ZEIT ONLINE: Tropische Mücken sind dafür bekannt, dass sie Tropenkrankheiten wie Malaria, das Dengue-Fieber, Gelbfieber oder das Chikungunya-Fieber übertragen können. Wie machen die Mücken das?

Jonas Schmidt-Chanasit: Die Mücken sind mit Erregern – zum Beispiel Viren oder Plasmodien – infiziert, die Tropenkrankheiten beim Menschen hervorrufen. Beim Stich werden diese Erreger auf den Menschen übertragen.

ZEIT ONLINE: Was unterscheidet eine tropische Mücke von unseren Mücken?

Schmidt-Chanasit: Die Art. In den Tropen kommen andere Mückenarten vor als bei uns in Deutschland. Zum Teil werden aber tropische Mücken verschleppt – wie zum Beispiel die Asiatische Tigermücke – und können dann bei uns heimisch werden.

ZEIT ONLINE: Einer unserer Leser hat uns in der Community folgende Frage gestellt: "Mal angenommen, jemand fängt sich Dengue-Fieber in Afrika , reist nach Italien und wird dort sowohl von Tiger- als auch anderen
Mücken gestochen. Können nur Tigermücken das Fieber übertragen und die heimischen töten die Keime?" Was können Sie ihm antworten?

Schmidt-Chanasit: Ja, momentan ist genau das die Situation in Italien. Nur die Tigermücke kann das Dengue-Virus in Italien übertragen. Würde die Gelbfiebermücke dort heimisch werden, dann könnte sie auch das Dengue-Fieber übertragen.

ZEIT ONLINE: Außerdem schreibt der Leser von Malaria-Epidemien, die im Mittelalter in Feuchtgebieten in Italien auftraten. Waren dafür die Mückenarten verantwortlich, die es heute üblicherweise bei uns in Europa gibt?

Schmidt-Chanasit: Die Malaria-Mücke gibt es nach wie vor in Italien und auch bei uns. Es handelt sich dabei um eine einheimische Mückenart. Auch in den 1950er Jahren gab es in Deutschland noch Malaria-Infektionen.

ZEIT ONLINE: Welche Rolle spielt das Klima? Werden Tropenkrankheiten in unseren Breiten deshalb nicht verbreitet, weil der Erreger in der Mücke bei Kälte nicht überlebt?

Schmidt-Chanasit: Das ist ein wichtiger Punkt. Die tropischen Viren brauchen zum Teil sehr warme Temperaturen, um sich in den Mücken effektiv vermehren zu können.

ZEIT ONLINE: Was entscheidet darüber, welcher Erreger sich in einer Mücke wohlfühlt?

Schmidt-Chanasit: Das Immunsystem der Insekten spielt hier die entscheidende Rolle: Kommt es etwa mit einem Virus aus, kann der Erreger im Insekt überleben und sich vermehren und somit dann beim nächsten Stich weitergegeben werden.

ZEIT ONLINE: Tragen hierzulande heimische Mücken eigentlich auch Parasiten, die für den Menschen harmlos sind?

Schmidt Chanasit : Ja, wir haben zum Beispiel in deutschen Stechmücken bestimmte Würmer nachgewiesenSetaria tundra – die nicht für den Menschen gefährlich sind. Wildtiere können hingegen infiziert werden und erkranken.