AtommüllAltmaier startet Probebohrung in der Asse

Per Knopfdruck hat Umweltminister Altmaier die Erkundung des Atommülllagers Asse begonnen. Dabei war auch SPD-Chef Gabriel, der seine Unterstützung versicherte.

Bundesumweltminister Peter Altmaier hat die erste Probebohrung im maroden Atommülllager Asse gestartet. Wegen bürokratischer Schwierigkeiten hatten die Arbeiter vor Ort zwei Jahre lang mit der Erkundung warten müssen.

"Wir müssen die Rückholung so schaffen, dass die Sicherheit der Menschen nicht gefährdet ist", sagte der Minister. In dem früheren Salzbergwerk Asse lagern rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll. Wegen Wassereintritts sollen die radioaktiven Abfälle geborgen werden.

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Per Knopfdruck startete Altmaier das Anbohren von Kammer 7 aus. Binnen sechs Wochen soll Stück für Stück die 20 Meter dicke Wand durchbohrt werden, hinter der radioaktive Abfälle lagern. Mit einer Mini-Kamera soll dann erstmals geschaut werden, wie es in einer Atommüll-Kammer aussieht, ob sich die Abfälle überhaupt noch in Fässern befinden oder ob diese vom eintretenden Wasser bereits aufgelöst wurden.

Gabriel lobt Altmaier

Zum Besuch in der Asse hatte der CDU-Politiker Altmaier den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel eingeladen. Dieser versicherte dem Umweltminister seine Unterstützung: "Wir werden alles dafür tun, damit hier alle politisch an einem Strang ziehen."

Geschichte der Asse: 1900-1970

Zehn Kilometer südöstlich von Wolfenbüttel wird 1906 der erste Schacht des Bergwerks Asse in die Tiefe getrieben. 1964 endet die Förderung von Steinsalz aus wirtschaftlichen Gründen. Im selben Jahr wird die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) in München gegründet. Sie kauft im Auftrag des Bundes die Schachtanlage für umgerechnet etwa 45.0000 Euro. 1965 wird die Asse vom Salz- zum Forschungsbergwerk erklärt.

1971-1980

Von 1967 an erforscht die GSF die Eignung der Asse als Atommülllager. Zugleich werden in der Schachtanlage in Niedersachsen (Bild links) schon leicht und mittelradioaktive Abfälle eingelagert. Bis zum Ende der Einlagerung 1978 sind es 126.000 Fässer mit leicht radioaktivem Material in mehr als 700 Metern Tiefe und 1300 Fässer mit mittelradioaktivem Material in 511 Metern Tiefe.

1981-2000

1988 entdeckt man erstmals, dass ins sogenannte Versuchsendlager Asse Salzlauge einsickert. Die Öffentlichkeit wird darüber nicht informiert.1995 läuft die Forschung in der Asse aus. Im selben Jahr wird die Helmholtz-Gemeinschaft gegründet, deren Mitglied die GSF ist. Im August 1998 wird ein täglicher Zufluss von elf Kubikmetern Lauge gemessen.

2001-2010

Seit 2005 eskaliert der Streit um die Asse. 2008 wird unter Tage radioaktiv strahlendes Cäsium-137 gemessen. Dem Helmholtz-Zentrum entzieht man die Aufsicht. Seit dem 1. Januar 2009 ist das Bundesamt für Strahlenschutz verantwortlich für die Asse. Am 15. Januar 2010 empfiehlt das Bundesamt, den radioaktiven Müll aus dem Bergwerk zu holen.

Gabriel war von 2005 bis 2009 Umweltminister. Er sagte, seine Partei unterstütze ein Sondergesetz (Lex Asse) zur Beschleunigung der Bergung. Ohne das Gesetz könnte sich die Sanierung wegen der komplizierten atomrechtlichen Auflagen im schlimmsten Fall bis 2036 verschieben.

Auch Altmaier will sich für eine Lex Asse einsetzen. Spätestens im ersten Halbjahr 2013 solle der Deutsche Bundestag das Gesetz verabschieden, sagte der Minister.

Gabriel lobte Altmaier ausdrücklich: "Er ist ein Kommunikator und traut sich Entscheidungen zu." Unter Vorgänger Norbert Röttgen sei bei der Asse nichts entschieden worden. "Röttgen hat sich davor gedrückt." Bei der Asse sei niemals eine risikofreie Entscheidung zu treffen. "Ich hoffe, dass Herr Altmaier diesen Schwung beibehält."

Der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz, Wolfram König, sagte zum Start der Bohrung: "Für das Projekt ist das ein ganz großer Schritt, aber es ist nur ein ganz kleiner Schritt auf dem langen Weg zu einer sicheren Schließung."

 
Leserkommentare
  1. geht es wohl gut voran-endlich wird dieses Thema ernsthaft bearbeitet-ein goßes Lob für beide Politiker die trotz unterschiedlicher Parteibücher dabei wohl wirklich an uns Bürger denken.

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    • Karl63
    • 01.06.2012 um 20:03 Uhr

    über die tatsächlichen Risiken getäuscht worden. Ich meine es wäre der Spiegel gewesen, der nachrecherchiert hat, schon als der Bund in den sechziger Jahren Asse II recht preisgünstig erworben hat, gab es Hinweise darauf in Asse I und Asse III dringt Wasser ein.
    Dass der Betrieb dennoch über Jahrzehnte weiterging ist wohl eher dem Umstand geschuldet, die Nuklearindustrie hat reichliche strahlenden Abfall produziert und keine wusste so recht wohin damit - daher auch der Betrieb als "Versuchsendlager".
    Es bleibt unklar ob denn eine Bergung des dort abgekippten Nuklearabfalls überhaupt möglich ist. Gewiss ist nur: wenn es durchführbar ist, dann wird es sehr teuer und dies bleibt am Steuerzahler hängen.

    Wenn die SPD endlich wieder Juniorpartner sein darf, wird, wie Altmeier und Gabriel jetzt, dann Friedrich zusammen mit Wiefelspütz die Vorratsdatenspeicherung endlich glatt durchziehen.

    • Karl63
    • 01.06.2012 um 20:03 Uhr

    über die tatsächlichen Risiken getäuscht worden. Ich meine es wäre der Spiegel gewesen, der nachrecherchiert hat, schon als der Bund in den sechziger Jahren Asse II recht preisgünstig erworben hat, gab es Hinweise darauf in Asse I und Asse III dringt Wasser ein.
    Dass der Betrieb dennoch über Jahrzehnte weiterging ist wohl eher dem Umstand geschuldet, die Nuklearindustrie hat reichliche strahlenden Abfall produziert und keine wusste so recht wohin damit - daher auch der Betrieb als "Versuchsendlager".
    Es bleibt unklar ob denn eine Bergung des dort abgekippten Nuklearabfalls überhaupt möglich ist. Gewiss ist nur: wenn es durchführbar ist, dann wird es sehr teuer und dies bleibt am Steuerzahler hängen.

    Wenn die SPD endlich wieder Juniorpartner sein darf, wird, wie Altmeier und Gabriel jetzt, dann Friedrich zusammen mit Wiefelspütz die Vorratsdatenspeicherung endlich glatt durchziehen.

  2. Nur diese Art von Einsatz ist eines Bundesumweltministers würdig, wirklich Hochachtung.

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  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kommentare sachlich. Die Redaktion/mak

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    Ich wollte eigentlich nur verdeutlichen, dass Leute, die zur Fraktion 'Rente mit 67 oder später' gehören, schon beim Rumstehen schwitzen.

    Ich wollte eigentlich nur verdeutlichen, dass Leute, die zur Fraktion 'Rente mit 67 oder später' gehören, schon beim Rumstehen schwitzen.

  4. Na, dass da jetzt mal die beiden Dicken eingefahren sind,
    ändert keinen Deut an dem Saustall - mal gespannt, was der
    neue Umweltminister durchsetzen kann!

    Nebenbei: in diesem 'sogenannten Forschungsendlager' liegen so um die 70% Mist allen radioaktiv strahlenden Kalibers,
    über die FZK in Karlsruhe zu 'Forschungsmüll' umgelabelt
    und praktisch kostenlos entsorgt...

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  5. Jetzt ist Altmaier rund 2 Wochen im Amt und Gabriel weiß, dass Altmaier, im Gegensatz zu dem Drückeberger Röttgen, handelt.

    Offenbar ist es Altmaier in diesen 2 Wochen gelungen, den Knopf zu installieren, den er jetzt mit Schwung gedrückt hat.

    Hoffen wir mit Gabriel, dass er diesen ungeheuren Schwung beibehält.

    Gabriel war doch auch einmal fast vier Jahre Umweltminister. Was hat er eigentlich in dieser Zeit in Sachen Asse getan und wieviel Knöpfe hat er da gedrückt?

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    • Kelhim
    • 01.06.2012 um 20:10 Uhr

    In seiner Zeit als Bundesumweltminister hat er veröffentlicht, dass schon mehr als zwanzig Jahre früher als gedacht bekannt war, dass die Anlage undicht ist. Er hat den Stein doch überhaupt erst ins Rollen gebracht.

    • Kelhim
    • 01.06.2012 um 20:10 Uhr

    In seiner Zeit als Bundesumweltminister hat er veröffentlicht, dass schon mehr als zwanzig Jahre früher als gedacht bekannt war, dass die Anlage undicht ist. Er hat den Stein doch überhaupt erst ins Rollen gebracht.

  6. 6. [...]

    Ich wollte eigentlich nur verdeutlichen, dass Leute, die zur Fraktion 'Rente mit 67 oder später' gehören, schon beim Rumstehen schwitzen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
    • -lupo-
    • 01.06.2012 um 19:26 Uhr

    in ein Bierzelt im Nachbarort und trinke ein Bier, später, da bin ich mir ziemlich sicher, wird die Kapelle ein Lied anstimmen:

    "Wer soll das bezahlen - wer hat so viel Geld - wer hat so viel Pinke Pinke - wer hat so viel Geld??"

    Viele Menschen im Zelt werden mitsingen, ich auch und dabei an die Asse denken und mir noch eins bestellen.

    Prost

    • Karl63
    • 01.06.2012 um 20:03 Uhr

    über die tatsächlichen Risiken getäuscht worden. Ich meine es wäre der Spiegel gewesen, der nachrecherchiert hat, schon als der Bund in den sechziger Jahren Asse II recht preisgünstig erworben hat, gab es Hinweise darauf in Asse I und Asse III dringt Wasser ein.
    Dass der Betrieb dennoch über Jahrzehnte weiterging ist wohl eher dem Umstand geschuldet, die Nuklearindustrie hat reichliche strahlenden Abfall produziert und keine wusste so recht wohin damit - daher auch der Betrieb als "Versuchsendlager".
    Es bleibt unklar ob denn eine Bergung des dort abgekippten Nuklearabfalls überhaupt möglich ist. Gewiss ist nur: wenn es durchführbar ist, dann wird es sehr teuer und dies bleibt am Steuerzahler hängen.

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    Antwort auf "gemeinsam"

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