Das unterschätzte TierDiese Garnele kann Blitz und Donner

Der Pistolenkrebs ist das lauteste Tier der Welt. Er knallt Beutetiere um und duelliert sich mit Konkurrenten. Und dabei ist er eigentlich recht sozial. von 

Wer zur Grillsaison beim Stichwort Garnele nur an Shrimps-Cocktail und leckere Spießchen denkt, tut diesen Krebstieren unrecht. Zumindest einige von ihnen haben ohrenbetäubende Fähigkeiten, die sie mit ihren Scheren ausleben.

Die Familienmitglieder der Alpheidae werden nicht umsonst auch Knall- oder Pistolenkrebse genannt. Mit ihren Greifarmen erzeugen sie einen Knall – bis zu 200 Dezibel laut. Zum Vergleich: Der Lärm eines Düsenjets liegt im Bereich von 120 Dezibel. Damit sind diese Krebse die lautesten Tiere der Welt. Nur gut, dass das Wasser den Wumms etwas dämpft. Das Sonar eines U-Bootes können Knallkrebse aber allemal stören.

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Um es derart krachen zu lassen, haben die Riffbewohner eine besondere Technik entwickelt, Sonolumineszenz genannt. Die Wissenschaftler um den deutschen Physiker Detlev Lohse , die die Schusstechnik im Jahr 2001 erstmals beschrieben, sprachen ursprünglich von Shrimpolumineszenz .

Knallkrebse

Knallkrebse, fachlich Alpheidae, sind eine weit verzweigte Krebsfamilie. Laut www.meerwasser-lexikon.de zählen zwölf Gattungen zur Verwandtschaft; das World Register of Marine Species führt eine lange Liste von Arten.

Die meisten Vertreter leben im Meer, nur wenige im Brack- oder Süßwasser. Knallkrebse gehören taxonomisch zur Teilordnung der Caridea (Garnelen). Die Teilordnung fasst mehr als 2.500 Krebstiere zusammen.

Der Name lässt es schon ahnen: Bei dem Krach ist auch Licht im Spiel. Die Garnelen stoßen mit ihrer Knallschere einen Wasserstrahl aus, der eine dampfgefüllte Blase bildet, die Kavitationsblase. Diese implodiert und erzeugt dabei neben einem lauten Knall auch einen Lichtblitz und örtliche Temperaturen von mehr als 4.700 Grad Celsius.

Mit so viel Power kann der Krebs sogar ein Glasgefäß sprengen, wenn man ihn darin einsperrt. In freier Wildbahn donnert er Beutetiere nieder, gibt Warnschüsse ab, kommuniziert mit Artgenossen und kämpft mit Rivalen. Dann gilt: Wer die größere Kanone hat, gewinnt. Weil die Knallkrebse im Grunde äußerst faire Zeitgenossen sind, halten sie dabei einen Sicherheitsabstand ein, um sich nicht zu verletzen.

Überhaupt sind Knallkrebse recht gesellig. Einige Vertreter leben in Symbiose mit Partner- oder Wächtergrundeln , andere mit Seeanemonen, wieder andere mit Haarsternen. Und 1996 entdeckte der amerikanische Meeresbiologe J. Emmett Duffy vom Virginia Institute of Marine Science sogar einen staatenbildenden Vertreter: Synalpheus regalis besiedelt Schwämme, und zwar in großen Kolonien, ähnlich wie Bienen, Termiten, Ameisen oder Nacktmulle . Mehr als 300 Tiere pro Schwamm hatte Duffy ausgemacht – mit Königin, Arbeitergarnelen, Soldaten und allem Drum und Dran. Es ist das erste Beispiel für staatenbildende Tiere im Ozean.

Ach ja: Knallkrebse schießen nur mit einer Schere, die andere ist ein normales Greifwerkzeug. Verlieren sie ihre Pistole, heißt es umdenken: Die andere Zange wird zum Schießgerät umgebaut, während anstelle der ursprünglichen Knallschere ein normaler Greifer nachwächst.

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Leserkommentare
    • Hermez
    • 15. Mai 2012 8:45 Uhr
    1. Wow...

    ..aüßerst beeindruckend.Das die kleinen Viecher laut sind ist schon erstaunlich genug, dass sie auch noch Staaten bilden können wusste ich noch nicht.Schöner Artikel.Danke.

  1. Wenn Sie auf längeren Strecken die gemeinschaftliche Arbeit der Online-Enzyklopädie Wikipedia nutzen, dann geben Sie das bitte doch auch an. Spricht doch überhaupt nichts dagegen.

    Sie folgen dem Artikel http://de.wikipedia.org/w... über Knallkrebse ja streckenweise wortwörtlich, ansonsten ist er von der Struktur komplett ausgeschlachtet und paraphrasiert. Dass dabei aus "Warnung" mal "Warnschüsse" wird, und Sie am Ende noch hinzufügen: "Wer die größte Kanone hat, gewinnt, macht das Angaben der Quelle nicht hinfällig. Auch nicht, wenn Sie von 5000 Grad Kelvin geschickt nach 4700 Grad Celsius umrechnen. Das macht die Verschleierungsabsicht, wie viel Recherchearbeit in den Artikel gesteckt wurde, nur noch deutlicher.

    Und die verächtliche Haltung gegenüber einer Informationsquelle, die gut genug zum Vollständigen Ausschlachten, dann aber wohl doch zu peinlich zum Zitieren war!?

    Eine Leserempfehlung
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    Das ist in der Tat (ich habe mir den Wikipedia-Artikel mal zu Rate gezogen) echt Guttenberg und irgendwie auch ein wenig prekär. Irgendwelche Stellungnahmen der Redaktion?

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Spekulationen und Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/kvk

    können Sie sich bitte zu einer Antwort entschließen, warum hier anscheinend größere Textpassagen wortidentisch mit Wiki sind?
    Die Quelle "Zeit online" jedenfalls ist sowieso Unsinn, denn die genannten Fakten stammen sicher nicht von dort.

  2. es sind *Krebse* und keine *Garnelen*. So wie es im Wikipedia-Artikel steht. Dann lassen Sie es doch wenigstens richtig.

    Bei Wikipedia steht: "Die Krebse stoßen mit der Knallschere blitzschnell einen Wasserstrahl aus, der eine Kavitationsblase bildet, [...]."

    In Ihrem Artikel steht: "Die Garnelen stoßen mit ihrer Knallschere einen Wasserstrahl aus, der eine dampfgefüllte Blase bildet, die Kavitationsblase.

    Ja, das was Sie auf dem Bild sehen, sieht wie eine Garnele aus. Das ist aber ein Krebs. Und das, was viele "Krebs" nennen, nennt man Krabben, echte Krabben oder Kurzschwanzkrebse (hab ich kurz bei Wikipedia nachgeschaut bzw. in der Google Schnellansicht).

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    Liebe Zeit,
    der Artikel ist sehr spannend und interessant! Danke dafür!

    Um weiterhin die Qualität der Zeit hochzuhalten, würde ich es begrüßen, wenn die Zeit auch Quellen wie Wikipedia nennen würde.
    Die Eigenleistung der Zeit ist für mich persönlich in 99% der Artikel top, dann auch bitte fair play im Wissenstransfer!

    Ok, die Pistolenkrebse werden anscheinend wirklich taxonomisch auch den Garnelen zugerechnet, wobei Garnelen in der Regel eher zierliche Scheren haben. Und keine zum "Schießen". (http://de.wikipedia.org/w...)

  3. 4. [...]

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Danke, die Redaktion/mo.

  4. ... sind also oft erstaunlich friedliebende und sozial eingestellte Zeitgenossen.

    Diese Erfahrung habe ich mit Menschen auch schon gemacht
    :-D

  5. "Diese Garnele kann Blitz und Donner" Nach "kann Kanzler" kann jeder wohl können. Warum kann die Garnele nicht "blitzen" und "donnern"? Gelten Verben inzwischen als so erbärmlich, dass man sie erbarmungslos substantivieren muss? Müssen denn alle, die die Tasten bedienen, so bedingungslos modernistisch sein?

  6. Liebe Zeit,
    der Artikel ist sehr spannend und interessant! Danke dafür!

    Um weiterhin die Qualität der Zeit hochzuhalten, würde ich es begrüßen, wenn die Zeit auch Quellen wie Wikipedia nennen würde.
    Die Eigenleistung der Zeit ist für mich persönlich in 99% der Artikel top, dann auch bitte fair play im Wissenstransfer!

    Antwort auf "Ach so, und..."
  7. 8. Huch!

    Das ist in der Tat (ich habe mir den Wikipedia-Artikel mal zu Rate gezogen) echt Guttenberg und irgendwie auch ein wenig prekär. Irgendwelche Stellungnahmen der Redaktion?

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  • Serie Das unterschätzte Tier
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ameise | Biene | Tier | U-Boot
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