AtomkraftJapan drückt sich um eine Perspektive nach Fukushima

Menschliches Versagen allerorten: Wieder offenbart ein GAU-Report wenig Neues. Japan muss endlich zur Zukunft seiner Atompolitik Position beziehen, meint Sven Stockrahm. von 

Vorbereiten für die Stromerzeugung: Anfang Juli 2012 setzen Techniker des Kernkraftwerks Oi den ersten japanischen Reaktor nach dem GAU von Fukushima wieder in Gang.

Vorbereiten für die Stromerzeugung: Anfang Juli 2012 setzen Techniker des Kernkraftwerks Oi den ersten japanischen Reaktor nach dem GAU von Fukushima wieder in Gang.  |  © jiji Press/AFP/Getty Images

Erst mauscheln, dann abwiegeln, im Ernstfall stümpern, schließlich improvisieren – fertig ist die Kausalkette für den atomaren GAU. So konstatiert es nun die unabhängige Expertengruppe , die Japans Regierung einberufen hat, um die Katastrophe von Fukushima zu untersuchen.

Das Ergebnis ist ebenso beunruhigend wie bekannt : Die mächtige Atomlobby kungelte über Jahrzehnte mit den Aufsichtsbehörden niedrige Sicherheitsstandards aus, kaum Kontrollen und mangelhafte Notfallpläne. "Der Unfall war eindeutig von Menschenhand verursacht", heißt es im Report. Das japanische Volk wurde um sein Recht auf eine sichere Nutzung der Atomkraft betrogen.

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Als ob es so etwas jemals geben könnte! Ausgerechnet heute speist der erste japanische Reaktor von landesweit 50 wieder Strom in die Leitungen. Die zwei Monate währende atomstromfreie Ära seit Beginn des nuklearen Zeitalters in Japan ist vorbei. Der Abschlussbericht erscheint aber auch zu einer Zeit, in der sich in Tokio gerade die größten Proteste seit den sechziger Jahren formiert haben.

Verhindern konnten die Menschen das Hochfahren des Kernkraftwerks Oi nicht. Und doch scheinen sich viele Japaner allmählich von dem absurden Sicherheitsversprechen der Atomlobby zu verabschieden. Ob nun 17.000, 45.000 oder mehr als 100.000 Menschen Ende Juni auf die Straße gingen: Demonstrationen waren im Hochtechnologieland Japan bislang noch seltener anzutreffen als Menschen ohne Handy.

Der Gegner der Protestierenden ist mächtig. Seitdem sich Japan vor rund 50 Jahren für die Kernkraft entschied, haben Energiekonzerne mit Milliardensummen ganze Landstriche ausgebaut und Arbeitsplätze geschaffen. Von dem lukrativen Geschäft profitierten auch zahlreiche Politiker. Bis heute reichen die Drähte der Firmen offenbar tief hinein in Ministerien und Behörden. Dies zeigt auch der neue Bericht am Beispiel der Nuklearkatastrophe, nach 900 Stunden Anhörungen und Gesprächen mit 1.167 Verantwortlichen, Arbeitern und Betroffenen.

Wie kann das Land trotzdem weiter auf die Kernkraft setzen? Japans künftige Energiepolitik klammern die Autoren des GAU-Reports bewusst aus. Stattdessen haben sie seitenlange Vorschläge, welchen bürokratischen Regeln sich Atomaufsicht und -konzerne unterwerfen sollen. Das ist nötig, löst aber nicht das Energieproblem Japans.

Japans Katastrophe
Tage am Abgrund nach Beben, Tsunami und GAU
11. März 2011, 14.46 Uhr
Satellitenbild von Japan

Satellitenbild von Japan  |  © Nasa/Goddard/SeaWiFS/ORBIMAGE

Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans erschüttert rund sechs Minuten das Land mit einer Stärke von 9,0. Das Epizentrum liegt rund 130 Kilometer vor der Ostküste der Hauptinsel Honshu. Die Auswirkungen sind dramatisch: Auf dem Meeresgrund reißt die Erdkruste auf 400 Kilometern Länge, Teile der Küste verlagern sich ruckartig um bis zu 50 Meter nach Osten. Eine Fläche so groß wie Schleswig-Holstein hebt sich um einige Meter an.

11. März 2011, ca. 15.40 Uhr
Zerstörung in der Stadt Natori

Zerstörung in der Stadt Natori  |  © STR/AFP/Getty Images

Ein Tsunami rast mit 800 Kilometern pro Stunde auf die Küste zu. Über zehn Meter sind die Flutwellen mancherorts hoch, an einzelnen Stellen erreichen sie fast 40 Meter. Kilometerweit dringen die Wassermassen landeinwärts. Mehr als 18.000 Menschen sterben. Ganze Städte werden ausgelöscht. Im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi fällt der Strom aus. Das Beben hat die Leitungen gekappt, der Tsunami Dieselgeneratoren überspült.

11. März 2011, 16.30 bis 20.30 Uhr
Das AKW Fukushima am 12. März 2011

Das AKW Fukushima am 12. März 2011  |  © STR/AFP/Getty Images

Die Wasserkühlung zweier Reaktoren des Kraftwerks Fukushima-Daiichi ist ausgefallen. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan sagt, die Lage in den 54 Reaktoren des Landes sei stabil, weil sie sofort nach dem Beben automatisch heruntergefahren wurden. Um 20.30 Uhr muss die Regierung dann für Fukushima-Daiichi den atomaren Notfall verkünden. Etwa 2.000 Bewohner in der Umgebung werden aufgefordert, sofort ihre Häuser zu verlassen.

12. März 2011, morgens
Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.

Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.  |  © STR/AFP/Getty Images.jpg

Nach Strahlenmessungen am Kernkraftwerk wird die Evakuierungszone vergrößert. Mindestens 60.000 Personen sind auf der Flucht. Ministerpräsident Kan fliegt im Hubschrauber nach Fukushima, um sich ein Bild der Lage zu machen. Im AKW lassen Ingenieure Dampf durch die Notventile ab, um den Druck in den Reaktorbehältern zu senken. Inzwischen kocht das Wasser in den Notkühlbecken.

12. März 2011, 15.36 Uhr
Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.

Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.  |  © Park Ji-Hwan/AFP/Getty Images

In Fukushima-Daiichi entzündet sich Wasserstoff und zerfetzt die Außenhülle von Reaktor 1. Ohne Strom für die Pumpen, die den Kühlkreislauf antreiben, waren Temperatur und Druck zu stark angestiegen. Trotz Abschaltung des Blocks begannen so die Brennstäbe zu glühen, Wasser verdampfte und Wasserstoffgas bildete sich, während der Reaktorkern schmolz. Japan und die Welt fürchten die atomare Apokalypse.

13. März 2011
Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.

Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.  |  © JIJI PRESS/AFP/Getty Images

In der Nähe des von Reaktor 1 in Fukushima-Daiichi wird eine vierhundertfach erhöhte Radioaktivität gemessen. Ministerpräsident Kan räumt erstmals ein, dass eine Kernschmelze möglich sei. Simulationen und Messdaten von außen bestätigen die Schmelze in den Wochen nach der Havarie. Heute ist die Ruine, die von Block 1 übrig ist, luftdicht in Plastik eingehüllt.

14. März 2011
Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.

Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.  |  © Paula Bronstein/Getty Images

Allein in der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans werden 2.000 Tote gefunden. 390.000 Menschen sind auf der Flucht aus dem Tsunami-Katastrophengebiet, mehr als 1.400 Notlager werden eingerichtet. Inzwischen gibt es an vielen Orten kein Heizöl mehr, die Menschen frieren. Rund 400.000 Häuser sind zerstört weitere Huntertausende Gebäude beschädigt, Straßen, Zugstrecken und ganze Landstriche unpassierbar.

14. März 2011
Fallout nahe der Küste

Fallout nahe der Küste  |  © ZEIT-Grafik

Obwohl die AKW-Arbeiter die Reaktoren verzweifelt mit Meerwasser kühlen, gibt es eine weitere Wasserstoffexplosion, im Reaktor 3 von Fukushima-Daiichi. Radioaktives Material dringt nach draußen, der Großteil wird in den kommenden Tagen auf den Pazifik geweht. Doch ein Teil verbreitet sich auch über dem Festland. Die Abbildung zeigt, wo sich langlebiges Cäsium konzentriert hat (rot steht für die höchsten Strahlenwerte).

15. März 2011
Strahlenuntersuchung

Strahlenuntersuchung  |  © Issei Kato/AFP/Getty Images

Eine dritte und vierte Explosion ereignen sich in Fukushima. Das Gebäude von Reaktor 2 bleibt intakt, Wasserstoff aus Block 3 sprengt das Dach von Reaktor 4. Von vorher 800 Arbeitern bleiben etwa 40 im stockfinsteren Kraftwerk. Vergeblich hatten sie versucht, weitere Detonationen zu verhindern. Das Unglück wird als nukleares Ereignis der Stufe 6 bewertet. Einen Monat später erhält es wie Tschernobyl die Höchststufe 7: GAU.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie

Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

In einem der sechs Reaktorblöcke ereignete sich offenbar eine komplette Kernschmelze, in zwei weiteren verflüssigten sich die Brennstäbe wohl mindestens zur Hälfte. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Eine Stadt in Trümmern

Eine Stadt in Trümmern  |  © Nicholas Kamm/AFP/Getty Images

Die Strahlenbelastung der Menschen war weit geringer als für die Bewohner von Tschernobyl. Das Strahlenschutz-Komitee der UN schätzt, dass die Zunahme der Krebsfälle nicht messbar sein wird. Das liegt vor allem daran, dass kaum radioaktives Jod von Menschen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen worden ist. Der Tsunami hingegen tötete mehr als 18.000 Menschen. Bis heute wohnen Überlebende in provisorischen Wohnungscontainern.

Woher soll der Strom kommen? Seit der Nuklearkatastrophe ist das Land auf teure Öl- und Gasimporte angewiesen, die Menschen müssen Strom sparen und die Handelsbilanz steckt milliardentief in den Miesen. 30 Prozent steuerte die Atomkraft vor dem GAU zur Energieversorgung bei. Japans Weltkonzerne von Kyocera bis Sharp produzieren wegen der hohen Strompreise schon im Ausland.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
  2. ... und beobachte ich immer wieder aus uk:

    'das japanische volk wurde um sein recht auf eine sichere nutzung der atomkraft betrogen' - sagt ein deutscher journalist anmassend fuer das japanische volk sprechend...

    'der unfall war eindeutig von menschenhand verursacht' - wir alle 'wissen', 'was' diesen 'unfall' verursacht hat und ich glaube, eine eroerterung eruebrigt sich an dieser stelle...

    'wie kann das land weiter auf die kernkraft setzen' - genau diese entscheidende frage haben nur die japaner fuer sich selber zu beantworten und eine 'einmischung' aus dem ausland (nur aus deutschland!) verbietet sich von selber! warum achten wir nicht die souveraenitaet japans...?

    'die maechtige atomlobby' - daran ist nichts auszusetzen, da in deutschland auch die 'anti-atom-lobby' maechtig zu sein scheint; lobbyismus ist weder in 'gut / boese' aufzuteilen!, da jeder 'sein sueppchen kocht' (der eine mehr der andere weniger erfolgreich).

    fazit: japan 'drueckt sich nicht' um eine perspektive nach fukushima - viemehr nimmt sie sie durch nutzung der kernenergie wahr...

    cheers

    p.s. es ist 'gefaehrlich' die 'eigene politik' an anderen nationen zu 'messen' - wenn deutschland 'aussteigen' will, soll es das, jedoch auf 'belehrungen' verzichten; aber ich glaube, dass wird sich nie aendern...

    8 Leserempfehlungen
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    Redaktion

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    Liebe(r) England92,

    Zunächst: Ich spreche nicht für das japanische Volk. Amüsant, dass sie das denken, denn es steht ja gar nicht in meinem Kommentar.

    Vom Betrug am japanischen Volk sprechen die Autoren des neuen Reports, auch das der GAU "von Menschenhand verursacht worden ist", ist ein direktes Zitat, welches man an den Anführungszeichen erkennt.

    Sie scheinen aber sehr viel genauer zu wissen, was zu dem folgenschweren Unglück am AKW Fukushima-1 geführt hat. Es waren eben nicht nur Beben und Tsunami, sondern eben auch mangelhafte Sicherheitsstandards.

    Und natürlich drückt sich die japanische Regierung um eine klare Position. Sie hatte schon mehr als ein Jahr Zeit sich über langfristige Energiepolitik Gedanken zu machen.

    Ansonsten handelt es sich bei meinem Stück um einen Meinungsartikel, der eben auch eine Meinung enthält. Die brauchen Sie nicht zu teilen, Ihre Kritik können Sie aber sachlicher äußern. Nichts für ungut.

    Zitat: 'wie kann das land weiter auf die kernkraft setzen' - genau diese entscheidende frage haben nur die japaner fuer sich selber zu beantworten und eine 'einmischung' aus dem ausland (nur aus deutschland!) verbietet sich von selber! warum achten wir nicht die souveraenitaet japans...?

    Was für ein Unsinn. Beim Supergau ist der ganze Erdball betroffen, wie kann das eine innere Angelegenheit der Japaner sein. Ich bin froh, dass sich einige Leute einmischen.

    User oj130533 hat völlig recht.
    Atompolitik ist keine rein nationale Angelegenheit. Eine radioaktive Wolke macht eben nicht brav an der Landesgrenze halt. Japan ist zwar weit weg, andere Länder mit Atomkraftwerken aber sind direkt um uns herum. Sollte bspw. in Frankreich an Kraftwerk hochgehen - was statistisch betrachtet nicht eine Frage des ob sondern des wann ist - dann wären weite Teil der Bundesrepublik direkt betroffen. Eigentlich müssten wir uns also auch bei unseren Nachbarn viel stärker einmischen.

    Das Problem mit der Atomkraft ist, dass sie den Energieunternehmen so unglaublich hohe Gewinne beschert, während für die Schäden nachher - und natürlich auch für die "Entsorgung" (lol) des Mülls - die Gesellschaft aufkommen darf. So einen Goldesel gibt man natürlich nicht so leicht her, daher ist der Widerstand der Lobby auch so groß. Vernünftig betrachtet ist Atomkraft aber eigentlich der pure Wahnsinn.

    • joG
    • 05. Juli 2012 20:36 Uhr

    Entfernt. Bitte verfassen sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

  3. Bitte, bitte Kommentar 1 nicht löschen. Es ist einfach zu schön, wie sich die komplett Verblendeten selbst desavouieren.

    Eine Leserempfehlung
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    • joG
    • 05. Juli 2012 20:51 Uhr

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/ls

    • yurina
    • 05. Juli 2012 19:43 Uhr
    4. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie sich kritisch beziehen, wurde bereits entfernt. Die Redaktion/ls

  4. Redaktion

    Editieren
    Liebe(r) England92,

    Zunächst: Ich spreche nicht für das japanische Volk. Amüsant, dass sie das denken, denn es steht ja gar nicht in meinem Kommentar.

    Vom Betrug am japanischen Volk sprechen die Autoren des neuen Reports, auch das der GAU "von Menschenhand verursacht worden ist", ist ein direktes Zitat, welches man an den Anführungszeichen erkennt.

    Sie scheinen aber sehr viel genauer zu wissen, was zu dem folgenschweren Unglück am AKW Fukushima-1 geführt hat. Es waren eben nicht nur Beben und Tsunami, sondern eben auch mangelhafte Sicherheitsstandards.

    Und natürlich drückt sich die japanische Regierung um eine klare Position. Sie hatte schon mehr als ein Jahr Zeit sich über langfristige Energiepolitik Gedanken zu machen.

    Ansonsten handelt es sich bei meinem Stück um einen Meinungsartikel, der eben auch eine Meinung enthält. Die brauchen Sie nicht zu teilen, Ihre Kritik können Sie aber sachlicher äußern. Nichts für ungut.

    6 Leserempfehlungen
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    • ST_T
    • 05. Juli 2012 20:16 Uhr

    Die Sicherheitsstandards in Japan gehören mitunter zu den höchsten in der Welt - die Preise sind z.B. deswegen auf deutschem Niveau (z.T. drüber), weil da noch Erdbebensicherung und Ähnliches reinfließen.

    Ein ganz anderes Problem aber ist die reale Praxis, und da sieht es auf Seiten der Betreiber sehr düster aus. Es hieß nämlich schon kurz vor der Katastrophe, dass die Kraftwerke, darunter auch Fukushima Daiichi I dringend gewartet/abgeschaltet werden müssen und das ebenso ein Haufen anderer Kraftwerke nicht mehr betrieben werden dürfen. Das war soweit ich mich erinnere ein paar Monate davor.

    Dann hat die Regierung ja "eigentlich" genau diese Kraftwerke abschalten wollen, aber stattdessen wurden die Laufzeiten verlängert.

    Ich weiß auch nicht, inwieweit Sie sich mit japanischer Politik auskennen, aber im letzten Jahr gab es einen Haufen anderer Dinge die leider auf der Prioriätenliste weiter oben saßen. Unter anderem etwa das Problem der Überalterung, dazu dann noch die hohe Staatsverschuldung (zusammengenommen mit der MwsT für 2014/15 die in 2 Schritten auf 10% erhöht werden soll), und vor allem mehrere Wechsel in der Regierung.

    Der Unterschied zu Deutschland besteht darin: Wenn in Japan herauskommt, das jemand scheiße gebaut hat dann rollen dort die Köpfe. Hier werden die Leute noch mit Gold und Rang verabschiedet.
    Nur das Problem ist: Wer übernimmt dann diese Verantwortung...
    Und daran ist nicht die Regierung sondern in erster Linie Tepco schuld!

    ... aber durch ihre worwahl suggerieren sie, 'fuer' oder 'im sinne des' japanischen volkes zu sprechen - daher meine ausfuehrungen... auch wenn es verallgemeinernd klingt: deutsche haben immer die angewohnheit 'fuer andere' sprechen zu muessen (die erfahrung machen sie, oder werden sie machen, wenn sie laengere zeit im ausland 'leben' -nicht als tourist!-).

    'sie hatte schon mehr als ein jahr zeit sich ueber langfristige energiepolitik gedanken zu machen' - a. auch wenn sie dieses in 'anfuehrungszeichen' setzen, druecken sie b. japan gegenueber einen vorwurf aus, der ihnen nicht zusteht... (auch 'meine meinung'!).

    und warum meine kritik 'unsachlich' sein soll erschlisst sich mir beim besten willen nicht - aber gut 'jedem tierchen sein plaesierchen' hat meine oma immer gesagt...

    cheers

    • Crest
    • 05. Juli 2012 19:50 Uhr

    Schnellschüsse wie in Deutschland?

    Sie schreiben qualitativ: "Seit der Nuklearkatastrophe ist das Land auf teure Öl- und Gasimporte angewiesen,...".

    Recherchieen Sie einmal, was es quantitativ wirklich kostet. Dass die zusätzlichen Kosten bis Ende dieses Jahres nämlich in der Größenordnung der Gesamtkosten des volkswirtschaftlichen Schadens durch das Fukushima-Unglück liegen.

    Erwarten Sie in einer solchen Situation tatsächlich, dass ein Land auf seine volkswirtschaftlichen Ressourcen namnes Kernkraft mutwillig verzichtet?

    Wenn sie schreiben "hat Japan nach Fukushima gezeigt, dass es auch ohne diese unberechenbare Energiequelle geht..." dann hat das dieselbe Qulität wie die Bemerkung eines Chefs:

    "Schauen Sie, wir haben den krankheitsbedingten Ausfall einer ganzen Teihe von Mitarbeitern durch strikte Reorganisation, Einschrankung und heldenhafte Mehrarbeit bisher meisterhaft schultern können. Wollen wir nicht so fortfahren? Sie und wir haben doch alle gezeigt, dass es geht."

    "Mutige Konzepte" werden die Mitarbeiter sagen.

    ("A.-Loch" werden sie im geheimen denken. :-))

    Herzlichst Crest

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    Redaktion

    Hallo Crest,

    ich hatte mich schon gefragt, wann Sie sich zu Wort melden. Ihr Vergleich hinkt etwas, denn ich habe nie behauptet, dass Japan kurz- oder mittelfristig auf jegliche Atomkraft verzichten sollte. Das wäre wirtschaftlich nicht möglich.

    Dennoch bietet sich die einmalige Chance, nun grundlegend die eigene Energiepolitik zu überdenken. Das wird ja in Ansätzen auch schon gemacht. Und es ist nicht so als seien viele Japaner nicht bereit sich stark einzuschränken.

    Warum nicht versuchen die Erneuerbaren auszubauen? Investitionen und auch Subventionen in neue Technologien sind für Japan nichts Neues. Nur herrscht seit der Atomenergieeinführung in Japan Stillstand auf dem Gebiet der Energieversorgung.

    Nun wollen viele Japaner die Atomkraft nicht mehr.

    • joG
    • 05. Juli 2012 20:46 Uhr

    ....denn durch die Folgen lernen die Bürger gerade, dass sie schamlos belogen worden sind und es etwas kostet eine Billion Strom wegzuwerfen.

  5. Redaktion

    Hallo Crest,

    ich hatte mich schon gefragt, wann Sie sich zu Wort melden. Ihr Vergleich hinkt etwas, denn ich habe nie behauptet, dass Japan kurz- oder mittelfristig auf jegliche Atomkraft verzichten sollte. Das wäre wirtschaftlich nicht möglich.

    Dennoch bietet sich die einmalige Chance, nun grundlegend die eigene Energiepolitik zu überdenken. Das wird ja in Ansätzen auch schon gemacht. Und es ist nicht so als seien viele Japaner nicht bereit sich stark einzuschränken.

    Warum nicht versuchen die Erneuerbaren auszubauen? Investitionen und auch Subventionen in neue Technologien sind für Japan nichts Neues. Nur herrscht seit der Atomenergieeinführung in Japan Stillstand auf dem Gebiet der Energieversorgung.

    Nun wollen viele Japaner die Atomkraft nicht mehr.

    7 Leserempfehlungen
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    • Crest
    • 05. Juli 2012 20:42 Uhr

    "...denn ich habe nie behauptet, dass Japan kurz- oder mittelfristig auf jegliche Atomkraft verzichten sollte. Das wäre wirtschaftlich nicht möglich."

    Sind sie sicher, dass der geneigte Leser dies aus Ihrem Artikel so herausliest? :-)

    "Nun wollen viele Japaner die Atomkraft nicht mehr." Und es können noch mehr werden und Japan könnte ganz aussteigen - über lang.

    Ich persönlich fände das bedauerlich, aber eines meiner allabendlichen Mantras besteht darin, mir zu sagen: "Auf dich kommt es nicht an, deine Verantwortung für die Menschheit liegt bei ca. 1:7.000.000.000."

    Aber ich engagiere mich doch trotzdem, werden Sie sagen?

    Ich denke da häufig an einen Historiker, der mir bei einer Wanderung in den nordtiroler Alpen seine professionelle Rolle wie folgt beschrieb: "Ich putze den Spiegel" sagte er. Wie man den Spiegel benutzt, das habe er nicht zu bestimmen.

    (Ähnlich könnte ein Wissenschaftler seine Rolle wie ein Bergführer sehen. Das Ziel bestimmt der Kunde. Der Bergführer sagt, auf welchem Weg und mit welchen Risiken es geht.

    Und Journalisten? ... ;-))

    Zurück zum Thema: Was sagt uns der "Spiegel" (der geputzte, nicht das "Sturmgeschütz" ;-) ) denn hier:

    Radioaktivität ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung in der Natur. Ein Gau ändert daran nur wenig. Landstriche gehen verloren. Auch das ist nichts ungeöhnliches.

    Ihr wollt Kernkraft dennoch nicht? Gut.

    Wir halten euch die Tür dennoch offen.

    Herzlichst Crest

    wollten bereits vor Fukushima keine Atomenergie. Aber daß die medienwirksame Demonstration nicht unbedingt die Meinung der Mehrheit ist, weiß man nach der Volksabstimmung nach S21 in Deutschland.
    Ich habe nach Fukushima zwei komunale Wahlen von Ehime und Aomori beobachtet. Dort sind bedauerlicherweise die Parteien für den Beibehalt der AKWs gewonnen. Der Ausstieg aus Atomkraft muß nicht von vielen sondern von meisten Japaner gewünscht sein. Das Bild in Tokyo spiegelt sich nicht unbedingt das ganze Japan wider.

    • Karl63
    • 06. Juli 2012 9:36 Uhr

    Was ich an Ihrem Artikel vermisst habe ist ein Hinweis darauf, Japan besteht aus mehreren Inseln, die vom Vulkanismus geprägt sind. Damit sollte es sehr viel leichter sein, in Gesteinsschichten zu bohren, die heiß genug sind um Geothermische Energie zu nutzen.
    Ich kann Ihnen allerdings nur zustimmen: ohne ein entsprechendes Konzept der Politik sind derartige Überlegungen eher wirkungslos.

  6. Zitat: 'wie kann das land weiter auf die kernkraft setzen' - genau diese entscheidende frage haben nur die japaner fuer sich selber zu beantworten und eine 'einmischung' aus dem ausland (nur aus deutschland!) verbietet sich von selber! warum achten wir nicht die souveraenitaet japans...?

    Was für ein Unsinn. Beim Supergau ist der ganze Erdball betroffen, wie kann das eine innere Angelegenheit der Japaner sein. Ich bin froh, dass sich einige Leute einmischen.

    6 Leserempfehlungen
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    ... energieversorgung unterliegt wohl nicht nationaler souveraenitaet? nun ja... - dann koennen wir ja in europa den linksverkehr einfuehren, oder? (polemic off).

    cheers

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Japan | Atomenergie | Atomkraft | Energiepolitik | Energieversorgung | Kernenergie
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