Schlammspringer im Sam Roi Yot Nationalpark, Thailand

Was für ein merkwürdiges Tier. Ein Fisch oder doch eher ein Frosch? Der breite Kopf, das wülstige Maul und die Glubschaugen wirken äußerst krötig. Wenn er mit seinem langen Hinterleib auf den Brustflossen an Land watschelt, erinnert er an eine gestrandete Kaulquappe. Und doch sagen Zoologen: Der Schlammspringer (Gattung: Periophthalmus ) ist eindeutig ein Fisch!

Dabei gefällt es ihm im Wasser nur bedingt. Im Ebbe-Schlamm fängt er seine Beute und flüchtet bei Flut schon mal auf einen Baum. Bleibt er zu lange im Wasser, droht der Schlammspringer sogar zu ersticken. Er muss regelmäßig Luft schnappen und sein Atemwasser damit anreichern. Außerdem gibt ihm die geschluckte Luft Auftrieb – als Unterstützung der Schwimmblase .

Für sein amphibisches Doppelleben ist der kleine Kerl bestens gerüstet. Als Kiemenatmer benötigt der Schlammspringer zwingend Wasser. Zum Landgang verschließt er seine Kiemen nach außen, damit sie nicht austrocknen. Dafür trägt er – in Kammern hinter den Kiemen – einen Meerwasservorrat mit sich herum, das er mit Sauerstoff versetzt. So kann er eine ganze Zeit an Land überleben. Bis er seine Wasserreserven beim Beutefang verschluckt. Dann muss er zurück ins Meer, um die Depots wieder aufzufüllen. Auch unter den Augen hat er ein kleines Flüssigkeitsreservoir, das die empfindlichen Sehorgane schützt.

Achja, die Augen! Leicht erhöht ragen sie aus dem Fischkopf. Sie lassen sich einzeln bewegen und ermöglichen einen Panorama-Blick. Und sie brachten ihm seinen wissenschaftlichen Namen ein: Periophthalmus , zu Deutsch Rundumauge. Mit diesen Augen kann der Schlammspringer wunderbar über die Wasseroberfläche glotzen, während sein Leib untergetaucht bleibt.

Sind Reptilien doof? Und wie wehrt sich die Seegurke? Alle Folgen unserer Serie über unterschätzte Tiere.© David Loh/Reuters

Aber am liebsten ist er ja sowieso an Land. Und weil er dort nicht schwimmen kann, wie es sich für einen Fisch gehört, robbt er über den Schlamm: Seine Brustflossen sind zu kleinen Ärmchen verlängert und dienen als Hebel, um den Fischkörper voranzuschieben. Soll es mal schneller gehen, stößt er sich mit der kräftigen Schwanzflosse ab und katapultiert sich in einem großen Satz nach vorne. Manche Arten nutzen zudem die Bauchflossen, um sich beim Klettern festzuhalten.

Graben kann Periophthalmus übrigens auch – mit dem Maul. Bis zu 120 Zentimeter tiefe Wohnhöhlen buddelt er unter Wasser in den Schlick. Damit er auch zu Haus immer genügend Sauerstoff hat, schluckt er Luft und lässt sie in der Höhle wieder ab, bis sich an ihrer Decke eine Luftblase bildet. In dieses Sauerstoffreservoir legen die Schlammspringer auch ihre Eier ab, wie japanische Wissenschaftler 2009 herausfanden . Die Forscher nutzten ein Endoskop, um in die Höhlen des Malaysischen Schlammspringers ( Periophthalmodon schlosseri ) zu spähen: Die Fischeier hingen in der Blase an der Höhlendecke, also quasi in der Luft. Der Nachwuchs schlüpft, sobald er mit Wasser in Kontakt kommt. Und dafür muss so manches Schlammspringer-Elternpaar die angeschleppte Luft eigenmäulig wieder abtransportieren. Wer zwischen den Welten wandelt, hat es eben nicht leicht.