WetterprognoseGewitterwahrscheinlichkeit 80 Prozent

Der Deutsche Wetterdienst kann erstmals angeben, wie hoch das Gewitterrisiko in den kommenden Stunden ist. Nützlich, doch der Himmel behält etwas Unberechenbares. von 

Gewitter lassen sich mit Computersimulationen bisher kaum vorhersagen. Hier ist der Meteorologe gefragt

Gewitter lassen sich mit Computersimulationen bisher kaum vorhersagen. Allerdings ist es möglich das Risiko für Blitz und Donner anzugeben.  |  © Thomas K./photocase.com

Gerade noch war es das Fett der Grillwürstchen, das die glühenden Kohlen zischen ließ. Nun verdampfen die ersten Regentropfen unterm Rost. Dieser Tage verwässert nicht selten ein Wärmegewitter den Grillabend. Der Mensch ist dem Wetter eben ausgeliefert, denn am Himmel herrscht das physikalische Durcheinander.

"Die Atmosphäre ist ein chaotisches System", sagt Christoph Gebhardt vom Deutschen Wetterdienst (DWD) . Doch es gibt Möglichkeiten, das Unberechenbare zumindest etwas zu ordnen. "Wir können Unwettervorhersagen zwar nicht präziser machen", sagt Gebhardt, das sei im Zweifel auch nicht nötig. "Bislang hat bei einer Gewittervorhersage nur keiner sagen können, wie wahrscheinlich es ist, dass es am Ende tatsächlich blitzt und donnert." Das ist künftig möglich.

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Ohne großes Aufsehen hat der DWD Ende Mai ein neues Vorhersagesystem gestartet. Alle drei Stunden beginnt der Supercomputer NEC SX-9 der Offenbacher Meteorologen erneut zu rechnen, welche Wetterszenarien in Deutschland denkbar sind. Dabei vergleicht die Maschine 20 leicht veränderte Simulationen, wie sich die Atmosphäre in den kommenden 21 Stunden verändern könnte. Gefüttert wird NEC SX-9 anfangs mit unzähligen Daten über die Luftfeuchte bis hin zu Temperaturen, Druck- und Windverhältnissen. Deutschlandweit sammeln Messinstrumente am Boden, Ballons am Himmel und Radarsonden diese Informationen.

Zielgenau werden Gewitter nie vorhersagbar sein

Zwar zeigt sich am Ende jeder Rechnung, dass ein Modell die Wirklichkeit niemals fehlerfrei abdecken kann. "Wir können aber nun die Information liefern, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Gewitter entsteht – und damit, ob eine Grillparty oder zum Beispiel ein Konzert unter freiem Himmel stattfinden kann", sagt Sarah Jones, die als Vorstandsmitglied für Forschung und Entwicklung beim Deutschen Wetterdienst verantwortlich ist. "Wir sind der erste Wetterdienst, der ein solches System eingeführt hat. Europaweit ist das einzigartig."

Noch profitieren Laien nur indirekt von der neuen Güte der Prognosen. Zwar liefert der DWD die Daten bereits an Wetterredaktionen von Online-Nachrichtenseiten, Fernseh- und Radiosendern. Doch einen Satz wie: "Heute Abend beträgt die Gewitterwahrscheinlichkeit 30 Prozent", hört und liest man bislang kaum. Das soll sich ändern: "Die Zukunft werden solche Wahrscheinlichkeitenvorhersagen sein", sagt Jones. Noch werde geprüft, wie die komplexen Rechnungen des neuen Vorhersagesystems am besten vermittelt werden können. Denn nicht jeder kann mit Wahrscheinlichkeiten umgehen.

Der Meteorologe und Klimaforscher Mojib Latif sieht das neue Vorhersagesystem als einen vernünftigen Schritt vorwärts: "Das ist schon ein sehr hochauflösendes Modell." Zielgenau werde man aber dennoch ein Gewitter kaum vorhersagen können. "Gewitterzellen sind viel zu kleinräumig", sagt Latif, der am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel arbeitet . Das Rumoren am Himmel mitsamt den elektrischen Entladungen entwickelt sich meist über eine Fläche von einigen Quadratkilometern oder weniger. Für Meteorologen sind diese Gebiete winzig. Derzeit rechnet der Supercomputer des DWD seine Prognosen mit einer Auflösung von 2,8 Kilometern. "Es ist wichtiger, eine Gewitterwahrscheinlichkeit für ganz Hamburg anzugeben, als zu beschreiben, ob es nun das Zentrum oder den Süden der Stadt trifft", sagt Jones.

Leserkommentare
    • Nibbla
    • 12. Juli 2012 15:22 Uhr

    auch ein Würfel behält etwas Unberechenbares.

    Lieber hab ich einen Prozentwert und kann einschätzen. Als ein fester Wert das es Regnen soll und es tuts nicht.

    Am liebsten schau ich einfach auf nen Regenradar, da kann man die nächsten 2-3 Stunden lokal schön abschätzen.

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    • neptox
    • 12. Juli 2012 20:07 Uhr

    sondern exakt der Bewegung des Werfers. "Die Atmosphäre ist ein chaotisches System" behauptet ein Forscher der erkannt hat, dass die Bewegungsabläufe am Himmel zu komplex für ihn sind. Er will sich nicht eingestehen, dass er nach so vielen Jahren Wetterforschung immer noch nicht sicher beurteilen kann ob morgen die Sonne scheint oder nicht. Also ist halt das Universum schuld. Er ist nicht zu dumm - es ist zu chaotisch. Die Wahrheit ist, das Wetter lässt sich nicht in ein einfaches Modell packen. Es verwehrt uns das Gefühl der Kontrolle über die Natur. Die Natur ist nicht chaotisch, wir sind nur ein Teil davon und können sie deshalb nicht von Außen betrachten - wesewegen wir sie wahrscheinlich nie ganz verstehen werden. Denn dazu müssten wir auch uns selbst verstehen, also auch unser Verständnis...

  1. Passend zur aktuellen Wetterlage ein Artikel, der die moderne Wettervorhersage dem Laien etwas näher bringt.

    Was mich interessieren würde: Ist unabsichtlich aus der Radiosonde (die am Ballon die Atmospähre vertikal sondiert) eine Radarsonde geworden oder handelt es sich dabei um ein eigenes Messinstrument?

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    Redaktion

    Liebe(r) Putzerfisch,

    Radiosonden messen tatsächlich an Wetterballonen etwa Luftetemperatur oder Höhenwinde.

    Radargeräte hingegen liefern z.B. Hinweise auf die phsysikalische Struktur von Niederschlägen.

    Grüße aus der Redaktion

  2. Redaktion

    Liebe(r) Putzerfisch,

    Radiosonden messen tatsächlich an Wetterballonen etwa Luftetemperatur oder Höhenwinde.

    Radargeräte hingegen liefern z.B. Hinweise auf die phsysikalische Struktur von Niederschlägen.

    Grüße aus der Redaktion

    Antwort auf "Schöner Artikel"
    • neptox
    • 12. Juli 2012 20:07 Uhr

    sondern exakt der Bewegung des Werfers. "Die Atmosphäre ist ein chaotisches System" behauptet ein Forscher der erkannt hat, dass die Bewegungsabläufe am Himmel zu komplex für ihn sind. Er will sich nicht eingestehen, dass er nach so vielen Jahren Wetterforschung immer noch nicht sicher beurteilen kann ob morgen die Sonne scheint oder nicht. Also ist halt das Universum schuld. Er ist nicht zu dumm - es ist zu chaotisch. Die Wahrheit ist, das Wetter lässt sich nicht in ein einfaches Modell packen. Es verwehrt uns das Gefühl der Kontrolle über die Natur. Die Natur ist nicht chaotisch, wir sind nur ein Teil davon und können sie deshalb nicht von Außen betrachten - wesewegen wir sie wahrscheinlich nie ganz verstehen werden. Denn dazu müssten wir auch uns selbst verstehen, also auch unser Verständnis...

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    • Punkt.
    • 13. Juli 2012 10:09 Uhr

    Sie irren sich, und zwar in der Definition von Chaos: Es gilt nicht der Gegensatz "entweder deterministisches System oder Chaos". Chaos steht nicht umgangssprachlich für vages Unverständnis eines Systems, das Vorliegen von Chaos ist für dynamische Systeme (wie eben das Wetter) exakt definiert - deterministische Systeme können chaotisch sein.

    Die mathematische Definition (findet sich über den Suchanbieter oder die Wissenseite ihres Vertrauens) ist zugegeben etwas schwer zu verdauen, daher kurz ein Teil davon, der "Schmetterlingseffekt". Man hört ja mal: Wenn ein Schmetterling in Australien mit den Flügeln schlägt, löst das in den USA einen Tornado aus. Dahinter steckt: Man stellt sich zwei exakt gleiche Welten vor, die sich nur darin unterscheiden, dass in einer ein Schmetterling ist und in der anderen nicht. Und dann entsteht in der Welt mit Schmetterling ein Tornado und in der anderen Welt scheint in den USA die Sonne.

    Vereinfacht: Chaos = Unvorhersagbarkeit bei ungenauem Wissen.

    Natürlich ist das Wetter deterministisch, aber kleine Messfehler können ganz verschiedene Ergebnisse produzieren (wie gesagt, nur ein Teil der Definition von Chaos). So werden die Vorhersagen ja auch erstellt: Man nehme die Messwerte und erstelle daraus 20 minimal geänderte Anfangsbedingungen. Mit denen simuliert man das (deterministische) System und schaut, in wie vielen davon es Gewitter gibt - und hat damit eine "Wahrscheinlichkeit" produziert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Supercomputer | Unwetter | Hamburg | Kiel
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