Riesenschildkröten"Mit George ist eine Ikone für den Naturschutz gestorben"

So manche totgeglaubte Galapagos-Riesenschildkröte erstand wieder auf, weiß Reptilienforscher Michael Russello. Doch für Lonesome Georges Unterart sieht er kaum Hoffnung. von 

Lonesome George Geochelone nigra abingdoni Pinta-Riesenschildkröte

Lonesome George war der letzte Vertreter der Pinta-Riesenschildkröten.  |  © Rodrigo Buenida/AFP/Getty Images

"Nach allem, was wir heute wissen, ist mit Lonesome George die Unterart der Pinta-Riesenschildkröten ausgestorben", sagte Michael Russello von der Universität British Columbia ZEIT ONLINE. Am Montag war die Nachricht vom Tod der Galapagos-Riesenschildkröte um die Welt gegangen. Das Männchen galt als letztes Exemplar der Unterart Geochelone nigra abingdoni .

Wie Mitarbeiter des Galapagos-Nationalparks berichteten, hatte der langjährige Pfleger von Lonesome George, Fausto Llerena, die tote Schildkröte ausgestreckt "in Richtung ihres Wasserlochs" auf der Insel Santa Cruz gefunden. Eine Untersuchung soll die Todesursache klären.

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Gibt es noch ein Fünkchen Hoffnung, dass irgendwo auf den Galapagos-Inseln noch Artgenossen von Lonesome George herumlaufen?

Immerhin sind schon andere Galapagos-Schildkröten von den Ausgestorbenen auferstanden: Im Januar 2012 hatten Russello und Kollegen im Magazin Current Biology die Wiederentdeckung der Floreana-Riesenschildkröte (Chelonoidis nigra elephantopus) verkündet: Bei einer groß angelegten Genanalyse an 1.600 Riesenschildkröten auf der größten Galapagos-Insel Isabela waren Hybride aufgetaucht, die von einem Elternteil dieser seit 150 Jahren als ausgestorben geltenden Unterart abstammten. Einige waren nicht älter als 15 Jahre. Es muss also doch noch Exemplare dieser Subspezies geben, die Zoologen nun nachzüchten wollen.

George hinterlässt keine Nachkommen

Im Falle des einsamen Georges glaubt der Riesenschildkröten-Forscher nicht an ein solches Wunder: "Eine zweite reinrassige Pinta-Riesenschildkröte haben wir bis heute weder in freier Wildbahn noch in Gefangenschaft nachgewiesen", sagte Russello. "Mit George verlieren wir eine Ikone für den Naturschutz. Sein Tod unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen, vor denen wir angesichts des globalen Artensterbens stehen."

Zwar hatten Wissenschaftler auch Georges Gene retten wollen. Immer wieder wurden passende Weibchen zur Paarung in die Forschungsstation der Insel Santa Cruz gebracht. Doch alle Fortpflanzungsversuche scheiterten. Einige Weibchen legten zwar mehrere Eier, die jedoch alle unbefruchtet waren.

Leserkommentare
  1. mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    :(

  2. :(

  3. die Riesen denken sich, in diese Welt setze ich doch keine Nachkommen mehr, seid ihr verrückt?

  4. ... and thanks for all the fish. Moment.

    R.I.P. "Lonesome George"

  5. Redaktion

    Liebe Leser,

    wir haben die Meldung nach einem Gespräch mit dem Forscher Michael Russello, der auf den Galapagos-Inseln Riesenschildkröten erforscht, aktualisiert.

  6. bloß hier lese ich, daß George von Hirten entdeckt wurde. In anderen Länder wurde der aus Ungarn stammende Entdecker Vágvölgyi József (Zoologe, Biologe) erwähnt. http://en.wikipedia.org/w...

  7. Der letzte Absatz scheint mir zweifelhaft, dass Galápagos "Wulstsattel" bedeuten würde, und auf die Form der Schildkröten zurück zu führen wäre. Ich hab es mal nachgeschlagen. "Galápago" konnte ich als Bedeutung allgemein für "Wasserschildkröte" finden, und als Bezeichnung für unterschiedliche technische Geräte, z.B. Form zu Herstellung von Dachziegeln, etc.

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    Redaktion

    Lieber Leser,

    es gibt viele Quellen zur Herkunft des Namens Galàpagos – die deutsche Übersetzung "Wulstsattel" fand ich recht treffend. Unzweifelhaft ist nach meinen Recherchen, dass der Name sich auf den sattelförmigen Panzer der Riesenschildkröten bezieht.

    Leider habe ich keine sprachwissenschaftliche Arbeit zur Herkunft des Namens finden können, aber diverse auch englische und spanische Quellen, die alle Ähnliches besagen:

    Demnach war es der Bischof Tomás de Berlanga, der als Entdecker der Galàpagos-Inseln (1535) gilt, der als Erster den Namen Galàpagos in Spiel brachte. Er bezog sich mit dem Namen angeblich auf die dort lebenden Riesenschildkröten, deren Rückenpanzer ihn an einen damals üblichen Sattel erinnerten.

    In einigen Wörterbüchern findet man den Hinweis, dass "galàpago" in Venezuela und Honduras heute noch eine Bezeichnung für einen Frauensattel ist.

    Auf einer Karte des Kartografen Abraham Ortelius aus dem Jahr 1570 sind die Inseln als "Insulae de los Galopegos" aufgeführt. Später setzte sich aber Berlangas Bezeichnung durch.

    Andere Quellen setzten den Ausdruck Galàpagos direkt mit den Riesenschildkröten gleich und fassen ihn als Namen für die Schildkröten mit dem typischen Sattel-Rücken auf.

    Ein spannendes Thema, wie ich finde. Ich werde die Augen offen halten, ob ich dazu doch einmal tiefer gehende etymologische Forschung finden kann. Wenn Sie etwas entdecken – schicken Sie gerne einen Link.

    Herzliche Grüße.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Naturschutz | Alter | Artensterben | Hybrid | Reptil | Spanisch
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