KlimawandelTropische Tigermücke rückt nach Norden vor

Eine kleine gestreifte Mücke aus Asien fühlt sich in Europa zunehmend wohl. In ihrer Heimat verbreitet die Asiatische Tigermücke Dengue- und Chikungunya-Fieber. von dpa

Tigermücke Tiger mosquito

Eine Tigermücke  |  © Jack Leonard/Getty Images

Wie die Asiatische Tigermücke wissenschaftlich heißt, darüber streiten Forscher noch: Aedes albopictus oder Stegomyia albopicta . Einig ist sich die Wissenschaft dagegen darin, dass die Tigermücke eine gefährliche Überträgerin von Krankheiten ist; und dass sie immer weiter in nördliche Breiten vorrückt.

Die Tigermücke, die ihren deutschen Namen wegen der auffälligen hellen Streifen an Rücken und Beinen trägt, ist ursprünglich in Südostasien zu Hause und dort gefürchtet. Denn durch ihren Stich kann sie Menschen mit dem Virus infizieren, der das Dengue-Fieber auslöst – eine Krankheit, die fast überall in den Tropen und Subtropen vorkommt und von unterschiedlichen Mücken-Spezies verbreitet wird. Auch den Erreger des vornehmlich in Afrika , Indien und Südostasien auftretenden Chikungunya-Fiebers gibt neben anderen Mückenarten die Asiatische Tigermücke weiter.

Anzeige

Weil sich das Klima in Europa verändert, findet die Tropenmücke auch in unseren Breiten immer bessere Überlebensbedingungen vor. Eine Studie, die heute im Journal Interface der Royal Society veröffentlicht wird, zeigt, wie sich  Aedes albopictus – oder Stegomyia albopicta – in Italien schon dauerhaft festgesetzt hat. Nach Ansicht der Wissenschaftler um Cyril Caminade von der Universität Liverpool locken wärmere Winter und häufigere Niederschläge die Mücke auch nach Frankreich , in die Benelux-Länder und sogar bis nach Deutschland, Nordeuropa und in den Balkan .

Viren, die nicht vorkommen, kann die Mücke auch nicht verbreiten

Aber es gibt durchaus Gegenden in Europa, in denen es der Mücke schon zu heiß und trocken geworden ist: In Südspanien oder Korsika hat sich das Klima nach Ansicht der Forscher in den vergangenen Jahren für die Tigermücken verschlechtert. Weil die globale Erwärmung den Mücken aber insgesamt in die Hände spielt, gehört diese Art derzeit zu den 100 sich am schnellsten verbreitenden Tieren der Welt.

Tigermücke in Europa
Karte Tigermücke Europa Verbreitung

Klicken Sie auf das Bild, um die Verbreitung der Tigermücke in Europa zu sehen.  |  © ECDC/Royal Society

Die Forscher haben ihre Verbreitungsangaben aus Daten vom Dezember 2011 gewonnen. Doch sie wagen auch eine Prognose: So gehen sie davon aus, dass sich das Klima etwa für den Zeitraum 2030 bis 2050 so verändert, dass die Tigermücke in weiten Teilen Europas die nötigen Lebensbedingungen findet.

Gundel Harms-Zwingenberger, Direktorin des Instituts für Tropenmedizin an der Charité in Berlin , sieht für die Menschen in Deutschland aber keinen Grund zur Sorge. "Die Mücken alleine machen es ja nicht. Sie brauchen immer eine Infektionsquelle", sagte Harms-Zwingenberger der Nachrichtenagentur dpa. Das heißt: Wo keine Dengue- oder Chikungunya-Viren im Umlauf sind, können Mücken diese auch nicht übertragen.

Eingeschleppt werden die Tigermücken – wie die meisten invasiven Arten – durch die Aktivitäten des Menschen. Die Larven reisen auf Schnittblumen oder Autoreifen um die Welt. Und wo es schön warm und feucht ist, da schlüpfen sie.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Diesen Winter hätte sie bei uns einen dicken Pelz haben müssen.

    2 Leserempfehlungen
  2. habe ich im letzten Jahr an Rathäusern Hinweise auf die Tigermücken gesehen, dort scheint es also schon ein Thema zu sein. Da ich leider kaum Italienisch kann, kann ich leider nicht sagen, welche Hinweise das genau waren.

  3. Ich kenne die Datengrundlagen zwar nicht, doch so "gewagt" dürften die Prognosen zumindest was die generelle Aussage ("Areal wird sich vermutlich in heute noch zu kalte Regionen ausweiten") nicht sein. Ist schliesslich auch nicht die erste Studie zur Ausbreitung der Tigermücke.

    Die Formulierung ("wagen eine Prognose") wird wohl eher dem Lesefluss des Artikels geschuldet sein, vermute ich mal...

    Antwort auf "Kartenlegen"
  4. Seit Jahrmillionen verbreitet sich jede Tierart so wie es die Umstände zulassen. Vom Einzeller bis zum Elefanten. Die Tigermücke macht da keine Ausnahme. Wenn die Forscher "davon ausgehen", daß die Tigermücke 2030-2050 "kommen könnte",hätte ich auch gerne das Verbreitungsscenario von Sandflöhen, Kreuzottern.Wölfen, Bären usw zur Verfügung. Der Bericht ist unterschwelliges Schüren von Klimapanik. Was für ein statisches Weltbild steckt da dahinter, wenn jede Änderung des Ist-Zustands als mögliche Bedrohung in den Medien auftaucht. Panta rhei.

    5 Leserempfehlungen
  5. ... "sind schwierig, vor allem, wenn's zum die Zukunft geht." oder um mit Horace Walpole, 1717-1797, zu sprechen: "The wisest prophets make sure of the event first."

    Antwort auf "Kartenlegen"
  6. @spacko
    Hab da nur Halbwissen, aber grundsätzlich ist die Beziehung zwischen Viren, Bakterien und Parasiten mit ihren Überträgern (Vektor) so:
    Die Krankheitserreger sind wenn sie von einem Vektor übertragen werden i.d.R. so angepasst, dass sie diesen entweder auch anstecken, oder zumindest von seinem Magensaft ö.ä. nicht vernichtet werden.

    Beispiel: Schlafkrankheit (Trypanosomiasis). Sie kann i.d.R. nur durch die Tsetse-Fliege übertragen werden. Beißt z.B. eine Mücke einen Menschen der an Trypanosomiasis erkrankt ist, wird das Blut mit dem Parasiten in der Mücke verdaut und nicht weiterverbreitet.

    Insofern kann man folgern, dass die parasitären Mikroorganismen auf ihre Umwelt, Wirte und Vektoren angepasst sein müssen. Fehlt einer von diesen Faktoren, kann ohne Evolution die Übertragung meist nicht mehr stattfinden.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Klima | Krankheit | Society | Virus | Frankreich | Indien
Service