Still und leise hatte sich die Europäische Union 2010 von ihrem Ziel verabschiedet, bis 2010 die Erosion der Artenvielfalt in Europas Wäldern, Meeren, Feldern und Flüssen zu stoppen: Soll und Haben lagen einfach viel zu weit auseinander. Nun will es die Gemeinschaft bis zum Jahr 2020 schaffen, dass die Biodiversität des alten Kontinents erhalten bleibt – auch wenn beispielsweise die Fischerei- und Landwirtschaftspolitik der EU genau dieses Vorhaben immer wieder konterkariert.

In den letzten Jahrzehnten hat Europa beispielsweise die Hälfte der einst vorhandenen Vögel der Agrarlandschaft verloren: Manche Arten mussten Bestandseinbußen um 50 Prozent und mehr verkraften, weil die Landwirtschaft immer stärker industrialisiert wurde und selbst noch aus den ungünstigsten Randlagen Hochleistungserträge herausgepresst werden.

In europäischen Gewässern gelten viele Fischbestände als hochgradig übernutzt , weil überdimensionierte Fangflotten zum Beispiel Jagd auf die letzten Thunfische des Mittelmeers machen – und das alles subventioniert von einer aberwitzigen Geldverteilungspolitik, deren Verantwortliche aus Angst vor dem Zorn ihrer Agrar- und Fischereilobby alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Ausbeutung der Meere oder Überdüngung von Feldern beiseite schieben.

Doch allein steht die europäische Politik damit nicht, 20 Jahre nach dem verheißungsvollen Gipfel von Rio de Janeiro der Vereinten Nationen zum Umweltschutz und nachhaltiger Entwicklung. Im Gegenteil: Seit 1992 haben sich die Lebensgrundlagen auf der Erde teilweise drastisch verschlechtert, und kaum eines der gesteckten Ziele konnte erreicht werden, wie eine Aufstellung des Magazins Nature zeigt . So ist es der Weltgemeinschaft nicht einmal annähernd gelungen, die Treibhausgasemissionen zu stabilisieren – erstmals seit mindestens 800.000 Jahren hat der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre die Marke von 400 ppm überschritten.

Das rasante Wirtschaftswachstum der letzten Jahre in China , Indien und vielen anderen Staaten basierte vor allem auch auf billiger Energie aus Kohle, was die Erderwärmung vorantreibt: Die Zeit von 2001 bis 2010 war das wärmste Jahrzehnt, das seit Beginn moderner Temperaturaufzeichnungen auf allen Kontinenten der Erde registriert wurde.

Noch schlechter sieht es beim Schutz der Artenvielfalt aus: Niemals waren so viele Vogel-, Amphibien- oder Säugetierarten vom Aussterben bedroht: Mittlerweile gilt das sogar für Vogelspezies, die in Amazonien leben und wegen der Größe des Waldes bisher trotz Abholzung als relativ sicher galten. Ein Drittel aller Froscharten gilt daher als akut vom Aussterben bedroht. Ihr Lebensraum wird durch Pestizide, Übernutzung und veränderte Klimabedingungen zerstört. Hinzu kommt ein infektiöser, heimtückischer Pilz, der weltweit verschleppt wurde und die Frösche bedroht.

Und versagt hat die Weltgemeinschaft auch beim Versuch, die Verwüstung und Degradierung ganzer Landstriche aufzuhalten – obwohl es die Lebensgrundlage von Millionen Menschen akut bedroht, wenn fruchtbarer Boden vom Wind verblasen oder von Fluten ins Meer gespült wird oder versalzt. Dabei trifft diese Problematik nicht "nur" die Bewohner Pakistans oder der Sahelzone, sondern zerstört auch fruchtbares Ackerland in den USA , Australien oder Europa. Dennoch fährt die Weltgemeinschaft mit ihrem selbstzerstörerischen Kurs fort und finanziert ihn mit Milliardensummen.