Das unterschätzte Tier : Der mit den Füßen schmeckt

Der Schwalbenschwanz ist ein wählerischer Schmetterling. Die Weibchen trampeln auf Blättern herum, um die beste Nahrung für den Nachwuchs zu degustieren.
Ein Japanischer Schwalbenschwanz © AFP/Getty Images

Irgendwann wird in einem Haushalt mit kleinen Kindern auch dieser Song aus dem Lautsprecher schallen: "Nachts im Mondenschein lag auf einem Blatt ein kleines Ei. Und als an einem schönen Sonntagmorgen die Sonne aufging hell und warm, da schlüpfte aus dem Ei eine kleine hungrige Raupe. Sie macht sich auf den Weg, um Futter zu suchen." Auf Youtube ist das Lied – zusammen mit einer sehenswerten Laien-Darbietung – als Musikvideo zu genießen.

Ganz so wie bei der Raupe Nimmersatt läuft es in freier Wildbahn aber nicht ab. Die Schmetterlingsweibchen legen ihre Eier nämlich nur auf solche Pflanzen, die dem Nachwuchs später mit Sicherheit munden werden. Die Raupe muss sich nach dem Schlüpfen auf der Suche nach etwas Essbarem also nicht "auf den Weg machen", wie Eric Carles nimmersattes Exemplar, sondern befindet sich, wenn alles glatt läuft, bereits im kulinarischen Schlaraffenland.

Nun kann der Schmetterling auf der Suche nach dem richtigen Plätzchen für seinen Nachwuchs nicht jedes Blatt, das ihm beim Flug durch Wiesen, Felder und Gärten unterkommt, anbeißen. Im Gegensatz zur gefräßigen Raupe, die sich in der Geschichte durch Apfel, Gurke und Törtchen futtert, oder es im echten Leben eben auf eine kleine Auswahl an Pflanzen abgesehen hat, stehen dem Schmetterling passende Mundwerkzeuge gar nicht zur Verfügung. Stattdessen bedienen sich die Tiere bei der Suche einer ganz besonderen Sinnesleistung: Sie trommeln mit ihren Füßchen auf der Blattoberfläche, schmecken und entscheiden sich dann innerhalb weniger Sekunden für oder gegen diesen Ort.

Durch winzige Öffnungen der Sinneshaare (Chemosensillen genannt), die an den Füßen wie die Borsten einer Zahnbürste angeordnet sind, werden die Geschmacksstoffe aufgenommen und vom Schmetterlingshirn analysiert. Die Weibchen schmecken also mit den Füßen und beschließen dann anhand der wahrgenommenen Inhaltsstoffe, ob sie ein Ei ablegen oder weiterfliegen und es woanders versuchen.

Und der Geschmack der Schmetterlinge ist sehr speziell: Der Japanische Schwalbenschwanz ( Papilio xuthus ) wird zum Beispiel nur dann zur Eiablage bewegt, wenn sich unter seinen Füßen ein Geschmacksteppich aus gewissen Flavonoiden, Nucleosiden, Alkaloiden und einem Cyclitol ausbreitet, der für einige Rautengewächse, wie die Zitruspflanze Citrus unshiu , typisch ist. Das fanden japanische Forscher um Katsuhisa Ozaki von der Universität in Osaka heraus. Ende 2011 veröffentlichten sie dazu eine Studie im Online-Magazin Nature Communications .

Testet man im Labor auf künstlichen Blättern einen dieser Geschmacksstoffe allein, legt der Schmetterling kein Ei. Auch der bei uns heimische Schwalbenschwanz ( Papilio machaon ) reagiert nur, wenn er beim Trommeln mit den Füßen einen Cocktail aus sechs verschieden Substanzen schmeckt. Aus der Zusammensetzung kann der farbenprächtige Falter wohl sogar auf das Alter oder den Gesundheitszustand der Wirtspflanze schließen. Eine praktische Fähigkeit – damit das Projekt Fortpflanzung gelingt, empfiehlt es sich, statt einer vor sich hin welkenden lieber eine (noch!) vor Gesundheit strotzende Futterpflanze auszuwählen.
 

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Kommentare

10 Kommentare Kommentieren

Riechen oder Schmecken?

Ja, da hat sich unser Herr Stockrahm durch die "Flapsigkeit" anderer Leute wohl verschrecken lassen. Als das Artikelchen noch jung und frisch war, stand da tatsächlich, dass die Schmetterlinge mit den Füssen "riechen", so wohl auch ganz richtig.

Im Alemannischen (aber beherrsscht das in der Red. wirklich jemand?) sagt man, wo die Hochdeutschen "riechen" meinen, "schmecken". Hier im Artikelchen waren die Wörter aber sicher nicht frei austauschbar. In der heutigen Umgangssprache bleibt "riechen" doch die (fast) immaterielle Wahrnehmung einiger Moleküle in der Luft, wohingegen "schmecken" (man hört es fast schon schmatzen) innigeren feuchten Kontakt erfordert.

Fazit: Immer gut aufpassen, dass man die Sache durch hastige Korrekturen nicht verschlimmbessert!

Schmecken statt Riechen

Liebe(r) Vierech,

Machen Sie sich um meine vermeintliche Verschrecktheit mal keine unnötigen Sorgen. Wenn Sie den Artikel noch einmal aufmerksam lesen, werden Sie bemerken, dass das Verb "schmecken" die Sache hier doch besser trifft als "riechen".

Fazit: Immer gut aufpassen, dass man durch seine Kommentare auch den richtigen Ton trifft.

Herzliche Grüße aus der Redaktion