Krankheitsüberträger : Die gefährliche Fracht der Tropenmücken

Können auch einheimische Mücken Malaria-Parasiten oder Dengue-Viren verbreiten? Das fragte uns ein Leser. J. Schmidt-Chanasit vom Hamburger Tropeninstitut antwortet.

ZEIT ONLINE: Tropische Mücken sind dafür bekannt, dass sie Tropenkrankheiten wie Malaria, das Dengue-Fieber, Gelbfieber oder das Chikungunya-Fieber übertragen können. Wie machen die Mücken das?

Jonas Schmidt-Chanasit: Die Mücken sind mit Erregern – zum Beispiel Viren oder Plasmodien – infiziert, die Tropenkrankheiten beim Menschen hervorrufen. Beim Stich werden diese Erreger auf den Menschen übertragen.

ZEIT ONLINE: Was unterscheidet eine tropische Mücke von unseren Mücken?

Schmidt-Chanasit: Die Art. In den Tropen kommen andere Mückenarten vor als bei uns in Deutschland. Zum Teil werden aber tropische Mücken verschleppt – wie zum Beispiel die Asiatische Tigermücke – und können dann bei uns heimisch werden.

ZEIT ONLINE: Einer unserer Leser hat uns in der Community folgende Frage gestellt: "Mal angenommen, jemand fängt sich Dengue-Fieber in Afrika , reist nach Italien und wird dort sowohl von Tiger- als auch anderen
Mücken gestochen. Können nur Tigermücken das Fieber übertragen und die heimischen töten die Keime?" Was können Sie ihm antworten?

Jonas Schmidt-Chanasit

Der Wissenschaftler arbeitet am Bernhard-Nocht-Institut in der Sektion Immunologie und Virologie. Dort leitet er eine Arbeitsgruppe, die unter anderem Viren erforscht, die von Nagern und Stechmücken übertragen werden.

Schmidt-Chanasit: Ja, momentan ist genau das die Situation in Italien. Nur die Tigermücke kann das Dengue-Virus in Italien übertragen. Würde die Gelbfiebermücke dort heimisch werden, dann könnte sie auch das Dengue-Fieber übertragen.

ZEIT ONLINE: Außerdem schreibt der Leser von Malaria-Epidemien, die im Mittelalter in Feuchtgebieten in Italien auftraten. Waren dafür die Mückenarten verantwortlich, die es heute üblicherweise bei uns in Europa gibt?

Schmidt-Chanasit: Die Malaria-Mücke gibt es nach wie vor in Italien und auch bei uns. Es handelt sich dabei um eine einheimische Mückenart. Auch in den 1950er Jahren gab es in Deutschland noch Malaria-Infektionen.

ZEIT ONLINE: Welche Rolle spielt das Klima? Werden Tropenkrankheiten in unseren Breiten deshalb nicht verbreitet, weil der Erreger in der Mücke bei Kälte nicht überlebt?

Schmidt-Chanasit: Das ist ein wichtiger Punkt. Die tropischen Viren brauchen zum Teil sehr warme Temperaturen, um sich in den Mücken effektiv vermehren zu können.

ZEIT ONLINE: Was entscheidet darüber, welcher Erreger sich in einer Mücke wohlfühlt?

Schmidt-Chanasit: Das Immunsystem der Insekten spielt hier die entscheidende Rolle: Kommt es etwa mit einem Virus aus, kann der Erreger im Insekt überleben und sich vermehren und somit dann beim nächsten Stich weitergegeben werden.

ZEIT ONLINE: Tragen hierzulande heimische Mücken eigentlich auch Parasiten, die für den Menschen harmlos sind?

Schmidt Chanasit : Ja, wir haben zum Beispiel in deutschen Stechmücken bestimmte Würmer nachgewiesenSetaria tundra – die nicht für den Menschen gefährlich sind. Wildtiere können hingegen infiziert werden und erkranken.

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Bill Bryson schrieb

in seinem Buch über Australien, wie er ein Tages in einem Cafe saß, und einen Artikel über einen Ausbruch von Dengue-Fieber in der Nachbarprovinz las. In der Lokalzeitung. Auf Seite sechs. Man stelle sich vor, was *hier* los wäre.

Angesichts dessen, was hier schon non-events wie die Schweinegrippe ausgelöst haben, vermute ich mal, dass die Panik bei einem Ausbruch von Dengue-Fieber *hier* viel verheerender wird als die Krankheit selber.

Dengue Fieber

Leider wird im Artikel nicht erwähnt, dass es nicht die Mücke ist, die die Quelle von Dengue oder Malaria ist sondern der Mensch, bei dem die Mücke sich infiziert und dann die Viren weitergibt.
Je mehr Menschen also mit tropischen Krankheiten nach Deutschland zurückkehren, desto höher ist das Risiko, das auch eine heimische Mückenart zum Überträger werden kann.
Vergessen wir bitte nicht, dass, um diese Krankheit zu besiegen, riesige Feuchtgebiete und sogar Seen trockengelegt wurden und dies nicht nur in Südeuropa.
Man stelle sich den grünen Aufschrei vor, würde man heute soetwas in Angriff nehmen wollen.

Nicht so weit herholen

...es wäre schön die Wissenschaft hierzulande würde sich ausreichend mit den bakteriellen Erkrankungen, welche durch hiesige Zecken übertragen werden, beschäftigen.

Nicht nur wenn verkäufliche Impfstoffe gegen Viruserkrankungen winken. Geschädigte von allerlei bakteriellen Erkrankungen und Zoonosen werden hierzulande alleine gelassen.