Club of RomeDer Weltuntergang zieht sich

Ist die Erde noch zu retten? Der Club of Rome zeichnet in einem Bericht ein erschreckendes Zukunftsszenario. Die Trends sind plausibel, ihre Präsentation aber hysterisch. von 

Der Planet Erde vom Weltraum aus betrachtet

Der Planet Erde vom Weltraum aus betrachtet  |  © Nasa GSFC/MODIS/USGS EROS

Zyniker würden wohl sagen, die Propheten der Apokalypse sind zurück: In Rotterdam hat die Denkfabrik Club of Rome einen Bericht vorgestellt, der eine düstere Prognose für den Planeten Erde entwirft. Der Klimawandel werde der Menschheit kräftig einheizen und mehr Dürren und Fluten über die Kontinente jagen. Die Treibhausgasemissionen steigen weiter. Gleichzeitig müssen sich die Industrienationen auf ein geringeres Wirtschaftswachstum einstellen. Weltweit sei mit drei Milliarden Menschen in Armut zu rechnen und ungeheuren Umweltzerstörungen.

Der Zukunftsreport 2052: A Global Forecast for the Next Forty Years ist keine entspannende Lektüre, der Club of Rome fragt sich, ob der Mensch überhaupt in der Lage sei zu überleben, ohne einen massiven Richtungswechsel. Der Bericht selbst enthält 35 Ausblicke von international führenden Wissenschaftlern, Ökonomen und Zukunftsforschern. Zahlreiche Statistiken flossen in die Zukunftsmodelle ein.

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"Die negativen Auswirkungen werden deutlich sein", warnte der Hauptautor des Reports, der norwegische Wirtschaftsexperte und Zukunftsforscher Jørgen Randers . "Die Menschheit hat die Ressourcen der Erde ausgereizt und wir werden in einigen Fällen schon vor 2052 einen örtlichen Kollaps erleben", sagte Randers bei der Präsentation der Ergebnisse in Rotterdam. "Wir stoßen jedes Jahr zweimal so viel Treibhausgas aus wie Wälder und Meere absorbieren können."

Die Trends scheinen zu stimmen

Randers Report erscheint 40 Jahre nach dem ersten großen Bericht im Auftrag des Club of Rome, einem Thinktank aus internationalen Denkern und Experten, der sich seit Jahrzehnten mit Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen auseinandersetzt. 1972 erschien Die Grenzen des Wachstums , an dem auch Randers als Mitte Zwanzigjähriger mitgeschrieben hat. Damals waren die Reaktionen auf die Prognose heftig . Der zentrale Schluss des damaligen Berichts: "Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht."

Sven Stockrahm
Sven Stockrahm

Sven Stockrahm ist Redakteur im Ressort Wissen bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Millionenfach wurde das Buch dazu verkauft. Kurz nach Erscheinen spotteten Kritiker, der Bericht sei Unsinn. Dann folgte die Ölkrise und sie rieben sich die Augen. Bis heute werden die alten Szenarien verfeinert und angepasst – und tatsächlich hat sich zumindest der grobe vorhergesagte Trend bewahrheitet: Die Schere zwischen Arm und Reich weitet sich, Landwirtschaftsflächen erodieren und gehen verloren, die Meere sind überfischt und die fossilen Rohstoffe werden immer knapper.

Dass diese Entwicklungen weitergehen, steht auch in dem aktuellen Bericht. Randers zufolge schadet die Wirtschaft mit ihrem steten Wachstum dem Klima und den Naturschätzen. Zudem berechneten die Forscher, dass die Industrie schon heute keinen Gewinn mehr einfährt – würde man die Umweltzerstörung als Schaden gegenrechnen. Derzeit fehlten Vermögenswerte der Umwelt wie Wasserressourcen, Bodenfruchtbarkeit, Lebensqualität und stabiles Klima.

Auch das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde künftig langsamer steigen. Bis 2052 werden zwar die Entwicklungsländer aufholen, die Armut sich hier verringern. Gleichzeitig müssen die Menschen in den heutigen Wirtschaftsnationen mit mehr Ungleichheit kämpfen. Viele Volkswirtschaften hätten ihr Entwicklungspotenzial ausgeschöpft und es gebe weniger Geburten, da immer mehr Menschen in Städten lebten und die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen könnten. Nach den Abschätzungen aus dem Bericht wird die Weltbevölkerung kurz nach 2040 bei 8,1 Milliarden ihren Höchststand erreichen und dann zurückgehen.

Leserkommentare
  1. Es kann doch allen Ernstes niemand mehr bezweifeln, dass all unserer Wohlstand, all unsere Technik und all unsere Erfindungsgabe anhängig sind von Ressourcen. Dass die Ressourcen knapp und teuer werden, beklagt mittlerweile sogar die Wirtschaft.

    Es ist die pure Angst vor dem Verlust oder Einschränkungen im Lebensstandart, der den Glauben an die Rettung durch technologischen Fortschritt nährt. Sich in Ignoranz zu flüchten, ist eine Folge dieser Angst, aber keine Lösung. Sie ist typisch für egoistische und verantwortungslose Besitzstandwahrer, denen langfristiges Denken die Lebensfreude einschränkt. Die Flucht in Technik- und Wachstumsreligionen, die darauf basieren, dass die Erfindungsgabe des Menschen ausreicht, ohne Ressourcen die rettenden Alternativen schaffen zu können, erleichtert das ignorante und egozentrische Weltbild.

    Bisher hat der technologische Wandel und die Erfindungsgabe des Menschen wenig dazu beitragen müssen, das Überleben seiner Spezies zu sichern. Und er tut es auch heute nicht. Das Einzige, was er immer noch schafft, ist, mit immer größerer Geschwindigkeit endliche Ressourcen in nachhaltigen Müll zu verwandeln. Mit allen positiven Effekten für das persönliche Wohlbefinden und den persönlichen Lebensstandart, in den von Konsumentenvieh dominierten Industrienationen. Kritik daran kommt der Häresie gleich.

    Die Folgen dieses verantwortungslosen Wirtschafts- und Lebensmodells, werden unsere Kinder und Enkel tragen müssen. Zusätzlich zu den Schulden.

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    Die Kosten jeglicher Ressourcen bestehen aus Arbeitskosten (Löhnen), Staatskosten (Steuern), und Gewinne von Unternehmen!

    Wenn diese Kosten, für Ressourcen-Förderung oder auch Recycling steigen, kann der Staat durch eigene Geldschöpfung, Kostensteigerungen jeglicher Art, auffangen.

    Dies ist nur in einem Voll-Geldsystem möglich.

    Im Link, Kommentar 220:

    http://www.zeit.de/2012/1...

    Über zusätzliches Vollgeld für die Bürger, können zusätzliche Kostensteigerungen ausgeglichen werden!

    Sie dürfen nie Vergessen? Geld ist nur eine Mathematische Größe.

    Es spielt keine Rolle wie teuer Lebenshaltungskosten sind, sofern Steigerungen, über Vollgeld ausgeglichen werden.

    Alle notwendigen Maßnahmen, die Natur zu schützen, höhere Energiekosten, Verteilung der Arbeitskraft und lebenswerte Renten zu bezahlen, sind nur in einem Voll-Geldsystem Möglich!

    Zuviel Vollgeld im Geldkreislauf ist vom Staat, Aktiv aus diesem zu Entfernen.

    Ich Finde es immer wieder Erstaunlich, wie viele Kommentare sich über Ungerechtigkeiten und sonstiges Aufregen, aber keiner Sagt, welche Voraussetzungen vorhanden sein müssen, und auch Umgesetzt werden Muss? Um Allen Menschen ein Lebenswertes Leben zu ermöglichen, ohne die Umwelt über das notwendige hinaus, zu Schädigen!?!

  2. Tja. Es gibt in der tat eine Aussage des Club of rome, der sagt:

    Beim aktuellen Wachstumstrend im Ölverbrauch (1960-1970), wären die Ölvorräte bis 2000 erschöpft..

    stimmt. so wäre es gekommen. das Wachstum hat sich dank Ölkrisen verlangsamt.

    Darauf hat sich die Schar der gegner gestürzt.

    Diese Aussage ist allerdings nich teil des Buches Grenzen des Wachstums.

    Dort wurden ca 2000 Simulationsläufe mit unterschiedlichen Randbedingungen wie zb. 2 mal mehr Resourcen durchgeführt.

    GDW wollte untersuchen, wie Grundsätzlich ein Begrenztes System bei Wachstumsprozessen reagiert.

    Das Standartscenario dort allerdings, "weiter wie bisher" wurde inzwischen nach 30 Jahren überprüft.

    Eine australische studie.. Wenn jemand hier den Link hat, bitte für mich Posten.. hat die empirisch verfügbaren Daten der letzen 30 jahre mit dem Standartscenario verglichen..

    Und ? Sie stimmen weitestgehend mit dem Modell überein. Das ist noch keine Bestätigung des Modells. denn erst gegen2020 erwartet das Modell den Beginn eines Kollapses.

    Doch bisher lieber mitforist ist dieses Modell fulminant bestätigt.

    Bitte lesen Sie doch erst die Bücher über die sie derart herziehen.

    Eine Leserempfehlung
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    Den Link finden sie auf Kommentarseite 26 unter "#205. Atlantis war schon"

    Und den anderen Link für die Zweifler auch.

  3. Den Link finden sie auf Kommentarseite 26 unter "#205. Atlantis war schon"

    Und den anderen Link für die Zweifler auch.

  4. Was Sie beschreiben ist alles schon mal dagewesen und die Menschheit ist nicht ausgestorben. Sie wird es auch das naechte Mal nich tun, da ein Teil sich adaptieren kann und dies auch tun wird. Wird dies bequem oder schoen sein? Wahrscheinlich nicht, aber das war von der Natur ja auch nicht unbedingt vorgesehen und in der Geschichte der Menschheit auch selten nur der Fall.

    Antwort auf "Erstaunlich"
  5. Das sollten Sie nicht. Auch wenn gute Rechtschreibung hilfreich ist, sollten Sie sich doch eher mit den Inhalten beschäftigen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Wie bitte?"
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    Die von mir kritisierten Redewendungen ("Zukunft schaffen") sind Sprechblasen, die nichts aussagen: man muss Zukunft nicht schaffen, diese kommt einfach auf einen zu. D.h.: das schlechte Deutsch deutet auf mangelndes Nachdenken hin.

  6. Sie verwandelt keine Resourcen die für Ihr dauerhaftes weiterbestehen notwendig ist in Müll.. zb. lässt sie genau so viel Wald bestehen, wie der Wald dauerhaft reproduzieren kann.

    Was ist denn darann kompliziert zu verstehen.

    Antwort auf "Unsinn"
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    1. Warum sollte man nicht Ressourcen in "Müll" (was ist das?) verwandeln?
    2. Zudem: es ist doch Unsinn, zu denken, "NAchhaltigkeit" bestehe darin, "nur das zu benutzen, was man auch habe". Da kann man nur fragen: was denn sonst? Wie gesagt: für den Privathaushalt ok, für eine Volkswirtschaft gehobener Unsinn.

  7. nur das Problem könnte sein, das Leute wie Sie genauso egoistisch ind. Das löst aber nicht die Probleme...

    Antwort auf "Genau!"
  8. Die von mir kritisierten Redewendungen ("Zukunft schaffen") sind Sprechblasen, die nichts aussagen: man muss Zukunft nicht schaffen, diese kommt einfach auf einen zu. D.h.: das schlechte Deutsch deutet auf mangelndes Nachdenken hin.

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    Genau so haben die Bewohner der Osterinseln auch gedacht.
    Wenn man das überhaupt denken nennen kann.

    >"Die von mir kritisierten Redewendungen ("Zukunft schaffen") sind Sprechblasen[..]"

    Die von Ihnen kritisierten Redewendungen wurden allerdings nicht benutzt. Mein O-Ton:

    >"Statt die Erfolge der Vergangenheit zu feiern [..] sollte man lieber in der Gegenwart handeln um die Zukunft zu gestalten."

    Sie werden sicherlich den Unterschied zwischen "Zukunft schaffen" und "Zukunft gestalten" verstehen. Hätte ich ersteres gesagt, hätten Sie sicherlich recht gehabt; zweites ist im deutschen Sprachgebrauch üblich und tatsächlich logisch. Aber wie heißt es so schön: "Hätt' der Hund nicht geschissen, hätt' er den Hasen gefangen."

    >D.h.: das schlechte Deutsch deutet auf mangelndes Nachdenken hin.

    Schlechtes Deutsch deutet auf vieles hin, vielleicht auch einfach mangelnde Deutschkenntnisse (was nach einem gewissen Ockham wohl plausibler wäre). Oder denken Deutsche besser nach, als z.B. Briten die auch Deutsch sprechen?

    Dieser Satz ließe sich besser auf mangelnde Lesekompetenz ummünzen, welche hier anscheinend vor lag; vielleicht wollten Sie auch nur lesen, was Sie lesen wollten, da der Inhalt für Sie ohnehin keine Rolle spielt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Club of Rome | Armut | BIP | Klima | Klimawandel | Meeresspiegel
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