Der dritte und vierte Reaktor des Atomkraftwerkes Oi der Firma Kepco © Jiji Press/AFP/Getty Images

Die japanische Regierung lässt zwei Atomreaktoren hochfahren. Regierungschef Yoshihiko Noda ordnete die Wiederaufnahme des Betriebs von zwei Meilern in Oi in der Zentralprovinz Fuki an, wie japanische Medien berichteten. Japan befürchte während der heißen Sommermonate Energieengpässe, so die Begründung. "Der Stopp der Reaktoren schneidet das Land von 30 Prozent seiner Stromerzeugung ab", sagte Noda. Außerdem drohe Japans Wirtschaft zu erlahmen.

Der Entscheidung war eine Sitzung mit den zuständigen Ministern vorausgegangen, in deren Verlauf Noda die Zustimmung von den örtlichen Behörden der Provinz Fuki erhalten hatte. Bislang hatten die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen aus Sorge um die Sicherheit der Meiler ein erneutes Hochfahren der Reaktoren abgelehnt. Doch angesichts von Warnungen der Atomindustrie und der Zentralregierung vor Stromausfällen im Sommer gaben sie ihren Widerstand auf.

Die Vorbereitungen für einen Netzbetrieb seien im Gange, sagte Industrieminister Yukio Edano. Die Reaktoren des AKW Oi gehören zum Unternehmen Kansai Electric Power (KEPCO). Die staatliche Atomaufsicht hatte das Atomkraftwerk zuvor als sicher eingestuft.

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima waren alle 50 japanischen AKWs für Sicherheitschecks heruntergefahren. Bis zu dem Unglück bezog Japan etwa ein Drittel seines Stroms aus der Atomkraft. Infolge des Atomunglücks, durch das weite Gebiete im Umkreis radioaktiv kontaminiert worden waren, wächst in Japan die Ablehnung der Atomkraft . Bislang war keines der AKW wieder ans Netz gegangen. Stattdessen erzeugte das Land seinen Strom mit Thermalkraftwerken. Das nun wieder Reaktoren hochgefahren werden, wird in Japan als Erfolg für die nach wie vor mächtige Atomindustrie gewertet.

Japaner sind angehalten ihren Verbrauch zu drosseln

Laut KEPCO, das die Großstädte Osaka , Kyoto und Kobe versorgt, könnte aufgrund des hohen Strombedarfs für Klimaanlagen im Sommer der Bedarf das Angebot um bis zu 15 Prozent übersteigen. Der verstärkte Einsatz von Kohle, Gas und Erdöl zur Stromproduktion erhöht den Kohlendioxidausstoß und die Abhängigkeit des ressourcenarmen Landes von der Kraftstoffeinfuhr. Für die Verbraucher werden so die Preise steigen. Das Unternehmen rief die Verbraucher zudem auf, ihren Verbrauch zu drosseln.

Noda bekräftigte, alles zu tun, um einen Atomunfall wie Fukushima künftig zu verhindern. Bis August will die Regierung einen nationalen Energie-Plan bis zum Jahr 2030 vorlegen, der eine möglichst umfassende Abkehr von der Atomkraft beschreiben soll.

In Japan war das Atomkraftwerk Fukushima bei dem schweren Erdbeben vom 11. März 2011 und dem anschließenden Tsunami schwer beschädigt worden. Durch den Ausfall der Kühlsysteme kam es zur Kernschmelze, es war der schwerste Atomunfall seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.