine Ausbeutung der Reserven durch ausgedehnte Bohrungen aus. Da viele der Becken wegen des Niederschlagsmangels nicht wieder aufgefüllt würden, könnten dies die Quellen rasch erschöpfen. Dennoch, so die Forscher, biete der Kontinent bei weniger ertragreichem Abschöpfen genügend Trinkwasser zur Ernährung und zur Bewässerung.