Treibhauseffekt : Klimarechnung spricht für Tofu statt Rindersteak

Erstmals hat ein Forscher auch die Flächen, die für Tierhaltung gerodet werden, in die Klimabilanz von Fleisch eingerechnet – mit erschreckendem Ergebnis.

Im Utopia von Kurt Schmidinger lebt man vegan. Fleisch, Milch und Eier sind tabu, stattdessen stehen Tofu , Tempeh und Seitan auf dem Speiseplan. Der österreichische Geophysiker und Lebensmittelwissenschaftler hat seine Zukunftsvision jüngst mit einer Studie untermauert , die in The International Journal of Life Cycle Assessment erschienen ist.

Darin erweitert er das Standard-Modell zur Berechnung von Ökobilanzen, das sogenannte Life Cycle Assessment (LCA). Um zu bestimmen, wie viel klimaschädliches Gas bei der Herstellung eines Produktes entsteht, werden alle direkten und indirekten Emissionen addiert, von der Rohstoffgewinnung bis zum Endverbraucher.

Bei Rindfleisch aus der konventionellen Landwirtschaft zum Beispiel beginnt die Rechnung mit der Herstellung von mineralischem Dünger. Beim Verstreuen auf die Felder werden Stickoxide freigesetzt. Dazu kommen die Emissionen während der Ernte des Futters, das dann von den Tieren gefressen wird. Dabei entstehen Verdauungsgase, allen voran das schädliche Methan und Gülle. Einberechnet werden zudem die Emissionen durch den Energieverbrauch im Stall. Auch die freigesetzten Treibhausgase durch den Transport und die Kühlung des Fleisches fließen mit in die Ökobilanz ein.

Kurt Schmidinger

wurde 1970 in Salzburg geboren und studierte Geophysik an der Universität Wien. An der Universität für Bodenkultur Wien promovierte er in Lebensmittelwissenschaften. Schmidinger betreibt das Portal Futurefood, in dem er über Alternativen zu tierischen Produkten informiert.

So kommen auf ein Kilogramm Fleisch aus Europa bis zu 27 Kilogramm Kohlendioxid . Fleisch aus Südamerika schneidet noch viel schlechter ab, schon bei der konventionellen LCA-Berechnung bringt es ein Kilogramm auf satte 59 Kilogramm CO 2 .

Kurt Schmidinger ist darüber nun hinausgegangen und hat auch die CO 2 -Speicherfähigkeit der natürlichen Vegetation miteinbezogen. Denn wenn die für Viehzucht weichen müsse, etwa für den Anbau von Futterpflanzen, stehe sie nicht mehr als natürlicher Kohlenstoffspeicher zur Verfügung, argumentiert Schmidinger.

Welchen Einfluss das auf die Ökobilanz haben kann, lässt sich am Beispiel brasilianischen Rindfleisches am besten zeigen. Für riesige Monokulturen von Soja wird täglich hektarweise Regenwald gerodet: Der Kohlenstoff, der in den Pflanzen und Bäumen gebunden ist, gelangt nach der Rodung als CO 2 in die Atmosphäre – etwa über den Umweg der Verbrennung.

Ein Kilo Fleisch, so schädlich wie eine Autofahrt nach Rom

Gerade der Regenwald hat ein enormes Speicherpotenzial. Wachsen an seiner Stelle nun endlose Soja-Monokulturen, wird dieses verloren gegangene Speicherpotenzial dem Fleisch zugerechnet. In Schmidingers Modellrechnung übersteigt dieser neue Wert die konventionelle Ökobilanz um ein Vielfaches: Statt 59 Kilogramm Kohlendioxid schlagen plötzlich 335 Kilogramm zu Buche – für nur ein Kilogramm Fleisch. Zum Vergleich: Um diese Menge an CO 2 zu emittieren, müsste man mit einem europäischen Durchschnittsauto von Berlin nach Rom fahren.

Ökofleisch schneidet bei der Klimabilanz schlechter ab

Südamerikanisches Rindfleisch ist das Extrembeispiel, doch auch bei Rindfleisch aus Irland , Lamm-, Schweine-, Kalbs- oder Hähnchenfleisch fällt die Ökobilanz nach der neuen Rechnung übel aus.

Bemerkenswert ist, dass Ökofleisch in Sachen Klimabilanz nicht selten schlechter als Fleisch aus konventioneller Produktion abschneidet. Das hat einfache Gründe: "Die Tiere werden artgerecht gehalten, leben länger, fressen mehr und emittieren mehr", erklärt Julika Weiß vom Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung . Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsgebiet "Nachhaltige Energiewirtschaft und Klimaschutz" und arbeitete 2008 an einer Studie , die die Klimawirkungen der Landwirtschaft in Deutschland untersucht hat.

Dabei verglichen die Wissenschaftler auch die Klimabilanz von Fleisch aus Öko- und konventioneller Produktion. Während ersteres vornehmlich von Kälbern stammt, die bei ihrer Mutter auf der Weide aufgewachsen sind, kommt konventionelles Fleisch in der Regel von Milchkühen – und schneidet besser ab. Denn "die Emissionen verteilen sich auf zwei Produkte", erklärt Weiß, nämlich auf Fleisch und Milch. Für einen Liter Milch werden rund 1,7 Kilogramm an CO 2 frei.

Hähnchen aus Holland sind das geringere Übel

Niederländisches Geflügelfleisch aus konventioneller Massentierhaltung schadet dem Klima am wenigsten. Mit nur 6,2 Kilogramm Kohlendioxid pro Kilogramm entspricht dessen CO 2 -Fußabdruck etwa 31 mit dem Auto gefahrenen Kilometern.

Kurt Schmidinger möchte dennoch keine Empfehlung für Brathähnchen und Chicken Wings aus Massentierhaltung abgeben: "In der Gesamtbilanz ist das keine Alternative", sagt er. Im Hinblick auf Bodenerosionen, Monokulturen, Artenvielfalt, Gesundheit und Tierschutz habe solch massenhafte Produktion nur negative Einflüsse.

Für ihn ist klar: "Die industrielle Tierhaltung ist eine Sackgasse." Der Forscher, der selbst seit Jahren Veganer ist, hat auch Fleischersatz wie Tofu und Tempeh untersucht. Die Ökobilanz der Fleischalternativen kann sich sehen lassen: 3,8 und 2,4 Kilogramm Kohlendioxid entstehen bei der Produktion. Auch unter anderen Aspekten wie Biodiversität, Bodenerosion oder Düngemitteleinsatz schneiden sie besser ab. Aus Sicht des Forschers kommt eine ethische Komponente dazu: "In der Massentierhaltung füttern wir Tiere mit Lebensmitteln, wir machen sie zu Nahrungskonkurrenten. Sie fressen, was wir essen könnten, und machen daraus Fleisch – aber vor allem produzieren sie Exkremente."

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Kommentare

444 Kommentare Seite 1 von 38 Kommentieren

Schädlich

Doch, Autofahren IST schadlich f. die Umwelt, nicht nur des CO2s wegen...und zumindest CO2-mäßig ist also offenbar ein Kilo Fleisch GENAUSO schädlich für die Umwelt...
In der Größenoerdnung vllt nicht erwartet, aber auch keine große Überraschung...
In meiner Utopie wird dies und soviel dasvon produziert, wie der Bedarf der Menschen es erfordert und es ökologisch, sozial und moralisch vertretbar ist. D.h. es wird mglerweise nur sonntags und zu Weihnachten Fleisch geben und Erdbeeren nur im Sommer, aber alle werden satt sein. Und wenn Sie dann im Laden stehen und es gibt eben grad kein Steak haben Sie eben Pech...das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert...
Bloß weil einige wenige Fleischproduzenten meinen, ihr Profit wäre nicht hoch genug, und man müßte noch den letzten Regenwald für ein paar tausend Rinder mehr abholzen, oder in den Stall pferchen müssen wir das ja nicht mitmachen...Aber nicht durch verordneten Verzicht (auf Konsumenten-Seite), sondern durch Änderung der Produktionsweise (auf Seite der Produzenten). Im real existierenden Kapitalismus natürlich ein Ding der Unmöglichkeit...but there is an alternative!!

3 plus 3 macht 9

Ich sehe hier keine Wissenschaft. Ich kann auch rumrechnen bis ich das Ergebnis habe, das ich will.
Mir persönlich ist es ohnehin egal, wie viel CO2 in nem Kilo Fleisch steckt. Ich halte diese CO2 Panik eh für Schwachsinn.

Ich störe mich nur an der Aufmachung des Artikels. Hier behauptet ein Veganer mal wieder ganz ungeniert "Fleisch Esser sind das BÖSE". Hier gehts kein bisschen um wissenschaftliche Ergebnise sondern nur darum Meinung zu machen.

Indes sollten sie vieleicht mal ihr eigenes Weltbild auf Plausibilität prüfen. Es ist nicht immer alles so einfach.

Utopie

" Naja in meiner Utopie gibt es keine Menschen, die mir vorschreiben wollen, was ich essen darf und was nicht. Untermauert durch obskure Rechnungen. "

Gegen diese Utopie spricht nichts, im Gegenteil.
Allerdings sollten die Menschen darin dann fähig sein, zu erkennen, wenn sie mit ihrem Handeln anderen Lebewesen Schaden, wo die eigene Freiheit Unfreiheit für andere bedeutet, und daraus Konsequenzen für ihr Verhalten ziehen.

Aus ihrem Kommentar lese ich eher das Gegenteil:
Ich will tun und lassen können was ich will, alles andere Interessiert mich nicht, basta!

Was ja prinzipiell nicht schlimm wäre, wenn dieses tun & lassen keinen negativen Einfluss auf das Leben anderer hätte und sie nur ihre eigene Gesundheit ruinieren möchten...

Zum Glück sehe ich in diesem Leserbeitrag keine Wissenschaft

Ich höre da eher den Frust von einer Welt in der man von jedem verarscht wird, mittlweile sogar von Veganern..

Tatsächlich machen Landnutzungsänderungen einen riesigen Anteil bei Klimabilanzen aus dem argraischen Bereich aus. Ich empfinde es schon quasi als peinlich für Ökobilanzierer, die seit Jahren diese klaren Emissionen ignorieren. Es handelte sich dabei aber nicht um Verblenderei, sondern um ein generelles Problem schwerer Quantifizierung solcher Emissionen.
Ein Lob für den Autor der Studie, sich endlich mal dieses komplexe Gebiet zu ertasten.

Tja vielleicht sind Fleischesser ja auch böse?

Zumindest jene, die ihren Geschmack und ihr eigenes Wohlbefinden über das Leid anderer stellt, denen die Natur herzlich egal ist und die es auch nicht wirklisch scherrt, dass soviele Menschen auf der Welt verhungern obwohl wir ALLE ohne Probleme ernähren könnten. Ganz einfach würde man allein nur auf Vegetarismus umstellen und die ganze Fläche nicht für tierisches Futtermittel verbrauchen.

Also, wenn jemand nun willentlich das Leid und den Tod anderer Menschen und die Zerstörung unserer Natur in Kauf nimmt, OBWOHL er sich ohne Probleme ändern könnte, das nennen Sie dann nicht böse?

Genau,

das Recht des Einzelnen, zu tun und zu lassen was er selbst am liebsten möchte, ist schließlich das höchste Gut überhaupt.
Menschen essen nunmal gerne Fleisch,
Menschen führen nunmal Krieg,
Menschen müllen nunmal den Planeten zu,
Menschen sind nunmal egoistisch.

Warum sollten Sie sich vorschreiben lassen, was sie zu essen haben? Niemand will Ihnen etwas vorschreiben... bisher.
Aber wenn die Masse weiterhin so rücksichtslos immer nur das macht, was für sie am bequemsten und angenehmsten ist, und sich unter trotzigen Scheinargumenten oder sogar Spott weigert, sich überhaupt ernsthafte Gedanken über ihr Konsumverhalten zu machen, sollte man mal darüber nachdenken, ihr etwas vorzuschreiben!

Hallo einmal ,
1. ist das keine Studie , sondern frei im Kopf erfundene Zahlen.
2. ist dies nicht wissenschaftlich fundiert , da muss man klar differenzieren! Zum einen ist es völlig absurd die Rechnung mit mineralischem Dünger zu beginnen. Wird kaum umgesetzt zum anderen treffen viele der genannten Pubkte auch auf jedes andere Lebensmittel zu ,welche um die halbe Welt geschifft werden. Bei der ganzen hochrechnerei wird vollkommen vergessen das der anfallende Dung natürlich negativ gerechnet werden muss , weil dieser den Pflanzen wieder wichtige Nährstoffe liefert , wodurch sie mithilfe von Fotosynthese auch wieder CO2 aus der Atmosphäre absorbieren. Wenn ich diesen Beitrag lese so wird ein Produkt aus einem Kreislauf genommen und das ist natürlich eine eben erschreckende Zahl, jedoch ist dieser Bericht fernab jeglicher Realität und die Zahlen einfach nur aus der Luft gegriffen. Eine wissenschaftliche Studie, so wie Sie es deuten ist das ganz sicher nicht!
Mit freundlichen Grüßen

Hallo einmal ,
1. ist das keine Studie , sondern frei im Kopf erfundene Zahlen.
2. ist dies nicht wissenschaftlich fundiert , da muss man klar differenzieren! Zum einen ist es völlig absurd die Rechnung mit mineralischem Dünger zu beginnen. Wird kaum umgesetzt zum anderen treffen viele der genannten Pubkte auch auf jedes andere Lebensmittel zu ,welche um die halbe Welt geschifft werden. Bei der ganzen hochrechnerei wird vollkommen vergessen das der anfallende Dung natürlich negativ gerechnet werden muss , weil dieser den Pflanzen wieder wichtige Nährstoffe liefert , wodurch sie mithilfe von Fotosynthese auch wieder CO2 aus der Atmosphäre absorbieren. Wenn ich diesen Beitrag lese so wird ein Produkt aus einem Kreislauf genommen und das ist natürlich eine eben erschreckende Zahl, jedoch ist dieser Bericht fernab jeglicher Realität und die Zahlen einfach nur aus der Luft gegriffen. Eine wissenschaftliche Studie, so wie Sie es deuten ist das ganz sicher nicht!
Mit freundlichen Grüßen

Umweltverträglichkeit ≠ Klimabilanz

"Die Rechen(bei)spiele in allen Ehren - aber kann die Umweltverträglichkeit nicht alleine am CO2 festnageln."

1. Es handelt sich um eine Klimabilanz(erster Absatz), nicht um eine allgemeine Ökobilanzierung, daher ist CO2 völlig richtig verwendet.

2. Klimabilanzen werd IMMER in CO2-Äquvivalente angeben, darin sind Methan-, Stickoxidemissionen usw. mit inbegriffen. Wenn das in diesem Artikel nicht rüberkommt, liegt das allenfals am Autor der Artikels.

Des weiteren bin ich ein wenig werwundert warum so ein vage/ungenauer Leserbeitrag auf mittlerweile ganze 17 Leser-Empfehlungen gekommen ist...

Von einem Veganer lass ich mir nichts über Fleisch sagen....

...genausowenig wie ich mir von einem Fleischer was über Gemüse sagen lass :-)

Okay, das war überzogen, aber es ist ja keine Überraschung mehr, dass die Massentierhaltung und der Massenkonsum von Fleisch nicht gut für die Tiere und den Menschen ist.
Will man dagegen was machen braucht es die richtige Mischung aus Zeit, Aufklärung und Preis.
Ich esse Fleisch nur noch am Sonntag und Weihnachten - dafür aber die guten Stücke vom artgerechtgehaltenen Tieren.
Vielleicht verzichte ich auch eines Tages ganz darauf.
Aber mit solchen Veröffentlichungen erreicht man die Konsumenten bestimmt nicht.

Für viele ist es durchaus eine Überraschung

"es ist ja keine Überraschung mehr, dass die Massentierhaltung und der Massenkonsum von Fleisch nicht gut für die Tiere und den Menschen ist."

Dennoch handelt (fast) niemand. Und die meisten lehnen die stichhaltigen Argumente nun einmal ab. Wie aber soll eine Lösung für das Problem aussehen, außer weniger Fleischkonsum? Daran führt absolut kein Weg vorbei. Meiner Meinung nach sollte man einfach eine Steuer einführen und damit den Fleischpreis verdoppeln, denn Fleisch ist ein Luxusgut. Sie haben ganz recht: über den Preis kann man Fleischkonsum steuern. Hoch damit!

Wenn ich mir ansehe wie hoch die Ökosteuer für das Benzin für eine Fahrt nach Rom ist, dann müsste Fleisch eigentlich noch viel teurer als das werden.

Ich kann nur für mich antworten...

...was mich dazu gebracht hat auf Fleisch fast(!) zu verzichten war meine Gesundheit und mein Wohlbefinden.
Ich wurde vor ein paar Jahren mehr oder weniger dazu gezwungen - andere Geschichte - mich vier Wochen lang fleischlos zu ernähren.
Nicht nur das ich 7 kg abnahm ich begann mich auch rundum besser zu fühlen, selbst mein Kopf schien besser zu arbeiten.
Vorher hab ich fast täglich Fleisch gegessen, weil es da war, weil es üblich war und weil es billig war.
Ich habe an Schlachtungen teilgenommen und das hat mich nicht wirklich abgeschreckt - ausser bei Hühnern, da wurde mir wirklich schlecht.
Ganz verzichten kann ich nicht weil der Rest der Familie(Frau, zwei Kinder, Kater) Fleisch ißt und ich halte es auch für undurchführbar die Welt in Veganer oder Vegetarier zu verwandeln.
Für mich war es eindeutig meine Gesundheit die mich zur Reduzierung getrieben hat und eventuell zum Verzicht bringt.
Aber das ist wohl wie beim Tabak, manche verzichten wegen der Gesundheit, manche wegen dem Preis und manche werden es nie tun.

Dass hier noch einmal aufgelistet wurde,

über die Schädlichkeit von Tierzucht und Fleischessen,ist gut,weil es von den Fleischessern immer runtergespielt wird, kann aber jeder, der sich nichts vormachen will, schon lange wissen. Schon Sokrates im Antiken Griechenland hat übrigens auf die Schädlichkeit der Tierzucht/des Fleischverzehrs hingewiesen(Dialog mit Glaukon in Platons "Der Staat"). Es sei ungesund(wir brauchen mehr Ärzte) und würde Kriege provozieren (wegen der notwendigen Ausweitung der Landfläche als Weide).
Ich möchte aber auch unbedingt die moralisch-psychologische
Seite der Sache bedacht wissen! Ab dem Moment, wo es aus rituellen Gründen erlaubt ist, Blut zuvergiessen, beginnt die Relativierung von Gewalt. Und an dieser Relativierung krankt die ganze Menschheit. Eine Menschengesellschaft kann nur friedlich und psychisch ganz gesund sein, wenn Gewalt immer geächtet wird und nicht nur manchmal!

Fleisch ist nicht sein Gemüse

"...genausowenig wie ich mir von einem Fleischer was über Gemüse sagen lass :-)"

War nicht so gemeint, haben Sie ja schon gesagt, denn der Umkehrschluss ist ja oft ein Fehlschluss. Zur Ehrenrettung der Fleischer muss gesagt werden, dass der Fleischer nicht ideologisch verblendet ist und sich nicht ausschließlich von Fleisch, sondern auch von Gemüse ernährt. Er empfiehlt ja sogar die passenden Fleischsorten zum jeweiligen Gemüse, oder das Gemüse zum Fleisch. Der Beruf des Fleischers schließt auch einen Gemüsegarten nicht aus. Also insofern kann mir auch ein Fleischer Tipps zu Gemüse geben.

Und Gott sei Dank gibt es noch Fleischer. Als Kind habe ich ganz selbstverständlich bei Hausschlachtungen mitgeholfen. Nach der langen "Entwöhnungsphase" würde es mir heute wohl schwerer fallen. Und die Bauern wussten übrigens gute Tipps zu Gemüse zu geben.

Viele bekommen heute feuchte Augen, wenn wieder alte Nutztierassen gehalten werden. Die können aber nicht, und wurden auch nie, zum Selbstzweck gehalten. Sie können nur weiter erhalten werden, indem man sie aufisst. Das kann man unterstützen indem man, wie Sie schon sagen, weniger und bewußter Fleisch konsumiert. Die Massentierhaltung wird so auch gleich verringert.

Überzeugung

"Sagen Sie mir eine Information(sweise), die Menschen zum freiwilligen Umdenken bringt!"

Warum sollen die Menschen denn umdenken?

Genau in dieser Frage steckt nämlich der heilige Gral. Nennen Sie einen Grund, der den Menschen überzeugt - und er seiner Überzeugung folgen.

Keiner der genannten Gründe überzeugen, da sich zu jedem dieser Gründe sich ein Gegenargument für Fleischkonsum und konventionellen Anbau finden lässt. Keiner dieser Gegengründe überzeugt Sie. Also warum glauben Sie, dass Sie andere überzeugen können?

Dieses Argument lässt sich auch umdrehen

Anstatt anzuerkennen, dass wir eben im Korngürtel des Planeten leben und deswegen wesentlich mehr (und damit auch Fleisch) produzieren und konsumieren können, versucht man sich nun mit einer einseitigen Reduktion auf die Klimasensitivität achtbar aus der Affäre zu ziehen.

Es bleibt dennoch so, dass die Gesamtthematik so komplex ist, dass dieser Artikel Informationen über eine Seite der Medaille hergibt, aber bei weitem nicht die Grundlage für eine Meinungsbildung dienen kann.

Dennoch finden Sie hier in den Kommentaren Dutzende von Menschen, die es sich in der Argumentation bequem machen und einseitig gegen Fleischkonsum wettern.

Noch ein Angebot - mehr als nur eine Klimabilanz!

Klar, die Studie hat nur den Klimaeffekt von ausgewählten Lebensmitteln untersucht, das aber mit einer sehr umfassenden, neuen Methodik.

Aber Klimaschutz ist nur ein Aspekt unter vielen! Wasserverbrauch, -verschmutzung, Bodenerosion, Überdüngung, Biodiversität, usw. sind weitere Aspekte. Und das ist nur mal ein Auszug aus den Umweltaspekten! Darüber hinaus geht es bei der Frage Tierprodukte vs. pflanzliche Alternativen auch um Fragen der Welternährung, des Tierschutzes (für die 65 Milliarden Nutztiere, die wir pro Jahr weltweit verbrauchen, Wassertiere nicht eingerechnet) und der menschlichen Gesundheit.

Viel umfassender ist meine Dissertation zum Thema, der Versuch einer Gesamtbilanz und ein Überblick über globale Alternativen zu Tierprodukten, die ich als Geophysiker und Lebensmittelwissenschaftler gewagt habe: http://futurefood.org/Dis...

freiwilliges Umdenken

Sie würden sehen, dass dieses Umdenken sehr schnell gehen kann. Man hat das in Notzeiten gesehen, als Embargos für nahrungs- und Düngemittel dieses Umdenken erzwang.

Die Folge war allerdings nicht ganz eindeutig.

Es musste viel mehr vegetarische Nahrung produziert werden, aber die allgemeine Nahrungsknappheit ließ es gar nicht zu, auf tierische Nahrung zu verzichten, zumal man deren Dünger brauchte.

Vielen Dank!

Vielen Dank für den Link, es ist gut möglich dass ich Ihre Studie in meine eigenen Forschungen einbringen kann, die sich u.a. über Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen beschäftigt.

Hier im Kommentarbereich ist es allerdings schwierig, auf eine Dissertation Stellung zu nehmen, da sie viel zu umfangreich ist.

Es freut mich und verwundert mich auch nicht weiter, dass Sie selbst erkennen, dass Ihre Forschung auch wiederum nur ein Teilaspekt sein kann. Das ist der Punkt, auf den ich besonders hinweisen wollte. Es wäre nur schön, wenn viele Kommentatoren die Inhalte des Artikels nicht als einzige Wahrheit ansähen.

Vorsicht!

Steuer auf Fleisch? Hui, da werden die Landwirte, wenigstens die Fleischfabriken, aber jubeln *Ironie*. Der Finanzminister würde auch jubeln, Frau Aigner überhaupt nicht. Besonders nicht Herr Seehofer! Würde er diesen Vorschlag in Bayern auch nur denken, gäbe es einen Massenaufstand: koane Weißwürscht, koane Schweinshaxn, koan Schweinsbraten, ja was isn des? ... die Bayern (Vegetagier ausgenommen) würden glatt verhungern.

Und Vorsicht noch einmal: Sie würden ein Einreiseverbot erhalten und das gute Andechser Bier würde Ihnen auch gestrichen. Das würde mich allerdings tatsächlich hart treffen. Andechser dunkler Doppelbock ... nie wieder?

Genau deshalb wird eine Fleischsteuer (nicht nur in Bayern) NIE kommen.

DAs heißt

Sie würden sich nur vom Lügner das Lügen asutreiben lassen? Sie brauchne also einen Typen, der genau das tut, was er kritisiert? Ist das nicht irgendwie ein Widerspruch? Demnach müsste unser lieber Gesetzgeber ja ein mordender, vergewaltigender Betrüger sein, damit wir ihn uns sagen lassen, dass wir dieses nicht tun dürfen?

Nein mein Herr. So ist es nicht.
Beim Fleischverzicht geht es in erster Linie seinen Natur-Gegebenen Verstand zu benutzen, anstatt ihn auszuschalten mit der Begründung, dass die Natur schon macht was richtig ist. Es geht dann darum, Tiere zu schützen, sie zu respektieren, ihren INtellekt und ihre Emotionsvielfalt anzuerkennen und auf dieser Erkenntnisgrundlage, das QUälen, töten und verpeisen zu unterlassen.
Erst dann, in meiner Utopie, sollte es um Umwelt und CO2 gehen. Und wer bei diesem Thema immernoch auf seine Schneidezähne zeigt und Natur auf seine Stirn schreibt, macht sich wohl eher zum Affen, als zum Menschen.