WHO-BerichtForscher dämpfen Angst vor Strahlenschäden nach dem GAU

Die Daten sind knapp, doch die meisten Wissenschaftler ziehen ein eher beruhigendes Fazit: Der Fallout aus Fukushima wird kaum jemanden krank machen. von 

Arbeiter des AKW-Betreibers Tepco stehen Ende Februar 2012 vor den havarierten Reaktoren von Fukushima-Daiichi.

Arbeiter des AKW-Betreibers Tepco stehen Ende Februar 2012 vor den havarierten Reaktoren von Fukushima-Daiichi.  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

Eines steht schon jetzt fest: Eine subtile Angst vor den Folgen, die der GAU von Fukushima den Japanern bringt, wird bleiben – ganz gleich, welche Werte Dosimeter, Messsonden, Strahlenscanner und Computermodelle noch ausspucken werden. Der vorläufige Bericht , den die Weltgesundheitsbehörde WHO jetzt zu den Strahlendosen nach dem Atomunfall in Fukushima vorgelegt hat, wird daran kaum etwas ändern. Es fehlen Daten, und endgültige Antworten kann er nicht liefern. Und doch ist er ein Grund zur Zuversicht.

Die Autoren schließen aus ihrer Analyse, dass die große Mehrheit der Menschen nach dem GAU nur geringen Strahlendosen ausgesetzt gewesen war. Außerhalb Japans liegen sie sogar deutlich unter dem, was die internationale Strahlenschutzkommission als "sehr gering" einstuft.

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Doch was bedeutet das konkret? In der Präfektur Fukushima und den umliegenden Regionen haben die Menschen Strahlung abbekommen, die unter einem Wert von 10 Millisievert im ersten Jahr nach der Reaktorkatastrophe liegt. Ähnlichen Dosen sind Menschen weltweit ständig ausgesetzt, da in der Natur unentwegt radioaktive Atome zerfallen. Wer beispielsweise in Deutschland in Regionen lebt, in denen radioaktives Radon im Boden und in der Luft häufig vorkommt , muss mit jährlichen Strahlendosen bis zu 10 Millisievert rechnen. Wer im Computertomografen untersucht wird, bekommt etwa bei Unterleibsaufnahmen sogar rund 15 Millisievert auf einmal ab.

Doch nicht alle hatten nach dem Beben und dem Stromausfall im AKW Fukushima Glück: Vergleichsweise hohen Strahlenwerten waren Menschen in Namie und Iitate ausgesetzt. Diese Städte liegen entlang der Route, in die der Wind den radioaktiven Fallout gen Nordwesten trug. Als am 12. März 2011 um 15:36 Uhr die Außenhülle des Reaktorblocks 1 von Fukushima-Daiichi explodierte, flüchteten Zehntausende in diese Richtung. Sie ahnten nicht, dass die Wolke mit radioaktiven Teilchen ihnen folgte .

Japans Katastrophe
Tage am Abgrund nach Beben, Tsunami und GAU
11. März 2011, 14.46 Uhr
Satellitenbild von Japan

Satellitenbild von Japan  |  © Nasa/Goddard/SeaWiFS/ORBIMAGE

Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans erschüttert rund sechs Minuten das Land mit einer Stärke von 9,0. Das Epizentrum liegt rund 130 Kilometer vor der Ostküste der Hauptinsel Honshu. Die Auswirkungen sind dramatisch: Auf dem Meeresgrund reißt die Erdkruste auf 400 Kilometern Länge, Teile der Küste verlagern sich ruckartig um bis zu 50 Meter nach Osten. Eine Fläche so groß wie Schleswig-Holstein hebt sich um einige Meter an.

11. März 2011, ca. 15.40 Uhr
Zerstörung in der Stadt Natori

Zerstörung in der Stadt Natori  |  © STR/AFP/Getty Images

Ein Tsunami rast mit 800 Kilometern pro Stunde auf die Küste zu. Über zehn Meter sind die Flutwellen mancherorts hoch, an einzelnen Stellen erreichen sie fast 40 Meter. Kilometerweit dringen die Wassermassen landeinwärts. Mehr als 18.000 Menschen sterben. Ganze Städte werden ausgelöscht. Im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi fällt der Strom aus. Das Beben hat die Leitungen gekappt, der Tsunami Dieselgeneratoren überspült.

11. März 2011, 16.30 bis 20.30 Uhr
Das AKW Fukushima am 12. März 2011

Das AKW Fukushima am 12. März 2011  |  © STR/AFP/Getty Images

Die Wasserkühlung zweier Reaktoren des Kraftwerks Fukushima-Daiichi ist ausgefallen. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan sagt, die Lage in den 54 Reaktoren des Landes sei stabil, weil sie sofort nach dem Beben automatisch heruntergefahren wurden. Um 20.30 Uhr muss die Regierung dann für Fukushima-Daiichi den atomaren Notfall verkünden. Etwa 2.000 Bewohner in der Umgebung werden aufgefordert, sofort ihre Häuser zu verlassen.

12. März 2011, morgens
Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.

Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.  |  © STR/AFP/Getty Images.jpg

Nach Strahlenmessungen am Kernkraftwerk wird die Evakuierungszone vergrößert. Mindestens 60.000 Personen sind auf der Flucht. Ministerpräsident Kan fliegt im Hubschrauber nach Fukushima, um sich ein Bild der Lage zu machen. Im AKW lassen Ingenieure Dampf durch die Notventile ab, um den Druck in den Reaktorbehältern zu senken. Inzwischen kocht das Wasser in den Notkühlbecken.

12. März 2011, 15.36 Uhr
Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.

Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.  |  © Park Ji-Hwan/AFP/Getty Images

In Fukushima-Daiichi entzündet sich Wasserstoff und zerfetzt die Außenhülle von Reaktor 1. Ohne Strom für die Pumpen, die den Kühlkreislauf antreiben, waren Temperatur und Druck zu stark angestiegen. Trotz Abschaltung des Blocks begannen so die Brennstäbe zu glühen, Wasser verdampfte und Wasserstoffgas bildete sich, während der Reaktorkern schmolz. Japan und die Welt fürchten die atomare Apokalypse.

13. März 2011
Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.

Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.  |  © JIJI PRESS/AFP/Getty Images

In der Nähe des von Reaktor 1 in Fukushima-Daiichi wird eine vierhundertfach erhöhte Radioaktivität gemessen. Ministerpräsident Kan räumt erstmals ein, dass eine Kernschmelze möglich sei. Simulationen und Messdaten von außen bestätigen die Schmelze in den Wochen nach der Havarie. Heute ist die Ruine, die von Block 1 übrig ist, luftdicht in Plastik eingehüllt.

14. März 2011
Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.

Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.  |  © Paula Bronstein/Getty Images

Allein in der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans werden 2.000 Tote gefunden. 390.000 Menschen sind auf der Flucht aus dem Tsunami-Katastrophengebiet, mehr als 1.400 Notlager werden eingerichtet. Inzwischen gibt es an vielen Orten kein Heizöl mehr, die Menschen frieren. Rund 400.000 Häuser sind zerstört weitere Huntertausende Gebäude beschädigt, Straßen, Zugstrecken und ganze Landstriche unpassierbar.

14. März 2011
Fallout nahe der Küste

Fallout nahe der Küste  |  © ZEIT-Grafik

Obwohl die AKW-Arbeiter die Reaktoren verzweifelt mit Meerwasser kühlen, gibt es eine weitere Wasserstoffexplosion, im Reaktor 3 von Fukushima-Daiichi. Radioaktives Material dringt nach draußen, der Großteil wird in den kommenden Tagen auf den Pazifik geweht. Doch ein Teil verbreitet sich auch über dem Festland. Die Abbildung zeigt, wo sich langlebiges Cäsium konzentriert hat (rot steht für die höchsten Strahlenwerte).

15. März 2011
Strahlenuntersuchung

Strahlenuntersuchung  |  © Issei Kato/AFP/Getty Images

Eine dritte und vierte Explosion ereignen sich in Fukushima. Das Gebäude von Reaktor 2 bleibt intakt, Wasserstoff aus Block 3 sprengt das Dach von Reaktor 4. Von vorher 800 Arbeitern bleiben etwa 40 im stockfinsteren Kraftwerk. Vergeblich hatten sie versucht, weitere Detonationen zu verhindern. Das Unglück wird als nukleares Ereignis der Stufe 6 bewertet. Einen Monat später erhält es wie Tschernobyl die Höchststufe 7: GAU.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie

Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

In einem der sechs Reaktorblöcke ereignete sich offenbar eine komplette Kernschmelze, in zwei weiteren verflüssigten sich die Brennstäbe wohl mindestens zur Hälfte. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Eine Stadt in Trümmern

Eine Stadt in Trümmern  |  © Nicholas Kamm/AFP/Getty Images

Die Strahlenbelastung der Menschen war weit geringer als für die Bewohner von Tschernobyl. Das Strahlenschutz-Komitee der UN schätzt, dass die Zunahme der Krebsfälle nicht messbar sein wird. Das liegt vor allem daran, dass kaum radioaktives Jod von Menschen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen worden ist. Der Tsunami hingegen tötete mehr als 18.000 Menschen. Bis heute wohnen Überlebende in provisorischen Wohnungscontainern.

Iitate liegt rund 40 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt und wurde erst Wochen nach dem GAU evakuiert. Männer und Frauen könnten hier Dosen zwischen 10 und 50 Millisievert abbekommen haben, schätzen die mehr als 30 Forscher, die an dem WHO-Bericht mitgearbeitet haben. Ab einer Dosis von 100 Millisievert stellen sich Strahlenmediziner darauf ein, dass sie Auswirkungen auf die Gesundheit nachweisen können.

Statistisch heißt das lediglich: Haben 100 Menschen eine Dosis von 100 Millisievert abbekommen, erhöht sich die Anzahl der durchschnittlich zu erwarteten Krebsfälle unter ihnen um einen. Hinzu kommt, rein rechnerisch, ein zusätzlich von einer Herz-Kreislauf-Erkrankung betroffener Mensch. 45 der 100 entwickeln in ihrem Leben ohnehin einen Tumor – ganz gleich, ob sie eine erhöhte radioaktive Strahlung getroffen hat.

Strahlendosis

Die Strahlenwirkung auf Menschen, Tiere und Pflanzen wird häufig in Sievert pro Stunde angegeben. Mit Hilfe der Einheit lässt sich abschätzen, wie schädlich eine Strahlung für einen Organismus ist. Sie berücksichtigt dabei die Strahlungsdauer, -art und -wirkung. 1 Sievert entspricht 1.000 Millisievert oder 1.000.000 Mikrosievert. Grundsätzlich gilt eine Einzeldosis von 6.000 Millisievert als tödlich (100 Prozent Sterblichkeit innerhalb von 14 Tagen).

Ob eine Person, die einer geringen Strahlendosis ausgesetzt war, gesundheitliche Schäden zu erwarten hat, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Grenzwerte beziehen sich in der Regel auf ein Jahr. Manche Experten gehen davon aus, dass dieselbe Strahlendosis über einen längeren Zeitraum weniger schädlich ist. Andere sagen, die Strahlung müsse addiert werden.

Natürliche Quellen

Die durchschnittliche Strahlendosis, die ein Deutscher durch natürliche Quellen innerhalb eines Jahres aufnimmt, liegt zwischen zwei und fünf Millisievert. Diese äußere Bestrahlung, der der Mensch je nach Ort und Zeitin unterschiedlicher Höhe ausgesetzt ist, wird Gamma-Ortsdosisleistung genannt. In dieser Deutschlandkarte des Bundesamts für Strahlenschutz ist die Strahlungsstärke je nach Region verzeichnet.

Bei medizinischen Untersuchungen werden zum Teil viel höhere Einzeldosen erreicht, die aber auf einen kurzen Zeitraum beschränkt sind. So nimmt ein Mensch während einer Computertomografie (CT)seines Kopfes ungefähr zwei Millisievert auf, bei der Mammografie 0,4 Millisievert.

Andere Einheiten

Die Energiedosis einer Strahlenquelle wird in Gray angegeben. Ein Gray bedeutet, dass ein Körper von einem Kilogramm Masse eine Energiemenge von einem Joule aufgenommen hat. Für die in Atomkraftwerken vor allem freigesetzte Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlung ist die Einheit Grayidentisch mit der Äquivalenteinheit Sievert, ein Gray ist also gleich einem Sievert. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde die Äquivalentdosis statt in Sievert in Rem angegeben. Das meinte die Strahlendosis in Roentgen, die ein Mensch aufgenommen hat.

Es wird mit Sicherheit Helfer geben, die bei den Rettungsarbeiten am AKW bedrohlich viel Strahlung abbekommen haben. Ob ihnen das schaden wird oder sie es wegstecken, können auch die Wissenschaftler des WHO-Berichts nicht vorhersagen. Genauso wenig, warum auch Menschen erkranken könnten, die weit geringere Radioaktivität abbekommen haben. Das ist das Tückische an Strahlenfolgen.

Zunahme von Krebsfällen wird kaum zu ermitteln sein

Computersimulationen der Wissenschaftler zeigen zudem, dass Kleinkinder in der Stadt Namie möglicherweise radioaktives Jod einatmeten, was ihre Schilddrüsen mit Strahlendosen zwischen 100 und 200 Millisievert belastet haben könnte. Konkrete Untersuchungen widersprechen  dem allerdings: Zwei Wochen nach dem GAU wurden 1.080 Kinder aus Namie untersucht . Bei allen wurden Werte unterhalb von 10 Millisievert gemessen. Bei einem Kind ermittelten die Mediziner eine Dosis von etwa 50 Millisievert. Das ist noch immer ein Hundertstel jener Strahlenbelastung, der Kinder 1986 in Tschernobyl ausgesetzt waren.

Leserkommentare
    • Crest
    • 24. Mai 2012 20:50 Uhr

    Er hätte in dieser Form, mit kleinen Modifikationen kosmetischen Charakters so bereits vor einem Jahr geschrieben werden können.

    Es wird hier wie auch anderswo immer auf das Glück verwiesen, dass Japan mit der vorherrschenden Windrichtung gehabt hatte. Es ist nicht ganz redlich, hier nur das Glück zu strapazieren, immerhin gab es auch sehr viel Pech. Und das wichtigste: aus diesem Unfall hat man viel gelernt ("man"? Die Deutschen sicher nicht. ;-)).

    "Letztlich braucht es aber weitere Daten."

    Das sind so Aussagen, schnell gesagt und in der Talkshow automatisches Klatschen provozierend. Man sollte sich dennoch vergegenwärtigen, dass die "weiteren Daten" vielleicht die Dezimale hinter dem Komma verändern könnten und auch ein Verstehen der Prozesse im Zellkern ein übriges beitragen könnte.

    An den qualitativen Statements, dass wir es hier nicht mit "Ewigkeitskosten" (Begriff aus der Ethikkommission) zu tun haben, wird sich nichts ändern.

    Ich persönlich halte solche rhetorischen Tribute an das Empfinden der Besorgten nach Beibehaltung des Besorgnisniveaus für verzichtbar.

    Crest

    6 Leserempfehlungen
    • alimia
    • 24. Mai 2012 20:52 Uhr

    ich bin entsetzt. Dass Wissenschaftler und selbst die WHO, von der ich nicht viel halte aufgrund ihrer zahlreichen Seuchen-Falschansagen, so denken und argumentieren, ist klar. Aber dass Sie und damit die Zeit das SO veröffentlichen, macht mich traurig. Ich habe Tschernobyl noch in guter Erinnerung, damals waren meine Kinder Säugling und Kleinkind. Und wenn es nicht den Verein "Eltern für unbelastete Nahrung" gegeben hätte, wären wir Mütter verzweifelt. Im Nachhinein zu behaupten, dass Tschernobyl nur k u r z f r i s t i g Schäden angerichtet hätte, ist deshalb kriminell. Sie sind doch Journalist, Herr Stockrahm. Schreiben Sie kein Comeback für Atommeiler, gehen Sie an die Quelle - nach Tschernobyl und Fukuschima - recherchieren Sie....

    Wer etzt sagt, Fukuschima sei halb so schlimm gewesen, redet der Verdummungstaktik gewisser Kreise das Wort. Diese versuchen alles, um eine erneute Kehrtwende in der Energie zu erreichen. Und so wird nicht nur behauptet, dass die Umstellung auf Ökostrom unendlich viel teurer wird ( ich bin Ökostromkundin und zahle sogar weniger als vorher), sondern auch noch "War doch alles ganz harmlos".

    Hallo, Zeit, es ist Zeit, aufzuwachen... dass Deine Journalisten das, was WHo & Co. von sich geben, aus Informationspflicht veröffentlichen müssen, ist klar. Aber dieses hier schreit nach einem angemessenen Kommentar... und nicht nach bedingungsloser unkommentierter Übernahme...

    Ich bleibe entsetzt und fassungslos. Liebe Zeit, läutere Dich...

    9 Leserempfehlungen
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    Demnächst trifft ein Meteorit die Erde, wir wissen nicht seine Grösse aber ein Regenschirm wird ihnen auch nicht nützen.
    Ich habe noch keine Tschernöbyl Kinder en Deutschland entdeckt, Sie ?

    • Crest
    • 24. Mai 2012 21:16 Uhr

    Ich habe Tschernobyl noch in guter Erinnerung, damals waren meine Kinder Säugling und Kleinkind. Und wenn es nicht den Verein "Eltern für unbelastete Nahrung" gegeben hätte, wären wir Mütter verzweifelt.

    Das habe ich selbst in der Bekanntschaft erlebt. Rein ins Flugzeug und ab nach Amerika. (Der Vollständigkeit halber: Das war natürlich völlig unnötig. Und Ihre "Verzweiflung" war sicher echt, aber falsch kalibriert.)

    versuchen alles, um eine erneute Kehrtwende in der Energie zu erreichen.

    Gewisse Kreise? Vielleicht.

    Ich? Ganz sicher.

    Aber ich rechne hier in Jahrzehnten oder Generationen und nicht in Monaten oder wenigen Jahren.

    "Aber dieses hier schreit nach einem angemessenen Kommentar."

    Wie aber bitte schön soll denn der aussehen, wenn es nun (ich gebrauche das Wort jetzt der Einfachheit halber) harmlos gewesen ist?

    Ich bleibe entsetzt und fassungslos.

    Sind Sie denn verliebt in Ihre Ängste?

    Herzlichst Crest

    was Sie gerade fordern, oder? Sie wollen, dass dieser Bericht durch einen alarmistischen Kommentar so relativiert wird, dass er - um bei Ihrer Wortwahl zu bleiben - ins Weltbild gewisser Kreise passt.

    Oder um es deutlicher zu sagen: Sie fordern, dass Sie von der ZEIT bewusst belogen werden.

    Redaktion

    Liebe alimia,

    Ihre Sorgen und Ängste kann ich verstehen, mir allerdings vorzuwerfen, ich würde ein Comeback der Atomkraft herbeischreiben, ist absurd.

    Ich war in Japan nach dem GAU, habe dort Opfer des Bebens und Tsunamis getroffen, war am Rande der Sperrzone, habe besorgte Schulleiter gesprochen, die sich sorgen, dass kontaminierte Erde auf ihren Schulhöfen vergraben liegt.

    Glauben Sie mir, ich habe durchaus eine Ahnung davon, wie die Japaner mit der Lage umgehen.

    Mir geht es nicht um Verharmlosung, sondern um die Wiedergabe von überprüfbaren Fakten und das liefert der vorläufige Bericht der WHO durchaus.

    Nur weil ich die Lage nicht dramatisieren möchte, bedeutet das im Übrigen nicht, dass ich mich für die riskante Atomkraft starkmache.

  1. wenn die Grenzwerte gesenkt werden, werden grosse Teile Deutschlands unbewohnbar erklärt.
    Wir müssen dann wohl doch nach Grönland, dass demnächst bewohnbar wird.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Prima...."
    • Nizzre
    • 24. Mai 2012 20:54 Uhr

    Wenn jetzt Trostmeldungen verkündet werden, dann ist das doch Augenwischerei.

    Wer einigermaßen informiert ist, weiß, dass in Fukushima die wirkliche Problematik erst noch lauert. Neue unverbrauchte Brennstäbe in den oberen Stockwerken der Anlage und die wunderbaren "abgebrannten" Brennstäbe in den Abklingbecken, die ebenfalls frei schwebend über den durchgebrannten Reaktoren lagern.

    Ein halbwegs "anständiges" Beben und der ganze Mist scheppert ins Erdgeschoss und vergnügt sich in unbeherrschbarer Kettenreaktion.

    Das wird schön...

    und das wird passieren, weil es bisher keine Bergungspläne gibt. DENN, bei allen putzig niedrigen Werten: REIN traut sich da keiner, weil es definitiv keine "Rüstung" gibt, die es ermöglicht, da lebend die Brennstäbe raus zu holen und zu sichern.

    Die Russen in Tschernobyl hatten es da definitiv - so böse das ist - einfacher. Die konnten die "Liquidatoren" zwangsverpflichten. Die Japaner können das nicht. Also ist die Bergung der Risiko-Brennstäbe nicht machbar, denn sie würde definitiv und unzweifelhaft die Leben der Menschen kosten, die das tun.

    5 Leserempfehlungen
  2. Demnächst trifft ein Meteorit die Erde, wir wissen nicht seine Grösse aber ein Regenschirm wird ihnen auch nicht nützen.
    Ich habe noch keine Tschernöbyl Kinder en Deutschland entdeckt, Sie ?

    2 Leserempfehlungen
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    Hilfe für krebskranke Tschernobyl-Kinder:

    http://www.tschernobyl-ki...

  3. Schäden in der Köpfen der Deutschen verursacht.

    8 Leserempfehlungen
    • wd
    • 24. Mai 2012 20:58 Uhr

    Wenn die Grenzwerte der tolerierbaren Strahlung auf 3 Millisievert gesenkt werden, dann müssen Sie schon jetzt fast ganz Deutschland evakuieren! Nur wohin?
    Man müsste mal nachmessen wie viel ein Mensch nach 3 Computertomographien an Strahlung abgibt? Ist er als Sondermüll zu betrachten?
    Bei uns herrscht viel Hysterie.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Prima...."
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    Wenn Sie die Antworten und das arrogante Auftreten von Vertretern der Atomunternehmen sowie damals diverser Vertreter christlicher Parteien auf die Fragen in Bürgerversammlungen zum Thema "Zwischenlager" gehört haben, wenn sie von Gutachten gegen den Bau von GKN II zu einer im Untergrund vorhandenen Gipslinse lesen und von darauf folgenden Gegengutachten, wenn sie manche Interviews zur damaligen Katastrophe in Fukushima Revue passieren lassen, in denen uns unsere "Volksvertreter" ohne Hintergrundwissen mit dem Kommentar "Unsere Anlagen sind sicher" ruhig stellen wollten, wenn sie von nicht-gemeldeten meldepflichtigen Störfällen hören - einmal weltweit betrachtet - dann stellt sich mir die Frage, mit wieviel Ernst sich die Verantwortlichen um den Schutz der Bevölkerung bemühen. Fragen Sie sich einmal im Falle eines Falles, wie denn der Evakuierungsplan aussieht - und v.a. auf welchem Stand die Pläne sind? Die größte Gefahr liegt für mich nicht in technischen Problemen, sondern in der Gewinnmaximierung durch immer größere Ausreizung, was man als "Sicher" gelten lassen kann. Wenn der Mensch sich mehr und mehr die Frage stellt: Bis zu welchem Grad darf denn was passieren und wenn etwas passiert, bis zu welchem Grad liegt hier wiederum das Risiko, wobei man das Risiko natürlich nochmals bewertet - wir verhalten uns wie die Menschen auf der Osterinsel, die um das Risiko wussten, dabei weiterhin Bäume fällten - Ergebnis bekannt.

    • Crest
    • 24. Mai 2012 21:00 Uhr

    Nicht, dass er inhaltlich gut ist, aber er zeigt idealtypisch, wie mangelhafte Einblicke in kernphysikalische Prozesse einer realistischen Gefahreneinschätzung entgegenstehen.

    Kurzum: Das Risiko, dass eine ausfallende Kühlung der Brennstäbe in einem Abklingbecken zu einer großen Freistezung radioaktiver Stoffe führt, ist nach einem Jahr auf Grund des Abklingens (!) der Radioaktivität sehr viel geringer geworden.

    Herzlichst Crest

    5 Leserempfehlungen
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    @Crest

    Klar ist, dass die Nachzerfallswärme nach so langer Zeit nicht mehr sehr stark sein wird. Dennoch würde ich ein Risiko durch einen Kollaps des Abklingbeckens nicht direkt ausschließen.

    Man könnte sich zum Beispiel vorstellen, dass nach einem strukturellen Versagen des Abklingbeckens Brennstäbe in unkontrollierter Anordnung am Boden einer Wasserpfütze zum liegen kommen. Dabei könnte zumindest bis zum Verdampfen des Moderators (Wasser) eine Kettenreaktion entstehen... natürlich nur, wenn nicht alles vorhandene Wasser großzügig mit Neutronenabsorber (Bor) versetzt wurde.

    Wie würden Sie (als mutmaßlicher Fachmann) dieses Risiko einschätzen? Das ist übrigens eine echte Frage, kein Statement.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte AKW | Gesundheitsrisiko | Japan | Reaktor | Fukushima | Ukraine
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