FukushimaArbeiter haben Strahlenmessgeräte manipuliert

Arbeiter, die das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima zurückbauen, haben ihre Strahlenmessgeräte mit Blei isoliert. So konnten sie länger in der Anlage sein. von afp

Arbeiter im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima (Archiv)

Arbeiter im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima (Archiv)  |  © Tomohiro Ohsumi/AFP/GettyImages

Bei den Aufräumarbeiten im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima haben offenbar mehrere Arbeiter ihre Strahlenmessgeräte manipuliert, um länger in der Anlage bleiben zu können. Ein leitender Angestellter der Baufirma Build-Up habe bereits im Dezember neun Arbeiter aufgefordert, die Geräte in Bereichen mit hoher Strahlung mit einer Schutzhülle aus Blei abzudecken, berichtet unter anderem die japanische Zeitung Asahi Shimbun .

Die Arbeiter sollten eine niedrigere Strahlenbelastung vortäuschen , um ihre Arbeit in der Atomruine fortsetzen zu können. Laut der Zeitungsberichte hatte der Bauleiter sein eigenes Strahlenmessgerät abgedeckt und seinen Mitarbeitern dazu geraten, das Gleiche zu tun.

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Begründet wurde die Manipulation gegenüber den Angestellten damit, dass sie sonst zu schnell den zulässigen Grenzwert von 50 Millisievert pro Jahr erreichen und so ihren Job verlieren würden – und jegliche Chance auf eine Anstellung in einem anderen Atomkraftwerk. Der Zeitung liegt nach eigenen Angaben eine Tonbandaufzeichnung des Gesprächs vor. Demnach weigerten sich einige Arbeiter, die Abdeckung zu benutzen und kündigten.

Direkte Strahlenschäden

Die Strahlenschutzexperten unterscheiden zwischen deterministischen und stochastischen Strahlenschäden. Mit dem ersten sind Symptome gemeint, die unmittelbar nach einer Strahlenexposition auftreten, wie Übelkeit und verbrennungsartige Hautrötungen. Solche Schäden treten fast immer nur dann auf, wenn ein bestimmter Schwellenwert überschritten wurde, wenn zu viele Zellen eines Gewebes beschädigt worden sind. Experten sprechen von einer Schwellendosis, die im schlimmsten Fall zum Tode führen kann.

Indirekte

Durch die Nahrung kann eine solch lebensgefährliche Schwelle kaum überschritten werden. Essen wir radioaktiv belastetes Gemüse, wird das eher später nach Jahren oder Jahrzehnten negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben – wenn überhaupt.

Diese Strahlenschäden lassen sich nur in Wahrscheinlichkeiten ausdrücken: Wie wahrscheinlich ist es nach einer Strahlenexposition X im Zeitraum Y an der Krankheit Z zu erkranken? Zu den möglichen Symptomen zählen etwa Unfruchtbarkeit, Trübungen der Augenlinsen oder Krebs, die auch erst Jahre nach einer erhöhten Belastung auftreten können. Auch Schäden an Neugeborgenen fallen darunter.

Wie schädlich eine Strahlung ist, lässt sich also nicht genau festlegen: Person A hat im März 2011 die Strahlendosis B abbekommen und wird im Jahr C an Krebs erkranken – solche Aussagen sind unmöglich! Es gibt keine Regel anhand der sich sagen lässt, ab welcher Dosis eine Person erkrankt und ob das überhaupt jemals der Fall sein wird.

Erbgut
Grafik Radioaktivität
Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen.

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen.  |  © Julika Altmann

Die Strahlen, die von radioaktiven Stoffen ausgehen, können direkt bestimmte Zellbestandteile verändern oder indirekt freie Radikale aus dem Wasser in der Zelle bilden, die dann das Gewebe beschädigen können. Am empfindlichsten ist das Erbgut (DNA). Die Strahlung kann etwa die DNA-Kette brechen oder den Code verändern. Nicht nur Radioaktivität, sondern auch Hitze, mechanische Kräfte oder chemische Stoffe können solche Mutationen auslösen. Das körpereigene Reparatursystem des Menschen ist gut darauf trainiert: es behebt jeden Tag zig Billionen Erbgutschädigungen.

Gelingt eine Reparatur nicht, kann der Körper immer noch die Möglichkeit ergreifen, die betroffene Zelle abzutöten. Gelingt das nicht, kann das bei den folgenden Zellteilungen schwerwiegende Folgen haben, da sich die Mutation auf die Nachkommen dieser Zelle übertragen. Krebs ist eine mögliche Spätfolge davon.

Für die Mediziner ist es im Nachhinein aber kaum möglich, zu rekonstruieren, ob der Auslöser für eine Tumorerkrankung eine erhöhte Strahlenbelastung oder ein sonstiger Faktor gewesen ist.

Medizin

Radioaktivität wird nur selten mit Gesundheit in Verbindung gebracht. Und doch nutzt die Medizin sie vielfach. Die Strahlung von Radionukliden wird etwa eingesetzt, um das Wachstum von Tumoren zu hemmen oder um die Durchblutung von Gewebe sichtbar zu machen.

In der Geschichte finden sich auch einige Negativbeispiele zur medizinischen Anwendung von radioaktiven Stoffen, die es so heute sicher nicht mehr geben würde: So sollten etwa Hüftgürtel mit Radium gegen Rheuma helfen, eine Zahnpasta mit dem Element sollte für gesundes Zahnfleisch sorgen, radioaktive Einlegesohlen sollten die Füße pflegen und ein radiumhaltiges Haarwasser gegen Haarausfall vorbeugen.

Der Firmenchef von Build-Up bestätigte die Vorwürfe. Am 1. Dezember letzten Jahres hätten neun Mitarbeiten für etwa drei Stunden mit Strahlenmessgeräten gearbeitet, die mit Bleiplatten abgeschirmt wurden. Der betreffende Bauleiter hatte zunächst zurückgewiesen, entsprechende Anweisungen gegeben zu haben. Später gab er dies jedoch in einem Telefonat mit seinem Vorgesetzten zu.

Die Baufirma war nach dem Atomunglück im März 2011 von der Betreibergesellschaft Tepco beauftragt worden, Rohre in einer Wasseraufbereitungsanlage zu isolieren.

Das japanische Gesundheitsministerium will den Vorwürfen nachgehen, war jedoch zu einer Stellungnahme zunächst nicht bereit.

Lage in Fukushima-1
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4
Abschaltung nach Beben, Explosion am 12.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 15.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 14. und 16.03.2011 Abgeschaltet vor Beben, Brände und Explosion am 15.03.2011
Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Abgeschaltet und auch vor dem Beben nicht in Betrieb
Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter und Reaktordruckbehälter beschädigt, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude leicht beschädigt, Außenhülle löchrig, Leck im Sicherheitsbehälter vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter beschädigt, Leck vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Wasserstoff aus Block 3 sprengte das Dach, keine Brennelemente im Kern
Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde
Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 400 Brennelemente, Zustand der 292 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen, Zustand der 587 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen beschädigt, Schäden an den 514 Brennelemente im Abklingbecken vermutet (Wasser wird eingespeist) keine Brennelemente im Reaktorkern, die meisten der 1331 Brennelementen im Abklingbecken sind vermutlich nicht beschädigt (Wasser wird eingespeist)
Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes. Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser
Kunststoffzelt über dem Reaktorblock zur Abschirmung austretender Strahlung fertiggestellt kein Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung geplant Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4

Quellen (u.a.): GRS, JAIF, Stand: März 2012
Blöcke 5 und 6
BLOCK 5 BLOCK 6
Abgeschaltet vor Beben Abgeschaltet vor Beben
Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt
548 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 946 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt 764 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 876 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt
Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden
Keine Informationen über austretende Radioaktivität Keine Informationen über austretende Radioaktivität
 
AKW-Übersicht

© ZEIT ONLINE

Die sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi liegen direkt an der Küste im Osten Japans. Ihr Zustand kann auf noch unabsehbare Zeit kritisch bleiben. Die japanische Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage der Anlage mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Evakuierungszone

© ZEIT ONLINE

Ende September wurde die Sperrzone auf Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern reduziert. Einige Städte außerhalb dieses Bereichs, wie etwa Iitate, die sehr stark durch radioaktiven Fallout belastet worden sind, bleiben jedoch vorerst gesperrt. 

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Leserkommentare
  1. Mich packt gerade die nackte Wut angesichts dieser Übertschrift:

    "ARBEiTER haben Strahlenmessgeräte manipuliert"

    Nein, die Arbeiter haben das wohl kaum freiwillig getan. Das MANAGEMENT und die REGIERUNG haben die Arbeiter gezwungen die Geräte manipuliert, um ihre kriminellen und mafiösen Machenschaften zu verschleiern.

    Angesichts solcher Schlagzeilen, mag ich die "Zeit" nicht mehr lesen.

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    Nein, die Arbeiter haben es tatsächlich freiwillig getan - oder eben gekündigt.

    Der Grund steht auch im Artikel: wenn sie die Strahlenhöchstdosis erreicht haben, dürfen sie nicht mehr arbeiten und verlieren ihre Jobs - sie dürfen nicht mal mehr bei der Konkurrenz darin arbeiten.

    Als Familienvater, der seine Kinder ernähren muss, würde auch ich freiwillig mein Messgerät abdecken. Lieber sterbe ich selbst früher als dass meine Familie in die Armut abrutscht.

    Der zynische Punkt an dieser Problematik ist doch der, dass dieser Unfall nicht passieren hätte dürfen, aber halt trotzdem passiert ist. Nun müssen eben Menschen aufräumen, es geht nicht mehr anders.

    Die Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht, der jetzigen Bauleitung ist bzgl. dieses Verhaltens meiner Meinung nach kein Vorwurf zu machen. Sie sind einfach nur ehrlich zu ihren Angestellten.

    Und wie im Artikel beschrieben hatten etliche gekündigt und andere eben nicht. Mehr Freiwilligkeit von Seiten der Firma geht nicht. Der Zwang, die Abdeckung zu benutzen, stammt nicht von der Firma sondern von den privaten Zwängen, in denen sich die Arbeiter befinden.

    • xpeten
    • 21. Juli 2012 16:44 Uhr

    In einem Land, wo den Menschen Ungefährlichkeit und Alternativlosigkeit der Atomstromenergie wie eine Religion verordnet wird, an die man als anständiger Mensch gefälligst zu glauben hat,

    ist selbst dies denkbar.

    Was ist schon der Verlust von Gesundheit und Leben, wenn es dem geliebten Vaterland dient.

    Genau wie der Henker tötet und nicht der Richter, der das Todesurteil spricht. Eine billige Ausrede die Verantwortung für seine Taten auf andere abzuschieben.

    • PolyXB
    • 21. Juli 2012 17:36 Uhr

    Können Sie mir eine Quelle nennen, aus der hervorgeht, dass die japanische Regierung die Arbeiter gezwungen hat? Aus dem Artikel geht das nicht hervor.

    "Arbeiter mussten Strahlenmessgeräte manipulieren" wäre IMO tatsächlich ein zutreffenderer Titel gewesen. Danach hätte man schreiben können, dass sie vor der Wahl standen, ihre Gesundheit zu opfern oder zu kündigen - und was das in einem Land wie Japan bedeutet.

    "Arbeiter haben Strahlenmessgeräte manipuliert" kling in der Tat so, als ob Arbeiter von sich aus und quasi konspirativ vorgegangen seien, um die Öffentlichkeit irgendwie in die Irre zu führen. Natürlic steht das nicht da, wenn man den nur überfliegt, kan dieser Eindruck beim "Leser" zurück bleiben.

    Leider muss ich berichten, dass auch in Deutschland die *Leiharbeiter* ihre Filmdosimeter (Personenbezogene Plakette mit verschiedenen Filterfeldern, die monatl. ausgewertet werden), bei ihrer Tätigkeit in einem Kontrollbereich, gerne vor der Strahlung schützen, um ihre erlaubte Jahresdosis nicht zu überschreiten.
    Leiharbeiter in Deutschland werden bei Arbeiten in Kernkraftwerken mit einem weit höheren Verrechnungssatz ausgeliehen, als wenn sie in konventionellen Kraftwerken arbeiten, d.h. sie verdienen sehr viel mehr.
    Würden sie ihre Jahresdosisleistung erreichen, können sie nicht mehr in KKW eingesetzt werden und müssen ihre Überstunden abbummeln, wenn kein anderer Arbeitseinsatz für sie ansteht.
    Besonders, wenn sie wissen, sie werden in einem 'dreckigen' Kernkraftwerk eingesetzt (z.B. Biblis)...
    ...zum Glück, ist die mögliche Strahlung in deutschen KKW nicht mit der im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima zu vergleichen, aber...?!!

    soviel zum Kapitalismus...

  2. Nein, die Arbeiter haben es tatsächlich freiwillig getan - oder eben gekündigt.

    Der Grund steht auch im Artikel: wenn sie die Strahlenhöchstdosis erreicht haben, dürfen sie nicht mehr arbeiten und verlieren ihre Jobs - sie dürfen nicht mal mehr bei der Konkurrenz darin arbeiten.

    Als Familienvater, der seine Kinder ernähren muss, würde auch ich freiwillig mein Messgerät abdecken. Lieber sterbe ich selbst früher als dass meine Familie in die Armut abrutscht.

    Der zynische Punkt an dieser Problematik ist doch der, dass dieser Unfall nicht passieren hätte dürfen, aber halt trotzdem passiert ist. Nun müssen eben Menschen aufräumen, es geht nicht mehr anders.

    Die Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht, der jetzigen Bauleitung ist bzgl. dieses Verhaltens meiner Meinung nach kein Vorwurf zu machen. Sie sind einfach nur ehrlich zu ihren Angestellten.

    Und wie im Artikel beschrieben hatten etliche gekündigt und andere eben nicht. Mehr Freiwilligkeit von Seiten der Firma geht nicht. Der Zwang, die Abdeckung zu benutzen, stammt nicht von der Firma sondern von den privaten Zwängen, in denen sich die Arbeiter befinden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Als Familienvater, der seine Kinder ernähren muss, würde auch ich freiwillig mein Messgerät abdecken. Lieber sterbe ich selbst früher als dass meine Familie in die Armut abrutscht."

    Solange Ihre Denkweise gesellschaftlich weitgehend akzepetiert bleibt, wird es immer Leute wie die Betreiber von Tepco geben, die kaltlächelnd tausende Opfer in Kauf nehmen um für sich selbst Milliardengewinne einzustreichen.

    Wenn ich schon mein Leben opfern muss, dann beim Versuch mir das Geld von denen zurückzuholen, die es sich ergaunert haben.

    als Kapitalistenknecht. Aber dass man das auch noch richtig so findet – da bleibt mir doch die Spucke weg...

    • ad hoc
    • 21. Juli 2012 17:09 Uhr

    Zitat M.Wellington:"Als Familienvater, der seine Kinder ernähren muss, würde auch ich freiwillig mein Messgerät abdecken. Lieber sterbe ich selbst früher als dass meine Familie in die Armut abrutscht."

    Ach ja, ein toter Familienvater oder ein arbeitsloser Familienvater - wer hat wohl bessere Chancen seine Familie vor Armut zu bewahren ?
    Denken Sie noch einmal ganz scharf nach.
    Kleiner Tip - ein Zustand lässt sich ändern , der andere eher nicht ...

    sie haben ein seltsames verständniss von freiwilligkeit, großkapitalisten freuen sich freilich über solch eine arbeitsmoral in denen dem arbeiter das geld wichtiger ist als seine gesundheit. denn die märtyrerrolle zugunsten ihrer familie ist lächerlich, was sollen ihre kinder mit geld und ohne vater?

    und meinen sie tatsächlich eine bedrohung hinter einer tat wäre ungültig, die tat immer noch freiwillig? eine geisel die den fluchwagen fährt sollte bestraft werden?

    • Hickey
    • 22. Juli 2012 7:52 Uhr

    kann immer wieder passieren.

    Die Natur hat noch genug im Arsenal um noch mehr Meiler dieser Sorte zu zerstören, das leidige Gerede darum, warum es passiert ist nervt jedoch.

    Der Mensch ist eben nicht in der Lage alles zu kontrollieren und das ist auch gut so.

    • xpeten
    • 21. Juli 2012 16:44 Uhr

    In einem Land, wo den Menschen Ungefährlichkeit und Alternativlosigkeit der Atomstromenergie wie eine Religion verordnet wird, an die man als anständiger Mensch gefälligst zu glauben hat,

    ist selbst dies denkbar.

    Was ist schon der Verlust von Gesundheit und Leben, wenn es dem geliebten Vaterland dient.

    • SuR_LK
    • 21. Juli 2012 16:47 Uhr

    über die Angelegenheit wird in der hiesigen Presse berichtet als ob die Arbeiter dies wissentlich und vorsätzlich gemacht hätten, es wurde Ihnen allerdings angetragen.
    http://enenews.com/just-i...
    So kann man alles weiter verharmlosen.

  3. "Als Familienvater, der seine Kinder ernähren muss, würde auch ich freiwillig mein Messgerät abdecken. Lieber sterbe ich selbst früher als dass meine Familie in die Armut abrutscht."

    Solange Ihre Denkweise gesellschaftlich weitgehend akzepetiert bleibt, wird es immer Leute wie die Betreiber von Tepco geben, die kaltlächelnd tausende Opfer in Kauf nehmen um für sich selbst Milliardengewinne einzustreichen.

    Wenn ich schon mein Leben opfern muss, dann beim Versuch mir das Geld von denen zurückzuholen, die es sich ergaunert haben.

    Antwort auf "nicht manipulativ"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Solange Ihre Denkweise gesellschaftlich weitgehend akzepetiert bleibt"

    Ich hoffe doch sehr dass die Sichtweise akzeptiert bleibt, dass ich meine Kinder so sehr mag dass ich lieber mich der Gefahr aussetze als sie.

    "wird es immer Leute wie die Betreiber von Tepco geben, die kaltlächelnd tausende Opfer in Kauf nehmen um für sich selbst Milliardengewinne einzustreichen."

    Kalt lächelnd? Die Betreiber verdienen Milliarden? Die "Betreiber" (meinen Sie damit die Eigentümer oder die Manager?) von Tepco müssen den Dreck wegräumen und stehen dabei selbst unter Druck (die Manager). Die Pleite ist bereits passiert (für die Eigentümer). Sind Sie sich sicher, dass Sie nicht die falschen angreifen?

    "Wenn ich schon mein Leben opfern muss, dann beim Versuch mir das Geld von denen zurückzuholen, die es sich ergaunert haben."

    Das ist Ihre Sicht. Mir persönlich ist Geld nicht so wichtig. Mir ist meine Familie wichtiger.

  4. Die Gesinnung höflicher Japaner und auch Deutscher, ist mitunter, dem Befehl von oben Folge zu leisten.

    Mitunter sagt man auch bei uns , die da oben werden es schon wissen. Würde man dem Arbeiter vorher erst mal berichten, dass auf diese Weise sie einer höheren Belastung ausgesetzt wären.... aber man erzählt ihnen sicher beschwichtigendes.

    Erschrewckender ist: Es wird mal wieder nichts geschehen, sie kommen immer davon. Nicht die, die es gemacht haben, sondern die Geistesenergie, die dazu nötig ist, diese Profitgier, und das bei einem WELTEREIGNIS. Ich finde, DAS ist schrecklich. Und das meinte ich, nächstes Mal wird es wieder geschehen, weil von aussen nur zugeguckt wird, (Ironie ein) anstatt ein globales Krisenstäbchen einzurichten statt diesem gigantischen Krisenstab, der da das Sagen hatte (Ironie aus)

  5. Japan kann halt nicht wie die ehemalige SU hunderttausende Liquidatoren mobilisieren, die verstrahlte Trümmer einsammeln und die Blöcke zubetonieren.

    Und während Tschernobyl hinsichlich der Geologie als einigermaßen sicher gelten kann, so trifft das für die Nuklearruine im Dauererdbebengebiet Japan halt nicht zu.

    Es gibt nur eine begrenzte Anzahl ausgebildeter Fachkräfte, die sich um die Sicherung der Reaktorblöcke kümmern können. Und wenn der Grenzwert für individuell aufgenommene Strahlung erreicht ist, dann heißt es zwangläufig "tschüss".

    Das ist für den Einzelnen nicht besonders erquicklich, weil es bedeutet, nicht mehr den erlernten Beruf ausüben zu können. Das ist aber auch für die japanische Gesellschaft katastrophal, weil irgendwann die qulifizierten Arbeitskräfte ihre Dosen voll haben. Wer soll denn dann Fukushima sichern und rückbauen?

    Manipulierte Dosimeter sind erst der Anfang. Da werden für das Wohl der Gesellschaft noch ganz andere "Schweinereien" abgezogen werden müssen, um die Gefahr in den Griff zu bekommen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Wer soll denn dann Fukushima sichern und rückbauen?"

    Ähem: Zum Beispiel die Politiker und die Manager die Fukushima geplant und gebaut haben, würde ich ohne Strahlenanzüge und Dosimeter in die Ruinen jagen und ich würde sie erst wieder raus lassen, wenn sie Fukushima in eine saubere strahlungsarme Kindertagesstätte umgebaut hätten.

  6. als Kapitalistenknecht. Aber dass man das auch noch richtig so findet – da bleibt mir doch die Spucke weg...

    Antwort auf "nicht manipulativ"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Gesundheitsministerium | Atomkraftwerk | Zeitung | Fukushima | Gespräch
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