Naturkatastrophen : GPS-Daten könnten Tsunami-Warnsysteme verbessern

Forscher haben GPS-Daten zu Japans Megabeben ausgewertet. Sie zeigen, dass Navigationssatelliten helfen können, um Bevölkerungen noch rascher vor Tsunamis zu warnen.
Das Bild zeigt die Tsunami-Ausbreitung, welche sich aus einem GPS basierten Modell des Megabebens vor Japan ergibt. Die Höhe der Welle nimmt im Farbverlauf von Gelb über Rot nach Violett zu. Die dünnen schwarzen Linien stellen die Tsunami-Ausbreitung in Stundenschritten dar. © A. Hoechner, GFZ

Nach einem großen Beben vor der Küste entscheiden wenige Minuten, wenn nicht Sekunden über Leben und Tod. So war es auch in Japan, als ein Seebeben im März 2011 den Untergrund zerriss und Tsunamis an Land schickte. Da sich die gigantischen Erschütterungen nicht vorhersagen lassen, bleibt nur wenig Zeit, um die Menschen an der Küste zu warnen. Künftig könnten bestehende Systeme durch Satellitendaten noch genauer und schneller Alarm schlagen.

Wissenschaftler um Andrey Babeyko vom GeoForschungsZentrum in Potsdam (GFZ) haben Informationen ausgewertet, die über GPS (Global Positioning System) das japanische Megabeben aufgezeichnet haben. GPS basiert auf einem Netzwerk aus Navigationssatelliten, das es ermöglicht, Dinge zu orten und die Zeit zu messen. Navigationssysteme, Smartphones und viele andere technische Geräte greifen auf den Standard zurück.

"Wir haben anlässlich des Fukushima-Bebens über 500 GPS-Stationen ausgewertet und gezeigt, dass bereits drei bis vier Minuten nach Beginn des Erdbebens eine korrekte Abschätzung der Magnitude von M=9,0 und des Tsunami möglich gewesen wäre", sagte Babeyko. Der Wissenschaftler stellte die Ergebnisse seines Teams auf der diesjährigen Versammlung der European Geoscientific Union (EGU) in Wien vor.

Tsunamiwarnungen dank GPS: Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik anzusehen. © A. Babeyko, GFZ

Bislang liefern vor allem Sonden und Seismografen im Erdboden sowie Bojen auf dem Wasser und am Meeresgrund Daten, wenn sich Erdplatten verschieben. Wäre ein GPS-Messnetz nahe des Epizentrums eines Bebens verfügbar, ergeben sich viel genauere Daten über das Grollen. Noch während die Erde sich bewegt, kann die horizontale und vertikale Verschiebung der tektonischen Platten erfasst werden. Zusammen mit den nach und nach einlaufenden seismischen Daten ließe sich in kürzester Zeit ein präzises Bild der Bruchstellen im Untergrund berechnen.

Anschließend sei es dann möglich zuverlässiger als bisher zu ermitteln, wie sich ein Tsunami ausbreiten könnte. Traditionelle seismologische Methoden neigen bislang dazu, die Magnitude eines Bebens kurz nach dem Auftreten zu unterschätzen. Eine vollständige Auswertung kostet Zeit, die Behörden aber im Falle einer möglichen Flutwelle nicht haben, wenn sie vor ihr warnen wollen.

GPS-Messungen der horizontalen und vertikalen Verschiebung am Bebenherd würden diesen Effekt nun korrigieren. Die Bevölkerung könnte effektiver gewarnt werden – auch vor dem möglichen Ausmaß der Wellen. "Ein GPS-Schutzschild könnte somit ein sinnvolles Werkzeug für alle Regionen mit Erdbeben- und Tsunami-Gefährdung sein", sagte Babeyko. Seine Forschung wurde zunächst für das Frühwarnsystem entwickelt, dass nach dem verheerenden Beben und Tsunami vor Sumatra 2004 installiert worden ist. Das GFZ leitet das Projekt, das finanziell von der Bundesregierung unterstützt worden ist.

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Kommentare

2 Kommentare Kommentieren

"GPS-Schutzschild"

Das würde wohl heißen, dass entlang der seismisch aktiven Zonen, Bojen platziert werden. Das wurde auch früher schon gemacht. Jetzt hätten sie noch einen GPS-Sensor.

Wie frühere Tsunami-Katastrophen aber zeigen, liegt der Fehler gar nicht an der Unzulänglichkeit der Meldebojen, sondern an schwachen Gliedern in der Meldekette.

Naja, natürlich soll das nicht als Hinderungsgrund vorgebracht werden, die bestehende Technik bis zur Perfektion zu verbessern. Ich meine nur, es wäre auch nötig, nicht nur die Technik-Exporteure zu sponsern und mit Geld zu versorgen, sondern auch mal am Einsatzort zu gucken, dass die (teils armen) Menschen tatsächlich von der tollen Technik profitieren können.

GPS -und Co

Interssantes Bild. Könnte man evtl. auch ein Bild über die Radioaktivitätsverteilung durch den GAU in Fukuschima im Pazifik nachliefern? Man könnte dann sehen , in welchen Fischfangregionen die Gefahr von verstrahltem Fisch und anderer Nahrungsmitteln besteht, die auf unserem Teller landen .