Das unterschätzte TierLasst das Dromedar endlich Kamel sein!

Weil es nur einen Höcker hat, wird das Dromedar diskriminiert. Dass es darin Wasser speichert, ist Quatsch, genau wie viele andere Vorurteile. Aber da spuckt es drauf. von 

Zwei Dromedare mit einem Neugeborenen

Zwei Dromedare mit einem Neugeborenen  |  © Anoek de Groot/AFP/Getty Images

Es ist schon ein bemitleidenswertes Geschöpf, das Dromedar: Einst erhabenes Wüstenschiff und überlebenswichtig für die großen Karawanen ist es heute vielerorts zum Schaukelpferd für Touristen verkommen. Und als ob das für die stolzen Tiere nicht genug der Schande wäre, kräht so mancher Urlauber naseweis: "Das ist kein Kamel, das ist ein Dromedar!" Lieber Besserwisser, das ist ungefähr so richtig, wie zu behaupten, ein Mercedes sei kein Automobil. Oder eine Jolle kein Schiff, um mal bei Schiffen zu bleiben. Und man stelle sich vor, Lawrence von Arabien würde sich im gleichnamigen Dreistunden-Epos jedes Mal in eine blöde Namensdiskussion verstricken, wenn es wieder auf dem Kamelrücken durch die Wüste geht.

Pamela Burger von der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die Genetik und Evolution der Kamele erforscht, kann bestätigen: "Das Dromedar ist definitiv ein Kamel." Fachlich Camelus dromedarius genannt, ist das Dromedar eben das Einhöckrige oder auch Arabische Kamel. Es zählt zu den Altweltkamelen, gemeinsam mit seinen zweihöckrigen Vettern Camelus ferus , dem Wildkamel, und Camelus bactrianus , dem Trampeltier, das sich übrigens nie anhören muss, es sei kein Kamel.

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Dafür leidet letzteres um so mehr unter seinem bescheuerten Namen. Getrampelt wird bei den Kamelen nämlich nicht. Mit ihren Schwielensohlen treten sie sogar äußerst sanft auf. Federnde Polster schützen vor scharfkantigem Untergrund und heißem Wüstensand.

Dromedar-Forschung

Die Österreichische Tierärztin Pamela Burger von der Universität Wien untersucht mit Ihrem Team die Genetik und Evolution der Altweltkamele. Sie hat durch Genanalysen herausgefunden, dass es sich bei der kleinen Population von knapp 1.000 wilden, zweihöckrigen Kamelen in China und der Mongolei um echte Wildkamele handelt – nicht um ausgewilderte Trampeltiere.

Das Dromedar ist demnach auch kein Nachfahre dieser Tiere, wie lange Zeit vermutet wurde. "Die evolutionäre Abspaltung der einhöckrigen von den zweihöckrigen Kamelen hat bereits vor fünf bis acht Millionen Jahren stattgefunden", sagt sie. Als ein Vorfahr gelten die letzten wilden einhöckrigen Kamele, die etwa 2.000 bis 1.000 v. Chr die arabische Halbinsel bevölkerten.

Stammbaum der Kamele

Ob das Riesenkamel ein Urahn der heutigen Dromedare ist, lasse sich nur schwer klären: Die DNA der Funde aus der Wüste sei für einen Genvergleich zu schlecht erhalten, sagt die Kamel-Forscherin aus Wien. Die lange gültige Hypothese, auch beim Dromedar sei ein zweiter Höcker zumindest embryonal angelegt, haben Wissenschaftler aus Dubai und München im Jahr 2010 widerlegt.

Die evolutionäre Trennung der Altwelt- von den Neuweltkamelen, also Lamas und Alpakas, erfolgte bereits vor rund elf Millionen Jahren. In Nordamerika, woher die Schwielensohler ursprünglich stammen, gibt es heute keine natürlich vorkommenden Kamelarten mehr. Nach Australien wurden Dromedare vom Menschen eingeschleppt.

Überleben in der Wüste

Die gepolsterten Füße schützen vor dem heißen Untergrund und scharfen Steinen –  bei Sandsturm können Dromedare ihre Nüstern verschließen. Weil sein Blut außergewöhnlich viele rote Blutkörperchen enthält, kann es auch in dickflüssigem Zustand ausreichend Sauerstoff transportieren – so kommt das Kamel mit wenig Wasser aus. Außerdem sind die Erythrozyten oval und halten einem höheren Druck stand als bei anderen Lebewesen. So platzen sie nicht, wenn das Tier nach langer Durststrecke auf einmal viel Wasser säuft.

Über den Urin geben Dromedare nie unnötig viel Wasser mit ab. Auch dem Kot wird fast die ganze Flüssigkeit entzogen. Dank seiner besonderen Nasenschleimhaut kann das Dromedar Feuchtigkeit aus der ausgeatmeten Luft zurückgewinnen. Außerdem schwitzt des erst ab einer Körpertemperatur von rund 42 Grad Celsius. Nachts kühlt es auf bis zu 34 Grad herunter und schafft einen Kältespeicher für den nächsten heißen Tag.

Dass bestimmte Zellen im Magen der Tiere Wasser speichern, ist – wie so vieles – ein Gerücht.

Vielleicht ist ohnehin alles nur ein Problem deutscher Sprache und Haarspalterei. Im Arabischen jedenfalls heißt das Tier, je nach Dialekt, "Gamal" oder "Jamal". Und obwohl das Englische den Begriff "Dromedary" durchaus kennt, macht es in Großbritannien als "Camel" Karriere – wenn auch eine fragwürdige. So steht es Pate für Rauchwaren, Männer-Lifestyle und Outdoor-Produkte.

Doch statt das arme Dromedar damit als Kamel zu resozialisieren, nährt der bei Outdoorfans beliebte Wasserrucksack mit dem Spitznamen "Camelback" nur ein weiteres Missverständnis. Das Tier speichert in seinem Höcker nämlich gar kein Wasser, sondern Fett. Beim Verbrauchen der fetten Vorräte setzt der Stoffwechsel des Tieres zwar auch etwas Wasser frei. Aber um in der Trockenheit zu überdauern, hat das Dromedar ganz andere Fähigkeiten: So kann es ohne Schaden zu nehmen bis zu 40 Prozent seines Körperwassers verlieren. Beim Menschen sind bereits rund 14 Prozent tödlich – zugegeben, ein Argument für die Anschaffung des genannten Trinkrucksacks, aber bitte unter anderem Namen. Aber zurück zum Kamel. Das trinkt weder auf Vorrat noch hat es in anderer Form Wasser dabei. Dass es so schnell säuft – binnen weniger Minuten an die 150 Liter – ist eher der Gefahr durch Raubtiere an den Wasserstellen geschuldet.

Ob die Dromedare der Irrsinn, der über sie erzählt wird, ärgert? Zumindest können sie sauer werden. Dann brüllen und spucken sie. Genau wie ein Lama. Lamas sind übrigens auch Kamele, genau genommen Neuweltkamele.

Willkommen in der schönen neuen Kamelwelt, in der auch das Dromedar endlich frei von Diskriminierung leben kann.

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Leserkommentare
    • ohno
    • 12. Juni 2012 14:53 Uhr

    Sie sind ganz schön arrogant.

    Antwort auf "Re: rauchwaren"
  1. Ich kann Ihre Sentimentatlität nachvollziehen, allerdings hierzu noch eine Anmerkung: Rauchwaren (Pelz) bestehen ebensowenig aus Rauch wie Tabakwaren. Insofern vermute ich das Aussterben dieses Begriffes gerade darin, dass er erst recht keinen Sinn ergibt. Der andere Begriff dagegen wird sofort verstanden und hat zudem auch das Potenzial, neben Tabak noch andere gerauchte Substanzen zu erfassen.

    Insofern sehe ich diese Entwicklung (anders als viele andere) durchaus positiv.

    Viele Grüße

    Antwort auf "Re: rauchwaren"
  2. ist auch vorbei...

    Antwort auf "BDer gute Geschmack"
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    war ein sogenannter "troll post" zu Deutsch: "Troll Kommentar". Der Verfasser dieses Kommentars wusste sehr wohl was mit Geschmack gemeint war, hat jedoch bewusst die Zweideutigkeit des Begriffs ausgenützt um humoristischen Kommentar zu erstellen. Der troll post hat das Ziel, zum einen Leute die ihn durchschauen zum schmunzeln zu bringen, zum anderen Leute die ihn nicht erkennen, zu einem unüberlegten Kommentar zu verleiten und sich damit bloßzustellen.

    Willkommen im Internet ;-)

  3. war ein sogenannter "troll post" zu Deutsch: "Troll Kommentar". Der Verfasser dieses Kommentars wusste sehr wohl was mit Geschmack gemeint war, hat jedoch bewusst die Zweideutigkeit des Begriffs ausgenützt um humoristischen Kommentar zu erstellen. Der troll post hat das Ziel, zum einen Leute die ihn durchschauen zum schmunzeln zu bringen, zum anderen Leute die ihn nicht erkennen, zu einem unüberlegten Kommentar zu verleiten und sich damit bloßzustellen.

    Willkommen im Internet ;-)

    Antwort auf "Knapp daneben"

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  • Serie Das unterschätzte Tier
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Dialekt | Genetik | Lama | Schiff | Tier | Wasser
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