Dieses recht große Tausendfüßer-Exemplar wurde im Zoo von Budapest aufgenommen. © Attila Kisbenedek/AFP/Getty Images

Der Name ist hoch gestapelt: Wirklich 1.000 Füße respektive Beine hat kein Tausendfüßer. Ohne L. Das kleine Anhängsel tragen sie nur umgangssprachlich. Gerade einmal auf 750 kommt die Art mit den meisten Gliedmaßen, genannt Illacme plenipes – ein kalifornischer Tausendfüßer. All seine Beinchen hat er auf weniger als 3,5 Zentimeter Körperlänge untergebracht.

Mehr als 13.000 Arten gibt es, von denen die meisten Diplopoden sind – das heißt, sie tragen gleich ein Doppel-Paar Laufbeine an jedem ihrer verschmolzenen Körpersegmente. Die grobe Gliederung in Kopf , Rumpf und Abdomen ist schon alles, was sämtliche Tausendfüßer gemein haben. Unter ihnen gibt es Riesen und Zwerge, Harte und Weiche – und ja, es gibt sogar welche mit richtig wenigen Füßen! Paradoxerweise werden nämlich auch die Wenigfüßer mit ihren neun bis elf Beinpaaren zu den Tausendfüßern gezählt.

Die vermutlich größten Exemplare, die jemals auf der Erde – genau genommen auf dem nordamerikanischen und dem europäischen Kontinent – herumkrochen, lebten im Oberkarbon vor 310 Millionen Jahren. Sie gehörten zur Gattung Arthropleura und konnten bis zu zwei Meter lang werden. Problemlos erlegten sie Beute von der Größe eines Rehs.

Ziemlich kurz geraten ist dagegen der größte heute noch vorkommende Archispirostreptus gigas . Er wird maximal 30 Zentimeter lang. Sein Gegenpol sind die Pinselfüßer mit Spitzenlängen von fünf Millimetern, die statt eines Chinin-Panzers einen weichen Körper haben.

Gift statt Durchblick im Kampf gegen Feinde

Unangenehm werden können einige Bandfüßer-Arten . Diese blinden Zeitgenossen tragen Drüsen, aus denen sie blausäurehaltige Abwehrstoffe absondern. Dumm nur, dass ihnen zu viel des eigenen Gifts selbst zum Verhängnis werden kann. Andere Giftfüßer wehren sich mit schleimhautreizenden Benzochinonen gegen Fressfeinde wie Vögel, Reptilien, Skorpione oder Wanzen. Das Sekret ist derart wirkungsvoll, dass Kapuzineraffen den Tausendfüßer bereits als Mückenabwehrmittel einsetzen .

Einige Tausendfüßer aus kalifornischen Bergregionen zeigen sich ganz sozial und warnen potenzielle Angreifer vor ihrer Ungenießbarkeit: Sie leuchten im Dunkeln grün – gemeinsam können sie am Boden derart funkeln wie der Sternenhimmel .

Manch andere Art rollt sich aber auch nur ein, wenn ein Feind näher kommt. Oder der Tausendfüßer nimmt einfach mal die dafür vorgesehenen Beinchen in die Hand, flitzt weg und versteckt sich im Boden oder unter einem Stein.

Wer genau hinschaut, kann die lichtscheuen Tiere fast überall aufspüren. Von selbst zeigen sie sich ungern. Da sie selbst kein Wasser speichern können, verkriechen sie sich stets in feuchtem Milieu.

Ähnlich wie Regenwürmer tragen Tausendfüßer zur Aufbereitung des Erdreichs bei – fast alle ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenresten. Die wenigen Räuber unter ihnen machen Jagd auf andere Insekten; oder auf genau die unterirdischen Mitbewohner, die neben ihren vegetarischen Artgenossen den wertvollen Humus produzieren: Sie fressen Regenwürmer.