CrowdsourcingMücken einfangen, einfrieren und einschicken

Mückenjagd im Netz: Zwei deutsche Forschungsinstitute rufen die Bürger auf, Stechmücken zu fangen. Welche Arten wo gesichtet wurden, erfasst ab sofort der Mückenatlas.

Mücke ist nicht gleich Mücke. Allein 49 verschiedene Stechmücken sind in Deutschland bekannt – weltweit gibt es schätzungsweise 3.500 Arten dieser Insekten. Gerade schaffte es die Asiatische Tigermücke wieder in die Presse – denn sie bahnt sich im Zuge des Klimawandels langsam ihren Weg aus Südostasien über Südeuropa in Richtung Norden. In den Tropen, wo sie ursprünglich zu Hause ist, überträgt sie Dengue- und Chikungunya-Viren, die bei Menschen schwere Fieberschübe auslösen. Auch in Deutschland gibt es die Asiatische Tigermücke schon.

Insgesamt wissen Forscher wenig über Mücken in Deutschland – obwohl die kleinen Plagegeister im Sommer allgegenwärtig sind. Um mehr Daten über vorkommende Arten und ihre regionale Verteilung in Deutschland zu bekommen, haben zwei Forschungsinstitute heute unter www.mueckenatlas.de eine Plattform veröffentlicht, in die Daten eifriger Mückenfänger einfließen. Die Bürger sind aufgerufen, Mücken zu fangen und einzuschicken.

Anzeige

Aber Achtung: Totgeschlagene Mücken sind für die Forschung nicht mehr zu gebrauchen. Auf der Website wird erklärt, wie sich die Insekten am besten fangen lassen. "Setzt sich eine Mücke irgendwo ab, zum Beispiel an der Wand oder auf Ihrem Arm, stülpen Sie das Gefäß einfach über sie, Deckel drauf und fertig", heißt es in der Anleitung.

"Der nächste Schritt ist das Abtöten der gefangenen Mücken. Dazu platzieren Sie das Gefäß mit den Mücken im Gefrierfach und lassen es dort bis zum nächsten Tag. Anschließend muss Ihre Beute nur noch zu uns gelangen. Hierfür laden Sie sich zunächst bitte das folgende Formular herunter", heißt es auf der Website. Das klingt makaber, dient aber der Wissenschaft.

Wer mitmacht, soll eine Information darüber erhalten, welche Mückenart er gefangen hat – dies wird dann gemeinsam mit dem Fangort im Mückenatlas eingetragen. Die Forscher interessieren sich auch deshalb für die Mücken, weil einige das Potenzial haben, Krankheiten zu übertragen. Hierzulande besteht diesbezüglich kein Grund zur Sorge, denn Mücken können nur Erreger übertragen, die unter Menschen verbreitet sind. Die Mücken-Weibchen infizieren sich beim Stechen nämlich an den Menschen – in den Tropen zum Beispiel mit dem Malaria-Parasiten – und tragen die Krankheitserreger dann weiter. Außerdem sind Parasiten auf bestimmte Mückenarten spezialisiert.

Eingeschleppte Arten gesucht

Der Mückenatlas wurde vom für Tierseuchen zuständigen Friedrich-Loeffler-Institut und dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) erstellt. Über Stechmücken und ihre Verbreitung gibt es in Deutschland derzeit nur wenige gesicherte Daten. Wissenschaftler selbst fangen bereits an fast 100 Standorten in Deutschland Stechmücken mit speziellen Fallen.

Die Wissenschaftler interessieren sich besonders für invasive Mückenarten, die etwa als Fracht auf Schiffen, im Gepäck von Reisenden oder zusammen mit Lebensmittelladungen aus anderen Regionen der Erde eingeschleppt werden. Finden sie in Deutschland gute Lebensbedingungen vor, können sie sich vermehren und hier heimisch werden.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. die zu *irgendwas* gut sind.

  2. Woher weiß ich was eine stechende Mücke ist. Es gibt doch viele Arten von Mücken die nicht stechen.

    • konnat
    • 27. April 2012 20:48 Uhr

    ..aber nur, wenn ich dafür auch Fördermittelchen
    aus dem "Klimawandeltopf" bekomme.
    Schlage 10 Cent pro Mücke vor. Warum 10 Cent ?
    Anfang der 50er Jahre hatten wir in NRW eine "Spatzenplage".
    Damals bekam man vom zuständigen Ordnungsamt für jeden toten Spatzen 10-oder 20 Pfennige.
    An den Wochenenden waren viele "Schützenbrüder" unterwegs.
    Die Aktion war ein durchschlagender Erfolg.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mao Tse Dong wollte auch mal etwas gegen eine angebliche Spatzen"plage" tun. Er war der Meinung, Spatzen würden zu viele Samen fressen und somit Volksnahrungsgut vernichten. Mit Dongs Sinn für brutalstmögliche Aktionen wurden Spatzen in China quasi ausgerottet (man das gesamte Volk auf die Felder, um dort mit Klatschen Lärm zu machen, so daß die Spatzen vor Schreck in der Luft blieben. Dies tat man so lange, bis die Spatzen vor Erschöpfung herabfielen. Man sammelte sie lastwagenweise ein - grauenhafte Bilder! - und tötete sie in gigantischen Mengen, zu messen in Tonnen pro Lastwagen). Das Ende vom Lied war eine enorme Insektenvermehrung, da eben die Spatzen als Freßfeinde fehlten. Die nun so zahlreichen Insekten schädigten die Ernten viel stärker. Konsequenz: China mußte Spatzen einführen und auswildern!
    Das ist wirklich so geschehen, auch, wenn es klingt, wie aus einer billigen Horrorkomödie.
    Der Eingriff des Menschen in die Natur funktioniert meist deshalb nicht, weil die Ökologie zu komplex und die Menschen, die die Eingriffe fordern/durchführen meist zu dumm sind, um die Komplexität zu durchschauen. Bestes Beispiel: Jäger. Sie lösen kein Problem, sie sind das Problem. Denn sie sind verantwortlich für Wildverbiß an Jungtrieben und für die Zunahme von Wildunfällen, wie für die Vermehrung von Wildschweinen.

    folgt daraus meist ein "durchschlagender Erfolg".

    Leider meistens in die falsche Richtung.

    Nur so als Hinweis: Wenn von XY-Plagen die Rede ist, dann ist das meistens ein Indiz dafür, dass irgendeine Interessengruppe sich aus rational meist nicht nachvollziehbaren Gründen über eine "übermäßig" hohe Zahl an Tieren / Pflanzen der Art XY beklagt.

    Ob das Sinn macht, ist meistens nicht eindeutig zu eruieren (meist aber unwahrscheinlich), jedenfalls ist die Ursache solcher XY-Plagen nicht selten darin zu suchen, dass vorher eine YZ-Plage mit "durchschlagendem Erfolg" bekämpft wurde.

    Im vorliegendem Fall geht es aber ja auch gar nicht darum, einen vermeintlichen Mißstand durch ungeeignete Maßnahmen zu beheben, sondern darum, überhaupt erst einmal einen Überblick darüber zu bekommen, was an Mückenarten wo in Deutschland überhaupt zu verzeichnen ist.

    Wenn es geht, werde ich mich an dieser Aktion gerne beteiligen. Allerdings werde ich meine Gefangenen nicht erfrieren lassen, sondern mittels Ethanol ins Jenseits befördern.

  3. ...ziemlich umständlich, hier geht es doch vorrangig um eine Artdiagnose.
    Empfehle eine volle Dröhnung (gezielter Sprühstoß) mit Paral.

  4. Mao Tse Dong wollte auch mal etwas gegen eine angebliche Spatzen"plage" tun. Er war der Meinung, Spatzen würden zu viele Samen fressen und somit Volksnahrungsgut vernichten. Mit Dongs Sinn für brutalstmögliche Aktionen wurden Spatzen in China quasi ausgerottet (man das gesamte Volk auf die Felder, um dort mit Klatschen Lärm zu machen, so daß die Spatzen vor Schreck in der Luft blieben. Dies tat man so lange, bis die Spatzen vor Erschöpfung herabfielen. Man sammelte sie lastwagenweise ein - grauenhafte Bilder! - und tötete sie in gigantischen Mengen, zu messen in Tonnen pro Lastwagen). Das Ende vom Lied war eine enorme Insektenvermehrung, da eben die Spatzen als Freßfeinde fehlten. Die nun so zahlreichen Insekten schädigten die Ernten viel stärker. Konsequenz: China mußte Spatzen einführen und auswildern!
    Das ist wirklich so geschehen, auch, wenn es klingt, wie aus einer billigen Horrorkomödie.
    Der Eingriff des Menschen in die Natur funktioniert meist deshalb nicht, weil die Ökologie zu komplex und die Menschen, die die Eingriffe fordern/durchführen meist zu dumm sind, um die Komplexität zu durchschauen. Bestes Beispiel: Jäger. Sie lösen kein Problem, sie sind das Problem. Denn sie sind verantwortlich für Wildverbiß an Jungtrieben und für die Zunahme von Wildunfällen, wie für die Vermehrung von Wildschweinen.

    Antwort auf "Mach ich sofort,..."
  5. 6. Licht

    Mücken reagieren auf Licht. ( Wenigstens die üblichen Stubenfliegen )
    Deswegen sollte man zum einfangen ein transparentes Behältnis verwenden sonst hauen die Viecher ab bevor sie drin sind.

    Ach bei einer Fliegenklatsche sollte die Klatsche mindestens weiß oder transparent sein, sonst klatscht es ohne Fliege.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die navigieren nach chemischen Sensoren, die ihnen verraten, wo gerade ein Warnblüter schwitzt. Wenn Sie sich das Bild der Stechmücke über dem Artikel anschauen, dann fallen Ihnen gleich die großen Antennen der Stechmücken auf. Das sind deren Sensoren für betimmte Inhaltsstoffe von Schweiß.

  6. folgt daraus meist ein "durchschlagender Erfolg".

    Leider meistens in die falsche Richtung.

    Nur so als Hinweis: Wenn von XY-Plagen die Rede ist, dann ist das meistens ein Indiz dafür, dass irgendeine Interessengruppe sich aus rational meist nicht nachvollziehbaren Gründen über eine "übermäßig" hohe Zahl an Tieren / Pflanzen der Art XY beklagt.

    Ob das Sinn macht, ist meistens nicht eindeutig zu eruieren (meist aber unwahrscheinlich), jedenfalls ist die Ursache solcher XY-Plagen nicht selten darin zu suchen, dass vorher eine YZ-Plage mit "durchschlagendem Erfolg" bekämpft wurde.

    Im vorliegendem Fall geht es aber ja auch gar nicht darum, einen vermeintlichen Mißstand durch ungeeignete Maßnahmen zu beheben, sondern darum, überhaupt erst einmal einen Überblick darüber zu bekommen, was an Mückenarten wo in Deutschland überhaupt zu verzeichnen ist.

    Wenn es geht, werde ich mich an dieser Aktion gerne beteiligen. Allerdings werde ich meine Gefangenen nicht erfrieren lassen, sondern mittels Ethanol ins Jenseits befördern.

    Antwort auf "Mach ich sofort,..."
  7. Die navigieren nach chemischen Sensoren, die ihnen verraten, wo gerade ein Warnblüter schwitzt. Wenn Sie sich das Bild der Stechmücke über dem Artikel anschauen, dann fallen Ihnen gleich die großen Antennen der Stechmücken auf. Das sind deren Sensoren für betimmte Inhaltsstoffe von Schweiß.

    Antwort auf "Licht"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Wissenschaft | Klimawandel | Crowdsourcing | Forschung | Krankheit | Presse
Service