Dioxinähnliche StoffeZwei Betriebe in Niedersachsen wegen Chemikalien in Eiern gesperrt

Auf zwei Höfen in Niedersachsen wurde die dioxinähnliche Chemikalie PCB festgestellt. Das Verbraucherministerium ruft die ausgelieferten Eier zurück.

In Eiern von zwei niedersächsischen Legehennenbetrieben sind erhöhte Gehalte von dioxinähnlichem PCB festgestellt worden. Das teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover mit.

Die beiden betroffenen Legehennenbetriebe seien vollständig gesperrt worden. Darüber hinaus seien alle ausgelieferten Eier bereits zurückgerufen worden. Um wie viele es sich dabei gehandelt habe, könne noch nicht gesagt werden, teilte eine Ministeriumssprecherin mit.

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Es könne "nicht ausgeschlossen werden, dass sich möglicherweise belastete Eier noch beim Verbraucher befinden", sagte die Sprecherin.

Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr durch den Verzehr von Eiern, in denen die gültigen Höchstwerte für Dioxin oder ähnliche Chemikalien enthalten sind, besteht nach Ansicht von Wissenschaftlern nicht. Dioxine und damit verwandte Umweltgifte, wie etwa PCB, sind überall in der Umwelt enthalten. Da sie sehr langlebig sind, können sie sich in der Nahrungskette anreichern. Wenn Hühner zum Beispiel Tierfutter fressen, das stark belastet ist, kann es zu einer Anreicherung und somit auch zu erhöhten Werten in Eiern kommen. Auch Fisch ist ein Lebensmittel, dass relativ hohe Chemikalienwerte aufweisen kann - in Raubfischen zum Beispiel, die weit oben in der Nahrungskette stehen, reichern sich vergleichsweise viele Schadstoffe an.

Die Belastung der Eier in Nordrhein-Westfalen war Mitte März aufgefallen und Anfang April dem Verbraucherschutzministerium in Düsseldorf gemeldet worden. Mehrere Betriebe wurden daraufhin gesperrt.

Was ist Dioxin?

Dioxine sind Umweltgifte, die besonders langlebig sind. Der Begriff bezieht sich auf zwei Klassen von Kohlenwasserstoffverbindungen, die unterschiedlich stark mit Chlor versetzt sind. Insgesamt sind 210 solcher Verbindungen bekannt. Sie teilen sich in 75 polychlorierte Dibenzo-p-dioxine (PCDD) und in 135 polychlorierte Dibenzofurane (PCDF) auf.

Die Grundstruktur des Moleküls bilden häufig Benzolringe an beiden Enden, an denen Chlor-Atome hängen. Nur wenn die Benzolringe in einer Ebene liegen, kann das Molekül seine toxische Wirkung entfalten.

Das giftigste Dioxin ist das als Seveso-Gift bekannte 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (TCDD), bei dem Sauerstoffatome die Benzolringe zusammenhalten.

Im italienischen Seveso ereignete sich am 10. Juli 1976 eine der größten Chemiekatastrophen. Dabei wurden große Mengen der toxischen Verbindung freigesetzt. Pflanzen und Tiere verendeten, Menschen erkrankten unter anderem an Eiterpusteln im Gesicht, der Chlorakne. Die Seveso-Katastrophe führte international zu schärferen Gesetzen und der Ächtung von Umweltgiften.

Neben den Dioxinen gibt es die zum Teil ebenfalls gesundheitsschädlichen, dioxinähnlichen Polychlorierten Biphenyle (PCB). Hiervon sind 209 Verbindungen bekannt.

Wie entsteht es?

Dioxin entsteht unerwünscht etwa bei Industrie- und Verbrennungsprozessen mit Chlor und organischem Kohlenstoff. Nach Informationen des Umweltbundesamtes wird das Umweltgift bei 300 Grad Celsius und mehr gebildet und ab Temperaturen von 900 Grad zerstört. Entsprechende Hitze entwickelt sich zum Beispiel in der Metall- und Stahlproduktion, in der Müllverbrennung oder bei Hausbränden. Allerdings müssen bestimmte Ausgangsmoleküle und chemische Katalysatoren vorhanden sein, damit sich Dioxon-Verbindungen bilden können.

Auch bei allen chemischen Produktionsverfahren, in denen Chlor verwendet wird, können die Stoffe entstehen.

In der Natur kommen Dioxine mitunter dort vor, wo Wälder verbrennen oder Vulkane ausbrechen. Im Laufe der Erdgeschichte haben sich viele Umweltgifte so in Ton und Erde angereichert.

Kiloweise Dioxine wurden in den 1980er Jahren in die Umwelt gebracht. In Pflanzenschutzmitteln und Chemikalien wie PCB fanden sich viele toxische Verbindungen. Mittlerweile gibt es Grenzwerte und scharfe Gesetze sowie PCB-Verbote, die diese Dioxinbelastung drastisch verringert haben.

Gesundheitsgefahr

Bereits geringe Mengen an Dioxinen können für den Menschen gefährlich sein. Allerdings kommt es durch belastete Lebensmittel nicht zu akuten Symptomen. Die giftigen Stoffe sind allerdings sehr langlebig und können jahrzehntelang im Körper verbleiben, ehe sie sich abgebaut haben. So gibt es chronische Effekte, wenn über lange Zeit hinweg auch niedrige Dioxin-Mengen in den Körper gelangen.

Die Folgen wurden in Tierversuchen beschrieben und reichen von Störungen des Immunsystems, schweren Haut- und Atemwegserkrankungen bis hin zu Schilddrüsen- und Darmschäden. Das giftigste Dioxin TCDD gilt als krebserregend, auch wenn bei dem Gift-Skandal in Seveso keine erhöhten Krebsraten nachgewiesen wurden. Bestehende Grenzwerte sind eine Vorsichtsmaßnahme. Sie sagen nichts über die tatsächliche Gesundheitsgefahr aus.

90 bis 95 Prozent des Dioxins, das in den menschlichen Stoffwechsel gelangt, wird über die Nahrung aufgenommen. Fast zwei Drittel davon steckt in Fleisch und Milchprodukten, weil sich die Umweltgifte im Fettgewebe anreichern. Fische sind, je nach Fettgehalt, zum Teil stärker belastet. Allerdings werden vergleichsweise weniger davon verzehrt.

Ein erwachsener Mensch nimmt jeden Tag in Deutschland im Durchschnitt zwischen 48 und 138 Pikogramm Dioxine auf (1 Pikogramm = 1 pg = 1 Billionstel Gramm). Diese Daten stammen aus den Jahren 2000 und 2003. Daher schätzt das Bundesumweltamt, dass die Belastung derzeit noch niedriger ist.

Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung mitteilt, liegt der Dioxingehalt bei Proben aus dem Januar 2010 über dem von der EU festgelegten Höchstgehalt. Für Eier beträgt dieser drei Pikogramm pro Gramm Fett. Eine akute Gesundheitsgefahr ergibt sich darasu nicht. Wer ein Ei mit einem erhöhten Dioxingehalt gegessen hat, wird nichts merken.

Belastung

Obwohl Dioxine nie im industriellen Maßstab hergestellt worden sind, finden sie sich in der Umwelt und vor allem im Boden. Über die Luft oder den Einsatz von Düngern (z.B. aus Klärschlamm) gelangen sie in die Erde, wo sie sich anreichern. Die Giftstoffe gelangen meist über Erdpartikel, die an Gemüse, Gras oder Getreide haften in die Nahrungskette. In Gemüse selbst sind Dioxine kaum zu finden.

Ins Meer gelangten Dioxine jahrzehntelang in großen Mengen, weil sie sich in Industrie- und Deponie-Abwässern sammeln. Hier reichern sie sich bis heute im Fettgewebe von Fischen, Vögeln und Säugetieren an, weil sie so langlebig sind.

Seit Mitte der 1990er Jahre hat die Dioxin-Belastung in der Umwelt um mehr als 50 Prozent abgenommen. Dank verbesserter Umweltschutzmaßnahmen ist auch die Lebensmittelqualität gestiegen. Völlig unbelastete Nahrungsmittel sind allerdings kaum denkbar, da Dioxine auch natürlich entstehen können.

Um die eigene Dioxin-Belastung zu senken, sollten Verbraucher den häufigen Verzehr fettreicher tierischer Lebensmittel meiden. Tiere, die in Freiheit aufwachsen und ein höheres Alter erreichen, haben zudem tendenziell eine höhere Belastung in ihrem Fett. Dies gilt vor allem für wildgefangene Fische.

Links

Mehrere Ministerien und Verbraucherzentralen informieren im Internet über die vom aktuellen Dioxin-Skandal betroffenen Produkte. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat zudem Berichte über die Kontrollen bei Futtermittelherstellern ins Netz gestellt.

PCB ist ein organischer Giftstoff ähnlich dem Dioxin, der jahrzehntelang als Zusatzstoff in Kunststoffen und Farben sowie als Kühl- und Hydraulikflüssigkeit in der Industrie verwendet wurde.

Als seine Gefährlichkeit entdeckt wurde, wurde die Verwendung in den meisten Industrieländern ab Ende der 1970er Jahre nach und nach verboten.
 

 
Leserkommentare
  1. ... sind die "Hühner auf einem Kinder-Bauernhof" hier wohl eher kaum, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach eher um einen Legehennen-Großbetrieb!

  2. *Alle* Eier enthalten "Chemikalien". Genaugenomen besteht das gesamte Ei aus nichts anderem als Chemikalien. Ein bessere Überschrift wäre:

    "Zwei Betriebe in Niedersachsen wegen PCB in Eiern gesperrt"

    • Voce
    • 13.04.2012 um 18:15 Uhr

    produziert worden sein sollen. Meines Erachtens kann und darf das gar nicht sein (warum hört man eigentlich nichts aus der Bio-Ecke zu diesem Fall ?).
    Daher kann es sich hierbei nur um einen Analysenfehler handeln. Oder man hat im Labor sogar eine neue Substanz entdeckt, die möglicherweise Bioxin heißt und die wahrscheinlich die Gesundheit fördert !?

    • quax74
    • 13.04.2012 um 20:28 Uhr

    Für uns Leser wäre es prinzipiell informativer,wenn man erfahren würde, aus welchen Systemen (bio vs. konventionell, Freiland vs. Bodenhaltung) diese Eier stammen.

  3. ist die beste Alternative. Man braucht sie nicht zur Ernährung.So lange so viele Eier gegessen werden, wird die Qualitätsschraube auch immer weiter nach unten gehen.Masse ist eben nicht gleich Klasse.Wenn die Politik und die Gesetze nichtmehr funktionieren, muß eben der Verbraucher anfangen, richtig zu handeln.Es ist ja auch unmenschlich, Eier aus solchen Massenbetrieben zu kaufen und damit die grausame Haltung dieser Geschöpfe zu akzeptieren. Wer dadurch krank wird, ist auch selber schuld.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
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